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Chrystally

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Ein Buch wie ein ruhiger, tiefer Fluss

Flusslinien
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„Flusslinien“ von Katharina Hagena ist ein poetisches Buch über Erinnerungen.
Oma Margrit blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück und setzt in ihrer Seniorenresidenz Stückchen für Stückchen in Gedanken ...

„Flusslinien“ von Katharina Hagena ist ein poetisches Buch über Erinnerungen.
Oma Margrit blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück und setzt in ihrer Seniorenresidenz Stückchen für Stückchen in Gedanken ihre Familiengeschichte zusammen. Warum ihr dies gerade jetzt so wichtig erscheint, hat sich mir zugegeben nicht so recht erschlossen, und bisweilen bin ich durcheinandergekommen, was davon sie selbst und was ihre Mutter erlebt hat, aber beides tat der Intensität und Lebendigkeit der Erinnerungen keinen Abbruch, und wir begleiten in Margrits Erzählung ihre Mutter und deren Geliebten, einer starken, unkonventionellen Frau.
Luzie ist Margrits Enkelin, die nach einem sexuellen Übergriff damit kämpft, wie ihr näheres und weiteres Umfeld darauf reagiert hat. Ihr Fall, ihre Erlebnisse und ihre Reaktionen schienen mir einerseits etwas plakativ, andererseits sind es Erfahrungen, die leider viele Übergriffsopfer erleben, und jede Geschichte dieser Art schafft wichtiges Bewusstsein.
Arthur arbeitet im Seniorenheim, ist aber im Herzen ein Sprachenerfinder, und seine Gedanken zum Wesen von Worten, ihren Möglichkeiten und Grenzen, ihrer Gefahren und Verantwortungen haben mich sehr berührt. Er verarbeitet die zuletzt schwierige Beziehung zu seinem Zwillingsbruder.
Im Verlauf des Romans werden Schlüsselerlebnisse der genannten Personen stückweise aufgedeckt. Während dem, was die Protagonistinnen zwischen diesen Rückblicken erleben, durchlaufen sie jeweils eine psychische Entwicklung, die mir sehr schnell vorkam dafür, das bisweilen eigentlich wenig passierte.
Seine Eindrücklichkeit bezieht „Flusslinien“ jedoch weniger durch die Handlung als durch seine Sprache. Durch Hagenas Worte, durch unsentimentale und in ihrer Einfachheit poetische Natur- und Charakterschilderungen fühlt man sich selbst im Schilf an der Elbe stehen oder in den Reihen der Senioren beim Konzertnachmittag sitzen. Ein wiederkehrendes Thema, das dem Roman eine unkonventionelle Note gab, war die Perspektive des Atems, die Margrit als gelernte Stimmtherapeutin immer wieder einbringt und die die Leserin die Geschehnisse auf einer körperlichen Ebene „am Kopf vorbei“ miterleben lässt.
Insgesamt eine klare Leseempfehlung für Leser
innen, die auf Sprache mindestens ebenso viel Wert legen wie auf die Handlung, Hamburgliebhaber*innen und Menschen auf der Suche nach eigenwilligen, aber nicht überzeichneten Protagonisten.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Zauberhafte Katzengeschichte

Cosmo Zauberkater (Bd. 1)
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Kater Cosmo kann zaubern, obwohl Tiere das sonst nicht können, und das impulsive Zaubermädchen Aywa kriegt ihre Magie nicht unter Kontrolle. Als Cosmo Aywa als Tiergefährte zugeteilt wird, sind beide erstmal ...

Kater Cosmo kann zaubern, obwohl Tiere das sonst nicht können, und das impulsive Zaubermädchen Aywa kriegt ihre Magie nicht unter Kontrolle. Als Cosmo Aywa als Tiergefährte zugeteilt wird, sind beide erstmal wenig begeistert. Aber als sie ihre gegenseitigen Stärken kennenlernen, werden sie ein echtes Dreamteam, das auch im Angesicht höchster Gefahr zusammenhält.
Die Illustrationen haben für mich den Ausschlag gegeben, dieses Buch zu lesen. Vor allem Aywa und ihre Zauberereltern finde ich richtig niedlich, kleine Detailgrafiken lassen vor meinem inneren Auge ganze Szenen entstehen, ohne die eigene Phantasie einzuschränken, und Cosmo ist auf den Bildern genauso ein knuddeliger Rabauke wie in der Geschichte. Die dezenten Glitzerapplikationen auf dem Cover geben dem Buch nochmal zusätzliches Flair. Eine Landkarte auf der ersten Doppelseite hilft, sich zurechtzufinden.
Die Geschichte hat mir gut gefallen. Aywa, ihre Familie und Cosmo mochte ich nicht nur auf den Bildern, Aywa bringt mit ihren lustigen Flüchen bestimmt die meisten Kinder zum Lachen. Die Lehrkräfte und die anderen Tiergefährten sind individuell und besonders, die Figuren gehen angenehm über Klischees aus Zaubereigeschichten hinaus. Wie jede Zauberwelt hat die Welt von Cosmo ihre eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, und bisweilen fragt man sich hier (vielleicht auch nur als Erwachsener) nach dem Warum (z.B., dass nur die Gefährten-Tiere in Häuser dürfen, oder nach welchen Kriterien die Schüler*innen ausgewählt werden), aber insgesamt ist alles stimmig. Den Anfang fand ich ein bisschen langatmig, aber als Cosmo erstmal im Tiergefährtentrainingslager ist und Flughörnchen Cliff kennenlernt und Aywa die Schulzusage hat, nimmt das Buch ordentlich an Fahrt auf, und zum Schluss wird es richtig spannend.
Insgesamt ein phantasievoller, spannender Lesespaß. Leseempfehlung für Kinder, die noch zu jung für Harry Potter sind, und ihre Eltern.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 20.04.2023

Literarisches Baklava

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
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Wer es nicht kennt: Baklava ist ein türkisches Gebäck mit Nüssen, das in Honig oder Zuckersirup getränkt wird. Sehr süß, sehr lecker, und ich kann immer nur ein kleines bisschen davon essen. Ähnlich ging ...

Wer es nicht kennt: Baklava ist ein türkisches Gebäck mit Nüssen, das in Honig oder Zuckersirup getränkt wird. Sehr süß, sehr lecker, und ich kann immer nur ein kleines bisschen davon essen. Ähnlich ging es mir mit dem „Bücherschiff des Monsieur Perdu“ von Nina George.
Die Handlung knüpft an ihren früheren Roman „Das Lavendelzimmer“ an – das Schiff mit der Literarischen Apotheke macht sich aus der Provence auf die Reise zurück nach Paris, der Apotheker und seine Crew begegnen auf dem Weg vielen neuen und alten Bekannten und sie müssen dabei ihren Weg durch verschiedene Irrungen und Wirrungen finden. Jedes Kapitel endet mit einem passenden Eintrag aus der Großen Enzyklopädie der kleinen Gefühle, dem Handbuch für Literarische Pharmazeutinnen.
Alles, wovon erzählt wird, ist schön. Sehr sehr schön. Man muss jeden einzelnen Charakter einfach sofort lieb gewinnen, wie in einem französischen Film haben sie alle ihre Ecken, Kanten und Spleens, aber alle sind herzensgut. Natürlich die altbekannten Protagonisten, aber auch die coole, emanzipierte Pauline, der kleine schicksalsgebeutelte Theo, die vierbeinige Merline, die so viel klüger ist als die Menschen (eine Reminiszenz an ihren Artverwandten aus „Was man von hier aus sehen kann“?), den linkischen Emile, der elegante Monsieur Bovary… Das Essen ist gut, die Getränke sind gut, das Wetter ist immer gut, wenn man es braucht. Die Beziehungen zwischen den Protagonisten sind gut, jeder ist verständnisvoll, geduldig, herzlich, offen, jeder kommt den Bedürfnissen des anderen zuvor und die Gespräche sind stets ausgefeilt und tiefgehend. Wenn Probleme auftauchen, weiß man, dass sie gelöst werden, was dann aber häufig hinter den Kulissen passiert, man erfährt nur die abschließende Erleichterung. Kurzum, purer literarischer Honig. Und so schön das ist, wenn man sich in so eine emotionale Zuckerwattewolke hineinfallen lassen kann, war es mir nach einer Weile dann doch immer zu viel, wenn alle Paarbeziehungen trotz existenzieller Fragen stehen wie tausendjährige Eichen, es keinen Zweifel am Ausgang der Geschichte gibt und am Ende auch wirklich für jede Figur ein Happy End gefunden wird. Andererseits macht es das Buch zu einem absoluten Feelgoodroman, für den ich vielleicht persönlich momentan nur zu desillusioniert bin.
Das ganze Buch ist außerdem wieder ein enthusiastisches, hingebungsvolles Hohelied an Literatur, Bücher und das Lesen. Wie in einer Sinfonie, in der das Thema in unendlichen Variationen wiederholt wird, wird die Liebe zum Lesen und die vielen Arten, auf die Bücher Unterhaltung, Rat, Trost, Gewissheit, einen Möglichkeitsraum und vieles andere spenden können, in jedem Kapitel und besonders in den Einträgen der Großen Enzyklopädie der kleinen Gefühle besungen. Natürlich gibt es für Lesende, die gerade keine
n Literarische Apotheker*in an der Hand haben, Vorschläge für geeigneten Lesestoff und auch eine Auswahl von Autoren.
Das Buch hinterlässt mich wehmütig, dass die Wirklichkeit nicht so schön ist, wie George sie malt, aber in der beruhigenden Gewissheit, dass man immer Bücher als treue Weggefährten haben wird. Insgesamt daher eine klare Leseempfehlung.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein Kunstwerk über den Umgang mit dem Unbekannten

Obacht!
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Kerstin Hau erzählt eine Geschichte über den Umgang mit dem Unbekannten, kreativ illustriert von Stella Dreis. In einem Ort mit phantastischen Wesen liegt plötzlich ein riesiges, unbekanntes, schlafendes ...

Kerstin Hau erzählt eine Geschichte über den Umgang mit dem Unbekannten, kreativ illustriert von Stella Dreis. In einem Ort mit phantastischen Wesen liegt plötzlich ein riesiges, unbekanntes, schlafendes Tier im Weg, und erst nach mehreren vergeblichen Strategien der Bewohner, es zu umgehen, findet das Mienchen die Lösung: mit ihm zu reden.
In einer Zeit, in der so viele Themen die Gesellschaft spalten, war ich sehr neugierig auf das Buch. Die Geschichte fand ich dann auch toll – es geht um Angst, Problemlösekompetenz, Mut, Konformität, Kompromissbereitschaft, Ageism, Autorität und Macht und die Kraft Gewaltfreier Kommunikation, erzählt in einfachen Sätzen, Dialogen und vielen Ausrufen, die die Innenwelt der Figuren erlebbar macht. Die Illustrationen lassen eine fremde Welt lebendig werden (auch wenn sie der unseren sehr gleicht), mit vielfältigen Figuren – Tiere, Menschen, Phantasiewesen, ausdrucksvoll in unterschiedlichen Stilen gestaltet, mit einer eindrucksvollen Farbgebung in Graustufen und kraftvollen, effektvoll eingesetzten Akzenten in Orange. Das Buch ist hochwertig verarbeitet. Insgesamt war es eine Freude, im Buch zu blättern und es dann zu lesen! Auch unser Kind (fast 5) hat es nach dem ersten Vorlesen nochmal aus einem Stapel ausgesucht.
Schade fand ich, dass die Figuren sehr klein abgebildet sind – das ist sicher auch Absicht und zeigt den Kontrast zu dem großen Tier. Leider kommen ihre Eigenheiten und Vielfalt dadurch nicht ganz so gut zur Geltung; ich würde sie gerne leichter genauer betrachten können. Die vielen Ausrufe fand ich stellenweise etwas langatmig. Was mich allerdings mehr gestört hat, war die stereotype Rollenzuordnung der erwachsenen Figuren: Timpe-Pa, ein „alter weißer Mann“, trifft die Anordnungen; Timpe-Ma, die toupierte Hausfrau, jammert und ist hilflos. Ich hoffe, dass Kinder heutzutage schon weniger in diesem Klischeedenken aufwachsen, und finde es schade, dass dieses Buch es wieder aufgreift. Die Autoritätsthematik hätte auch mit nicht-genderklischeekonformen oder geschlechtslosen Wesen dargestellt werden können.
Insgesamt ist „Obacht“ ein kreatives Kinderbuch, dass schwere Themen leicht verpackt und auch für Erwachsene schön zum Vorlesen ist.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein junger Protagonist macht noch kein Kinderbuch

Alexander
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Von Schirach ist für Erwachsene ein toller Autor, hier wagt er sich an ein Kinderbuch. Er beschreibt er Aufstieg und Fall eines Reiches und die Reise des jungen, nachdenklichen Alexander beim Versuch, ...

Von Schirach ist für Erwachsene ein toller Autor, hier wagt er sich an ein Kinderbuch. Er beschreibt er Aufstieg und Fall eines Reiches und die Reise des jungen, nachdenklichen Alexander beim Versuch, seine Stadt vor einem weiteren Krieg zu bewahren, indem er gerechte Gesetze findet. Dabei begegnet er verschiedenen, teils bekannten Figuren, von denen er etwas über die Regeln des guten Zusammenlebens lernt, über Ethik, Psychologie und Philosophie.
Die Geschichte entspricht altgriechischen Dramen und Sagen: die Figuren eigenwillig, prototypisch, leicht greifbar und meist sympathisch, die Handlung eine unverhüllte Heldenreise des jugendlichen Alexanders, der später „der Große“ werden wird.
Der Erzählstil ist größtenteils geprägt von einer entlarvenden Einfachheit, wie sie vor allem Kindern zueigen ist, wodurch die ethischen Grundsätze etwas plakativ, aber dafür eben sehr greifbar vermittelt werden. Manche Details ließen sich jedoch nicht in dieser Sprache bändigen, wodurch es hin und wieder zu abstrakten Exkursen kommt, die aus der Geschichte herausstechen. Erwachsene werden viele Motive wiedererkennen (Diogenes; der Schaumschläger mit den kleinen Händen, das Trolley-Problem…), je nach persönlicher Präferenz wird man sich darüber freuen oder sie als „schon bekannt“ überfliegen; jüngeren Lesende ermöglichen sie spannende erste Begegnungen. Der Erzählrhythmus schwankt zwischen der temporeichen Handlung um die Rettung der Stadt, die Spannung aufbaut, und den kontemplativ geschilderten Begegnungen, Beobachtungen und langen Dialogen. Diese Tempowechsel haben bei mir ein unharmonisches Gefühl wie im Stop-and-go-Verkehr erzeugt.
Die Altersempfehlung von 10 Jahren finde ich passend, für jüngere Kinder sind die Themen noch zu abstrakt und die vielen Dialoge daher vermutlich wenig fesselnd. Ältere Kinder sollten Leseerfahrung mitbringen – um „leichte“ Lektüre handelt es sich für sie sicher nicht, aber dafür eine umso bereicherndere.
Insgesamt ist „Alexander“ ein Buch, das jungen Lesenden erste Begegnungen mit Themen aus Recht, Ethik, Psychologie und Philosophie ermöglicht und sie dabei sicherlich herausfordert.

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