Im zweiten Band der Reihe „Lesen närvt“ hat die von Büchern und Lesern genärvte Spinne Karoline Kneberwecht schon deutlich bessere Laune als im ersten und sich ein Haustier zugelegt, den Bücherskorpion ...
Im zweiten Band der Reihe „Lesen närvt“ hat die von Büchern und Lesern genärvte Spinne Karoline Kneberwecht schon deutlich bessere Laune als im ersten und sich ein Haustier zugelegt, den Bücherskorpion Zwicko. Der ist ihr allerdings ausgebüxt und frisst sich nun munter durch die Bücher. Was die Bücherhasserin Kneberwecht ja eigentlich freuen müsste. Aber sie hat Angst um die Gesundheit von Zwicko und bittet den Leser um aktive Hilfe bei der Suche nach dem Ausreißer. Dazu führt sie ihn durch verschiedene Leserätsel mit vertauschen Buchstaben, Satzgliedersalat und durcheinander geratenen Geschichtenbausteinen, sodass sie ihre Leser ganz schön auf Trab hält.
Insgesamt ist auch der zweite Band ein lustig illustrierter Lesespaß mit Knobeleffekt, der jungen Leser vor einige – wenn auch gut lösbare – Herausforderungen stellt. Der erste Band hat mir aufgrund der noch bissigeren, vom Lesen genervten Spinne und der Art der Leseaufgaben etwas besser gefallen, aber auch der zweite Band kann alle Lesegenärvten sicherlich Lust aufs Lesen machen.
Der Roman „Eine Welt nur für uns“ beschäftigt den Leser mit einem bisher wenig berücksichtigten Thema der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit.
Frankreich. Frühjahr 1945. Die Deutschen haben noch nicht kapituliert, ...
Der Roman „Eine Welt nur für uns“ beschäftigt den Leser mit einem bisher wenig berücksichtigten Thema der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit.
Frankreich. Frühjahr 1945. Die Deutschen haben noch nicht kapituliert, sind aber bereits aus weiten Teilen Frankreichs zurückgedrängt worden. Allerdings haben sie ein grausiges Erbe dagelassen: die unterschiedlichsten Arten an Minen, die nicht nur Frankreichs Strände, sondern auch die Äcker der Bauern zu einer Todesfalle machen. Frankreichs Wiederaufbau nach der Unterdrückung und Zerstörungswut der Deutschen kann nur beginnen, wenn aber Tausende dieser stummen Feinde beseitigt sind.
Neben einer Handvoll unfreiwillig Freiwilliger, zum Teil ehemalige Verbrecher, die so auf Haftverschonung spekulieren, rekrutiert die französische Armee deutsche Kriegsgefangene für das Aufspüren der Minen. Unter diese zusammengewürfelte, spannungsreiche Truppe mischt sich der Franzose Vincent, der auf der Suche nach seiner Geliebten ist. Während seiner Kriegsgefangenschaft in Deutschland hat er jegliches Lebenszeichen von ihr verloren. Die ihm bei der Suche nach seiner großen Liebe helfen können, sind ausgerechnet die deutschen Kriegsgefangenen, die er hasst und auf deren Hilfe er nun angewiesen ist.
Claire Deya schildert in ihrem Debütroman sehr eindrücklich die Spannungen zwischen den Franzosen und ihren vormaligen Besatzern. Dabei changieren die Figuren gekonnt zwischen Gut und Böse. Keiner ist nur gut oder böse, jeder sieht sich mit einer Extremsituation konfrontiert, sei es ihm Krieg, sei es nun im Umgang mit den Folgen wie den Minen, auf die er versucht zu reagieren, sei es zu seinem Vorteil oder zum Wohle eines anderen. Sie zeigt, wie schwer ein Urteil ist und wie sehr alle geprägt sind von dem Wunsch nach Frieden und nach Leben, vor allem nach dem unwiderbringich verlorenen Leben vor dem Krieg. So stellt sich bisweilen auch die Frage, ob die Anstrengung, die man auf das Überleben aufgewendet hat, sich überhaupt gelohnt hat im Anblick des Verlusts, den fast jede dieser Figuren durchlebt hat.
Der Leser erfährt nicht nur viel über die individuellen Stimmungslagen und die Mentalitäten der Sieger und Besiegten, die letztlich alle Verlierer sind, sondern auch sehr interessante Details über ein spannendes Stück Zeitgeschichte: das zweigeteilte Frankreich am Ende des Krieges auf dem Weg in eine neue Zeit, sowie Militärgeschichte: das Leid der Landminen, das bis heute noch in vielen Ländern für großes Leid sorgt und zur perfidesten Art der Kriegführung gehört, da dieser Krieg über Kapitulation und Friedensschluss hinaus andauert. Mit großer Kenntnis zahlreicher unbekannter Details schafft die Autorin so das Panorama für ihre Handlung.
Das unendliche Leid der Figur entsteht darin gut greifbar für den Leser, der eine Ahnung bekommt vom Mut und Verzweiflung und dem, was den Menschen um- und antreibt.
Dabei stört einzig der zuweilen etwas zu pathetische Unterton und die stellenweise ein wenig hölzerne Übersetzung.
Die literarische Buchapotheke von Monsieur Perdu geht in die zweite Generation. In diesem dritten Band zieht er eher aus dem Hintergrund die Fäden und überlässt die Bühne – im Wortsinne – zwei jungen Mädchen ...
Die literarische Buchapotheke von Monsieur Perdu geht in die zweite Generation. In diesem dritten Band zieht er eher aus dem Hintergrund die Fäden und überlässt die Bühne – im Wortsinne – zwei jungen Mädchen mit einer nicht so einfachen Familiengeschichte: Marie ist bereits als Vorleserin für Kinder auf dem Bücherschiff etabliert. Sie begegnet einem anderen Mädchen, das mit ihr nicht nur die Liebe zu Büchern und zum Lesen teilt: Françoise, deren ‚Mutter‘ völlig weltfremd zurückgezogen in einem Pariser Appartement wohnt und es Françoise überlässt, sich nicht nur um ihr eigenes Leben zu kümmern. Die hat es schwer und vor allem die Sorge, dass man ihr drauf kommen könnte, dass ihre ‚Mutter‘ eigentlich nicht in der Lage ist, eine Tochter aufzuziehen. Da hört sie von Monsieur Perdu, der mit Büchern Menschen heilt.
Darüber hinaus ist es auch die zweite Buchhändler:innengeneration, die hier das Ruder – auch im Wortsinne – in die Hände nimmt: Pauline Lahbibi, die vor allem auf ihren Büchertouren mit der Vespa das Leben anderer Menschen auf die richtige Spur bringt. Sie kann allen helfen, nur nicht sich selbst. Sie, die nach einer enttäuschten Liebe und geplagt von den Gefühlen der Ausgrenzung aufgrund ihrer afrikanischen Abstammung, sich in die Welt der Bücher zurückgezogen hat, wie vor ihr einst Perdu und dann auch Marie und Françoise, kann sich nur ganz langsam ihrem Freund und Hafenpolizisten Emile öffnen. Und dann bekommt er ein famoses Jobangebot, aber nicht in Paris. Und dann ist da noch der Adoptivenkel einer ihrer Kundinnen, der ihr allein schon durch seine Herkunft verbunden zu sein scheint und auf einmal muss sie Entscheidungen treffen, obwohl sie doch nur will, dass alles so bleibt, wie sie es für sich eingerichtet hat, ohne dass es besonders weh tun könnte.
Das Buch ist eine fulminante Liebeserklärung an das Lesen und die Bücher. Doch sind es eigentlich nicht die Bücher, die heilen, sondern es sind die Menschen, die sich über die Bücher verbunden fühlen. Aber die Bücher geben den Anstoß, sich zu öffnen, sich Menschen anzuvertrauen oder sich mit Menschen anzulegen, wie die beiden wilden Büchermädchen von Paris, die den Erwachsenen zeigen, wie sehr sie ihre unschuldige Welt mit ihren Problemen und Sorgen und Nöten belasten können und wie sehr sie sie damit alleine lassen. Gut, dass es da die Bücherheldinnen und die Heldinnen in den Büchern gibt, die sich gegenseitig Mut und Unterstützung geben können.
Die Figuren sind äußerst liebenswert, alle auf ihre exzeptionelle Weise. Und das macht es auch so interessant, dieses Buch um den Bücherkosmos des Monsieur Perdu. Es strahlt sehr viel französisches Flair aus und erinnert bisweilen an „Die wunderbare Welt der Amelié“. Es ist berührend, sehr traurig und erschütternd, dann aber auch wieder voller Wärme und Lebensfreude. Es feiert das Anderssein, zeigt aber auch seine Schattenseiten. Bisweilen wird es etwas viel in all dem Gefühl und den Extremen, den Rückblicken auf Perdus eigenes Lebensschicksal, der Zerrissenheit Paulines und dem Hin und Her und Auf und Ab der Gefühlswelt seiner Figuren.
Genauso überbordend kann das Sprachspiel werden. Auf der einen Seite finden sich wunderschöne Metaphern wie die „Wälder der Zeit“ oder die Menschen als Büchern, denen allen eine Rolle in der Lebensbibliothek zugedacht ist. Auf der anderen Seite wirkt der Stil bisweilen sehr exzentrisch oder exsaltiert. Da ist manchmal doch weniger mehr.
Beim Lesen von „Das Haus der Türen“ hat man immer einen Kinofilm, am ehesten aus der Schwarz-Weiß-Ära, vor Augen. Die Erzählweise ist sehr plastisch und atmosphärisch. Es geht um das Leben der in Malaysia ...
Beim Lesen von „Das Haus der Türen“ hat man immer einen Kinofilm, am ehesten aus der Schwarz-Weiß-Ära, vor Augen. Die Erzählweise ist sehr plastisch und atmosphärisch. Es geht um das Leben der in Malaysia aufgewachsenen Engländerin Lesley. Im Rückblick erzählt sie von ihrer Begegnung mit dem Autor Willie Somerset Maugham, einem Freund ihres Mannes, der sie auf einer Asienreise dort besucht. Diesem erzählt sie – wiederum im Rückblick – von ihrem Leben in Malaysia und vor allem von ihrer Begegnung mit dem chinesischen Revolutionär Sun Wen. Diese bringt ein wenig Abwechslung in die langweilige Beziehung zu ihrem Ehemann Robert. Genauso wie die gefährliche Affäre ihrer besten Freundin, die diese fast an den Galgen gebracht hätte. Aber auch Lesleys Leben ist voller geheimnisvoller Beziehungen, wie das ihres Mannes. Doch beide müssen den Schein ihrer Ehe wahren in den 20er Jahren britischer Kolonialzeit. Ein gefundenes Fressen für den Autor Maugham, der aufgrund finanzieller Nöte, hungrig nach neuem Erzählstoff ist. Und der heimliche Beziehungen nur zu gut kennt, ist er doch mit seinem Sekretär Gerard liiert, eine gefährliche Liason, die im damaligen England mit Zuchthaus bestraft wurde.
Die Geschichte wechselt zwischen ruhigeren, gefühlvollen Abschnitten, untermalt mit beschaulichen Beschreibungen der Landschaft und der malayischen Gesellschaft sowie dem fast krimihaften Geschehen um Lesleys Freundin, die sich, weil sie auf ihren Geliebten geschossen haben soll, vor Gericht verantworten muss.
Über weite Teile habe ich das gut lesbare Buch mit Interesse gelesen, aber auch mit Distanz. Die Figuren, das Geschehen habe ich als Beobachterin wahrgenommen, aber ohne eine persönlichen Bezug. Die Story hat mich, abgesehen von der Krimihandlung, wenig gepackt. Das Verhalten der Figuren ist mir zwar plausibel, hat mich aber, ohne dass ich sagen könnte, warum, nicht wirklich tangiert. Auch die zeitgeschichtlichen und biografischen Hintergründe fand ich interessant, aber gleichzeitig habe ich mich immer nach einem Erzählziel gefragt. Lediglich das Ende hat bei mir einen traurigen und melancholischen Nachhall erzeugt. Die Hauptfigur, Lesley, hat sich eingerichtet in ihrem Leben und bestimmt kein bedauernswertes Leben geführt, aber zugleich doch vieles vermissen bzw. aufgeben müssen, das sich nicht wieder- oder nachholen ließe. Sie jammert nie, was sie bewunderungswürdig macht, aber das Gefühl, dass etwas fehlt, bleibt.
Der Roman macht gute Laune und viel Vergnügen. Er liest sich leicht und beschwingt. Er ist eher witzig als romantisch, wenn er zu romantisch wird, ist eher dann doch eher etwas kitschig. Aber der Humor ...
Der Roman macht gute Laune und viel Vergnügen. Er liest sich leicht und beschwingt. Er ist eher witzig als romantisch, wenn er zu romantisch wird, ist eher dann doch eher etwas kitschig. Aber der Humor siegt.
Priscilla ist eine von der Liebe enttäuschte Liebesromanautorin, die versucht, mit dem Aufenthalt in dem idyllischen Dörfchen Tigliobianco ihrer Schreibblockade zu entkommen. Cesare Burello ist erfolgreicher, gutaussehender und charmanter Arzt, der versucht, mit dem Besuch in seinem Heimatort Tigliobianco den liebestollen Venezianerinnen zu entkommen. Beide finden dort nicht gerade die Ruhe und Abgeschiedenheit, die sie suchen, sondern etwas für sie völlig Unerwartetes. Und das alte Rezept einer legendären Erdbeertorte.
Mit viel Witz, Charme und einer Prise liebevoller Ironie kreiert die Autorin ihre Figurenwelt von Tigliobianco, die dem Dörfchen seinen wundervollen Reiz verleihen und für viel Furore in dem Örtchen sorgen. Man schließt die meisten von ihnen sofort in sein Herz und empfindet allein beim Lesen den Zauber des italienischen Lebens auf dem Land. Die Lektüre versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung und lässt den Leser für ein paar Stunden in gute Laune. Damit ist es ein wirksames Mittel gegen Alltagsstress und -sorgen, gegen Liebes- und Kummer aller Art, auch wenn man dafür in Kauf nehmen muss, dass der Autorin doch hie und da die Gefühle ein bisschen durchgegangen sind. Ein Roman über die Liebe geht eben doch nicht ganz ohne Herz-Schmerz.