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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2024

Tolles Buch

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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Nachdem der Autor des letzten von mir gelesenen Krimis sich an den von ihm beschriebenen Gewalttaten förmlich berauschte, kommt „Die Toten von Veere“ trotz vieler Toter angenehm ruhig daher.
Dem Autor ...

Nachdem der Autor des letzten von mir gelesenen Krimis sich an den von ihm beschriebenen Gewalttaten förmlich berauschte, kommt „Die Toten von Veere“ trotz vieler Toter angenehm ruhig daher.
Dem Autor Marten Vermeer gelingt es, seinen Lesern den Schauplatz Zeeland einschließlich seiner jüngeren Geschichte wunderbar nahe zu bringen. Die handelnden Personen werden einfühlsam mit ihren Vorzügen und Fehlern, insbesondere Vorurteilen beschrieben.
Oberthema ist die Fremdenfeindlichkeit, die in den Niederlanden in den letzten Jahren immer deutlicher zum Vorschein tritt. Es gibt drei bzw. vier Handlungsstränge. Zum einen geht es um den Widerstand der niederländischen Bevölkerung gegen die deutschen Besatzer im Jahr 1944, dann um einen toten rechten Journalisten, um ein vor zehn Jahren vermisstes Mädchen mit Migrationshintergrund und um einen vermissten ehemals rechten Mann, der für den Verfassungsschutz gearbeitet hat und im Zeugenschutzprogramm lebte.
Diese Themen werden vom Autor geschickt abwechselnd aufgegriffen und es wird erst spät klar, wie sie zusammenhängen. Der historische Fall dient wohl eher dazu, den Leser mit dem Schauplatz vertraut zu machen. Die mit der Vermisstenmeldung befasste sympathische Hoofdinspecteurin hat gerade im Dienst einen Drogendealer mit Migrationshintergrund erschossen und soll aus der Schusslinie der Medien gebracht werden, was nicht wirklich gelingt. Eine Kollegin mit Migrationshintergrund und der Leiter der Ortspolizei passen gut ins Ermittlungsteam, zu dem über den toten Journalisten noch eine etwas überzeichnet dargestellte junge Rechtsmedizinerin stößt. Nicht zu vergessen ein streunender Hund, der als Running Gag seinen Beitrag zur Aufklärung der Fälle leistet. Das eine oder andere ist etwas zu dick aufgetragen, wie in vielen Krimis führen Alleingänge zu schwierigen Situationen und ein guter Schuss Laienpsychologie ist auch vorhanden. Aber es liest sich gut mit sowohl ernsten als auch amüsanten Passagen.
Am Schluss sind alle Fälle aufgeklärt, das Gesetz hat gesiegt und der Epilog lässt vermuten, dass ein zweiter Band in Arbeit ist.

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Veröffentlicht am 11.04.2024

Phänomenal trotz aller Unwahrscheinlichkeiten

Die Dämmerung (Art Mayer-Serie 2)
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Mit hohen Erwartungen nahm ich den zweiten Band der „Art Mayer“-Reihe in die Hand. Und anders als oft erlebt wurden meine hohen Erwartungen überwiegend erfüllt.

„Zwangsadoption“ ist das zentrale Thema ...

Mit hohen Erwartungen nahm ich den zweiten Band der „Art Mayer“-Reihe in die Hand. Und anders als oft erlebt wurden meine hohen Erwartungen überwiegend erfüllt.

„Zwangsadoption“ ist das zentrale Thema des Thrillers, das mich auch aus persönlichen Gründen interessiert und durchaus realistisch beleuchtet wird. Dazu eigene Erfahrungen des Ermittlers Art Mayer, der im Heim aufgewachsen ist und der wichtigsten Nebendarstellerin Leo, die des Mordes an ihrer Adoptivmutter verdächtigt wird. Als Tochter aus reichem Haus rebelliert sie und engagiert sich bei den Klimaklebern. Weitere aktuelle Themen wie KI und der Krieg in der Ukraine spielen eine Rolle. Art, seine hochschwangere Kollegin Nele, das in prekären Verhältnissen aufwachsende Nachbarskind Milla werden trotz diverser Verfehlungen mit viel Empathie äußerst sympathisch dargestellt, ebenso Lea. Schlecht schneidet dagegen die Polizeiführung ab, die sogar die Ermittlungen teilweise behindert (weshalb kommt mir das bekannt vor?), so dass Art den Kriminalfall weitgehend im Alleingang lösen muss.

Wie schon im ersten Band ist ein lange zurückliegendes Ereignis Auslöser für eine Mordserie. Das wird in Form einer Aufnahme auf einer Musikkassette dramaturgisch sehr geschickt in die aktuelle Handlung eingeflochten. Eine offenbar beliebte Methode, die mir gerade in dem Thriller „Schatten im Glashaus“ begegnet ist, dort in Form eines Tagebuchs, und die dafür sorgt, den Spannungsbogen jederzeit aufrecht zu erhalten.

Die Auflösung des Falls erscheint letztlich wenig realistisch wie auch die Rolle des Bundeskanzlers und seiner Frau, was aber der prickelnden Spannung durchaus zuträglich ist.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Das Leben kehrt in der Nachkriegszeit zurück

In den Scherben das Licht
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„In den Scherben das Licht“ - ein passender Titel für diesen Roman von Carmen Korn, in dem es um die Sorgen und Not der Menschen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, aber ebenso um ihren Mut, ihr Geschick ...

„In den Scherben das Licht“ - ein passender Titel für diesen Roman von Carmen Korn, in dem es um die Sorgen und Not der Menschen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, aber ebenso um ihren Mut, ihr Geschick und ihren Ehrgeiz beim Wiederherstellen eines normalen Lebens geht.
Im Mittelpunkt des Romans stehen die Bewohner eines Hauses in Hamburg und ihre Bekannten (alle dem Theatermilieu bzw. dem Kulturbereich verbunden) und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen.
Korn erzählt chronologisch von 1946 bis 1955, wie sich das Leben der Protagonisten in diesen fast 10 Jahren ändert. Sie versuchen in der zerstörten Stadt zunächst mithilfe des Schwarzmarktes, am Leben zu bleiben. Ihre Familien sind durch den Krieg auseinander gebrochen. Die Menschen, eine interessante ziemlich bunte Mischung unterschiedlicher Typen mit ganz unterschiedlichen Biographien, wissen nicht, ob Angehörige und Bekannte noch leben bzw. was aus ihnen geworden ist.
Die Lebensverhältnisse verbessern sich. Das Haus wird wieder instand gesetzt, es gibt mehr zu essen, das kulturelle Angebot nimmt zu. Vermisste tauchen wieder auf. Alles wirkt durch Hinweise auf historische Ereignisse wie die Währungsreform, die Luftbrücke, die Neueröffnung von Theatern, Hotels, Restaurants und Geschäften wie auch auf Personen aus Politik und Kultur wie Ida Ehre authentisch.
Die Handlung ist zwar interessant, aber den Schreibstil fand ich gewöhnungsbedürftig. Die einzelnen Kapitel, 1-3 pro Jahr und immer auf einen Monat bezogen, werden in ungezählte kurze teilweise Dialog lastige Episoden unterteilt. Das wirkte auf mich etwas „zerstückelt“ und hat mir nicht gefallen.


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Veröffentlicht am 01.06.2025

Interessante (fiktive) Lebensgeschichte

Das Licht in den Wellen
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The American Dream oder ein modernes Märchen? Die Lebensgeschichte von Inge Matthiesen verläuft zu schön um wahr zu sein. Auch wenn es einen offenbar unschönen Grund dafür gibt, dass Inge ihr geliebtes ...

The American Dream oder ein modernes Märchen? Die Lebensgeschichte von Inge Matthiesen verläuft zu schön um wahr zu sein. Auch wenn es einen offenbar unschönen Grund dafür gibt, dass Inge ihr geliebtes Föhr kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs als 24jährige junge Frau in Richtung New York verlassen hat. Darauf weist der Autor Janne Mommsen gelegentlich hin, aber die Leser werden erst am Ende darüber informiert was geschehen ist.
Die Lebensgeschichte ist sehr interessant und lässt sich leicht und flüssig lesen. Über mehr als 400 Seiten reiht Janne Mommsen chronologisch (selten unterbrochen durch kurze Kapitel über die Schiffsreise der inzwischen 100jährigen Inge im Jahr 2022 mit ihrer Urenkelin nach New York) eine Geschichte bzw. Anekdote nach der anderen aneinander. Wie Inge an die Fahrkarte nach N.Y. kommt, wie sie auf dem Schiff eine Freundin findet, wie sie eine Anstellung in einem Feinkostgeschäft findet, ihren eigenen Kartoffelsalat kreiert, sich mit weiteren Personen anfreundet, die ihr zu einem eigenen Restaurant verhelfen usw. usw. Das fand ich nach den ersten ca. 100 Seiten doch etwas zu monoton erzählt und es kommt mir zu glatt, ja märchenhaft vor. Auch wenn nachvollziehbar ist, wie viel Arbeit (und hier und da Glück) hinter Inges Erfolg steht. Trotz dieser Einwände stelle ich fest, dass ich mich gut unterhalten fühlte.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Interessant und (mit Abstrichen) spannend

Der dunkle Sommer
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Die Autorin Vera Buck erzählt den Thriller „Der dunkle Sommer“ aus drei Perspektiven.
Zentrale Person ist Tilda, ca. 40jährige Hamburger Architektin mit italienischen Wurzeln, die nach einem traumatischen ...

Die Autorin Vera Buck erzählt den Thriller „Der dunkle Sommer“ aus drei Perspektiven.
Zentrale Person ist Tilda, ca. 40jährige Hamburger Architektin mit italienischen Wurzeln, die nach einem traumatischen Erlebnis „aussteigt“ und in einem verlassenen sardischen Bergdorf für den symbolischen Preis von 1 Euro ein Haus kauft und renoviert. Außer ihr wohnt nur ein alter Mann mit seiner Pflegerin in dem Ort. Tilda erfährt, dass in dem von ihr gekauften Haus im Jahr 1982 ein geheimnisvolles Massaker stattgefunden haben soll.
Zweite Person ist Franca, eine junge Frau, die in dem Dorf aufgewachsen ist, an den damaligen Geschehnissen beteiligt war und aus deren Sicht die damaligen archaischen Traditionen der Dorfbewohner geschildert werden. Die Männer bestimmten, was gemacht wurde. Der Staat Italien wurde abgelehnt und man versuchte der Armut zu entfliehen, indem man Touristen entführte und Lösegeld erpresste.
Dritte Person ist Enzo, ein einheimischer Journalist, der versucht, die Vorgänge von damals aufzuklären und darüber ein Buch schreiben will.
Die historischen Hintergründe von „Der dunkle Sommer“ wurden gut recherchiert. Von 1945 an wurden im letzten Jahrhundert in Italien ca. 1000 Menschen entführt, ca. 150 auf Sardinien (Quelle: FAZ). Bekannt wurden in Deutschland besonders die Entführungen der Kinder des Fernsehjournalisten Dieter Kronzucker (in der Toskana) und von Paul Getty jr. (in Rom).
Auch „Lost places“ gibt es in ganz Italien reichlich und im Internet wird auf die 1 Euro-Häuser hingewiesen.
Der Schreibstil ist flüssig, die düstere Handlung nachvollziehbar, wenn auch nicht immer logisch. Das Buch ist interessant, teilweise spannend, aber in meinen Augen erfüllt es nur mit Einschränkung die Anforderungen an einen Thriller (ich habe extra gegoogelt, was die typischen Eigenschaften eines Thrillers sind). Daher kann ich nicht die volle Punktzahl erteilen.

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