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Veröffentlicht am 21.06.2025

Erinnert an "Marschlande" und "Zur See"

Stromlinien
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Enna und Jale richten ihr Leben nach der verbliebenen Zeit aus, in Jahren, Monaten, Tagen. Und jetzt sind es noch genau sechzehn Stunden, bis sich das lang erwartete Schicksal der Zwillinge erfüllen soll. ...

Enna und Jale richten ihr Leben nach der verbliebenen Zeit aus, in Jahren, Monaten, Tagen. Und jetzt sind es noch genau sechzehn Stunden, bis sich das lang erwartete Schicksal der Zwillinge erfüllen soll. Ein Aufwachsen ausgerichtet am Entlassungsdatum ihrer Mutter Alea aus der Haft.
Zur Stunde Null verschwindet nicht nur Jale, sondern auch Alea. Während Enna verbissen nach ihrer Schwester sucht, fahndet die Polizei im Falle eines nach einem auf der Elbe in seinem gesunkenen Motorboot ertrunkenen Mann.
Die Polizei will das Verschwinden von Alea und Jale mit dem Ertrunkenen in Verbindung bringen, und Enna, die keinen Grund hat, der Polizei Vertrauen zu schenken, muss sich auf sich selbst verlassen.
Sie, die noch nie ohne ihre Schwester war.
Auf der Suche nach Antworten steuert Enna mit ihrem Boot die Gewässer der Marschlande und taucht dabei tief in die Strudel ihrer Familiengeschichte ein.

Rebekka Franks „Stromlinien“ entknotet die verwobenen Stränge dreier Generationen. Facettenreiche Protagonistinnen tragen die Handlung durch mal sinnliche, mal stürmische Naturbeschreibungen, aber immer mit dem Auge auf die Flora und Fauna der Marschlande.
Schuld und Sühne, Familie, Zusammengehörigkeit und Ungebundenheit, Miss- und Vertrauen sind Worte, die mir unmittelbar einfallen. Das Buch hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.
Zuletzt habe ich mich in Jarka Kubsowas „Marschlande“ und Dörte Hansens „Zur See“ in derart atmosphärischen Beschreibungen verloren, und wer die genannten Titel genossen hat, wird sicher auch in „Stromlinien“ ein Leseerlebnis vorfinden wie ich es tat.

Veröffentlicht am 21.06.2025

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Antifa
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Nachdem ich den Antifa-Film „Schulter an Schulter, wo der Staat versagte“ gesehen habe, hat mich auch ein Buch zum Thema interessiert, und da bot sich Richard Rohrmosers „Antifa. Porträt einer linksradikalen ...

Nachdem ich den Antifa-Film „Schulter an Schulter, wo der Staat versagte“ gesehen habe, hat mich auch ein Buch zum Thema interessiert, und da bot sich Richard Rohrmosers „Antifa. Porträt einer linksradikalen Bewegung“ an.

Rohrmosers Buch ist eine kompakte Zusammenfassung der Anfänge der Antifaschistischen Aktion im Kontext der beginnenden Radikalisierung auf rechter als auch linker Seite um 1918/19 und erneut 1932.
Besonders interessant fand ich, mit welch professionellen Methoden Anhänger:innen organisierter Antifa-Gruppierungen Informationen zu Mitgliedern der rechtsextremen Szene zusammengetragen haben und das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin gründeten. In der Erörterung der Aktivitäten speziell der norddeutschen Antifa gleichen sich Buch und Film. Die zunehmende Fremdenfeindlichkeit nach der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren mit immens steigenden Gewaltstraftaten auf Ausländer:innen/Einwanderer:innen und Linke ist ein dunkles Jahrzehnt gewesen, an das auch ich mich rückblickend mit vielen auf Hauswände gesprühte „Türken raus“ erinnere.

Insgesamt fand ich das ein lesenswertes Taschenbuch, um sich einen Überblick über die antifaschistische Bewegung verschaffen möchte. Nach einem Gespräch mit einer Bekannten hat sich für mich jedoch abschließend die Frage eröffnet, warum der Untertitel des Buches das Wort „linksradikal“ beinhaltet. So wie nicht jede:r Konservative im Selbstverständnis NAtionalsoZI ist, so ist nicht jede:r Antifaschist:in radikal in ihrer:seiner linken Überzeugung. Falls es wen gibt, der mir die Frage beantworten kann: gerne her mit der Antwort!

Veröffentlicht am 21.06.2025

Jugendliche Obdachlosigkeit

Das Mädchen in unserem Badezimmer
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Auf einem Spaziergang begegnen Amra und ihre Mutter einem offenbar obdachlosen Mädchen. Im Gedanken an eine gute Tat fragt Amras Mutter das Mädchen, ob sie ihr helfen könnten, und überraschenderweise will ...

Auf einem Spaziergang begegnen Amra und ihre Mutter einem offenbar obdachlosen Mädchen. Im Gedanken an eine gute Tat fragt Amras Mutter das Mädchen, ob sie ihr helfen könnten, und überraschenderweise will die junge Frau kein Geld, sondern „einfach mal wieder duschen“.
Dass daraufhin am nächsten Tag für sechs Stunden das Bad blockiert wird, ist für die Familie ein verunsicherndes Ärgernis, für Amra und ihre Freundin Louise beginnt allerdings eine abenteuerliche Detektivarbeit. Denn: die wohnungslose Coco hat ihr Tagebuch im Bad liegen gelassen, und beim Lesen finden die beiden Mädchen heraus, wie gefährlich sie auf der Straße lebt. Sie wollen ihr helfen und ihr natürlich auch das Tagebuch zurückgeben, von dem sie nur ahnen können, welcher Schatz es für Coco sein muss.
In ihrem Tagebuch offenbart Coco viel von sich selbst; davon wie sie auf der Straße gelandet ist, aber auch wie viel Mut und Stärke ihr innewohnt, dass sie das Leben ohne Zuhause übersteht und worauf sie hinzuarbeiten versucht. Amra und ihre Freundin lernen nicht nur Coco durch das Tagebuch besser kennen, sondern auch über die Schwierigkeiten und Risiken, die obdachlose Menschen auf der Straße ausgesetzt sind.

Das Buch ist mehr als nur eine Geschichte, in der ein ausgedachtes fiktives Leben erzählt wird. In der Danksagung lässt sich nachlesen, mit wie vielen Personen Autorin Kerstin Wacker für ihre Recherche gesprochen hat, um die Story um Coco so realitätsnah wie möglich zu halten. Es ist aber nicht nur ein Buch, das man für sich selbst lesen kann. „Das Mädchen in unserem Badezimmer“ ist ein Thema für jugendliche Bildung, und so kann man die Autorin teilweise auch mit einer:m Streetworker:in zusammen für Veranstaltungen buchen.
Ich finde nicht nur „Das Mädchen in unserem Badezimmer“ als Buch ungemein wichtig, sondern auch das Konzept, welches Kerstin Wacker als Gesamtwerk anbietet, um Kinder und Jugendliche Empathie für die schwächsten der Gesellschaft zu lehren.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Zum Miträtseln!

Tokio Express
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Als in der felsigen Bucht von Hakata eine junges Paar Hand in Hand mit einer Zyankalivergiftung als Todesursache aufgefunden wird, ist für die ersten Polizisten am Tatort sofort klar, dass es sich um den ...

Als in der felsigen Bucht von Hakata eine junges Paar Hand in Hand mit einer Zyankalivergiftung als Todesursache aufgefunden wird, ist für die ersten Polizisten am Tatort sofort klar, dass es sich um den Selbstmord eines Liebespaares handeln muss.
Kommissar Jutaro Torigai, stößt auf Ungereimtheiten, die mehr dem Bauchgefühl des Vaters einer Tochter im selben Alter wie die Tote denn aus Beweisen entspringen. Er informiert Kiichi Mihara, der in Tokyo in einer Bestechungsaffäre ermittelt, in die der junge Tote verwickelt gewesen sein soll. Dessen ersten Ermittlungen stützen sich auf die Vermutungen von Torigai. Die weiteren Indizien führen Mihara durch alle möglichen Städte Japans, doch die meisten Spuren führen in Sackgassen. Sie haben es mit einem Täter zu tun, der seine Spuren geschickt zu verwischen weiß.

Diese Geschichte ist ein raffiniertes Knobelspiel, bei der ich selbst ins Rätseln kam (kommt sonst nie vor). Der Krimi kommt ohne Dekoration seiner Protagonisten aus, es geht schnurgerade um den Fall des vermeindlichen Doppelselbstmordes, in dessen Lösung man sich auch als Leser:in bis zum Ende der Geschichte verlieren kann. Hieran hatte ich große Lesefreude!

Veröffentlicht am 21.06.2025

Toller Sachroman für Kinder

Das geheime Leben der Tiere (Wald) - Revier der Raben
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Für das Kolkrabenpaar beginnt jetzt die Brutzeit. Es ist Februar im Wald. Graak und Chree sind seit neun Jahren ein Paar, doch jedes Jahr buhlt Chree erneut um sein Weibchen. Auch dieses Jahr nimmt Graak ...

Für das Kolkrabenpaar beginnt jetzt die Brutzeit. Es ist Februar im Wald. Graak und Chree sind seit neun Jahren ein Paar, doch jedes Jahr buhlt Chree erneut um sein Weibchen. Auch dieses Jahr nimmt Graak sein Werben an. Wenige Wochen später erblicken Roah und ihr Bruder Krrik das Licht der Welt. Dauert noch ein bisschen, bis diese beiden fliegen werden.
An einem stürmischen Tag tobt ein Gewitter so heftig über dem Nest der Vogelfamilie, der Blitz schlägt ein, der Baum fällt. Krrik wird unter den Ästen des Baumes begraben, die Familie getrennt. Das Vogeljunge hat sich den Flügel gebrochen, nirgendwohin kann er flüchten, als Menschen sich an den Baum heranwagen. Krrik droht von dem Hund gefressen zu werden, doch die Menschen nehmen das verletzte Tier mit.

Den Rest lest ihr mal schön selber weiter, denn ich will die Handlung dieser schönen Geschichte auch nicht komplett verraten. Es handelt sich um eine ausgedachte Story, die um viel Sachwissen herum aufgebaut ist. Man lernt richtig viel über das Leben von Raben und schließt dabei die Helden dieser Geschichte, die hier eindeutig die Vögel und die Menschen die Nebenfiguren sind, sehr ins Herz.
Dieses Buch kann ich für Kiddos empfehlen, die gerne auch mal Bücher lesen, um etwas über Tiere zu erfahren. Mir hat es sehr gefallen!