Harte Realität
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104Ich hatte schon die beiden "Gretchen"-Bücher von Susanne Abel gelesen, sie haben mir gut gefallen. Auf dieses neue Buch war ich sehr gespannt, denn viele Ereignisse aus der Nachkriegszeit sind längst nicht ...
Ich hatte schon die beiden "Gretchen"-Bücher von Susanne Abel gelesen, sie haben mir gut gefallen. Auf dieses neue Buch war ich sehr gespannt, denn viele Ereignisse aus der Nachkriegszeit sind längst nicht aufgearbeitet und müssen gerade heute wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken, denn alles war eine Folge der Nazidiktatur und man darf den Rechtsruck in der Gesellschaft nicht unterschätzen.
Ein kleiner Junge bleibt auf der Flucht aus dem Osten am Ende des 2. Weltkriegs allein zurück, er weiß weder seinen Namen noch kennt er seine Verwandtschaft. Im Kinderheim erhält er den Namen Hartmut und die Nummer 104. Das Leben im Heim ist grausam, noch immer herrscht die schwarze Pädagogik und die Kinder bekommen weder genug zu essen noch Liebe und Zuwendung. Zum Glück lernt Hartmut die Kriegswaise Margret kennen, die etwas älter ist und sich um den Kleinen kümmert.
Das Buch wird auf zwei Ebenen erzählt, in der Gegenwart sind Margret und Hartmut verheiratet, sind Eltern einer Tochter, ihre Urenkelin lebt bei ihnen, weil die Mutter sich nicht kümmert. In Rückblicken erfährt man viel über das Leben im Heim und darüber, wie Margret und Hartmut sich wiedergefunden haben.
Manchmal ist die Geschichte nur schwer zu ertragen und die Triggerwarnung zu Beginn besteht nicht grundlos. Man kann es kaum fassen, wie die Kinder im "christlichen" Heim behandelt wurden, dass man sogar Medikamentenversuche an Heimkindern unternahm und sie schnell für "debil" erklärte und wegsperrte. In einigen Passagen erinnert das Buch an "Am Meer ist es schön", da geht es allerdings um die Verschickungskinder, die aber oft ähnlich behandelt wurden.
Man weiß heute, dass sich Traumata über Generationen hinweg vererben und auch in diesem Buch wird deutlich, dass auch spätere Generationen noch schwer an dem grausamen Erbe ihrer Eltern und Großeltern zu tragen haben.
Für dieses Buch gibt es eine unbedingte Leseempfehlung, man muss es aber auch aushalten können.