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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2025

Wohlfühlkrimi, sehr gute Urlaubslektüre

Gefährliche Aussicht
5

„Gefährliche Aussicht“ ist ein kurzweilig und interessant geschriebener „Wohlfühlkrimi“. Es gibt einige Parallelen zu der Buchreihe von Martin Walker mit Bruno, Chef de Police, die in derselben Region ...

„Gefährliche Aussicht“ ist ein kurzweilig und interessant geschriebener „Wohlfühlkrimi“. Es gibt einige Parallelen zu der Buchreihe von Martin Walker mit Bruno, Chef de Police, die in derselben Region spielt. Anders als Walker verzichtet Dubois aber auf den erhobenen Zeigefinger, außerdem sind die ermittelnden Kommissarin Marie Mercier und Kommissar Richard Martin viel realer als der „übermenschliche“ Bruno.



Eine aus Paris zugezogene Frau, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten ein großes altes Haus und das zugehörende Grundstück erworben hat und renovieren lässt, wird ermordet. Julie Dubois beschreibt sehr liebevoll, aber auch kritisch die Region, das familiäre Umfeld von Mercier, Martin und der anderen auftretenden Personen. Neben der Aufklärung des Mordfalls spielen das Essen und das Feiern herausragende Rollen. Immerhin spielt sich alles im Perigord ab. Die Ermittlungen klingen tatsächlich nach Polizeiarbeit, und der Mord wird einigermaßen glaubwürdig geklärt. Das Buch liest sich sehr flüssig. Was mich ein wenig stört, sind die sehr frühe Festlegung der Autorin auf den Charakter der Menschen, besonders der potenziellen Täter. So kann man einige Personen schnell ausschließen, weil sie zu positiv beschrieben werden. Und die Verhaltensweisen mancher Menschen erscheinen mir sehr provinziell und teilweise skurril. Das soll die Leser vielleicht zum Schmunzeln bringen, aber ich halte es für übertrieben.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 23.05.2025

Gelungener "Liebesroman" mit historischem Hintergrund

Zypressensommer
0

Einerseits ist das Buch „Zypressensommer“ der Historikerin Brigitte Riebe (Pseudonym „Teresa Simon“) ein Liebesroman und eine Liebeserklärung an die Toscana, andererseits ein historischer Roman, in dem ...

Einerseits ist das Buch „Zypressensommer“ der Historikerin Brigitte Riebe (Pseudonym „Teresa Simon“) ein Liebesroman und eine Liebeserklärung an die Toscana, andererseits ein historischer Roman, in dem sie das Leben der italienischen Bevölkerung unter deutscher Besatzung in den Jahren 1943 – 1945 und das Schicksal der „IMIs“ (steht für "Italienische Militärinternierte“) thematisiert. Dieses Format war für mich neu.
Nach Eingewöhnungsschwierigkeiten, ich fand die Handlung zunächst zu gefühlsbetont und romantisch, habe ich mich aber eingelesen und mit den Protagonisten mitgefiebert.
Das Buch stellt geschickt die (fiktive?) Leichtigkeit des heutigen Lebens in Italien, das „Dolce Vita“, in Kontrast zu den Geschehnissen unter deutscher Besetzung. Man verliebt sich beim Lesen in die toskanische Landschaft, die Städte und die Menschen. Schon das schöne Cover hat mich angesprochen. In abwechselnden Zeitsträngen werden die damaligen tragischen Ereignisse und die Recherchen der jungen Hamburgerin Julia 1998 zu ihren italienischen Wurzeln geschildert. Etwas anderes als ein Happy End hätte nicht gepasst.
Gelungen finde ich die Einbindung der italienischen Sprache, ich habe für meinen bevorstehenden Italienurlaub dazu gelernt. Ebenfalls gut ist der Anhang, in dem die historischen Grundlagen sachlich beschrieben werden. Und als Zugabe gibt es noch toskanische Rezepte.
Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser*innen erst über Romane wie „Zypressensommer“ mit den Niederungen der deutschen Geschichte konfrontiert werden, eine vermutlich bewusste Methode der promovierten Historikerin Riebe/Simon. Auch deshalb meine Leseempfehlung für alle, die sich durch einen Liebesroman nicht vom Lesen abhalten lassen.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Rasanter 3. Teil der Art-Mayer-Reihe

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
0

Wieder geht es um einen aktuellen Fall, der eine in der Vergangenheit liegende Vorgeschichte hat. Daher verwundert es nicht, dass der Krimi in abwechselnden Zeitebenen erzählt wird.
Wer die ersten beiden ...

Wieder geht es um einen aktuellen Fall, der eine in der Vergangenheit liegende Vorgeschichte hat. Daher verwundert es nicht, dass der Krimi in abwechselnden Zeitebenen erzählt wird.
Wer die ersten beiden Bände der Reihe gelesen hat, ist von Seite 1 an mit den Figuren vertraut und mitten im Geschehen. Dana, die Nachbarin des ruppigen BKA-Ermittlers Art Mayer, ist seit über einem Jahr spurlos verschwunden und hat ihre Tochter Milla und ihre demente Mutter zurückgelassen. Zu allem Überfluss verschwindet auch Milla, für die Art väterliche Gefühle entwickelt hat. Seine junge Kollegin Nele Tschaikowski, die sich im Mutterschutz befindet, hilft ihm bei der Suche nach Milla und Dana, wobei sie die Verantwortung für ihren kleinen Sohn gegen dessen Willen an ihren Ehemann abgibt.
Der Leser erfährt auf bedrückende Weise, in welchen prekären Verhältnissen Dana aufgewachsen ist und dass auch ihr kleiner Bruder vor 15 Jahren spurlos verschwunden ist. Erst sehr spät erfährt man, wie die Dinge zusammen hängen und was in einer Nacht vor 15 Jahren und später tatsächlich passiert ist.
Marc Raabe schreibt gewohnt flüssig und rasant. Die Auflösung des Falls ist nach meinem Geschmack etwas zu kompliziert und konnte mich wie schon im zweiten Band nicht restlos überzeugen, ist aber in sich stimmig. Da ich mich sehr gut unterhalten fühlte und das Buch regelrecht verschlungen habe, vergebe ich 5 Sterne und freue mich schon jetzt auf den für das Frühjahr 2026 angekündigten 4. Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Toller Krimi

Dunkle Asche
0

Ein Cold-Case-Krimi der besseren Art. Vor dreißig Jahren ist eine junge Frau im Ferienhaus ihrer Eltern im beschaulichen Kalifornien in der Nähe von Kiel erstochen worden, bevor das Haus angezündet wurde. ...

Ein Cold-Case-Krimi der besseren Art. Vor dreißig Jahren ist eine junge Frau im Ferienhaus ihrer Eltern im beschaulichen Kalifornien in der Nähe von Kiel erstochen worden, bevor das Haus angezündet wurde. Der mutmaßliche Täter wurde aufgrund fehlender Beweise freigesprochen. Nach der Aussage eines Sterbenden wird der Fall neu aufgerollt und die beiden Kommissarinnen, beide mit Ecken und Kanten und nicht frei von Fehlern, sollen mit modernen Methoden die Tat aufklären. Dass die sympathische ortsansässige Kommissarin alle Zeugen und potenziellen Täter kennt und in den Fall verwickelt ist, mag ich zwar grundsätzlich nicht an Krimis, ist aber hier für die Handlung von herausragender Bedeutung und angemessen. So richtig modern ist die Polizeiarbeit nicht wirklich, nur eine DNA-Probe (die vor dreißig Jahren noch nicht ausgewertet werden konnte) führt zu Fortschritten in der Ermittlung und zu fast lawinenartig hereinstürzenden Ereignissen. Scheibchenweise wird klar, dass alle Zeugen damals gelogen haben und der Kreis der Tatverdächtigen sich immer mehr erweitert, bis dramatische Ereignisse zum Schluss den Täter überführen.

Das liest sich richtig gut, ist spannend und abgesehen von wenigen dramaturgisch bedingten Unwahrscheinlichkeiten, die der Spannung dienen, in sich logisch. Die letzten 180 Seiten habe ich nachts durchgelesen, weil ich nicht aufhören konnte.

Der Name des Autors, Jona Thomsen, ist laut Klappentext ein Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers. Gern würde ich wissen, um wen es sich dabei handelt, und hoffe, es mithilfe moderner Methoden herauszufinden.

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Veröffentlicht am 29.07.2024

Tolles Buch

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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Nachdem der Autor des letzten von mir gelesenen Krimis sich an den von ihm beschriebenen Gewalttaten förmlich berauschte, kommt „Die Toten von Veere“ trotz vieler Toter angenehm ruhig daher.
Dem Autor ...

Nachdem der Autor des letzten von mir gelesenen Krimis sich an den von ihm beschriebenen Gewalttaten förmlich berauschte, kommt „Die Toten von Veere“ trotz vieler Toter angenehm ruhig daher.
Dem Autor Marten Vermeer gelingt es, seinen Lesern den Schauplatz Zeeland einschließlich seiner jüngeren Geschichte wunderbar nahe zu bringen. Die handelnden Personen werden einfühlsam mit ihren Vorzügen und Fehlern, insbesondere Vorurteilen beschrieben.
Oberthema ist die Fremdenfeindlichkeit, die in den Niederlanden in den letzten Jahren immer deutlicher zum Vorschein tritt. Es gibt drei bzw. vier Handlungsstränge. Zum einen geht es um den Widerstand der niederländischen Bevölkerung gegen die deutschen Besatzer im Jahr 1944, dann um einen toten rechten Journalisten, um ein vor zehn Jahren vermisstes Mädchen mit Migrationshintergrund und um einen vermissten ehemals rechten Mann, der für den Verfassungsschutz gearbeitet hat und im Zeugenschutzprogramm lebte.
Diese Themen werden vom Autor geschickt abwechselnd aufgegriffen und es wird erst spät klar, wie sie zusammenhängen. Der historische Fall dient wohl eher dazu, den Leser mit dem Schauplatz vertraut zu machen. Die mit der Vermisstenmeldung befasste sympathische Hoofdinspecteurin hat gerade im Dienst einen Drogendealer mit Migrationshintergrund erschossen und soll aus der Schusslinie der Medien gebracht werden, was nicht wirklich gelingt. Eine Kollegin mit Migrationshintergrund und der Leiter der Ortspolizei passen gut ins Ermittlungsteam, zu dem über den toten Journalisten noch eine etwas überzeichnet dargestellte junge Rechtsmedizinerin stößt. Nicht zu vergessen ein streunender Hund, der als Running Gag seinen Beitrag zur Aufklärung der Fälle leistet. Das eine oder andere ist etwas zu dick aufgetragen, wie in vielen Krimis führen Alleingänge zu schwierigen Situationen und ein guter Schuss Laienpsychologie ist auch vorhanden. Aber es liest sich gut mit sowohl ernsten als auch amüsanten Passagen.
Am Schluss sind alle Fälle aufgeklärt, das Gesetz hat gesiegt und der Epilog lässt vermuten, dass ein zweiter Band in Arbeit ist.

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