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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2025

Poetisch

Strandgut
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Er hatte mal einen Hit: Bucky, inzwischen über siebzig Jahre alt, ist nach England eingeladen, um ihn dort auf einem Festival zu singen. Zuhause in USA ist er längst vergessen, aber hier ist er ein Star, ...

Er hatte mal einen Hit: Bucky, inzwischen über siebzig Jahre alt, ist nach England eingeladen, um ihn dort auf einem Festival zu singen. Zuhause in USA ist er längst vergessen, aber hier ist er ein Star, so wie er es als Jugendlicher hätte werden können. Doch seitdem ist eine Menge passiert. Jetzt trifft er auf Dinah, die ebenso wie er ein Leben voller Schwierigkeiten und Sorgen führt.
Wie das Leben uns verwundet, und wie wir trotzdem immer weitermachen, darum geht es in diesem Buch. Der Autor ist bei uns schon mit „Offene See“ bekannt geworden. Ich schätze seinen poetischen Stil und die Art, wie er Menschen beschreibt. Es sind glaubhafte, gebrochene Persönlichkeiten, die in ihrer Jugend voller Leidenschaft und Energie waren und im Laufe des Lebens viel haben einstecken müssen. Doch sie sind immer noch die, sie früher einmal waren.
Für Lesende, denen das Thema Altern bereits begegnet ist.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Schräg und spaßig

Very Bad Widows
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Es geht um vier wohlhabende Paare in ihren Sechzigern. Einer der Männer verstirbt bei einem Unfall. Oder war es Mord? Es wurde viel Geld unterschlagen, und die Ehefrauen, die sich um ihre Alterssicherung ...

Es geht um vier wohlhabende Paare in ihren Sechzigern. Einer der Männer verstirbt bei einem Unfall. Oder war es Mord? Es wurde viel Geld unterschlagen, und die Ehefrauen, die sich um ihre Alterssicherung betrogen sehen, schmieden ein Komplott. Doch das ist erst der Anfang.
Die Geschichte ist voller Überraschungen und unerwarteter Wendungen. Und sie ist witzig: Es sind im Grunde ganz normale Menschen, die plötzlich mit monströsen Vorwürfen und Überlegungen konfrontiert sind. Dabei wollen sie eigentlich nur ein gutes Leben haben, am liebsten mit einander. Das Geschehen verändert die Menschen nicht, sie bleiben ebenso bieder und bürgerlich wie zu Beginn. Aber ihre Partnerschaften erleben eine neue Wertschätzung.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven dargestellt, teilweise wird dieselbe Szene von den verschiedenen Beteiligten nacheinander geschildert, und sie ist jedes Mal ganz anders. Das wird spannend, wenn es darum geht, wer was weiß und wer eventuell einen (weiteren) Mord plant.
Ich hatte einen Krimi erwartet, vielleicht einen Thriller. Aber nicht so viele schräge Ideen und Verrücktheiten. Das hat Spaß gemacht! Wer Geschichten voller Überraschungen jenseits von Genres mag, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Großartig

Himmlischer Frieden
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Lai wächst in einem Arbeiterviertel in Peking auf. Als Erwachsene studiert sie Literatur und nimmt an den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens teil. Hier erzählt sie, wie es dazu kam. Der Roman ...

Lai wächst in einem Arbeiterviertel in Peking auf. Als Erwachsene studiert sie Literatur und nimmt an den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens teil. Hier erzählt sie, wie es dazu kam. Der Roman basiert auf ihren eigenen Erfahrungen und auf den bekannten Tatsachen.
Es ist eine ruhig und fast poetisch erzählte Geschichte um eine schüchterne Protagonistin, die in Ich-Form von ihrer Kindheit, ihrer Schulzeit und ihrem Studium berichtet. Das liest sich authentisch und bewegend. Sie schildert ihre Familie und ihre Schulfreunde nuanciert und voller Wärme. Die Unterdrückung der Menschen in China durch die kommunistische Führung wird immer wieder an Einzelpersonen deutlich, beginnend mit ihrem Vater.
Die historischen Ereignisse gipfeln im Tiananmen-Massaker auf dem Platz den Himmlischen Friedens, mitten in Peking, im Juni 1989.
Ich freue mich sehr, aus dieser unbekannten Welt so eine angenehm zu lesende Geschichte ganz normaler Menschen genießen zu dürfen. Es ist großartige Literatur. Ein Highlight!

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Erschütternd

Entromantisiert euch!
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Stück für Stück zerlegt die Autorin das, was wir als Zweierbeziehung „romantischer Art“ so kennen und betreiben. Und manches ist ganz schön erschreckend. Das meiste davon ist längst allgemein bekannt. ...

Stück für Stück zerlegt die Autorin das, was wir als Zweierbeziehung „romantischer Art“ so kennen und betreiben. Und manches ist ganz schön erschreckend. Das meiste davon ist längst allgemein bekannt. Es sind aktuelle Forschungsergebnisse aus Studien und Veröffentlichungen zum Thema. Im Namen der Liebe lassen Frauen sich weiterhin ausbeuten, benutzen und vergewaltigen.
Wichtig: Der Autorin geht es nicht um Liebe im Allgemeinen. Wir lieben schließlich nicht nur den Einen, Richtigen. Wir lieben unsere Freundinnen, unsere Kinder, unsere Familie, wir lieben Dinge, die wir tun und noch viel mehr. Aber für den Einen, Richtigen geben wir alles auf. Und das wird auch gesellschaftlich erwartet.
Ohne die romantische Liebe müssten die Männer ja selber ihre Wohnungen putzen, ihr Essen kochen und sich um ihre Gesundheit und um ihre Kinder kümmern. Ohne die romantische Liebe gäbe es vermutlich kaum Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern, auch nicht im Alter.
Romantische Liebe dient der Unterdrückung der Frau. Sie hat fundamentale Bedeutung in der hiesigen patriarchalen Gesellschaft. Hier wird mal ordentlich und fachlich fundiert darüber gezetert. Das ist erhellend.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Steigende Wasser

Das Echo der Sommer
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Inga lebt mit Mutter und Tante nomadisch im Norden Schwedens. Sie gehören dem Volk der Samen (Lappen) an. Als sie eines Tages in ihr Sommerhaus zurückkehren wollen, ist das ganze Dorf überflutet: Man hat ...

Inga lebt mit Mutter und Tante nomadisch im Norden Schwedens. Sie gehören dem Volk der Samen (Lappen) an. Als sie eines Tages in ihr Sommerhaus zurückkehren wollen, ist das ganze Dorf überflutet: Man hat einen Staudamm zur Stromgewinnung gebaut und das Tal geflutet, ohne die Menschen vorher auch nur zu informieren. Und der Wasserspiegel steigt weiter. Vieles an der Geschichte und der geschilderten Lebensweise erinnert an die indigenen Völker Nordamerikas.
Die Frauen sind sehr lebensnah geschildert, sie sind emotional, naturverbunden und pragmatisch. Das Dorf ist eine lose Gemeinschaft, in der man einander hilft, und die Jahreszeiten geben den Rhythmus vor, zusammen mit den Rentieren. Das Leben ist hart und voller Herausforderungen. Ingas Mutter will etwas Dauerhaftes schaffen, für sich und ihre Familie. Doch das Tal, in dem sie leben, verschwindet im Stausee und mit ihm, nach und nach, auch die Lebensweise der Samen.
Was fehlt, ist ein Glossar. Es kommen zahlreiche samische Begriffe vor, die nicht erklärt werden und die man sich aus anderen Quellen erschließen muss. Es wird auch samisch gesprochen, ohne dass eine Übersetzung angegeben ist. Nur wenige Ausdrücke erschließen sich aus dem Zusammenhang.
Die Autorin hat mit einem Sachbuch zum Thema schon Preise gewonnen. Hier die fiktionale Bearbeitung der Vertreibung der Samen durch den Staudammbau im 20. Jahrhundert. Das ist sehr gelungen und mehr als lesenswert. Es ist großartige Literatur.

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