Cover-Bild Verbrannte Wörter
Band der Reihe "Duden - Sachbuch"
(14)
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Duden ein Imprint von Cornelsen Verlag GmbH
  • Themenbereich: Gesellschaft und Sozialwissenschaften - Gesellschaft und Kultur, allgemein
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 17.03.2025
  • ISBN: 9783411740109
Matthias Heine

Verbrannte Wörter

Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht

„Asozial", „Bombenwetter" oder „Volk" - nicht wenige Wörter gelten als verpönt, weil sie mit der Rhetorik der Nationalsozialisten in Verbindung gebracht werden. Spätestens seit in der politischen Debatte verstärkt sprachliche Grenzen ausgereizt werden, stellt sich wieder die Frage, welche Wörter man benutzen darf, ohne an die NS-Ideologie anzuknüpfen.
Der Journalist Matthias Heine setzt sich mit der Sprache der Nazis auseinander und geht auf über 100 Begriffe ein. Manche, etwa „Eintopf", dürften dabei überraschen. Umgekehrt zeigt sich, dass nicht alles in die Nazi-Schublade gehört, was wir dort hineingepackt hätten. Auf einem heiklen Terrain bietet dieses Buch wertvolle Orientierung.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2025

Aufschlussreich

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Dieses Buch ist sehr interessant und ein Augenöffner. Ganz vieles, was hier erklärt wird, wusste ich nicht, noch nicht einmal, dass das Identifizieren von Nazisprache im allgemeinen Sprachgebrauch eine ...

Dieses Buch ist sehr interessant und ein Augenöffner. Ganz vieles, was hier erklärt wird, wusste ich nicht, noch nicht einmal, dass das Identifizieren von Nazisprache im allgemeinen Sprachgebrauch eine eigene Wissenschaft ist, dabei ist es ganz logisch und sogar notwendig.

„Das Volk soll anfangen, einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren.“ , war eine Maxime und in diesem Sinne haben die Nazis erst einmal den Duden überarbeitet. Da kommt einem direkt George Orwells „Neusprech“ aus „1984 in den Sinn.

Mann soll dieses Buch als Nachschlagewerk verstehen, das untersucht, welche Herkunft verschiedene Worte oder Redewendungen haben. In alphabetischer Reihenfolge, von „Absetzbewegung“ bis „zersetzen“, kann man hier nachlesen, in welchem Zusammenhang zu welcher Zeit Worte benutzt wurden. Manche Begriffe haben Nazis bewusst geprägt. Zum Beispiel haben sie den Eintopf am Sonntag als Maßnahme zur Unterstützung des Heeres eingeführt. Das Geld, das man sparte, indem man kein aufwendiges Sonntagsessen kochte, sollte man für die Soldaten spenden. Wenn man so etwas erfährt, bleibt einem doch der nächste Eintopf im Halse stecken. Eintopf kommt mir nicht mehr ins Haus, es gibt doch auch feine Suppen.

Allerdings räumt der Autor ein, dass selbst belastete Wörter im Lauf der Zeit wieder frei werden können. Das Wort „Aktion“ etwa war zur Nazizeit allgegenwärtig. Heute denkt sich niemand mehr etwas dabei, weil es lange genug in harmlosen Zusammenhängen genutzt wurde.

Die verschiedensten Begriffe werden hier erklärt und erläutert und zum Abschluss gibt der Autor immer eine kleine Zusammenfassung und eine Einschätzung, ob ein Wort heute noch benutzt werden kann oder nicht. Das ist oft hilfreich, an vielen Stellen fand ich es aber doch etwas bevormundend. Manch ein Wort ist klar zu verdammen, aber oft ist es auch eine Frage des Geschmacks, ob man es benutzt oder im Hinblick auf die Wortherkunft aus seinem Wortschatz streicht. Zu beurteilen, was da guter Geschmack ist, kommt mir doch etwas anmaßend vor.

Trotzdem ist dieses Buch hoch interessant. Ich habe viel gelernt und weder jetzt wahrscheinlich deutlich kritischer mit meiner Wortwahl umgehen.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Nachschlagewerk mit geschichtlichem Hintergrundwissen

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Verbrannte Wörter ist ein Nachschlagewerk, in dem über 100 Begriffe beleuchtet werden in Bezug auf ihre Nähe oder ihren Ursprung in der Nazi-Zeit. Zu jedem Begriff gibt es eine genaue historische Einordnung, ...

Verbrannte Wörter ist ein Nachschlagewerk, in dem über 100 Begriffe beleuchtet werden in Bezug auf ihre Nähe oder ihren Ursprung in der Nazi-Zeit. Zu jedem Begriff gibt es eine genaue historische Einordnung, in welchem Kontext er genutzt wurde, wie er entstanden ist und ob er ein Begriff war, der vor allem von den Nazis genutzt wurde, um damit zu werben oder die schrecklichen Taten, die sie begingen, zu verschleiern, verbergen oder beschönigen.

Ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen mit Abschnitten, also tatsächlich von A bis Z durch gelesen. Das kann ich nicht empfehlen, denn die Aufmerksamkeit leidet doch sehr darunter und ich bin mir sicher, ich habe beim Lesen direkt einiges wieder vergessen oder nicht richtig aufgenommen. Als Nachschlagewerk ist es allerdings wirklich gut - und einiges hat mich auch überrascht, zum Glück im positiven Sinn.

Also - Empfehlung als gut geschriebenes Nachschlagewerk zum reinblättern oder gezielten Suchen bestimmter Begriffe.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Die Moral von der Geschicht‘

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„Verbrannte Wörter“ ist ein Wörterbuch, das darüber aufklärt, welche Begriffe aufgrund ihrer Verwendung durch die Nazis heute gemieden werden sollten und welchen dieser Ruf zu Unrecht anlastet.
Schon die ...

„Verbrannte Wörter“ ist ein Wörterbuch, das darüber aufklärt, welche Begriffe aufgrund ihrer Verwendung durch die Nazis heute gemieden werden sollten und welchen dieser Ruf zu Unrecht anlastet.
Schon die Einleitung beleuchtet die Methoden, die Menschen im Nationalsozialismus zu einem „einheitlichen Denken“ bewegen sollten. „Dieser Metaphernüberfluss ist es, der den ‚Schwulst’ ausmacht, den schon die Zeitgenossen dem faschistischen Stil nachgesagt haben und den die Forschung der vergangenen sieben Jahrzehnte zu definieren versucht hat.“
Matthias Heine analysiert Wort für Wort von A wie „Absetzbewegung“ (unbedenklich) bis Z wie „zersetzen“ (bedenklich) dessen Gebrauch in der Geschichte der deutschen Sprache, das mitunter schon von den Dichtern und Denkern geprägt und schließlich erst später mit einer anderen Bedeutung belegt wurde. Nach der weiteren Verwendung in Ost und West folgt ein Fazit zur Einstufung jedes Wortes für die heutige Zeit.
Es ist interessant und schockierend zugleich zu lesen, mit welchem Aufwand und wie perfide „Propaganda“ (unbedenklich) betrieben wurde, um die Bevölkerung zu manipulieren. Ein Wermutstropfen waren für mich die Schlussfolgerungen, die teilweise so flapsig wirkten, dass sich ihr Sinn nicht erschloss oder die Wissenschaftlichkeit der Erörterung gemindert wurde. Ich halte es für wichtig, dass wir Sprache aufgeklärt und bewusst einsetzen, dabei hilft dieses Buch.

Veröffentlicht am 05.06.2025

Sprachgebrauch im Dritten Reich

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»Es geht nicht darum, eine Fahndungsliste für irgendeine Sprachpolizei zu erstellen. Sondern es geht darum zu vermitteln, was die Grundlagen jeder angemessenen Ausdrucksweise sind: Sensibilität, Kenntnis ...

»Es geht nicht darum, eine Fahndungsliste für irgendeine Sprachpolizei zu erstellen. Sondern es geht darum zu vermitteln, was die Grundlagen jeder angemessenen Ausdrucksweise sind: Sensibilität, Kenntnis der Stil-ebenen, Sinn für Angemessenheit und - ja - auch das Wissen um die Geschichte von Wörtern.«
In letzter Zeit wird es zunehmend wichtiger, sich mit dem Sprachgebrauch im Dritten Reich auseinander zu setzen. Der Rechtsruck macht die Nazis frecher, immer unverhohlener sprechen sie. Nicht nur auf inhaltlicher Ebene zeigen und fordern sie Undenkbares, auch auf sprachlicher Ebene überschreiten sie Grenzen und machen Unsagbares wieder sagbar. So schleichen sich die rechten Ideen in unseren Alltag.
Matthias Heises ‚Verbrannte Wörter‘ sammelt wie ein Wörterbuch solche (manchmal auch nur vermeintlich) verbrannten Wörter und Ausdrucksweisen. Darunter finden sich erstaunliche und erschreckende Einträge.
Wir müssen deshalb nicht in jedem Gespräch einen sprachlichen Eiertanz aufführen. Es hilft aber, sich mit der Thematik zu befassen und im Kopf zu haben, welche Konnotation Worte mitbringen und wie sie im Dritten Reich missbraucht wurden. Und das macht dieses Buch wertvoll: Es vereint sehr übersichtlich präsentiert Wörter, die zumindest im Verdacht stehen, von den Nazis missbraucht worden zu sein, und werden vom Autor jeweils in einem kurzen Fazit bewertet und in ihrem heutigen Sprachgebrauch einsortiert.
Der Autor leistet diese Bewertung für historisch verbrannte Wörter und kann so deutlich machen, wo Neonazis auch heute bewusst auf diese Sprache zurückgreifen.
Wo unsere Sprache und unser Denken unbewusst immer noch von der LTI (Lingua Tertii Imperii) beeinflusst sind, diese Brücke muss die Leserin selbst schlagen. Das Buch bietet die Grundlage dafür. Man sollte sich bewusst machen, dass über die historische Analyse hinaus, die Sprache im Blick behalten werden muss. Neue Worte tauchen auf, die unsere Gedanken färben, Hass säen und Gräben bauen. Sich einem weiteren Sprachwandel zu verschließen und nur das Bewusstsein für sprachliche Phänomene in der Vergangenheit zu schärfen, ist nicht ausreichend.
Wer in die Tiefe gehen und verstehen möchte, dem kann ich das Buch ‚LTI‘ von Victor Klemperer nahelegen.

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