Profilbild von Corinne

Corinne

Lesejury Star
online

Corinne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Corinne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2025

Geheimnisse unter Nachbarn

Marchfield Square
0

Als ein Mieter im beschaulichen Marchfield Square in London erschossen aufgefunden wird, schießt sich die Polizei schnell auf die Witwe ein - schließlich war der Tote ein frauenprügelnder Gauner. Da diese ...

Als ein Mieter im beschaulichen Marchfield Square in London erschossen aufgefunden wird, schießt sich die Polizei schnell auf die Witwe ein - schließlich war der Tote ein frauenprügelnder Gauner. Da diese jedoch ein Alibi vorweisen kann und die Eigentümerin des eleganten Wohnkomplexes die Witwe entlasten möchte, beauftragt sie 2 Mieter, um Nachforschungen anzutreiben: Lewis, ein verkappter Krimiautor, der zwar analytisch, aber oft ungeschickt im Umgang mit Menschen ist, und Reinigungskraft Audrey, die zupackend und mit Empathie gesegnet ist. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche und bringen einige Geheimnisse zu Tage, was nicht jedem gefällt...

"Marchfield Square" ist ein Kriminalroman der Autorin Nicola Whyte und wird in wechselnden Kapiteln aus Sicht der Hauptfiguren Lewis, Audrey und Celeste wiedergegeben. Während mir die sympathische Audrey mit ihrer warmherzigen und die resolute Celeste mit ihrer ulkig-bestimmenden Art sofort ans Herz gewachsen sind, habe ich bei Lewis etwas länger gebraucht, um mit ihm warm zu werden. Er benahm sich oftmals wie die Axt im Walde und behandelte Audrey zunächst sehr von oben herab. Nach und nach knackte Audrey aber seine harte Schale und so wurde er auch mir allmählich sympathischer. Die Ermittlungen wirkten auf mich durchgehend nachvollziehbar und das Duo kam stets gut voran. Dennoch mangelte es mir manchmal entweder an mehr Thriller-Gefühl, um durchweg gebannt an den Seiten zu hängen, oder mehr Witz oder Behaglichkeit (durch Lewis Art). Sehr gut gefallen hat mir aber, dass der Fall und auch die kleineren Geheimnisse kaum vorhersehbar waren und die Auflösung schlüssig war und zudem noch die ein oder andere Überraschung bereit hielt. Das Setting im Marchfield Square konnte mich ebenfalls überzeugen und hatte Ähnlichkeiten zu "Das Fenster zum Hof", auch wenn es nicht so gruselig-spannend war wie der Klassiker. Auch, wenn mir keine Schauer über den Rücken gelaufen sind hat mir der Roman insgesamt wirklich gut gefallen und ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.05.2025

Überraschend fesselnd trotz einiger Kritikpunkte

The Wrong Bride
0

Seit Jahren ist Ravens ältere Schwester Hannah Ares, dem ältesten Sproß der Windsor-Familie, versprochen. Die Familien sind wichtige Vertragspartner und kennen sich bereits seit Ewigkeiten - und genau ...

Seit Jahren ist Ravens ältere Schwester Hannah Ares, dem ältesten Sproß der Windsor-Familie, versprochen. Die Familien sind wichtige Vertragspartner und kennen sich bereits seit Ewigkeiten - und genau so lange schwärmt Raven heimlich für den Verlobten ihrer Schwester. Ares und Hannah stehen nach 5 Jahren Beziehung nun kurz vor ihrer Hochzeit und Raven versucht, die Zeit tapfer durchzustehen. Als Hannah jedoch kalte Füße bekommt und die Hochzeit absagt, machen die Familien Druck und verlangen, dass Raven Ares heiratet. Denn im Vordergrund steht stets die Geschäftsverbindung und die wirtschaftlichen Interessen müssen geschützt werden. Raven ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie, ihrer heimlichen Liebe zu Ares, dem schlechten Gewissen gegenüber ihrer Schwester und dem großen Opfer, durch die Hochzeit auf die eigenen Bedürfnisse zu verzichten. Doch vielleicht bietet die Heirat ja auch einen Vorteil: Hat sie so die Chance, Ares für sich zu gewinnen?

"The Wrong Bride" von Catharina Maura ist wahnsinnig atmosphärisch und gut geschrieben. Obwohl es inhaltlich wirklich simpel gestrickt ist und ich über die zwanghafte Verheiratung reicher, eigenständiger, erwachsener Menschen durch die Matriarchin der Familie Windsor "Granny" nur den Kopf schütteln konnte und mich stets fragte, wer um Himmel sowas mit sich machen lassen würde, konnte ich den Roman nicht mehr aus den Händen legen. Die Geschichte wird in wechselnden Kapiteln aus Ravens und Ares' Sicht wiedergegeben und ich konnte mich unglaublich gut in Raven einfühlen. Ihre emotionale Lage wurde wirklich gut und nahbar dargestellt, die Komplexität und ihre Zerrissenheit - allein das Sehnen nach Aris aber auch das Sehnen, jemandes Nummer 1 zu sein, - ist mir sehr nahe gegangen. Ares als Figur ist ein attraktiver männlicher Konterpart, allerdings empfand ich seine schnelle Entdeckung, dass er eigentlich Raven liebt, unauthentisch, wenig realistisch und seine Eifersucht gegenüber Dritten zu toxisch. Auch, dass er als Superreicher wenig selbstreflektiert direkt andere Menschen "vernichtete" und Raven immer als "Besitz" bezeichnete, fand ich abstoßend. Dieser Roman sollte wegen der manchmal schwierigen Verhaltensweisen der Figuren wirklich nur für Erwachsene herausgegeben werden, weil Jüngere dies möglicherweise nicht richtig einordnen können und falsche Vorbilder erhalten. Davon abgesehen waren Raven und Ares als Paar aber niedlich und es gab einige süße Szenen. Ravens Mutter und Schwester waren die perfekten Figuren zum Hassen und ich habe mich ständig gefragt, womit sie Raven als nächstes behelligen werden. Mich irritierte, dass die Großmutter von Ares schalten und walten kann, wie sie will - ich bin gespannt und hoffe, dass ihre Figur in den kommenden Romanen kritisch hinterfragt wird. Etwas schade fand ich, dass die sozialen Kontakte von Raven und Ares jeweils erst sehr spät aufs Tableau kamen, vorher waren mir die beiden dann doch etwas zu sehr in ihrer Bubble. Als es eintönig wurde, lockerten diese Szenen den Roman glücklicherweise für mich auf.

Fazit: Auch, wenn meine innere Feministin sich windet, fand ich den Roman unterhaltsam und sehr kurzweilig und werde sicherlich auch die Folgebände lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2025

Überraschend gut

Das Leben fing im Sommer an
0

Inhalt: Es ist der Sommer 2006, ein Hitzerekord jagt den nächsten, die Fußballweltmeisterschaft verändert das Land — und für den 15-jährigen Chris verändert sich gerade das ganze Leben. Er verbringt die ...

Inhalt: Es ist der Sommer 2006, ein Hitzerekord jagt den nächsten, die Fußballweltmeisterschaft verändert das Land — und für den 15-jährigen Chris verändert sich gerade das ganze Leben. Er verbringt die Abende mit seinen Freunden auf dem Dach der alten Scheune und verschläft die heißen Tage im Freibad. Er will Fußballprofi werden, aber vor allem will er eins: endlich cool sein. Chris ist ein Teenager wie jeder andere auch, auf der Suche nach sich selbst. Dann passiert das Unfassbare. Debbie, das schönste Mädchen der Schule, interessiert sich ausgerechnet für ihn. Es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der Chris alles wagt und doch nie vergisst, was wirklich wichtig ist: Freundschaft und die Gewissheit, wirklich gelebt zu haben. Ein nächtlicher Roadtrip mit seinem besten Freund ist da ein guter Anfang ...

Ich war ja so gespannt, was Christoph Kramer als Autor fabriziert, und wurde definitiv positiv überrascht. Sein Coming-of-Age Roman ist locker und leicht und erinnerte mich an meine eigene Jugend. Er hat wahnsinnig gut geschildert, wie man als Teenie von einer Sekunde auf die nächste den absoluten Weltuntergang erlebt, weil der Schwarm jemand anderen küsst, nur um im nächsten Moment schon zu vergessen, dass man jemals in ihn/sie verliebt war. Von Freiheit und den kleinen und großen Problemen im Teeniealter las sich der Roman wie ein angenehmer Sommerabend nach einem Sommertag im Freien. Besonders angetan hat es mir aber das Nachwort, das den Kreis schließt und klar macht, was Wahrheit und was Fiktion ist. Überraschend gut!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2025

Der eine Herzenschmensch

Horror-Date
0

Als Julius von seinem sterbenskranken Freund Raphael gebeten wird, wegen seiner schlechten körperlichen Verfassung zum Blind Date mit seiner angebeteten ebenfalls unheilbar kranken Onlinefreundin Nala ...

Als Julius von seinem sterbenskranken Freund Raphael gebeten wird, wegen seiner schlechten körperlichen Verfassung zum Blind Date mit seiner angebeteten ebenfalls unheilbar kranken Onlinefreundin Nala zu gehen und sich für ihn auszugeben, ist er alles andere als begeistert. Schließlich hat er im Gegensatz zu Raphael überhaupt keine Ahnung von Literatur und kennt keinen einzigen Insider der beiden. Dennoch kann er ihm den Wunsch nicht ausschlagen und mimt den Schwerkranken - mit folgenschweren Katastrophen.

"Horror-Date" ist der nunmehr dritte "Nicht-Thriller" von Sebastian Fitzek und hat mir wirklich gut gefallen. Natürlich muss man seinen Verstand abschalten, weil man sonst ständig hinterfragt, warum Julius sich ständig in die schlimmsten Situationen begibt und nicht einfach für Aufklärung sorgt. Wenn man dies schafft, ist der Roman witzig, anrührend und herzergreifend. Besonders der unvorhersehbare Twist am Ende hat mich emotional sehr erreicht und auch die netten Gimmicks des Autors brachten mich zum Schmunzeln. Ab und zu wirkte der Sprachstil auf nicht etwas zu bemüht, sonst bietet der Roman aber ein kurzweiliges und emotionales Lesevergnügen und ist meiner Meinung nach der bisher beste "Nicht-Thriller" des Autors.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2025

RomCom mit Tiefe

Just for the Summer
0

Emma steht unter einem Fluch: Jeder Mann, den sie datet, ist nicht für sie bestimmt, sondern findet im Anschluss an die Trennung von ihr seine große Liebe und heiratet. Als sie online Justin kennenlernt, ...

Emma steht unter einem Fluch: Jeder Mann, den sie datet, ist nicht für sie bestimmt, sondern findet im Anschluss an die Trennung von ihr seine große Liebe und heiratet. Als sie online Justin kennenlernt, der unter demselben Fluch zu leiden scheint, verabreden sie sich, gemeinsam den Fluch zu brechen: Sie gehen einen Monat lang miteinander aus und machen Schluss - und finden ihre Traumpartner.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Maddy macht sich Emma kurzerhand auf nach Minnesota und beginnt mit Justin ihren speziellen Fake-Dating-Plan. Doch aus einer oberflächlichen Verbindung wird schnell mehr, als sie beide mit den Traumata und Schwierigkeiten des jeweils anderen konfrontiert werden. Gar nicht so leicht, den anderen wieder loszulassen, wenn die Chemie stimmt und man Gefühle und Geheimnisse miteinander teilt...

"Just for the Summer" ist bereits der zweite Roman, den ich von der Autorin Abby Jimenez gelesen habe. Entgegen meiner Erwartungen eines sommerlichen locker-flockigen Romans, wartete dieser mit ernsten, schweren Themen auf und besaß eine Tiefe, die für RomComs eher ungewöhnlich ist. Dies hat mir aber sehr gut gefallen, denn die Entwicklung der beiden Figuren und die zum Teil schockierenden Hintergründe haben mich sehr in den Bann gezogen.

Als Figur hat mir insbesondere Justin sehr gut gefallen, der warmherzig, offen und sympathisch ist. Mit Emma wurde ich insgesamt nicht so recht warm, weil sie alle anderen stets auf Distanz hält. Dieses Verhalten klärt sich zwar auf, bewirkte aber, dass ich mich bei ihr oft wie außen vor fühlte. Im Anschluss an den Roman befindet sich ein interview in der Autorin, in der sie darstellt, warum sie Emma als Figur so konzipiert hat, was mir sehr gefallen hat. So konnte ich Emma gegenüber nachträglich wohlwollender sein. In der Verbindung mit Justin hat sie mir zudem sehr gut gefallen, die beiden als Paar sind wirklich sehr süß und es gab viele auch leichtere Szenen, die die schwere Thematik etwas aufdröselten.

Fazit: Eine etwas andere RomCom mit mehr Tiefe als erwartet, was aber kein Manko ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere