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Veröffentlicht am 06.07.2025

Die Bedeutung von Schlaflosigkeit wird interessant beschrieben!

Der Schlaf der Anderen
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Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort erscheint bei Rowohlt Polaris.

Sina ist Lehrerin, Mutter von zwei Kindern und Ehefrau eines selbstsüchtigen Ehemanns. Wegen ihrer starken Schlafprobleme soll sie ...


Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort erscheint bei Rowohlt Polaris.

Sina ist Lehrerin, Mutter von zwei Kindern und Ehefrau eines selbstsüchtigen Ehemanns. Wegen ihrer starken Schlafprobleme soll sie eine Nacht im Schlaflabor verbringen. Dort überwacht Janis als Krankenschwester ihre nächtlichen Gäste. Sie kommt ins Gespräch mit Sina, die auch im Labor nicht in den Schlaf findet und beide unternehmen eine nächtliche Reise, dabei entwickelt sich zwischen ihnen ein zartes Band der Freundschaft.

Tamar Noort beschreibt in "Der Schlaf der Anderen" die Probleme des Lebens mit ihren unerfüllten Träumen und dem Blick auf das ernüchternde Erreichte im Leben.
Sina ist ausgelaugt, sie versucht die Anforderungen ihrer Lehrtätigkeit und das Familienleben in Einklang zu bringen und verzweifelt an ihrem Mann, der sie nicht hilfreich unterstützt. Dabei gerät sie in einen Teufelskreis mit ihrer Schlaflosigkeit, die jeder Betroffene allzu gut nachvollziehen kann.
Janis lebt zurückgezogen und ist eine ruhige, ausgeglichene Frau, die sich dem Takt ihres nächtlichen Jobs verschrieben hat, aber auch damit hadert. Schon lange hat sie keine neuen Kontakte geknüpft, sie fühlt sich allein und nutzt den Tag zum Schlafen.

Sie unternimmt mit Sina eine nächtliche Reise, weil sie sich für deren Sicherheit verantwortlich fühlt. Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, wächst das gegenseitige Verständnis und sie bauen eine freundschaftliche Verbindung auf, die aber nicht lange hält. Doch in dieser Nacht zeigen sich ihre Hoffnungen auf ein erfülltes Leben ohne die jeweiligen Probleme, die sie bedrücken.
Nach und nach taucht man durch die wechselseitig erzählten Perspektiven in die Gedankenwelt und das Leben der beiden Frauen ein. Dabei wurden die Konflikte deutlich gemacht, die durch das Funktionieren als Erwartungshaltung der Außenwelt herauf beschworen werden. Ich war betroffen, dass Sina weder von ihrem Mann noch von ihren Kolleginnen Verständnis und hilfreiche Angebote entgegen gebracht werden.

Nur Janis nimmt sich Zeit und hat für Sinas Probleme ein offenes Ohr. Ihre eigenen Sorgen geraten dabei ein wenig ins Hintertreffen, aber sie findet eine liebenswerte ältere Nachbarin, die sich um sie kümmert.

Beide Frauen sind wie gegensätzliche Pole im Tag- und Nacht-Vergleich, jede hat einen anderen Rythmus als die andere. Die Autorin zeigt auf eindringliche, feinfühlige Weise die Gefühlslage der Frauen und wie sich ihre Lebenswege miteinander verbinden und den Blick auf alte Erinnerungen und Träume offen legen. Sie spricht Themen an wie Burnout, emotionale Isolation und das Gefühl, sich im eigenen Leben zu verlieren und nur noch zu funktionieren.

Die Story beginnt ohne großen Tiefgang, doch sie entwickelt mit der Zeit einen unerwartet fesselnden Sog und öffnet den Blick auf die Innenwelt der Frauen und darauf, dass es möglich ist, bestimmte Dinge im Leben zu verändern und etwas Neues zu beginnen.
Das freundschaftliche Gefühl der ersten Nacht entwickelt eine Kraft in den Frauen, die ihnen erst später bewusst wird.
Manchmal reicht eine Nacht, um durch Zwischenmenschlichkeit eine Veränderung im Leben zu bewirken.

Die Volkskrankheit Schlaflosigkeit und die interessanten Frauenfiguren machen diesen Roman so lesenswert.

Veröffentlicht am 20.06.2025

Das Glück liegt in der Natur

Der Garten der kleinen Wunder
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Im Rowohlt Verlag erscheint Patricia Koelle-Wolkens Roman Der Garten der kleinen Wunder.

Es ist Frühling, Toja arbeitet in ihrem Garten und erfreut sich an der Natur, dabei bemerkt sie, wie sie von ...

Im Rowohlt Verlag erscheint Patricia Koelle-Wolkens Roman Der Garten der kleinen Wunder.

Es ist Frühling, Toja arbeitet in ihrem Garten und erfreut sich an der Natur, dabei bemerkt sie, wie sie von der 14-jährigen zurückhaltenden Nachbarstochter Vica beobachtet wird. Toja lädt Vica in ihren Garten ein und erkennt, dass Vica genau wie sie introvertiert ist. Nun möchte sie Vica helfen und ihre eigenen Erfahrungen auf der Suche nach ihrem Weg weiter geben. Es beginnt ein Sommer, der allen Beteiligten wunderbare Begegnungen schenkt und damit auch Veränderungen ermöglicht.

Der leise erzählte Roman ist auf eine anrührende und warmherzige Weise schön, so beschreibt die Autorin die Natur, die sich jedes Jahr aufs Neue wunderbar entfaltet. Patricia Koelles Erzählweise ist bildhaft und wunderbar einfühlsam und sie zeichnet feinfühlig die Stimmungen, die die Figuren in ihrer Geschichte umtreiben. Dazu gehören verschiedene Themen wie familiäre Bindung, Verlust und die Reflexion auf die Frage nach dem Leben jetzt und was nach uns bleibt.

Toja berichtet als Ich-Erzählerin von dem Sommer mit Vica, sie nimmt uns aber auch in ihre Vergangenheit mit, wo die Begegnung mit Wille und Bär ihr Leben positiv beeinflusst hat. Sie erkennt, dass Vica Probleme hat, sich frei entfalten und nutzt eigene Erfahrungen dazu, Vica Selbstvertrauen zu schenken und ihrem Vater ihre Gedanken und Gefühle näher zu bringen. So entstehen Freundschaften und Vica kann so sein wie sie ist.

Für mich war der Roman von Patricia Koelle mein erstes Buch der Autorin, es war eine schöne Erfahrung, diese entschleunigende Geschichte lesen zu dürfen. Die vielen farbenfrohen, bildhaften Beschreibungen von Pflanzen und Tieren mit lehrreichen und wunderschönen Details haben sich wie Bilder in meinem Kopf fest gesetzt, die die Natur wunderbar widerspiegeln. Ich hatte das Gefühl, den Garten selbst zu betreten und darin zu verweilen.

Die Zeichnung der Figuren erfolgt sehr behutsam, man erkennt die Gefühle der introvertierten Personen, die sich in der Stille der Natur vom stressigen Rest der Welt erholen und dort Kraft schöpfen.

Patricia Koelle erzählt in Der Garten der kleinen Wunder eine leise, atmosphärisch wirkende Geschichte, in der Menschen in der Natur Kraft schöpfen wo sie uns als Ruhepol in unserem oft so stressigen Leben Glück, Zufriedenheit und Frieden schenkt.

Ein bildhafter, stimmungsvoller Roman mit viel Gefühl, der die Natur wunderbar beschreibt und ihren Wert als Ruhe- und Kraftort feiert. Für alle Leserinnen, die leise Geschichten mit emotionalem Hintergrund schätzen.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Guter Krimi mit Einblicken in die Modebranche

Provenzalisches Licht
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Provenzalisches Licht ist der elfte Band der Reihe um Pierre Durand von Autorin Sophie Bonnet aus dem Blanvalet Verlag.

Pierre Durand, Chéf de Police Municipale in Saint Valérie, muss bei der Modenschau ...

Provenzalisches Licht ist der elfte Band der Reihe um Pierre Durand von Autorin Sophie Bonnet aus dem Blanvalet Verlag.

Pierre Durand, Chéf de Police Municipale in Saint Valérie, muss bei der Modenschau des Designers Cyril Fontanel für die Sicherheit sorgen. Der Trubel um Stars und Sternchen des Modeshimmels bringt die Bewohner in Aufregung und dann wird Pierre Durand durch eine anonyme Morddrohung gegen den impulsiven Modeschöpfer zusätzlich alarmiert: Will jemand der Karriere des Designers schaden? Pierre muss diesen Mord verhindern und die Ermittlungen führen ihn nach Tarascon und zu einer Toten, die einen Bezug zum aktuellen Fall zu haben scheint.

Diese Krimireihe lese ich nun schon länger und freue mich immer wieder auf einen interessanten Fall und auf die genussvollen Szenen, in denen die Kulinarik der Provence eine Rolle spielt. Pierres Frau Charlotte ist Köchin, führt ein kleines Restaurant und bietet dort sehr leckere Gerichte an. Das Menü in diesem Buch wird im Anhang mit Rezepten zum Nachkochen vorgestellt.

Der Erzählstil lässt sich gewohnt flüssig lesen, die bildhaften Beschreibungen der Schauplätze und der Natur lockern die Handlung atmosphärisch auf und versetzen die Leser gedanklich in die wunderschöne Provence.

Der Fall entwickelt sich spannend, mehrere Opfer sorgen für Aufregung in Saint-Valérie und bei Pierre und seinem Team für reichlich Ermittlungsarbeit. Sein Privatleben kommt wie bei diesem neuen Fall zu kurz, doch seine Charlotte kennt das und hat sich längst arrangiert.

Dieses Mal führt die Autorin recht viele Personen und damit auch Verdächtige ins Feld. Daher konnte ich nicht so gut miträtseln und hatte Mühe, den Durchblick zu behalten. Der Fall entwickelt sich spannend, denn die Morddrohung hängt wie eine dunkle Wolke über der Modeschau, bei der nicht nur der Designer, sondern auch Teilnehmer und Zuschauer vor dem unbekannten Täter geschützt werden müssen. Pierre hat damit alle Hände voll zu tun, was ihn aber auch nicht davon abhält, zwischendurch immer wieder provenzalische Leckerbissen zu schlemmen. Bis auf ein ganz spezielles Menü, dass durchaus einen etwas abschreckenden Charakter hat.

So wie man die Reihe kennt, erwarten uns auch hier wieder stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen und kulinarische Genüsse, die das Flair der Provence wunderschön einfangen.

In diesem Band zeigt Sophie Bonnet interessante Einblicke in die Modebranche und bringt auch das Thema Nachhaltigkeit von Kleidung zur Sprache. Vorgestellt werden auch die bunt bedruckten Stoffe der Provence, die "Indiennes". Das sind bedruckte und bemalte Baumwollstoffe, die im 16. Jahrhundert aus Indien nach Europa gelangten und in Frankreich farblich und mit anderen Mustern als lokale Handwerkskunst weiter entwickelt und damit zu einem Symbol wurden. Doch heute kommt immer mehr ausländische Billigware auf den Markt und verdrängt diese Tradition.

Eine kurzweilige Lektüre für alle Krimi- und Provence-Fans, die sich auch für die Welt der Mode interessieren.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Mord in der Eléctrico 28

Portugiesisches Schweigen
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Portugiesisches Schweigen ist der 10. Band der Lissabon-Krimi-Reihe von Luis Sellano aus dem Heyne Verlag.

Lissabon boomt als Tourismusziel und diesen Trend nutzen Investoren, indem sie ältere Häuser ...

Portugiesisches Schweigen ist der 10. Band der Lissabon-Krimi-Reihe von Luis Sellano aus dem Heyne Verlag.

Lissabon boomt als Tourismusziel und diesen Trend nutzen Investoren, indem sie ältere Häuser zu lukrativen Ferienwohnungen umgebaut haben. In der Folge haben die Einheimischen wegen steigender Mieten Probleme auf dem knappen Wohnungsmarkt, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Kommissarin Gomes macht sich Gedanken als es zu Todesfällen in der Eléctrico kommt, tötet hier jemand, um die Touristen abzuschrecken? Als Helenes Lebensgefährte Henrik Falkner in diese Todesfälle verstrickt wird, ermitteln beide, um den Täter zu stellen.

Im 10. Fall seiner Krimi-Reihe bringt Luis Sellano die Eléctrico 28 als Schauplatz eines Mordes ins Spiel. Die berühmte historische Tram Lissabons ist für Touristen eines der Highlights der Stadt und ständig überfüllt. Bei einer Fahrt ist Henrik Falkner der Sitznachbar des ersten Todesopfers und gerät durch bestimmte Spuren wieder in den Kreis der Verdächtigen. Als es zu einem weiteren Todesfall kommt, erkennt seine Freundin Kommissarin Helena Gomes, dass hier kein Zufall im Spiel ist. Jemand hat es darauf abgesehen, die von vielen Einheimischen unerwünschen Touristen einzuschüchtern.

Die Handlung wird wie gewohnt aus der wechselnden Sicht von Henrik und Helena erzählt. Schnell wird deutlich, dass hier jemand etwas gegen die massenhaft auftretenden Touristen unternehmen will. Die Story wird unterhaltsam erzählt und erscheint eingebettet in das Flair Lissabons. Henrik nutzt häufig die Tram und in diesen Kapiteln wird die Route der Tram, samt Haltestelle, Ziel und Ankunftszeit vorangestellt. Das gefällt mir, denn es vermittelt das Gefühl, selbst mitzufahren.

Die Ermittlungen laufen bis zum Schluss in einem undurchsichtigen Nebel, dabei geraten einige Verdächtige ins Visier Helenas und auch Henrik stellt sich die Frage nach der Verbindung der beiden Toten. Aber noch dringender möchte er heraus finden, warum er sich bei der Fahrt mit dem zweiten Toten an nicht erinnern kann. Welches Ziel hatte er? Liegt das an seinen Medikamenten, dass seine Erinnerung aussetzt und er später wieder kommt?

Diesen Fall habe ich gespannt verfolgt, denn wie in vielen Tourismusgegenden werden in der Alfama alte Häuser gekauft, um sie umzubauen und gewinnbringend als Ferienwohnungen zu vermieten. Die Einheimischen geht günstiger Wohnraum verloren und sie werden aus ihren Vierteln gedrängt. Aber will der Täter mit den Morden wirklich die Touristen aus der Stadt fernhalten?

Die Anzahl an Figuren hat mich sehr gefordert, da wäre ein Personenregister gut gewesen. Dennoch entwickelt sich ein spannendes Spiel mit Verdächtigen, bei dem dieses Mal Helena in Gefahr gerät. Ich habe vor allem die privaten Vorgänge und die Entwicklung der Protagonisten gerne weiter verfolgt. Helena, ihre Tochter und Henrik sind zu einer kleinen Familie zusammen gewachsen und obwohl man es Henrik nie zugetraut hätte, übernimmt er die Aufgaben eines sorgenden Vaters. Die Sorge um seinen Vater treibt ihn um, denn sein Vater benötigt dringend ein Spenderorgan.

Dieser Krimi führt in gewohnter Manier quer durch Lissabons Innenstadt und bringt mit seinem aktuell gehaltenen Fall spannende Lesezeit mit sich!

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Eine wunderbare Fantasiereise

Ahoi! Alle an Bord und Leinen los!
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Im Penguin Kinderbuchverlag erscheint Ahoi! Alle an Bord und Leinen los! illustriert von Sophie Blackall für Kinder ab vier Jahren. Die Übersetzung stammt von Bettina Obricht.

Als Papa im Wohnzimmer ...

Im Penguin Kinderbuchverlag erscheint Ahoi! Alle an Bord und Leinen los! illustriert von Sophie Blackall für Kinder ab vier Jahren. Die Übersetzung stammt von Bettina Obricht.

Als Papa im Wohnzimmer vorhat, den Teppich zu saugen ist der Sohn schon in die Rolle eines jungen Kapitäns geschlüpft und lässt seiner Fantasie freien Lauf. Doch irgendwann schwappt die abenteuerliche Spielidee auch auf Papa über, sie entwerfen eine Seekarte und legen mit ihrem Schiff ab. Ein aufregenden Abenteuer auf hoher See startet.

Wenn Kinder spielen, nutzen sie gerne Alltagsgegenstände und bauen daraus in ihrer Fantasie ihre eigene Spielwelt. Da wird der Stuhl zum Ausguck eines Segelschiffs, der Besen zum Mast und der Staubsauger samt Kabel zum Kalmar. Und in diesem Fall spielt Papa mit und wird zum 1. Offizier und die Socken werden zu Möwen.

Diese Szenerei wird in dem Bilderbuch mit seemännischen Begriffen zu einem richtigen Segelabenteuer ausgebaut, bei dem einige Fachausdrücke der Seemannssprache Verwendung finden. Vorn im Buch werden diese Begriffe erklärt.

Die Geschichte bringt viele fantasievolle Details mit sich, sie ist lustig anzusehen, spannend und ein Appell an alle Eltern, doch mal die alltäglichen Aufgaben liegen zu lassen, dafür mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und sich von der Fantasie leiten zu lassen. Was wäre eine Kindheit ohne Spiele?

Die Illustrationen sind schön anzusehen, erklären das Abenteuer auf hoher See bildhaft, denn viel Text gibt es nicht. Die Handlung ist schon für Vierjährige zu verstehen, die Seemannssprache eher nicht. Aber das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Denn es geht um das gemeinsame Spiel mit den Eltern und um ein fantastisches Abenteuer auf dem Ozean - äh, ich meine natürlich dem Wohnzimmerteppich!

Ein tolles Bilderbuch über die Fantasie, über spielende Eltern und ihre Kinder und über ein großes Abenteuer auf offener See!