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Veröffentlicht am 05.07.2025

Überraschend, warmherzig, tiefgründig

Glück ist ganz nach meinem Geschmack
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„Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ war für mich eine echte Überraschung. Ich hatte mit einer sommerlich-leichten Geschichte gerechnet und bekommen habe ich genau das und ganz viel mehr: Witz, Tiefe, ...

„Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ war für mich eine echte Überraschung. Ich hatte mit einer sommerlich-leichten Geschichte gerechnet und bekommen habe ich genau das und ganz viel mehr: Witz, Tiefe, Wärme, ein Stück Selbstfindung und ziemlich viele Macarons!

Sam ist Anfang 40, Grundschullehrerin, alleinerziehende Mama von Hermine und war mir von der ersten Seite an sympathisch. Sie wirkt einfach echt, denn sie ist chaotisch, öfters hin- und hergerissen und hat gelernt sich anzupassen und versucht es, Erwartungen zu erfüllen, wie es so vielen Frauen eingetrichtert wurde. Jetzt beginnt sie zu ergründen, was sie eigentlich will, und ist dabei, sich das Leben zurückzuholen.

Der Lehreralltag wird ganz nebenbei, aber sehr treffend geschildert und thematisiert, wie man eigentlich allen gerecht werden soll.

Besonders gelungen fand ich aber die Rückblenden in Sams Schulzeit: Wer selbst in den 90ern Abi gemacht hat, wird sich hier nicht nur wiederfinden, sondern an manchen Stellen auch einfach selig grinsen.

Und dann ist da natürlich noch die Liebe. Ihre Jugendliebe Max ist plötzlich wieder greifbar. Und dann stolpert sie auch noch Finn in die Arme, der der neue, charmant-junge und unheimlich gutaussehende Schulrektor und somit ihr Chef ist. Dass Sam sich das nimmt, was sie will, fand ich erfrischend und empowernd.

Claudia Schaumann erzählt mit ganz eigenem Ton, der lustig, warmherzig und nie platt ist. Ihr Sprachgefühl ist pointiert, manchmal poetisch, manchmal laut lachend, aber immer lebendig. Es ist eines dieser Bücher, das man am liebsten direkt verschenken möchte, weil es einfach gut tut.

Fazit: „Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ ist eine Liebeserklärung an zweite Chancen, 90er-Jahre-Schulflure, zartes Bauchkribbeln und das Recht, sich auch mit 43 nochmal neu zu erfinden. Macht Mut, macht gute Laune und macht Lust auf mehr von Claudia Schaumann! 5/5 Sternen

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Drei Frauen, drei Generationen und ein Ort, der alles verändert.

Die Hummerfrauen
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Der Hummer auf dem Cover von dem Roman „Die Hummerfrauen“ ist wunderschön und auch wie im Buch kommt hinter der Schale (dem Schutzumschlag) etwas wundervolles zum Vorschein: auf dem Buch ist ein blauer ...

Der Hummer auf dem Cover von dem Roman „Die Hummerfrauen“ ist wunderschön und auch wie im Buch kommt hinter der Schale (dem Schutzumschlag) etwas wundervolles zum Vorschein: auf dem Buch ist ein blauer Hummer abgebildet, genauso einer wie „Mr. Darcy“, den Hummerfrau Ann als Haustier hält.
Mit ihren 72 Jahren fährt Ann immer noch mit ihrem Boot raus zu ihren Hummerfallen im Atlantik an der nordöstlichsten Ecke der USA, im Bundesstaat Maine, der kurz vor Kanada liegt. Seit sie von ihrer großen Liebe verlassen wurde, wohnt sie allein im beschaulichen Örtchen Stone Harbor und begegnet dort der fast zwanzig Jahre jüngeren Julie, die nach einem schweren Unfall auf dem Fischerboot zurück ins Leben findet.
Eines Tages wird die 28-jährige Mina an den Strand gespült. Auch sie hat mit einem Verlust zu kämpfen und kehrt an den Urlaubsort ihrer Kindheit zurück, an den sie so viele schöne Erinnerungen hat.
Das Leben auf der Insel ist rau und hart und um sich gegen die männlich dominierte Welt der Fischer zu behaupten, schließen sich die Frauen kurzerhand zusammen und werden zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, fast schon einer Wahl-Familie.
Die Autorin Beatrix Gerstberger erzählt in zwei Zeitebenen und mit viel Feingefühl vom harten Alltag auf See, von Verlust, Neuanfang und dem Mut, sich selbst wiederzufinden. Besonders gelungen fand ich den Schreibstil – immer wieder gespickt mit wunderschönen, klugen Formulierungen, die mein Herz haben hüpfen lassen.
Jede der Frauen bringt ihre eigene Geschichte mit Narben, aber auch Kraft mit. Die Küstenbevölkerung hat ihre eigenen Regeln, die mich manchmal überrascht haben. Auch die anderen Bewohner des Ortes sind mir teilweise ans Herz gewachsen und wer Kleinstadt-Romane mag, der kommt hier voll auf seine Kosten.
Fazit: „Die Hummerfrauen“ ist ein warmherziger, kluger Roman über drei mutige Frauen, die sich gegenseitig Halt geben, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Der Roman hat mich nicht nur mit der bildhaften Sprache und der rau-romantischen Atmosphäre begeistert, sondern auch mit der Authentizität seiner Figuren. Ich habe mit ihnen gefühlt, gehofft und gelacht und das Buch mit einem stillen Lächeln beendet. Ganz große Empfehlung für dieses Herzensbuch, daher vergebe ich gerne 5/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Wenn Realität und Lüge verschmelzen – ein Jahreshighlight!

Reset
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Manche Bücher fühlen sich so echt an und sind erschreckend plausibel, dass sie dich kalt erwischen. „Reset“ von Peter Grandl ist genau so ein Buch. Es ist ein Thriller, der sich wie Zukunft anfühlt, aber ...

Manche Bücher fühlen sich so echt an und sind erschreckend plausibel, dass sie dich kalt erwischen. „Reset“ von Peter Grandl ist genau so ein Buch. Es ist ein Thriller, der sich wie Zukunft anfühlt, aber eigentlich schon Gegenwart ist. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich beim Lesen immer wieder Gänsehaut hatte.

Ich hatte das große Glück, eine Bloggerbox zum Buch zu erhalten, an dieser Stelle: Danke dafür! Darin waren zwei Walkie-Talkies, wo ich beim Lesen einen richtigen Aha-Moment hatte, denn genau diese simple Technik bekommt im Buch eine ganz besondere Bedeutung. Was, wenn du digitaler Kommunikation plötzlich nicht mehr trauen kannst? Wenn jede Nachricht, jeder Anruf, jedes Videobild gefälscht sein könnte? Und das so perfekt, dass du nicht mehr weißt, ob dir gerade wirklich deine Schwester schreibt oder eine Maschine.

Grandl zeichnet ein Szenario, das sich wie eine Schockwelle über die Welt legt. Deep Fakes next level: Stell dir vor, dein Kind schickt dir ein Video und bittet dich, etwas Unfassbares zu tun. Oder ein Freund beichtet dir eine Wahrheit, die alles zerstört. Nichts davon ist echt, aber dein Verstand glaubt es trotzdem.

Eine internationale Taskforce wird gebildet, um die Fake News und das Chaos auf der Welt zu stoppen. Laurent Lamy, Direktor der Cyber Crime Task Force bei Interpol, holt Leute wie Valentine O’Brien aus Irland, Camille Milloz aus Deutschland, Seiko Ito aus Japan und Noah Morel aus Frankreich zu sich, die zusammen versuchen die Lage zu kitten.

Mir kurzen Kapiteln, Perspektivwechseln, einem rasanten Erzählstil und schockierenden Wendungen bin ich nur so durch die Seiten gehechtet. „Reset“ zieht einen komplett in den Bann, man kann es nicht einfach nebenbei lesen.

Die Auflösung war nicht so vorhersehbar wie erwartet und hat nochmal eins oben drauf gesetzt.

Fazit: Peter Grandl führt uns vor, wie leicht Wahrheit heute manipulierbar ist und wie schnell aus Unsicherheit Panik wird. Das Szenario aus dem Buch fühlt sich beängstigend real an. Die Thematik ist hochaktuell und hat mich zum Nachdenken gebracht. Gerade jetzt, wo künstliche Intelligenz täglich neue Schlagzeilen macht, trifft das Buch einen Nerv. Für mich ist „Reset“ ganz klar ein Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Must-Read

Die Dämmerung (Art Mayer-Serie 2)
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"Die Dämmerung" ist nach "Der Morgen" der Zweite Fall für Art Mayer und Nele Tschaikowski. Das grelle grüne Cover springt sofort ins Auge, erst auf den zweiten Blick entdeckt man den Hirsch. Das passt ...

"Die Dämmerung" ist nach "Der Morgen" der Zweite Fall für Art Mayer und Nele Tschaikowski. Das grelle grüne Cover springt sofort ins Auge, erst auf den zweiten Blick entdeckt man den Hirsch. Das passt sehr gut zum Inhalt, denn die Leiche wurde im Wald gefunden, drapiert mit einem Hirschgeweih.

Marc Raabe gelingt es erneut, Spannung aufzubauen, ohne sich in Effekthascherei zu verlieren. Ich würde definitiv empfehlen, die Reihenfolge einzuhalten. Denn was in Band eins begonnen hat, entwickelt sich hier weiter.

Art Mayer ist kein einfacher Ermittler und genau deshalb mag ich ihn. In diesem Band muss er sich nicht nur mit einer bizarr inszenierten Mordserie herumschlagen, sondern auch mit sich selbst: seinem schwankenden Blutzucker, seiner kleinen Nachbarin Milli und letztendlich wieder mit seiner Vergangenheit. Tonbandaufnahmen führen ihn zurück in längst vergessene Abgründe. Die Flashbacks sind nicht nur atmosphärisch dicht, sie haben auch direkt mit dem Fall zu tun und treiben das Puzzle Stück für Stück voran.

Auch Nele Tschaikowski wird es in dem Band nicht einfach gemacht. Als schwangere Polizistin muss sie sich bei ihren hauptsächlich männlichen Kollegen behaupten. Der Fall wird dann auch für sie sehr persönlich, denn sie gerät ins Visier und in Gefahr.

Marc Raabe hat wieder abgeliefert: Kurze und spannende Kapitel, eine durchdachte Struktur und Wendungen, die man nicht kommen sieht. Am Ende sind viele Fragen beantwortet, aber es sind auch neue dazugekommen. Jetzt will ich natürlich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Wie gut, dass Band 3 „Die Nacht“ bereits erschienen ist.

Fazit:
Die Dämmerung ist ein Must-Read für alle, die intensive Thriller mit Spannung lieben. Für mich ganz klar: 5 Sterne. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Überraschend ein Highlight!

Quicksilver - Tochter des Silbers. Gefangener der Schatten
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Ich bin ohne große Erwartungen in das Buch gestartet. Nie hätte ich damit gerechnet, dass mich „Quicksilver“ so verzaubern und überraschen würde. Am Ende blieb ich staunend zurück mit einer riesigen Vorfreude ...

Ich bin ohne große Erwartungen in das Buch gestartet. Nie hätte ich damit gerechnet, dass mich „Quicksilver“ so verzaubern und überraschen würde. Am Ende blieb ich staunend zurück mit einer riesigen Vorfreude auf den zweiten Band („Brimstone“).

Die Geschichte beginnt in einer rauen und staubigen Welt. Wasser ist kostbar, und die, die keines haben, zählen kaum. Die Protagonistin Saeris wächst genau dort auf. Sie ist klug, scharfzüngig und zäh. Eine echte Anti-Heldin, die ich von Anfang an mochte.

Als sie es schafft, das Portal zur sagenumwobenen Fae-Welt zu durchqueren, beginnt ein neues Kapitel. Hier trifft sie auf Kingfisher, einen Fae-Krieger, der mit seiner abweisenden und kühlen Art zunächst wenig Sympathie weckt. Zwischen den beiden knistert es jedoch gewaltig. Es ist dieses klassische Enemies-to-Lovers-Duell, das einfach so viel Spaß macht. Mit bissigen Dialogen, Reibung und Momenten, in denen man als Leserin am liebsten beide gleichzeitig schütteln und umarmen würde.

Was dieses Buch aber besonders macht, ist nicht nur die Liebesgeschichte, sondern der Weltenaufbau. Über 800 Seiten lang taucht man ein in ein magisches Universum, das erfrischend anders ist, als andere Fantasy-Welten. Obwohl die Autorin sich Zeit nimmt, wurde es beim Lesen nie langweilig. Selbst die Liebes-Szenen (weil es ja ein Romantasy-Buch ist) und die Kampfszenen fügten sich gut ins Gesamtbild ein.

Je weiter ich kam, desto schwerer fiel es mir, das Buch aus der Hand zu legen. Alles fügte sich zusammen und der Sog wurde stärker und stärker. Und dann kam der Epilog. Uff. Ich dachte, ich wäre bereit. War ich nicht.

Fazit:
Quicksilver hat mich überrascht und komplett geflasht: Highlight! 5*/5 Sternen

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