Profilbild von PMelittaM

PMelittaM

Lesejury Star
offline

PMelittaM ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PMelittaM über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.07.2025

Viel Wissenswertes, gut verständlich

Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung
0

Wie ging man im Laufe der Geschichte mit Menschen mit Behinderung um? Dieser Frage geht der Autor für die Zeit zwischen 500 und 1620 in Europa nach, viele Quellen hat er dazu gelesen und verarbeitet und ...

Wie ging man im Laufe der Geschichte mit Menschen mit Behinderung um? Dieser Frage geht der Autor für die Zeit zwischen 500 und 1620 in Europa nach, viele Quellen hat er dazu gelesen und verarbeitet und die Frage sehr umfassend beantwortet.

Zunächst werden sehr ausführlich die historischen und die medizinischen Hintergründe aufgezeigt, bevor genauer auf die Frage eingegangen wird. Alleine das ist schon interessant, vor allem auch, weil manches bis heute nachwirkt.

Man darf allerdings keine biografische Ausarbeitung erwarten, auf reale betroffene Persönlichkeiten wird kaum eingegangen, so wird zwar zum Bespiel Balduin IV, König von Jerusalem und an Lepra erkrankt, erwähnt, oder auch Paracelsus, der selbst Betroffener war, ansonsten bleibt es aber in der Regel allgemeiner. Ein bisschen schade ist das schon, eine größere Aufnahme biografischer Betrachtungen hätte aber wohl den Rahmen gesprengt.

Unterschiede gibt es, eigentlich wie zu erwarten, im sozialen Stand, in der Frage, wo, und natürlich auch wann und in welchem historischen Kontext man lebt. Das alles liest sich sehr interessant, und erweitert den Horizont. Sehr gut gefallen hat mir übrigens, dass oft „behindert werden“, nicht „behindert sein“ genutzt wird.

Das Sachbuch ist auch für Laien verständlich, man muss sich aber schon auf viel Input einlassen. Ich selbst bin sowohl medizinisch als auch historisch interessiert, außerdem selbst betroffen, so dass mir zwar einiges bereits bekannt war, ich es aber so kompakt vorzufinden, gut finde. Allerdings muss ich auch gewisse Abstriche machen. Leider haben Lektorat und Korrektorat geschludert, so dass es manchmal holpriger und dadurch schwieriger zu lesen ist. Laut Autor wird aber an einer Neuauflage gearbeitet, die solche Macken nicht mehr enthalten soll. Mich persönlich hat das nur teilweise gestört, denn der Inhalt an sich ist ja das, was mich interessierte, dennoch ist es eine gewisse Enttäuschung.

Wer sich dafür interessiert, wie zwischen 500 und 1620 mit Einschränkungen und Behinderungen, egal ob angeboren oder erworben, umgegangen wurde, findet hier viel Wissenswertes, das auch für Laien grundsätzlich gut zu lesen ist.

Veröffentlicht am 17.07.2025

Sehr spannend

Das geheime Zeichen
0

In einem Keller werden eingemauerte menschliche Überreste gefunden. Kriminalkommissarin Evelyn Holm übernimmt den Fall, der sie bald in ihre eigene Vergangenheit zu führen scheint.

Erzählt wird der Roman ...

In einem Keller werden eingemauerte menschliche Überreste gefunden. Kriminalkommissarin Evelyn Holm übernimmt den Fall, der sie bald in ihre eigene Vergangenheit zu führen scheint.

Erzählt wird der Roman aus zwei Perspektiven, beide in Ich-Form. Eine davon ist die Evelyns, dieses Geschehen findet in der Gegenwart statt und wird daher auch im Präsens erzählt. Evelyn Holm ist die Protagonistin einer Buchreihe, dieses ist ihr dritter Fall. Für mich ist es der erste, doch mir war schnell klar, dass ich auch die beiden Vorgängerbände lesen möchte. Die zweite Perspektive ist die Violas, diese spielt 30 Jahre in der Vergangenheit, daher auch im Präteritum erzählt. Viola ist eine Künstlerin, die bisher nicht von ihrer Kunst leben kann. Durch eine alte Schulfreundin erhält sie die Gelegenheit, einem exklusiven Club beizutreten, in dem sich die Mitglieder untereinander fördern. Schon bald hat sie erste Erfolge, erlebt aber auch die Schattenseiten der Mitgliedschaft. Beide Perspektiven bauen jeweils eigene Spannung auf.

Der Roman ist von Beginn an interessant und sehr spannend, und lässt sich zügig lesen. Natürlich fängt man schnell an zu spekulieren, die Autorin baut viele Spuren ein, aber manche sind auch Sackgassen, vieles ist unvorhersehbar und es gibt einige Wendungen, auf die man wohl selbst kaum gekommen wäre, so dass auch Genreprofis überrascht werden können.

Ein Manko war für mich, dass mir die Charaktere nicht nahe kamen, auch die beiden Ich-Erzäherinnen nicht. Für mich blieben sie eher blass, die Charakterzeichnungen gingen wenig in die Tiefe, so dass ich auch relativ emotionslos blieb. Gepackt hat mich aber die spannende und kaum vorhersehbare Story, so dass ich am Ende den Roman zufrieden zu geklappt habe, denn schließlich sind alle Fäden verknüpft und die Auflösung ist nachvollziehbar.

Der Roman ist sehr spannend, ihn aus der Hand zu legen fiel schwer, vor allem auch wegen der vielen unerwarteten Wendungen. Leider kamen mir die Charaktere nicht nahe, so dass ich auch nur bedingt mitfühlen konnte. Das hat aber der Geschichte und ihren Geheimnissen für mich nur recht wenig Abbruch getan, einen Stern ziehe ich dafür aber ab. Wer gerne spannende und wendungsreiche Thriller liest, sollte zugreifen.

Veröffentlicht am 02.07.2025

Vierter Band der Cosy Crime-Reihe

Patricia Peacock-Reihe / Patricia Peacock und das Phantom in der Oper
0

Ägypten, 1920er Jahre: Patricia Peacock und ihr Ehemann John werden von einer Horde Fans belagert, denn sie sind seit neuestem Hauptfiguren in einem Roman. Nach und nach wird die Situation regelrecht gefährlich, ...

Ägypten, 1920er Jahre: Patricia Peacock und ihr Ehemann John werden von einer Horde Fans belagert, denn sie sind seit neuestem Hauptfiguren in einem Roman. Nach und nach wird die Situation regelrecht gefährlich, und so sind die beiden damit einverstanden, incognito in der Kairoer Oper zu ermitteln, denn anscheinend ist die dort gerade auftretende Diva Brunella Carvalotti in Lebensgefahr.

Der vierte Band der Reihe ist leider der bislang letzte. Nachdem schon früher die Autorin selbst aufgetreten ist, hat sie jetzt die damaligen Ereignisse zu einem Roman verarbeitet, der nun von der Kairoer Damenwelt verschlungen wird. Zum Glück gefällt mir dieser Band auch wieder besser als der Vorgänger, der dann wohl doch nur ein Ausreißer war.

In der Oper geht es, wie zu erwarten, drunter und drüber, zum einen, weil die Diva alles andere als einfach ist, zum anderen, weil Patricia und John auch Sir Tiny mitgebracht haben, der beinahe von Fans entführt wurde. Wer die Reihe bisher noch nicht kennt, sei gesagt, dass sich hinter Sir Tiny eine riesige Dogge mit kindlichem Gemüt verbirgt, die eine wesentliche Rolle in der Reihe spielt. Man sieht, auch Humor spielt hier eine Rolle.

Am Ende ist der Fall natürlich zufriedenstellend geklärt, und Patricia, John und Tiny können wieder nach Hause, wo sie schon eine Überraschung erwartet. Eigentlich stände einem fünften Band nichts im Wege.

Band 4 hat mir wieder besser gefallen, ich musste schmunzeln und wurde gut unterhalten.

Veröffentlicht am 17.06.2025

Spannender zweiter Band

Royal Institute of Magic, Band 2 - Auf den Spuren des Schattensuchers
0

Ben und Charlie sind nun Lehrlinge am Royal Institute of Magic, und das bedeutet viel Arbeit. Sie müssen lernen, Ställe ausmisten, sich für die erste Prüfung vorbereiten, und außerdem sind sie noch auf ...

Ben und Charlie sind nun Lehrlinge am Royal Institute of Magic, und das bedeutet viel Arbeit. Sie müssen lernen, Ställe ausmisten, sich für die erste Prüfung vorbereiten, und außerdem sind sie noch auf der Suche nach Bens Eltern.

Auch der zweite Roman der Reihe beginnt mit einem Rückblick, dieses Mal ins Jahr 1603, Queen Elizabeth, die Gründerin des Instituts, ist verstorben, und ihr Nachfolger nicht sehr geeignet dem Institut vorzustehen, so dass dessen Direktoren Elizabeths Rüstung vor unbefugtem Zugriff verbergen müssen. Heute wissen nur die jeweiligen Nachfahren der damaligen Direktoren, wo die einzelnen Teile versteckt sind. Da aber die Gefahr eines Krieges mit den Dunkelelfen immer wahrscheinlicher wird, wird sie nun benötigt.

Direkt zu Beginn gibt es in diesem Zusammenhang direkt eine sehr spannende Szene, und damit einhergehend ein paar weitere Informationen zu den Dunkelelfen, zum Beispiel auch den Untertitel dieses Romans betreffend. Spannend ist es auch im weiteren Verlauf. Manchmal tat mir nur Charlie ein bisschen leid, der sich Bens überbordendem Eifer, seine Eltern zu finden, öfter einmal unterordnen muss.

Ben und Charlie sind beste Freunde, aber auch ganz unterschiedliche Charaktere, während Ben draufgängerisch und sportlich ist, ist Charlie mehr der Denker, beide ergänzen sich dadurch gut, und können oft nur im Team schwierige Szenen meistern. Dabei steht ihnen, wie schon im Vorgänger die Halbelfe Natalie zur Seite, die schon ein bisschen erfahrener ist, was das Institut und die Magie angeht, und zudem, im Gegensatz zu Ben und Charlie, in der magischen Welt aufgewachsen ist. Zu dritt sind sie ein perfektes Team.

Bei den Erwachsenen des Instituts gibt es einen Neuzugang, die Meisterin der Lehrlinge, Dagmar Borovich, die offensichtlich Geheimnisse hat, und die man zunächst nicht klar zuordnen kann, denn auch im Institut gibt es nicht nur gute Charaktere.

Der zweite Band treibt die Geschichte gut voran, ist spannend, deckt einige Geheimnisse auf und stellt neue Rätsel, so dass man gespannt auf den nächsten Band sein kann. Da die Geschichte, die auch mir als Erwachsener gut gefallen hat, aufeinander aufbaut, sollte man die Bände unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Unerfüllter Kinderwunsch

Hello Baby
0

In einer südkoreanischen Kinderwunschklinik treffen mehrere Frauen aufeinander, alle zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Ihre Hintergründe sind verschieden, aber sie verbindet der Wunsch nach einem Baby, für ...

In einer südkoreanischen Kinderwunschklinik treffen mehrere Frauen aufeinander, alle zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Ihre Hintergründe sind verschieden, aber sie verbindet der Wunsch nach einem Baby, für den sie vieles bereits sind zu tun, sie nehmen Schmerzen und immer wiederkehrende Enttäuschung auf sich, und schöpfen immer wieder Hoffnung, zumindest, so lange es geht.

In Südkorea scheint dies ein alltägliches Phänomen zu sein, obwohl oder vielleicht auch weil es das Land mit der geringsten Geburtenrate weltweit ist. Die Gründe dafür werden hier nur angerissen. Die Autorin gehört selbst zu den Betroffenen, was sie letztlich zu diesem Roman inspiriert hat.

Die Gründe, warum die hier vertretenen Frauen ohne Nachhilfe nicht Mutter sein können, sind vielfältig, manchen war ihre Karriere zunächst wichtiger, andere hatten erst spät einen Kinderwunsch, eine möchte gar vorsorgen, und nicht bei allen ist die Frau an der Kinderlosigkeit schuld. Viele haben zusätzlich das Problem, dass die Familie drängt. Die körperliche Last haben ausschließlich die Frauen zu tragen, sie müssen sich schmerzhaften Behandlungen unterziehen, sie müssen hautnah erleben, ob es geklappt hat oder nicht, nicht wenige Männer ziehen sich eher zurück und unterstützen nicht. Dass diese gesellschaftskritischen Aspekte nicht nur typisch für Südkorea sind, sondern im Grunde global auftreten, dürfte klar sein.

Man lernt die Frauen trotz der Kürze des Romans gut kennen, sie bekommen alle ein Kapitel, in dem man ihren Werdegang erfährt, so dass man schließlich auch mit ihnen mitfühlen kann. Interessanterweise ist darunter auch eine Frau, die gar nicht zur Gruppe der kinderlosen Frauen gehört, sondern im Gegenteil innerhalb kurzer Zeit drei Kinder bekommen hat. Doch auch sie hat es ihre Probleme, ein Kind zu haben heißt nicht, dass man dann wunschlos glücklich ist.

Der Twist gegen Ende schockiert, zeigt er doch, wohin Verzweiflung führen kann. Insgesamt bringt der Roman Nachdenkenswertes mit, lässt sich aber auch gut lesen.

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben es aus verschiedenen Gründen nicht leicht, und tun oft alles, um ihren Wunsch doch noch erfüllt zu bekommen. Die Autorin nimmt mit in eine Kinderwunschklinik und zu einigen der Patientinnen, und bringt zum Nachdenken.