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Veröffentlicht am 04.09.2025

außergewöhnlich - unbescheiblich - fazinierend - vielschichtig

Pagans - Ein Killer. Zwei Cops. Hunderte Götter
1

In einem modernen fiktiven England im Heute, in dem es keine industrielle Revolution gab, ermitteln die Londoner Kriminalerin Aedith und der keltische Inspektor Drustan gemeinsam, um den Tod eines keltischen ...

In einem modernen fiktiven England im Heute, in dem es keine industrielle Revolution gab, ermitteln die Londoner Kriminalerin Aedith und der keltische Inspektor Drustan gemeinsam, um den Tod eines keltischen Diplomaten aufzuklären.

Das Buch selbst wirkt hochwertig und ist optisch übersichtlich gestaltet.
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, teilweise utopisch und doch so real und nah.
Insbesondere dem sehr verschiedenartigen Ermittler-Duo bringe ich meine volle Sympathie entgegen. Auf ihre persönliche eigene Art ergänzen sie sich prima. In beide konnte ich mich tief einfühlen.
Der bildhafte, atmosphärische und emotionale Sprachstil machen die Geschehnisse gut vorstellbar und bieten Lesevergnügen.
Der gut aufgebaute Spannungsbogen sowie das aufkommende Gefühl, immer tiefer und ausführlicher in die Geschehnisse eintauchen zu wollen, machen das Weglegen des Buches schwer.
Von der ersten bis zur letzten Seit ist man Teil einer strukturiert aufgebauten Handlung. Im Verlauf fügt sich alles.

Dieses Buch ist sehr interessant und alternativ.
Aus meiner Sicht ist es eine gelungene Mischung aus Roman, klassischem Krimi sowie Innovations- und Informations-Lektüre.
Es bietet neben Unterhaltung lehrreiche Hintergrund-Informationen und Anregungen zum Recherchieren der Kultur, der Historie und spornt an zum Nachdenken über das fiktive gesellschaftliche Miteinander.
Und das alles ist in diesem Buch hervorragend verpackt in eine spannende Erzählung.

Allen, die nicht nur einfach so nebenbei einen üblichen Roman/Krimi lesen wollen,
sondern die es lieben, gefordert zu sein, mitzudenken und in ganz alternative Geschichten einzutauchen,
kann ich dieses Buch empfehlen.
Aus meiner Sicht:
Ein ganz besonderes Buch - eben keines "von der Stange" und "für mal so nebenbei"

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 09.06.2025

Wer trägt welche Schuld?

Sieben letzte Tage
6

Alice kümmert sich um ihre alleinstehende Mutter, die nach einem Schlaganfall auf ihre Hilfe angewiesen ist.
Beruflich hat Alice als Juristin fest Wurzeln geschlagen und geht zufrieden in ihrem Wirken ...

Alice kümmert sich um ihre alleinstehende Mutter, die nach einem Schlaganfall auf ihre Hilfe angewiesen ist.
Beruflich hat Alice als Juristin fest Wurzeln geschlagen und geht zufrieden in ihrem Wirken auf.
Doch ein Anruf ihrer Schwester bringt ihre heil anmutende Welt ins Wanken.
Ihr Vater, zu dem sie seit vielen Jahren jeden Kontakt abgebrochen hat, wurde als Mörder in den USA inhaftiert und wartet dort auf die Vollstreckung der Todesstrafe, die bereits in 7 Tagen vollzogen werden soll.
Emotional ist Alice hin und her gerissen.
Zum Einen werden die persönlichen Wunden wieder angekratzt, die Traumata und ihr Familienleben in der Vergangenheit hervorgebracht haben. Nach einem großen Vertrauensbruch ihres Vaters wollte Alice eigentlich jeglichen Kontakt zu ihm meiden. Vor vielen Jahren ist sie damals ihrer Mutter und Schwester gefolgt, die die Heimat verlassen hatten. Alice kann auch den Unschuldsbeteuerung ihres Vaters keinen Glauben schenken.
Zum Anderen aber übermannt Alice als Strafverteidigerin ihr Gerechtigkeitssinn, insbesondere da der Verdacht in ihr aufkeimt, dass ihr Vater Opfer einer Verschwörung geworden ist.
So beschließt Alice dann doch, sich der Angelegenheit anzunehmen.
Rasant wird sie in einen Strudel aus verstrickten Intrigen gezogen.
Die Tage bis zur Vollstreckung des Todesurteils gegen ihren Vater rücken unaufhaltsam näher.
Während sie mehr und mehr von Bedrohung, Verrat, Vertuschung umzingelt wird, tickt die Zeit unbarmherzig gegen sie und ihren Vater...

Die Geschichte selbst ist interessant und de facto durchaus vorstellbar.
Die Personen sind reell charakterisiert, mit all ihren menschlichen Stärken sowie Schwächen. Auch können deren Emotionen und Gedanken gut nachempfunden werden.
Der gewählte und gut ausformulierte Sprachstil sowie tiefgründige Beschreibungen haben mich als Leser die Atmosphäre, die Örtlichkeiten und auch die Geschehnisse regelrecht spüren lassen.
Auch der Kriminalfall bietet aus meiner Sicht alles, was einen hervorragenden Thriller ausmacht: Handlung, Hochspannung, Verstrickungen, unklare Einordnung, zahlreiche Wendungen und ein logisch strukturiertes Finale.

Dies ist kein blutiger und spektakulärer Thriller sondern punktet meiner Meinung nach besonders durch ausgefeilte Machenschaften und die Charaktere, die insgesamt völlig real wirken.
Liebhabern von raffinierten und spannenden Thrillern kann ich dieses Buch sehr empfehlen.
Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 06.05.2025

Suche nach dem Inneren Frieden

Die Inselschwimmerin
2

Evie fristet pflichtbewusst ihr Dasein und den Alltag in London.
Um ihren todkranken Vater beizustehen, kehrt sie auf die schottischen Orkneyinseln zurück.
Vor vielen Jahren hat sie ihre Heimat, ihr altes ...

Evie fristet pflichtbewusst ihr Dasein und den Alltag in London.
Um ihren todkranken Vater beizustehen, kehrt sie auf die schottischen Orkneyinseln zurück.
Vor vielen Jahren hat sie ihre Heimat, ihr altes Leben sowie die dortigen Menschen fluchtartig verlassen. Traumatische Vorfälle in ihrer Kindheit und Jugend haben sie dazu getrieben.
Bei Ankunft muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen und ist den Zurückgelassenen Erklärungen schuldig.
Ablehnung erfährt sie vor allem von ihrer Schwester Liv.
Auch mit sich selbst muss Evie ins Reine kommen.

Die einfühlsame, bildhafte und atmosphärische Sprache sowie die berührende Geschichte machen das Weglegen des Buches schwierig.
Die Aufteilung in kurze Kapitel mit klarer Zuordnung und der logisch strukturierte Aufbau lassen das Lesen einfach und flüssig geschehen.
Emotionen, Gefühle sowie Beweggründe der Personen sind individuell sehr nachfühlbar dargestellt.
Alle Personen wirken real.
Nebenbei erhält der Leser zusätzlich regionale und historische Hinweise sowie Informationen zu den Schauplätzen.

In der liebevoll und gefühlvoll geschriebenen, aber dennoch "leise und unaufdringlich" verpackten Erzählung sind ganz tiefe sowie emotionale Facetten der Menschlichkeit hervorragend dargestellt.
Insbesondere wie wichtig Offenheit, Verständnis und die Bereitschaft auf das Einlassen in die Bedürfnisse des Gegenübers sind.
Deutlich wird auch, wie Verletzungen, Ungerechtigkeiten, zerstörtes Vertrauen, Verschlossenheit und das Nicht-Gesagte eine Eigendynamik entwickeln können.
Wie schnell entstehen doch "alternative" Wahrheiten und jeder sieht bzw. versteht, was er "hören" will.
Nur durch das Verständnis Füreinander, die Bereitschaft sich auf Andere einzulassen und das Miteinander Kommunizieren kann Angst, Misstrauen, Hass umgewandelt werden.
Nur so entsteht die Kraft für Neues und ermöglicht das Finden des Inneren Friedens.

Dieses Buch macht nachdenklich, traurig und gibt zugleich Hoffnung sowie Zuversicht.
Für alle, die mit dem Herzen sehen und bereit sind, sich auf zwischenmenschliche Bedürfnisse einzulassen, kann ich ich dieses Buch als unbedingt lesenswert empfehlen.
Mich hat es nachhaltig zum Sinnieren und Philosophieren über zwischenmenschliches Verhalten angeregt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 11.11.2024

Erlöst von dem Bösen?

Kalte Erlösung
10

Die Frankfurter Kommissarin Mara Billinsky ermittelt in Fällen psychopatischer Morde.
Tathergang und der stets verwendete Stacheldraht lassen auf einen Serientäter schließen.
Zwischen den Opfern selbst ...

Die Frankfurter Kommissarin Mara Billinsky ermittelt in Fällen psychopatischer Morde.
Tathergang und der stets verwendete Stacheldraht lassen auf einen Serientäter schließen.
Zwischen den Opfern selbst ist allerdings keine Verbindung zu erkennen.
Kalte düstere Atmosphäre einer herbstlichen Großstadt.
Kaputte Seelen, menschliche Abgründe.
Auch dabei: Das LKA und ein schwedisches Team, das Unklarheiten früherer Fälle abschließen möchte. Maras Vater ist als Strafverteidiger ebenfalls involviert.
Wie hängt alles zusammen?
Die Kommissare und der Leser werden schnell in einen gefährlichen Sog gezogen aus Verdächtigungen, Verstrickungen, Interessens-Konflikten und Intrigen.
Wer ist Wer? Wer ist gut und wer ist böse? Wen kann man noch vertrauen?

Von Beginn an ist man IN dem Kriminalfall.
Der spannende und strukturiert aufgebaute Erzählstil machen das flüssige Lesen einfach.
Literarisch hervorragend sind Hintergrund-Informationen und Zusammenhänge erzählerisch in die Geschichte eingebaut, sodass man nicht den Überblick verliert, auch wenn man die vorigen Bände der Krimi-Reihe um Mara Billinsky noch nicht gelesen hat.
Die bildhafte Sprache machen die Atmosphäre und die Örtlichkeiten spürbar.
Der kriminalistische Arbeitsalltag sowie die Charakterere und Persönlichkeiten der Mitwirkenden erscheinen real. Emotional kann man sich gut in die Personen einfühlen.
Alle Personen haben ihre Geschichte, mit der sie nach ihrem persönlichen Stil umgehen und ihr Handeln damit begründen.

Das Hintergrund-Thema eröffnet einen Einblick in das Böse verletzter Seelen inmitten unserer Gesellschaft.
Diesen Thriller empfehle ich unbedingt allen Liebhabern von spannenden und logisch strukturierten Krimis.
Auch Allen, die bisher noch keine Bücher aus der Reihe um Mara Billinsky gelesen haben.
Spannung von der ersten bis zu letzten Seite.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 06.05.2024

Schatten der Vergangenheit verdunkeln den Himmel über Périgords Félibrée

Traubenfest
4

Im herrlichen Périgord freut man sich auf die traditionelle Félibrée. So auch die Kommissarin Marie Mercier.
Doch statt das Wochenende im Kreise ihrer Lieben beim Feiern zu genießen wird sie beauftragt, ...

Im herrlichen Périgord freut man sich auf die traditionelle Félibrée. So auch die Kommissarin Marie Mercier.
Doch statt das Wochenende im Kreise ihrer Lieben beim Feiern zu genießen wird sie beauftragt, nach der vermissten 16jährigen Winzers-Tochter Emma zu suchen.
Je tiefer Marie und ihre Kollegen Richard und Visla in den Fall eintauchen, desto größer wird das Verwirrspiel.
Immer mehr Verstrickungen von der Gegenwart bis weit in die Vergangenheit der Beteiligten.
Ein zweites Mädchen verschwindet. Als zum Höhepunkt des Festes dann noch der Major der Félibrée tot aufgefunden wird überschlagen sich die Ereignisse.
Während Einwohner, Touristen und auch Maries Familie ausgelassen feiern, drängt für das Ermittler-Team die Zeit. Können Sie die vermissten Mädchen unbeschadet nach Hause zurück bringen?
Und auch ein Mörder befindet sich noch mitten unter ihnen....

"Traubenfest" ist aus meiner Sicht ein sprachlich gut ausgeschmückter Krimi.
Der Schreibstil und die Geschichte selbst machen das flüssige Lesen leicht.
Auch die fortlaufende Erzählung - ohne Sprünge und Wechsel zwischen Szenen, Personen, o.ä. - tragen dazu bei.
Interessant sind auch geographische, historische sowie kulturelle und regionale Informationen.
Neben den Fakten fließen zudem stets die Aspekte des Alltags und er Menschlichkeit mit ein.
Das erweckt den Eindruck des normalen Lebens und lässt die Story und die Personen reell erscheinen.
Der Kriminalfall ist strukturiert aufgebaut.
Für den Leser stellen sich viele offene Fragen. Die Fäden fügen sich trotz vieler Verstrickungen und Verwirrungen Stück für Stück schlussendlich zusammen.
Der Autorin ist der Spagat gut gelungen, ausführlich genug aber keinesfalls langatmig zu schreiben.
Die beteiligten Charaktere sind sehr liebenswerte und interessante Persönlichkeiten.
Man fühlt sich wie zu Hause unter Freunden.
Beim Lesen sind das Herz und die Wertschätzung für die Menschen sowie das bodenständige natürliche Leben fühlbar.

Aus meiner Sicht ist dieser regionale Périgord-Krimi unbedingt lesenswert für alle, die leichte aber dennoch ernste und gut strukturierte Krimis in herzlicher Atmosphäre bei liebenswerten Menschen schätzen.
Auch wenn dies der vierte Fall um Kommissarin Marie Mericer ist, kann ich dieses Buch auch für Alle empfehlen, die die Vorgänger-Krimis (noch) nicht gelesen haben.

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