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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2025

Gemächlicher Beginn, danach legt das Tempo aber permanent zu

Der Inugami-Fluch
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Inhalt: Sahei Inugami führte ein umtriebiges Leben: Nicht nur gelang dem früh verwaisten Mann der Aufbau einer der größten Seidenfabriken Japans, gleichzeitig führte er mehrere parallele Beziehungen zu ...

Inhalt: Sahei Inugami führte ein umtriebiges Leben: Nicht nur gelang dem früh verwaisten Mann der Aufbau einer der größten Seidenfabriken Japans, gleichzeitig führte er mehrere parallele Beziehungen zu Frauen. Aus diesen Beziehungen sprossen Kinder und Enkelkinder, die einen latenten Hass gegeneinander verspüren. Dementsprechend verfahren ist die Situation der Erbangelegenheiten, als das Oberhaupt des Inugami-Clans stirbt. Was die Sache nicht besser macht: Das Testament ist ungemein vertrackt; Menschen, die Sahei ferner standen als seine Familie, werden begünstigt, andere gehen leer aus – der Hass zwischen den Familienmitgliedern lodert auf und schnell wird ein Mordopfer entdeckt…

Persönliche Meinung: „Der Inugami-Fluch“ ist Seishi Yokomizos vierter Kriminalroman um den unkonventionellen Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann er auch ohne Kenntnis der Vorgänger gelesen werden. Wie bereits in den vorherigen Bänden der Reihe tritt ein allwissender Ich-Erzähler auf, der aus der Retrospektive den Fall um die Inugami-Familie rekonstruiert. Zu Beginn braucht der Krimi etwas, um in Fahrt zu kommen: Der verstorbene Sahei sowie seine Familie werden ebenso wie das Testament Saheis recht ausführlich vorgestellt. Das ist zwar alles notwendig, um dem eigentlichen Fall später besser folgen zu können, allerdings wurde es für mich etwas zu gemächlich erzählt, wodurch Tempo verloren ging. Nach diesem eher behäbigen Start gewinnt der Roman aber an Tempo und Spannung: Die Taktung der Morde nimmt zu, der Modus Operandi ist interessant, mehrere Figuren tragen offenbar ein Geheimnis mit sich, später finden sich überraschende Wendungen/Aufdeckungen. Besonders hat mir hieran gefallen, dass der Krimi zum Miträtseln einlädt: Man kann dabei einzelne Querverbindungen bereits erahnen, das große Ganze bleibt dabei aber doch bis zuletzt rätselhaft, sodass die Auflösung überraschend ist. Der Schreibstil von Seishi Yokomizo lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Der Inugami-Fluch“ ein Krimi, der etwas braucht, um einen zu fesselnd – hat man dieses Punkt erreicht, ist der Krimi aber eine sehr spannende Lektüre.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Eine Kurzkrimisammlung mit viel Lokalkolorit

Mörderisches Bonn
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„Mörderisches Bonn“ versammelt elf Krimikurzgeschichten von Andreas J. Schulte, die in und um Bonn spielen. So besucht man während der Lektüre neben der Rheinaue, dem Regierungsviertel, dem Botanischen ...

„Mörderisches Bonn“ versammelt elf Krimikurzgeschichten von Andreas J. Schulte, die in und um Bonn spielen. So besucht man während der Lektüre neben der Rheinaue, dem Regierungsviertel, dem Botanischen Garten oder der Museumsmeile auch Rhöndorf, Bad Honnef und das Siebengebirge (Die einzelnen Handlungsorte werden in 125 Freizeittipps, die fundiert recherchiert sind, noch weitergehend vorgestellt.) Teils handelt es sich bei den Kurzgeschichten um humoristische Kriminalerzählungen (wie „Und Hopp AG“, in der ein Seniorinnengespann eine besondere Geschäftsidee hat), teils um Detektivgeschichten (wie „Sport ist Mord“, in der ein Serienmörder sein Unwesen treibt). Alle Geschichten sind anschaulich geschrieben und mit einer schönen Portion Lokalkolorit ausgestattet. Im Folgenden möchte ich noch kurz meine drei Highlights vorstellen: 1. „Die ,Schäl Sick““, eine in Rhöndorf/Bad Honnef/Beuel spielende Kurzgeschichte, die mir gefallen hat, da sie diskontinuierlich erzählt wird und einen Twist am Ende besitzt. 2. In „An die unsterbliche Geliebte“ wird ein Beethoven-Experte ermordet aufgefunden. Diese Geschichte fand ich interessant, da hier eine Episode aus dem Leben Beethovens aufgegriffen wird. 3. „Mörderisches Bonn“, das von einem Mord im Schriftteller-Milieu handelt. Diese Geschichte fand ich spannend, da hier das Schreiben einer in Bonn spielenden Kurzgeschichtenanthologie auf einer Metaebene aufgegriffen wird.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Zwei unheimliche Geschichten

Im Tunnel. Unheimliche Geschichten
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„Im Tunnel“, erschienen im Reclam Verlag, beinhaltet zwei unheimliche Geschichten von Charles Dickens: „Im Tunnel“ und „Des Mordes angeklagt“. „Im Tunnel“ handelt von einem Bahnwärter, dem an einem Bahntunnel ...

„Im Tunnel“, erschienen im Reclam Verlag, beinhaltet zwei unheimliche Geschichten von Charles Dickens: „Im Tunnel“ und „Des Mordes angeklagt“. „Im Tunnel“ handelt von einem Bahnwärter, dem an einem Bahntunnel Übernatürliches begegnet. Nach jeder Sichtung geschieht ein Unglück. Diese Kurzgeschichte besticht durch zweierlei: Einerseits besitzt sie eine gewisse Doppelbödigkeit, wodurch sie rätselhaft wirkt. Als Lesender erfährt man die Sichtungen des Bahnwärters nicht aus erster Hand, sondern von einem Ich-Erzähler, der von Begegnungen mit dem Bahnwärter erzählt und eine Portion Skepsis gegenüber dessen Sichtungen mitbringt. Dadurch weiß man als Lesender bis zuletzt nicht genau, was wirklich vorgefallen ist. Andererseits ist die Geschichte sehr atmosphärisch, was sowohl an der greifbaren Beschreibung des Tunnels, der sich in einer düsteren Schlucht befindet, als auch an der verschrobenen Art des Bahnwärters liegt. Klassischer ist die zweite Kurzgeschichte „Des Mordes angeklagt“. Sie handelt von einem Mordopfer, das als Geist sicher gehen will, dass der Täter überführt wird. Diese Geschichte ist insgesamt linearer und weniger rätselhaft als „Im Tunnel“. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags von einer Nachbemerkung, in der die beiden Horrorgeschichten in das weitere Werk von Dickens eingeordnet werden.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Drei unheimliche Geschichten

Die Maske des Roten Todes. Unheimliche Geschichten
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„Die Maske des Roten Todes“, erschienen im Reclam Verlag, ist eine Anthologie von drei Kurzgeschichten Edgar Allan Poes. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung „Die Maske des Roten Todes“, eine Schauergeschichte ...

„Die Maske des Roten Todes“, erschienen im Reclam Verlag, ist eine Anthologie von drei Kurzgeschichten Edgar Allan Poes. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung „Die Maske des Roten Todes“, eine Schauergeschichte mit phantastischen Elementen: Sie handelt von Prinz Prospero, der mit seinem Gefolge rauschende Feste feiert, obwohl in seinem Reich die Pest grassiert. Diese Geschichte besticht insbesondere durch ihre atmosphärische Beschreibung der Festivitäten sowie des Handlungsortes (eine alte Abtei). Die zweite Geschichte „Die Tatsachen im Fall Waldemar“ ist eine eher klassische Horrorgeschichte, die stellenweise an „Frankenstein“ erinnert. Im Mittelpunkt steht ein Ich-Erzähler, der den Mesmerismus praktiziert. Getrieben von dem Drang, die dessen Grenzen auszuloten, hypnotisiert er einen Sterbenden. Die Handlung plätschert eher dahin; dennoch fand ich die Ausgangslage der Geschichte interessant. Den Abschluss bildet „Der entwendete Brief“, bei der es sich nach „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ und „Das Geheimnis der Marie Rogêt“ um die dritte Auguste Dupin-Geschichte (und damit um eine Detektivgeschichte) handelt. Die Geschichte dreht sich, wie der Titel schon sagt, um einen gestohlenen Brief, den Dupin auffindbar macht. Sie lässt sich in zwei Teile unterteilen: Im ersten Teil wird Dupin von dem Verschwinden des Briefes sowie erfolglose Wiederbeschaffungsversuche erzählt, im zweiten Teil berichtet Dupin, wie er den Brief aufgefunden hat. Insgesamt also keine übermäßig spannungsgeladene Handlung. Dennoch fand ich „Der entwendete Brief“ spannend zu lesen, da man hier Dupins deduktive Methode erlesen kann, die literarisches Vorbild für kommende Ermittlerfiguren werden sollte. Abgerundet wird „Die Maske des Roten Todes“ durch eine Nachbemerkung, die kurz die drei Geschichten literarisch einordnet.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Eine Anthologie mit viel Lokalkolorit

Die gruseligsten Orte in Köln
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„Die gruseligsten Orte in Köln“, herausgegeben von Lutz Kreutzer und Uwe Gardein, ist eine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten, die in Köln spielen. Die meisten Geschichten besitzen einen schaurigen Zug: ...

„Die gruseligsten Orte in Köln“, herausgegeben von Lutz Kreutzer und Uwe Gardein, ist eine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten, die in Köln spielen. Die meisten Geschichten besitzen einen schaurigen Zug: Die Protagonisten werden mit dem Tod konfrontiert, treffen auf Geister oder finden sich in zwischenweltlichen Orten wieder. Teilweise werden historische resp. legendenhafte Stoffen aufgegriffen, die in die Gegenwart projiziert werden (z. B. Ursula von Köln in „Spinne und Kreuz“ (von Isabella Archan), die Schlacht von Worringen in „Die Toten vom Bruch“ (von Michael Schreckenberg) oder Katharina Henot in „Geh Sterben“ (von Regina Schleheck)). Die Handlungsorte, die dabei aufgesucht werden, besitzen meist einen düsteren Charakter: So begeben wir uns u.a. ins ruinöse Haus Fühlingen, in den nächtlichen Kölner Dom oder unter die Hohlräume der Deutzer Brücke. Alle Handlungsorte werden anschaulich beschrieben – man merkt, dass die Autor*innen vor Ort waren –, sodass ein schönes Kopfkino entsteht. Abschließend möchte ich noch zwei meiner Highlights kurz vorstellen: „Die Blüte der Erinnerung“ von Lutz Kreutzer ist nicht direkt eine Schauergeschichte, dafür aber erinnerungskulturell umso wichtiger: Sie erzählt von der Geschichte der Edelweißpiraten in Köln-Ehrenfeld. Die zweite Geschichte, die ich sehr mochte, ist „Der Friedhof der schönen Dinge“ von Angela Eßer. Hier begleiten wir einen einsamen Mann durch Köln, der alltägliche Gegenstände sammelt. Die Geschichte hat – gerade zum Ende hin – eine besondere Tragik, wodurch eine Einmaligkeit entsteht. Insgesamt ist „Die gruseligsten Orte in Köln“ eine Sammlung abwechslungsreicher Kurzgeschichten mit viel Lokalkolorit.

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