Kunst und Familie
Allow a Sunflower to Bloom„Allow A Sunflower To Bloom“ hat mich in vielerlei Hinsicht beschäftigt. Die Sprache ist kunstvoll und stark bildhaft, teilweise fast überladen, aber dabei nicht unehrlich. Emmee als Hauptfigur bleibt ...
„Allow A Sunflower To Bloom“ hat mich in vielerlei Hinsicht beschäftigt. Die Sprache ist kunstvoll und stark bildhaft, teilweise fast überladen, aber dabei nicht unehrlich. Emmee als Hauptfigur bleibt mir ambivalent. Ich konnte sie in manchen Momenten gut nachvollziehen, in anderen hat mich ihre Art eher auf Abstand gehalten. Ihre Gedanken kreisen viel, oft zu viel. Das kann anstrengend sein, macht sie aber auch glaubwürdig.
Die Handlung spielt hauptsächlich in Wien, das nicht nur Kulisse ist, sondern als Teil der Geschichte miterzählt wird. Die Themen sind vielschichtig. Pflegekindheit, Zugehörigkeit, Selbstzweifel, Nähe, Kunst, Angst vor dem Verlassenwerden. Manches davon ist subtil eingeflochten, manches sehr präsent. Es gibt Stellen, die ich stark fand, gerade weil sie nicht auf eine Pointe hinauswollen. Andere Szenen wirkten auf mich konstruiert oder zu gewollt poetisch.
Die Nebenfiguren wie Casimir, Madita und Xavier haben für mich gut funktioniert. Besonders Casimir hat eine Ruhe in die Geschichte gebracht, die der Erzählung guttut. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind oft angespannt, manchmal unausgesprochen, selten einfach. Das macht sie realistisch, aber nicht immer leicht zu lesen.
Was mir gefallen hat, ist die Verbindung von Kunst und innerem Erleben. Jedes Kapitel wird mit einem Kunstwerk eingeleitet, das thematisch passt. Die Idee finde ich gelungen, auch wenn sie beim Lesen eine gewisse Aufmerksamkeit verlangt. Es hat den Kapiteln einfach das gewisse etwas verliehen.