Aufschlussreich
Dieses Buch ist sehr interessant und ein Augenöffner. Ganz vieles, was hier erklärt wird, wusste ich nicht, noch nicht einmal, dass das Identifizieren von Nazisprache im allgemeinen Sprachgebrauch eine ...
Dieses Buch ist sehr interessant und ein Augenöffner. Ganz vieles, was hier erklärt wird, wusste ich nicht, noch nicht einmal, dass das Identifizieren von Nazisprache im allgemeinen Sprachgebrauch eine eigene Wissenschaft ist, dabei ist es ganz logisch und sogar notwendig.
„Das Volk soll anfangen, einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren.“ , war eine Maxime und in diesem Sinne haben die Nazis erst einmal den Duden überarbeitet. Da kommt einem direkt George Orwells „Neusprech“ aus „1984 in den Sinn.
Mann soll dieses Buch als Nachschlagewerk verstehen, das untersucht, welche Herkunft verschiedene Worte oder Redewendungen haben. In alphabetischer Reihenfolge, von „Absetzbewegung“ bis „zersetzen“, kann man hier nachlesen, in welchem Zusammenhang zu welcher Zeit Worte benutzt wurden. Manche Begriffe haben Nazis bewusst geprägt. Zum Beispiel haben sie den Eintopf am Sonntag als Maßnahme zur Unterstützung des Heeres eingeführt. Das Geld, das man sparte, indem man kein aufwendiges Sonntagsessen kochte, sollte man für die Soldaten spenden. Wenn man so etwas erfährt, bleibt einem doch der nächste Eintopf im Halse stecken. Eintopf kommt mir nicht mehr ins Haus, es gibt doch auch feine Suppen.
Allerdings räumt der Autor ein, dass selbst belastete Wörter im Lauf der Zeit wieder frei werden können. Das Wort „Aktion“ etwa war zur Nazizeit allgegenwärtig. Heute denkt sich niemand mehr etwas dabei, weil es lange genug in harmlosen Zusammenhängen genutzt wurde.
Die verschiedensten Begriffe werden hier erklärt und erläutert und zum Abschluss gibt der Autor immer eine kleine Zusammenfassung und eine Einschätzung, ob ein Wort heute noch benutzt werden kann oder nicht. Das ist oft hilfreich, an vielen Stellen fand ich es aber doch etwas bevormundend. Manch ein Wort ist klar zu verdammen, aber oft ist es auch eine Frage des Geschmacks, ob man es benutzt oder im Hinblick auf die Wortherkunft aus seinem Wortschatz streicht. Zu beurteilen, was da guter Geschmack ist, kommt mir doch etwas anmaßend vor.
Trotzdem ist dieses Buch hoch interessant. Ich habe viel gelernt und weder jetzt wahrscheinlich deutlich kritischer mit meiner Wortwahl umgehen.