Sprachlich sehr schön aber zu wenig Handlung
FlusslinienDie 102 jährige Margrit blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Sie ist noch ganz rüstig, zu fit für das Seniorenheim, aber beim betreuten Wohnen kann man sich ja zum Glück den ein oder anderen Service dazubuchen ...
Die 102 jährige Margrit blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Sie ist noch ganz rüstig, zu fit für das Seniorenheim, aber beim betreuten Wohnen kann man sich ja zum Glück den ein oder anderen Service dazubuchen und sich ein Stück weit seine Selbstständigkeit erhalten. Neben der Seniorin spielen in dem Buch noch deren Enkelin Luzie und ihr Fahrer Arthur eine tragende Rolle.
Um Luzie macht sich Margrit etwas Sorgen, da sie kurz vor dem Abitur die Schule geschmissen hat und nun als Tatookünstlerin arbeiten möchte. Margrit, die ein gutes Verhältnis zu ihrer Enkeltochter hat, merkt, dass Luzie etwas Schlimmes erlebt hat, darüber aber nicht sprechen will. Das Verhältnis der beiden fand ich richtig schön zu lesen, auch weil die Oma mit einer besonderen Feinfühligkeit versucht mehr zu erfahren, ohne Luzie ganz direkt auszuquetschen. Eine tolle Idee der Autorin, dass sich Margrit schließlich von der Enkelin tätowieren lässt! Man merkt Luzie die Leidenschaft und Ernsthaftigkeit an, mit der sie dieses Projekt in Angriff nimmt. Für mich waren diese Stellen auf jeden Fall die Highlights im Buch.
Auch Arthur verbirgt ein Trauma, ist ebenfalls sensibel und aufmerksam und umschifft die Widrigkeiten des Lebens mit viel Humor. Er hat etwas die Orientierung verloren, fährt jetzt also alte Leute durch die Gegend, engagiert sich für den Naturschutz , betätigt sich als Sondensucher und erfindet Fantasiesprachen, die sich ab und zu sogar für Fantasiefilme verkaufen lassen.
Wenn sich Margrit zurückerinnert an ihre Kindheit und Jugend, dann auch immer an Elsa Hoffa, die den römischen Garten, den sie so liebt entworfen hat und die für einige Zeit die intime Freundin ihrer Mutter Johanne war, bis die Kriegszeiten beide trennten.
Sprachlich war das Buch wirklich schön, eine richtige Handlung sucht man allerdings vergeblich. Wie der Fluss, an dem es spielt, der Elbe, mäanderte die Geschichte so vor sich hin. Viele Nebenfiguren tauchen auf, die die Handlung in kleinster Weise voranbringen. Ich hatte außerdem den Eindruck, dass sich die Sprache der Personen nicht sehr voneinander unterschieden hat. Alle 3 Hauptfiguren hatten irgendwie denselben Humor und Schwierigkeiten sich zu öffnen hatten Luzie und Arthur gleichermaßen. Ich habe das Buch mit Abstrichen ganz gern gelesen. Ich hatte mir allerdings mehr erwartet.
Nach sehr vielen positiven Meinungen, war meine Erwartungshaltung aber vielleicht auch zu hoch.