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Chrystally

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2023

Ein Buch für ausgeschlafene Kinder (und Eltern)!

So schlafe ich! Und wie schläfst du?
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In „So schlafe ich! Und wie schläfst du?“ werden fünf Kinder und ihre Familien auf dem Weg ins Bett begleitet – beim Spielen, Kochen, Abendessen, Zähneputzen und Zubettgehritualen, bis die Augen zugemacht ...

In „So schlafe ich! Und wie schläfst du?“ werden fünf Kinder und ihre Familien auf dem Weg ins Bett begleitet – beim Spielen, Kochen, Abendessen, Zähneputzen und Zubettgehritualen, bis die Augen zugemacht werden. Die Bilder sind bunt und freundlich und klar strukturiert, in den Texten erzählen die Kinder von ihrem Abend und laden die kleinen Leserinnen mit Fragen ein, von ihrem eigenen Familienleben zu erzählen. Unser Kind schaut es mit 2 Jahren gerne an und nennt schon viele Protagonistinnen beim Namen.
Als Erwachsene fand ich es schön zu sehen, wie unterschiedlich die dargestellten Familien sind. Verschiedene Hautfarben (auch innerhalb von Familien), körperliche Besonderheiten, Zweisprachigkeit, Medienkonsum, Haushaltsaufgaben, Alleinerziehende, Adoption, gleichgeschlechtliche Beziehungen, nicht-binär lesbare Personen, Geschwisterliebe und -konkurrenz – all das findet Platz, ohne explizit thematisiert zu werden. Auch in den Bildern sieht man das ganz normale Leben – mit offenen Schubladen, Dreckwäschekörben, unaufgeräumten Küchen und Flecken auf dem Hemd. Das fand ich prima, auch die Darstellung der Personen, außer dass mir persönlich die Kinder ein bisschen zu niedlich illustriert waren. Konfliktthemen werden stellenweise zwischen den Zeilen angedeutet, die Geschichten sind aber sehr auf Harmonie bedacht. Das geht stellenweise vielleicht ein bisschen am realen Alltag von Kindern vorbei, kommt aber andererseits dem Zur-Ruhe-Kommen vorm Schlafengehen entgegen.
Die Verarbeitung des Buchs ist, wie bei Carlsen gewohnt, gut, das Buch ist klimaneutral in Europa hergestellt.
Insgesamt ein schönes Kinderbuch, das wir sicher noch oft anschauen werden. Daher: klare Leseempfehlung für alle, die für Diversität offen sind (und fast noch mehr für die, die es noch nicht sind).
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Klein, aber (sowas von) oho!

Jede*r kann die Welt verändern! - Ich bin Marie Curie
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Das Buch „Ich bin Marie Curie“ aus der Reihe „Jeder kann die Welt verändern“ erzählt die Lebensgeschichte der zweimaligen Nobelpreisträgerin Marie Curie. Der Autor schafft gekonnt den Spagat zwischen einer ...

Das Buch „Ich bin Marie Curie“ aus der Reihe „Jeder kann die Welt verändern“ erzählt die Lebensgeschichte der zweimaligen Nobelpreisträgerin Marie Curie. Der Autor schafft gekonnt den Spagat zwischen einer kindgerechten Erzählweise und einer ungeschönten, realistischen Darstellung, in der unter anderem die politische Unterdrückung von Bildung in Polen, die Armut von Maries Herkunftsfamilie und die daraus resultierenden Hindernisse für ihren beruflichen Weg und vor allem immer wieder die Diskriminierung von Frauen thematisiert werden. Es wird sehr deutlich, mit welcher Hartnäckigkeit und Ausdauer Marie Curie arbeiten musste, um ihre bahnbrechenden Entdeckungen zu machen und die verdiente Anerkennung zu erhalten. Ich habe Marie Curie schon immer bewundert – durch dieses Buch habe ich auch noch einiges über sie gelernt und bin umso mehr beeindruckt. Besonders für Mädchen und Frauen* halte ich sie für eine unglaublich inspirierende Person. Aber auch die Unterstützung, die sie durch ihren Vater (der den Grundstein ihres Wissens legte, sie förderte und später auch die Betreuung ihrer Tochter übernahm) und ihren Mann (der für sie in seinem Beruf zurückstand) wird nicht unterschlagen. Schön finde ich auch, dass ihr Einfluss auf spätere Wissenschaftlerinnen beschrieben wird. Abgerundet wird die Geschichte mit ein paar interessanten „fun facts“. Bis auf kleine Ausnahmen ist auch die Übersetzung gut gelungen.
In den Comic-Illustrationen ist Marie Curie, typisch für die Hauptpersonen dieser Reihe, durchgehend so dargestellt, wie sie als Kind illustriert ist. Durch das Kindchenschema mit dem riesigen Kopf wirkt sie total niedlich und sympathisch und ist auch auf allen Seiten immer schnell zu finden (nur ihr Mann ist auch als Kind dargestellt, alle anderen sind „erwachsen“). Die Figuren sind ausdrucksstark illustriert und die Schauplätze aufwändig und mit Liebe zum Detail dargestellt. Etwas schade finde ich, dass die Bilder keine Informationen enthalten, die über den Text hinausgehen. Die Bilder sind in einem Sepiaton gehalten, der gut zu der Zeit um die letzte Jahrhundertwende passt, zu der das Buch spielt. Am Ende findet sich eine Seite mit Originalfotos – eine wirklich tolle Ergänzung.
Insgesamt finde ich das Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu empfehlen. Selbst unser Sohn mit 2 Jahren guckt es schon gerne an und fragt nach dem „Marie Curie Buch“.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 17.02.2023

Inhalt bedrückend, Sprache gewaltig

Der Inselmann
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Dirk Gieselmann schildert die Lebensgeschichte von Hans, dem späteren Inselmann, mit einer Poesie, Ruhe und Bedacht, die in krassem Kontrast zu dem herzergreifenden Erleben des Protagonisten steht. Hans‘ ...

Dirk Gieselmann schildert die Lebensgeschichte von Hans, dem späteren Inselmann, mit einer Poesie, Ruhe und Bedacht, die in krassem Kontrast zu dem herzergreifenden Erleben des Protagonisten steht. Hans‘ Familie flieht vor der Stadt, dem engen Untermieterzimmer und der schmutzigen Fabrikarbeit, um autark auf einer Insel im nahegelegenen See zu leben. Doch vor der eigenen Sprachlosigkeit kann man nicht fliehen, und so bleibt der emotional vernachlässigte Hans auch dort alleine mit sich, vermisst seinen Freund, findet aber auch Trost bei den Tieren und in der Natur, bis ihn die gesellschaftlichen Zwänge in Form der Schulpflicht einholen. Und eine einfache Rückkehr gibt es nicht.
Gieselmann findet eindringliche Bilder und eine passende Sprache für eine sprachlose Familie. Oft wird mit feiner Beobachtungsgabe schlicht beschrieben, was Hans erlebt oder was um ihn herum geschieht, und weder großes Glück noch tiefes Unglück und Unrecht werden dabei bewertet, was diesen Schilderungen eine rohe Kraft verleiht. Kleine Naturbeobachtungen lassen die Inselwelt vor dem inneren Auge lebendig werden. Immer wieder erhält man aber auch Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt von Hans, die ihm meine Sympathie eingebracht haben und in ihrer Einfachheit und Direktheit überzeugend für ein emotional vernachlässigtes Kind waren.
Als Leserin hatte ich oft Mitleid mit Hans, habe ihn aber auch für seine Stärke und Resilienz bewundert, wie er trotz aller Widrigkeiten glückliche Momente findet. Daher ist die Geschichte zwar einerseits bedrückend, andererseits aber auch eine Inspiration zum Anderssein, zum Immerwiederaufstehen und dazu, auch das kleine Glück zu schätzen. Insgesamt von mir daher eine klare Leseempfehlung.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 13.12.2022

Fesselnd

Der Strand: Vermisst
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Ich habe „Der Strand – Vermisst“ von Karen Sander an einem Abend verschlungen! Der Fall um die verschwundene junge Frau ist wirklich spannend konstruiert. Wie es sich für einen guten Thriller gehört, kommen ...

Ich habe „Der Strand – Vermisst“ von Karen Sander an einem Abend verschlungen! Der Fall um die verschwundene junge Frau ist wirklich spannend konstruiert. Wie es sich für einen guten Thriller gehört, kommen immer mehr Hintergründe ans Licht, die neue Verbindungen zwischen den verschiedenen Personen enthüllen. Die vielseitige Mischung aus Verrat, Liebe, Abhängigkeiten, Drogen, Krankheit, Unfälle etc. fand ich stellenweise zwar etwas dick aufgetragen, aber trotzdem glaubwürdig. Man ahnt manche Zusammenhänge, wird aber genug im Unklaren gelassen, dass die Spannung erhalten bleibt.
Erzählt wird wechselnd aus den Perspektiven verschiedener beteiligter Personen und der Ermittler. Trotz der Perspektivenwechsel kann man der Geschichte sehr gut folgen, die Cliffhanger – z.B. wenn jemand etwas neues findet, bevor das Kapitel endet – bauen manchmal etwas mehr Dramatik auf als gerechtfertigt. Die Schilderung der Schauplätze fand ich sehr gelungen, ich konnte die norddeutsche Küste und den Bodden vor mir sehen. Die Hauptfiguren sind für mein Gefühl etwas eindimensional konstruiert – der skrupellose Bauunternehmer, der arrogante Exbürgermeister, die alternde, verbissene Journalistin… - und jeweils von einem einzigen Motiv beherrscht. Das kann man aber auch so sehen, dass ihre Beschreibung sich eben nur auf den Fall konzentriert, deshalb empfand ich es nicht als sehr störend. Etwas genervt hat mich hingegen, dass Ermittler und Journalisten alle auf dramatische Erlebnisse in ihrer Vergangenheit fixiert sind. Jeder einzelne Charakter war mir sympathisch, in der Summe war es für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Schicksal auf einem Haufen – es scheint niemanden zu geben, der eine halbwegs „heile“ Vergangenheit hat.
Alles in allem ein Buch, das ich trotz kleiner Schwächen sehr gerne gelesen habe. Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Beim Kauf sollte man sich übrigens noch im Klaren darüber sein, dass die beiden Folgebände voraussichtlich im März und Juni 2023 erscheinen werden – bis dahin muss ich mich nun gedulden.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Ein Buch wie ein ruhiger, tiefer Fluss

Flusslinien
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„Flusslinien“ von Katharina Hagena ist ein poetisches Buch über Erinnerungen.
Oma Margrit blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück und setzt in ihrer Seniorenresidenz Stückchen für Stückchen in Gedanken ...

„Flusslinien“ von Katharina Hagena ist ein poetisches Buch über Erinnerungen.
Oma Margrit blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück und setzt in ihrer Seniorenresidenz Stückchen für Stückchen in Gedanken ihre Familiengeschichte zusammen. Warum ihr dies gerade jetzt so wichtig erscheint, hat sich mir zugegeben nicht so recht erschlossen, und bisweilen bin ich durcheinandergekommen, was davon sie selbst und was ihre Mutter erlebt hat, aber beides tat der Intensität und Lebendigkeit der Erinnerungen keinen Abbruch, und wir begleiten in Margrits Erzählung ihre Mutter und deren Geliebten, einer starken, unkonventionellen Frau.
Luzie ist Margrits Enkelin, die nach einem sexuellen Übergriff damit kämpft, wie ihr näheres und weiteres Umfeld darauf reagiert hat. Ihr Fall, ihre Erlebnisse und ihre Reaktionen schienen mir einerseits etwas plakativ, andererseits sind es Erfahrungen, die leider viele Übergriffsopfer erleben, und jede Geschichte dieser Art schafft wichtiges Bewusstsein.
Arthur arbeitet im Seniorenheim, ist aber im Herzen ein Sprachenerfinder, und seine Gedanken zum Wesen von Worten, ihren Möglichkeiten und Grenzen, ihrer Gefahren und Verantwortungen haben mich sehr berührt. Er verarbeitet die zuletzt schwierige Beziehung zu seinem Zwillingsbruder.
Im Verlauf des Romans werden Schlüsselerlebnisse der genannten Personen stückweise aufgedeckt. Während dem, was die Protagonistinnen zwischen diesen Rückblicken erleben, durchlaufen sie jeweils eine psychische Entwicklung, die mir sehr schnell vorkam dafür, das bisweilen eigentlich wenig passierte.
Seine Eindrücklichkeit bezieht „Flusslinien“ jedoch weniger durch die Handlung als durch seine Sprache. Durch Hagenas Worte, durch unsentimentale und in ihrer Einfachheit poetische Natur- und Charakterschilderungen fühlt man sich selbst im Schilf an der Elbe stehen oder in den Reihen der Senioren beim Konzertnachmittag sitzen. Ein wiederkehrendes Thema, das dem Roman eine unkonventionelle Note gab, war die Perspektive des Atems, die Margrit als gelernte Stimmtherapeutin immer wieder einbringt und die die Leserin die Geschehnisse auf einer körperlichen Ebene „am Kopf vorbei“ miterleben lässt.
Insgesamt eine klare Leseempfehlung für Leser
innen, die auf Sprache mindestens ebenso viel Wert legen wie auf die Handlung, Hamburgliebhaber*innen und Menschen auf der Suche nach eigenwilligen, aber nicht überzeichneten Protagonisten.

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