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Veröffentlicht am 25.09.2025

Harte Realität

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Ich hatte schon die beiden "Gretchen"-Bücher von Susanne Abel gelesen, sie haben mir gut gefallen. Auf dieses neue Buch war ich sehr gespannt, denn viele Ereignisse aus der Nachkriegszeit sind längst nicht ...

Ich hatte schon die beiden "Gretchen"-Bücher von Susanne Abel gelesen, sie haben mir gut gefallen. Auf dieses neue Buch war ich sehr gespannt, denn viele Ereignisse aus der Nachkriegszeit sind längst nicht aufgearbeitet und müssen gerade heute wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken, denn alles war eine Folge der Nazidiktatur und man darf den Rechtsruck in der Gesellschaft nicht unterschätzen.

Ein kleiner Junge bleibt auf der Flucht aus dem Osten am Ende des 2. Weltkriegs allein zurück, er weiß weder seinen Namen noch kennt er seine Verwandtschaft. Im Kinderheim erhält er den Namen Hartmut und die Nummer 104. Das Leben im Heim ist grausam, noch immer herrscht die schwarze Pädagogik und die Kinder bekommen weder genug zu essen noch Liebe und Zuwendung. Zum Glück lernt Hartmut die Kriegswaise Margret kennen, die etwas älter ist und sich um den Kleinen kümmert.

Das Buch wird auf zwei Ebenen erzählt, in der Gegenwart sind Margret und Hartmut verheiratet, sind Eltern einer Tochter, ihre Urenkelin lebt bei ihnen, weil die Mutter sich nicht kümmert. In Rückblicken erfährt man viel über das Leben im Heim und darüber, wie Margret und Hartmut sich wiedergefunden haben.

Manchmal ist die Geschichte nur schwer zu ertragen und die Triggerwarnung zu Beginn besteht nicht grundlos. Man kann es kaum fassen, wie die Kinder im "christlichen" Heim behandelt wurden, dass man sogar Medikamentenversuche an Heimkindern unternahm und sie schnell für "debil" erklärte und wegsperrte. In einigen Passagen erinnert das Buch an "Am Meer ist es schön", da geht es allerdings um die Verschickungskinder, die aber oft ähnlich behandelt wurden.

Man weiß heute, dass sich Traumata über Generationen hinweg vererben und auch in diesem Buch wird deutlich, dass auch spätere Generationen noch schwer an dem grausamen Erbe ihrer Eltern und Großeltern zu tragen haben.

Für dieses Buch gibt es eine unbedingte Leseempfehlung, man muss es aber auch aushalten können.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Super!

Wohin du auch gehst
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Nach den ersten Seiten des Buches war ich nicht so begeistert, aber je mehr ich über das Leben von Mira und Bijoux erfuhr, umso mehr faszinierte mich das Buch.

Mira wächst in wohlhabenden Verhältnissen ...

Nach den ersten Seiten des Buches war ich nicht so begeistert, aber je mehr ich über das Leben von Mira und Bijoux erfuhr, umso mehr faszinierte mich das Buch.

Mira wächst in wohlhabenden Verhältnissen in Kinshasa auf. Doch als sie schwanger wird, verstößt ihre Familie sie und schickt sie nach Europa, das Kind bleibt bei ihrer verheirateten Schwester Eugenie. Zwölf Jahre später bringt Eugenie die kleine Bijoux zu Mira, die inzwischen in London lebt und sehr fromm geworden ist. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist sehr angespannt. Bijoux fühlt sich in London nicht wohl, bis sie eine Frau kennenlernt, in die sie sich verliebt. Und das passt natürlich nicht in Miras Weltbild.

Für mich war das Buch ein Einblick in fremde Welten. Der Kongo/Zaire ist weit weg, man hört meist nur davon, wenn dort Krieg herrscht oder mal wieder ein Diktator gestürzt wurde. Die Familienstrukturen sind weitgehend patriarchalisch, aber die Frauen haben Zugang zu Bildung und nutzen sie auch. Trotzdem sind sie von echter Freiheit weit entfernt.

Ich fand das Buch hervorragend geschrieben und konnte es nach der Angangsphase kaum weglegen. Christina Fonthes' Schreibstil ist präzise und variantenreich, sie beobachtet sehr genau und kann auch die Gefühle der Frauen gut beschreiben, ihre Einsamkeit, ihre Sehnsucht, ihre Träume. Die afrikanischen Ausdrücke werden im Glossar am Ende erklärt und das ist sehr hilfreich.

Dieses Buch kann man uneingeschränkt empfehlen!

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Gute alte Zeit?

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Das Wort "Lehrerinnenzölibat" kennt heute kaum noch jemand. Es besagt, dass eine ausgebildete Lehrerin bei ihrer Heirat den Beruf aufgeben muss, denn Beruf und Familie hielt man für nicht vereinbar, auch ...

Das Wort "Lehrerinnenzölibat" kennt heute kaum noch jemand. Es besagt, dass eine ausgebildete Lehrerin bei ihrer Heirat den Beruf aufgeben muss, denn Beruf und Familie hielt man für nicht vereinbar, auch räumte man so unerwünschte Konkurrenz aus dem Weg. In der BRD galt das Gesetz bis 1951.
Anna Kalthoff, die Urgroßmutter des Autors, war Lehrerin und kam als junge Frau in das kleine Dorf Cobbenrode im Sauerland. Sie verliebte sich in den begehrtesten Jungen des Dorfes, sein Vater besaß eine Landwirtschaft, einen Gasthof und eine Posthalterei. Um ihn heiraten zu können, gab sie ihren Beruf auf und arbeitet auf dem Hof mit. Leider starb ihr Mann kurz nach der Hochzeit und sie musste mit ihrem kleinen Sohn allein durchkommen. Dabei war sie sehr tatkräftig und klug und erarbeitet sich die Achtung des Dorfes.
Das Buch zeigt eindrücklich, dass die "gute alte Zeit" so gut gar nicht war. Als Frau hatte man es besonders schwer, man musste sich an die Konventionen halten und hatte wenig Möglichkeiten seine Vorstellungen frei zu verwirklichen.
Sußebach zeigt in seinem Buch eindrücklich, wie die Realität auf dem Dorf aussah und hat penibel recherchiert. Sein Schreibstil ist sachlich und wenig emotional, nur manchmal blitzt die Bindung an seine Familie und die unbekannte Urgroßmutter auf.
Man erhält einen intensiven Einblick in die Zeit um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert und später. Das hat mir sehr gefallen, denn hier geht es um schlichtes dörfliches Leben und nicht den Glamour von Berlin oder München.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Hervorragend und viel mehr als ein Krimi

Das geheime Bildnis
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Der Kriminalroman spielt in drei Zeitebenen. 1938 kommt die Malerin Juliette Willoughby bei einem Brand ums Leben. Mit ihr verbrennen nicht nur ihr Lebensgefährte, sondern auch alle ihre Bilder. 1991 beschäftigen ...

Der Kriminalroman spielt in drei Zeitebenen. 1938 kommt die Malerin Juliette Willoughby bei einem Brand ums Leben. Mit ihr verbrennen nicht nur ihr Lebensgefährte, sondern auch alle ihre Bilder. 1991 beschäftigen sich die Kunststudenten Patrick und Caroline mit Juliette und ihrem Tod und stoßen auf Hinweise, dass ihr wichtigstes Bild den Brand überlebt haben könnte. In der Jetztzeit verkauft Patrick das Bild in seiner Galerie in Dubai und Caroline soll die Echtheit bestätigen. Doch dann wird Patrick wegen Mordes festgenommen.

Da die einzelnen Zeitebenen durch die entsprechenden Überschriften gekennzeichnet sind, findet man sich schnell zurecht. Und auch die Handlung hat mich von Anfang an gefesselt, ich bin din drei Tagen durch das Buch geflogen und es hat mich von Anfang bis Ende fasziniert. Die Personen sind nahbar, ihre Handlungen nicht immer ganz nachvollziehbar, aber am Ende löst sich alles schlüssig auf. Dabei sind einige Überraschungen nicht ausgeschlossen! Das Buch ist nicht nur ein Krimi, sondern auch ein Gesellschaftsportrait der englischen Society und der Zustände im Traumland Dubai.

Ein ganz hervorragender Krimi von einem Ehepaar, das ich bisher noch nicht kannte. Aber man darf gespannt auf die nächsten Bücher sein!

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Packend

Aschesommer
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Der zweite Band über das Ermittlerduo um Jakob Krogh und Mila Weiss ist ebenso spannend wie der erste Band "Krähentage".
Mysteriöse Morde, die einem ganz bestimmten Muster folgen, führen das Ermittlerteam ...

Der zweite Band über das Ermittlerduo um Jakob Krogh und Mila Weiss ist ebenso spannend wie der erste Band "Krähentage".
Mysteriöse Morde, die einem ganz bestimmten Muster folgen, führen das Ermittlerteam zu Jan-Christian Bode, der bis zu seinem Lebensende in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt ist. Trotzdem muss es ihm gelungen sein einen Menschen so zu manipulieren, dass er für Bode Menschen auf grausame Weise umbringt. Die Suche nach diesem Hintermann ist zeitraubend und frustrierend. Dann verschwindet auch noch die Tochter des Oberstaatsanwalts und der Druck auf das Team steigt noch einmal.
Die ersten Seiten waren etwas zäh, bis man wieder in der Geschichte war, aber dann konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das liegt nicht nur an dem guten Schreibstil, sondern auch an dem interessanten Ermittlerteam, in dem ganz unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten müssen. Das Privatleben der Teammitglieder spielt eine Rolle, aber es dominiert das Buch nicht.
Der Plot ist raffiniert und man bleibt bis zum überraschenden Schluss im Ungewissen.
Ein wirklich guter und sehr lesenswerter Thriller!

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