Verwobene Lebensgeschichten in Island
Überlebensstrategien„Das Leben zerfleischt einen und sieht einem dabei mitleidig in die Augen.“ (S. 66)
Im Roman der isländischen Autorin begleiten wir vier Hauptcharaktere durch ihre Leben.
Da ist die Jugendliche Hanna, ...
„Das Leben zerfleischt einen und sieht einem dabei mitleidig in die Augen.“ (S. 66)
Im Roman der isländischen Autorin begleiten wir vier Hauptcharaktere durch ihre Leben.
Da ist die Jugendliche Hanna, deren Eltern in Trennung leben und die sich freiwillig für ein Sozialprojekt meldet. Dabei begegnet sie dem jungen Aron Snær, dessen Mutter in die Psychiatrie eingewiesen wird. Borghildur, deren Partner überraschend ums Leben kam, sammelt den Jungen zufällig auf und kümmert sich um ihn. Von Árni hat Aron ein Fahrrad geschenkt bekommen, weil er selbst nicht mehr fahren kann.
Anfangs scheinen ihre Leben parallel zu verlaufen, doch Stück für Stück nimmer jeder am Leben des anderen teil und entwickelt seine ureigene Überlebensstrategie. Oder wie Hanna es treffend beschreibt: „Jedes Mal, wenn andere ihr widersprüchliches Wesen verrieten, wurde ich ein bisschen erwachsener. Unter ihrer verlogenen Oberfläche gedieh mein Verstand. Es geht mir nicht darum, mich zum Moralapostel über die anderen zu erheben. Das war einfach nur meine Überlebensstrategie.“ (S. 23)
🐟
Mit dem Buch habe ich mich ein wenig schwer getan. Die Charaktere sind wirklich allesamt sehr sympathisch und trotzdem bin ich ihnen nicht nahegekommen. Die jeweiligen Geschichten der Protagonistinnen haben viel Potential und die Verknüpfung zwischen den Handlungssträngen ist relativ gelungen. Trotzdem habe ich immer wieder den Faden verloren und bin abgeschweift mit meinen Gedanken, konnte mich nicht so darauf einlassen. Vielleicht war aber gerade auch nicht die richtige Zeit für das Buch.
Wer Geschichten mit Realitätsbezug und gut verwobenen Handlungssträngen mag, wird hier allerdings trotzdem auf seine Kosten kommen.