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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Verwobene Lebensgeschichten in Island

Überlebensstrategien
0

„Das Leben zerfleischt einen und sieht einem dabei mitleidig in die Augen.“ (S. 66)

Im Roman der isländischen Autorin begleiten wir vier Hauptcharaktere durch ihre Leben.

Da ist die Jugendliche Hanna, ...

„Das Leben zerfleischt einen und sieht einem dabei mitleidig in die Augen.“ (S. 66)

Im Roman der isländischen Autorin begleiten wir vier Hauptcharaktere durch ihre Leben.

Da ist die Jugendliche Hanna, deren Eltern in Trennung leben und die sich freiwillig für ein Sozialprojekt meldet. Dabei begegnet sie dem jungen Aron Snær, dessen Mutter in die Psychiatrie eingewiesen wird. Borghildur, deren Partner überraschend ums Leben kam, sammelt den Jungen zufällig auf und kümmert sich um ihn. Von Árni hat Aron ein Fahrrad geschenkt bekommen, weil er selbst nicht mehr fahren kann.

Anfangs scheinen ihre Leben parallel zu verlaufen, doch Stück für Stück nimmer jeder am Leben des anderen teil und entwickelt seine ureigene Überlebensstrategie. Oder wie Hanna es treffend beschreibt: „Jedes Mal, wenn andere ihr widersprüchliches Wesen verrieten, wurde ich ein bisschen erwachsener. Unter ihrer verlogenen Oberfläche gedieh mein Verstand. Es geht mir nicht darum, mich zum Moralapostel über die anderen zu erheben. Das war einfach nur meine Überlebensstrategie.“ (S. 23)
🐟
Mit dem Buch habe ich mich ein wenig schwer getan. Die Charaktere sind wirklich allesamt sehr sympathisch und trotzdem bin ich ihnen nicht nahegekommen. Die jeweiligen Geschichten der Protagonist
innen haben viel Potential und die Verknüpfung zwischen den Handlungssträngen ist relativ gelungen. Trotzdem habe ich immer wieder den Faden verloren und bin abgeschweift mit meinen Gedanken, konnte mich nicht so darauf einlassen. Vielleicht war aber gerade auch nicht die richtige Zeit für das Buch.

Wer Geschichten mit Realitätsbezug und gut verwobenen Handlungssträngen mag, wird hier allerdings trotzdem auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Eine Reise in die Vergangenheit

Man müsste versuchen, glücklich zu sein
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Floras Eltern sind vor einem Jahr gestorben, doch sie weigert sich strikt, ihre Vergangenheit in ihrem Elternhaus aufzuarbeiten. Als ihre Tochter Lucie sie schließlich doch überreden kann, in ihre alte ...

Floras Eltern sind vor einem Jahr gestorben, doch sie weigert sich strikt, ihre Vergangenheit in ihrem Elternhaus aufzuarbeiten. Als ihre Tochter Lucie sie schließlich doch überreden kann, in ihre alte Heimat Luxemburg zurückzukehren, trifft sie dort auf ihre Schwester Millie, zu der sie schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hat.
Und so beginnt für beide eine Reise in die Vergangenheit, um am Ende vielleicht die Frage beantworten zu können, was mit dem Haus passieren soll. Die ungleichen Schwestern begeben sich buchstäblich auf eine Reise in die Vergangenheit, auf der nicht nur angenehme Erinnerungen warten.
🍀
„Ich hatte Angst vor diesem Haus. In jedem Zimmer lauerten alte Geschichten, neue Versionen, neue Wahrheiten. Wir erzählten auch als Familie keine gemeinsame Geschichte. Sondern viele verschiedene. Familie war der Hort des Schmerzes und der Unzufriedenheit, der unnützen Verpflichtungen und der Lüge, des Zwanges, der Abnutzung, der Ausnutzung. Ja, aber es war auch der Ort der Geborgenheit und der Liebe.“ (S. 73)

Ich tue mich ein wenig schwer damit, meine Gefühle, die ich beim Lesen hatte, in Worte zu fassen. Daher bediene ich mich der obigen Textpassage, die für mich ein wenig den Grundton der Geschichte wiedergibt, die ich so gern mehr gemocht hätte. Das Setting – Familiendrama mit Aufarbeitungspotential und tiefgreifenden Gesprächen – ist eigentlich genau meins und die Erzählung hätte definitiv das Potential gehabt, ist aber leider hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben.
Mein Leseerlebnis wurde dadurch geschmälert, das mir ein wenig die zweite Perspektive gefehlt hat. Es wird ausschließlich aus der Sicht von Flora erzählt. Millie kommt in den vielen Dialogen zwar oft zu Wort, hat dann aber meistens irgendwelche Erinnerungslücken, die dann auch immer wieder auftauchen und mich irgendwann genervt haben.
Generell ist die Geschichte auch einfach irgendwie vor sich hingeplätschert und mir haben ein wenig die Höhen und Tiefen gefehlt und die beiden Schwestern sind mir irgendwie nicht nah gekommen.

Grandios fand ich allerdings das Kapitel, in dem die Frauen einen Ausflug in die Bretagne zum alten Boot ihres Vaters machen. Das war sehr unterhaltsam, davon hätte ich mir mehr gewünscht. Die Dialoge der Schwestern haben mir auch größtenteils wirklich Spaß gemacht (obwohl ich manchmal den Überblick darüber verloren haben, wer was gesagt oder gedacht hat…) und ich habe mir viele tolle Textstellen markiert.
🍀
Für Fans von Familienromanen kann ich trotzdem eine Empfehlung aussprechen, denn Meinungen sind ja subjektiv 😉

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Familiengeheimnis auf den Orkney Inseln

Die Inselschwimmerin
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Als Evie nach vielen Jahren fern der Heimat nach Hause zurückkehrt, um ihren kranken Vater ein letztes Mal zu sehen, schlägt ihr nicht nur Begeisterung entgegen. Ihr damaliger Weggang bei Nacht und Nebel ...

Als Evie nach vielen Jahren fern der Heimat nach Hause zurückkehrt, um ihren kranken Vater ein letztes Mal zu sehen, schlägt ihr nicht nur Begeisterung entgegen. Ihr damaliger Weggang bei Nacht und Nebel kam bei ihren Freunden gar nicht gut an und als sie nun wiederkommt, muss sie sich nicht nur deren Fragen stellen. Auch ihre Schwester Liv, die sie zu hassen scheint, ist wenig begeistert von Evies Auftauchen. Nun muss sich Evie ihrer Vergangenheit stellen. Wird ihr düsteres Geheimnis alles zerstören oder kann sie auf Orkney neu anfangen?
🥽
Ich habe mich mit diesem Roman ein wenig schwer getan, obwohl mich Cover und Klappentext total angesprochen haben. Ich fand den Schreibstil etwas hölzern und manchmal waren es mir zu viele Abschweifungen zu Nebenschauplätzen, was für mich die Entwicklung der interessantesten Charaktere etwas behindert hat. Meiner Meinung hätten die Schwestern Evie und Liv noch mehr im Mittelpunkt des Buches stehen dürfen. Sie gingen einfach zu oft unter für mich. So konnten mich deren Schicksale leider nicht komplett berühren.
Außerdem muss ich ihm Nachhinein sagen, dass der Inhalt ein wenig an meinen Erwartungen vorbeiging. Im Klappentext werden die Kaltwasserschwimmerinnen besonders hervorgehoben. Sie kommen aber nur einmal mittendrin und dann erst wieder am Schluss vor.
🥽
Trotz der Kritikpunkte habe ich das Buch ganz gern gelesen. Das lag vor allem am Spannungsbogen, denn Evies Geheimnis kommt erst relativ spät ans Licht und Lorraine Kelly gelingt es, ein paar falsche Fährten zu legen, die mich erst andere Vermutungen anstellen ließen.
Die Erzählung in drei – wen auch nah beieinander liegenden – Zeitebenen ist ebenfalls gut gewählt, weil so für mich als Leserin alles gut nachvollziehbar bleibt. Zudem haben die Beschreibungen der Orkney Inseln mich neugierig gemacht auf diese Inselgruppe, die aus 70 Inseln besteht und zu Schottland gehört.
🥽
Fans von geheimnisvollen Familiengeschichten werden mit diesem Roman trotzdem auf ihre Kosten kommen, auch wenn er mich nicht zu 100% überzeugen konnte.

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