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Veröffentlicht am 22.06.2025

Fake oder Wahrheit - Packender Thriller über eine entfesselte KI

Reset
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"Reset - Die Wahrheit stirbt zuerst" von Peter Grandl ist ein fesselnd geschriebener Thriller, der von Anfang bis Ende zu fesseln weiß, manchmal aber etwas zu viel auf einmal will.

Schon im ersten Kapitel ...

"Reset - Die Wahrheit stirbt zuerst" von Peter Grandl ist ein fesselnd geschriebener Thriller, der von Anfang bis Ende zu fesseln weiß, manchmal aber etwas zu viel auf einmal will.

Schon im ersten Kapitel kann der packend erzählte Thriller mit Schockmomenten aufwarten.
Zu Beginn wird ein Flugzeug über dem deutschen Luftraum entführt und es steht die Frage im Raum, ob das Flugzeug abgeschossen werden soll oder nicht. Zudem erhalten zahlreiche Menschen vermeintliche Anrufe oder Videos von Familienangehörigen oder Bekannten, die sich nicht von Fake und Echtheit unterscheiden lassen. All das wird von einer unbezwingbaren KI im Hintergrund gesteuert, die das Ziel im Auge hat, die Menschheit zu vernichten. Chaos und Misstrauen bricht aus. Kann die Menschheit vor der Zerstörung durch ein Rückbesinnen auf "alte" Techniken gerettet werden?

In dem Thriller passiert so einiges. Zeit zum Durchatmen bleibt keine. Erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven und anhand kurzer Kapitel, lässt das Spannungsmoment zu keinem Zeitpunkt nach und man fliegt nur so durch die knapp 500 Seiten. Zahlreiche Wendungen und Cliffhanger tragen ihr Übriges bei.

Zu viel Tiefe sollte man bei dem Feuerwerk an actiongeladenen Szenen und verschiedenen Handlungsverläufen jedoch nicht erwarten.
Denn so finden zahlreiche Themen, wie z. B. KI, Fake News, Missbrauch, Trauma oder Quantentechnologie, Eingang in die glaubwürdig wirkende Handlung. Teilweise rennt man von Anschlag zu Anschlag, ohne lange bei einem Thema oder einer Person zu verbleiben. Darunter leidet auch die Charakterzeichnung der wichtigsten handelnden Personen. So richtig nah kommt man keinem der wichtigsten Akteure. Der Actionpart steht ganz klar im Vordergrund.

Trotzdem wird ein beängstigendes und durchaus realistisches Szenario erzeugt, das aktuelle Entwicklungen rund um KI, Vertrauen in die Medien und gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und zum Nachdenken anregt.

Wer sich für Thriller über KI interessiert und dabei nicht so viel Wert auf inhaltliche Tiefe und Plausibilität legt, der wird mit "Reset" seine Freude haben.
Kurzweilig, spannungsgeladen und leicht beängstigend ist der Thriller allemal!

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Feinfühlig erzählter Roman über die Kraft der Musik

Strandgut
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Im Mittelpunkt von "Strandgut" von Benjamin Myers steht Bucky Bronco, ein kürzlich verwitweter Siebzigjähriger aus Chicago, dessen Leben eine unerwartete Wendung nimmt, als er nach Scarborough, Großbritannien, ...

Im Mittelpunkt von "Strandgut" von Benjamin Myers steht Bucky Bronco, ein kürzlich verwitweter Siebzigjähriger aus Chicago, dessen Leben eine unerwartete Wendung nimmt, als er nach Scarborough, Großbritannien, eingeladen wird, um dort Soullieder zu singen, die er vor über 50 Jahren komponiert und aufgenommen hat. Er konnte von seinen Liedern nicht leben und hat sich stattdessen mit Gelegenheitsjobs übers Wasser gehalten. Der Flug nach England ist dann auch das erste Mal, dass er in ein Flugzeug steigt und sich auf den Weg in ein anderes Land macht. In England angekommen, wird er von Dinah empfangen, einer Supermarktkassiererin und begeisterten Soulmusik-Liebhaberin im Allgemeinen und von Bucky im Speziellen. Sie wird zu einer treuen Begleiterin von Bucky.

Geradlinig und vorwiegend aus der Sicht von Bucky erzählt, taucht man in das Leben der Figuren ein und lernt ihre Sorgen, Gedanken und Gefühle kennen. Der Autor schafft es hierbei, mit nur wenigen Worten, echte, unvollkommene Menschen zum Leben zu erwecken, die ihre guten und schlechten Seiten haben. Die bildhafte Sprache des Autors trägt ihren Teil dazu bei.

Die feinfühligen Charakterzeichnungen des Autors sind auch einer der Höhepunkte des Romans.
Überzeugen kann zudem die Handlung an sich, obwohl ich an der ein oder anderen Stelle noch gerne mehr Zeit mit den Charakteren verbracht hätte

So ist "Strandgut", auch wenn es auf den ersten Seiten leicht daherkommt, ist es dennoch eine tiefgründige Geschichte. Denn es ist nicht nur eine locker und erzählte Geschichte über zweite Chancen und die Kraft der Musik, sondern auch eine mit schweren Themen, wie z. B. Trauer, Sucht sowie Familien- und Beziehungsprobleme. Trotz der Trauer Buckys um seine vor kurzem verstorbene Frau Maybelle und Opioidabhängigkeit, mit der Bucky kämpft, ist der Roman jedoch voller Herz und Wärme. Es ist auch ein Buch über zweite Chancen, Freude und Hoffnung, das einen schnell in seinen Bann zieht.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Ein ungleiches Ermittlerpaar sorgt für Spannung

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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"Ein Mord im November" von Simon Mason spielt in Oxford und ist der erste Teil einer Krimireihe rund um DI Ryan Wilkins und DI Ray Wilkins. Zwei Detective Inspectors mit dem gleichen Nachnamen als Partner ...

"Ein Mord im November" von Simon Mason spielt in Oxford und ist der erste Teil einer Krimireihe rund um DI Ryan Wilkins und DI Ray Wilkins. Zwei Detective Inspectors mit dem gleichen Nachnamen als Partner sind ungewöhnlich, und so ist auch deren privater Hintergrund ihre Art der Ermittlungen. Aber es heißt ja so schön, dass sich Gegensätze anziehen...
Ryan Wilkins wuchs in einem Wohnwagenpark auf, hatte einen gewalttätigen, alkoholkranken Vater, seine Freundin starb an einer Überdosis Drogen und hinterließ ihm einen kleinen Sohn. Für einen DI ist er noch vergleichsweise jung und stößt mit seiner forschen Herangehensweise viele vor den Kopf, besonders seine Abneigung gegen die privilegierte Oberschicht tritt deutlich zutage. Im Gegensatz dazu ist Ray Wilkins der Sohn afrikanischer Einwanderer, hat eine Universitätsausbildung, eine Frau und legt Wert auf sein Äußeres.
Ihre erste gemeinsame Mordermittlung führt sie in das Arbeitszimmer von Sir James Osborne, dem Prorektor von Barnabas Hall, in dem die Leiche einer jungen Frau liegt. Anfangs können beide gar nicht miteinander, doch um den Fall zu lösen, müssen sie zusammenarbeiten.

Eben genau dieses gegensätzliche Detektivpaar macht den Reiz der Geschichte aus. Ihre Zankereien und ihre unterschiedlichen Hintergründe sorgen für Reibung, die die aus verschiedenen Perspektiven erzählte Geschichte am Laufen halten und für Spannung sorgen.
Da zudem in den Ermittlungen unterschiedliche gesellschaftliche Schichten aufeinanderprallen, Oxford-Elite einerseits sowie Armut und Unruhe andererseits, bekommt man einen authentisch wirkenden Eindruck beider Welten.

All das, wird durchaus stimmungsvoll und fesselnd erzählt.
Bezogen auf den Inhalt fehlte es mir jedoch etwas an Tiefe, denn die mit dem Mordfall verbundenen Themen, wie z. B. Menschenhandel, sexuelle Belästigung und Missbrauch, werden nur oberflächlich behandelt. Man merkt der Handlung deutlich an, dass das ungleiche Detektivpaar im Fokus steht. Dementsprechend gut gelungen ist deren Charakterisierung, und man ist gespannt, wie es mit den beiden weitergeht.

Hinter "Ein Mord im November" verbirgt sich ein vielschichtiger Krimi, der von seinen Figuren und atmosphärischen Beschreibungen lebt. Es ist ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe, die, wenn noch mehr Augenmerk auf den eigentlichen Kriminalfall legt, eine richtig gute werden könnte!

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Poetische Erzählung über die Trauer um die verschwundene Mutter

Perlen
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Als Marianne Brown acht Jahre alt war, verschwand ihre Mutter und ließ sie, ihren Babybruder Edward und ihren Vater zurück. Die Suche nach ihrer Mutter ergab einen Fußabdruck am Ufer eines Flusses in der ...

Als Marianne Brown acht Jahre alt war, verschwand ihre Mutter und ließ sie, ihren Babybruder Edward und ihren Vater zurück. Die Suche nach ihrer Mutter ergab einen Fußabdruck am Ufer eines Flusses in der Nähe ihres Hauses und sonst nichts. Während sie älter wurde, wurde über das Verschwinden ihrer Mutter nicht viel gesprochen, und schließlich zog sie gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater aus ihrem ehemaligen Zuhause aus. Ihr Leben ist tief geprägt vom Verlust ihrer Mutter.
Als Lesende folgt man ihr durch ihre Kindheit, ihre schwierige Teenagerzeit und ihre eigene Reise als Mutter. Als sie älter wird, kämpft Marianne mit bruchstückhaften und widersprüchlichen Erinnerungen an ihre Mutter. 

Anfangs hat es eine Weile gedauert, bis ich in die Geschichte hineingezogen wurde, auch wenn das Buch stark beginnt. Man wird Zeuge ihrer Trauer, ihrer Verwirrung und ihrer Versuche, mit dem Trauma klarzukommen.
Die Autorin beschreibt hierbei Mariannes Innenleben poetisch und berührend, sodass man ganz nah an Mariannes Innenleben ist. Mit der Zeit geht jedoch diese Intensität etwas verloren und die Handlung fängt an, den roten Faden zu verlieren und zu mäandern.

Trotz alledem ist "Perlen" von  Siân Hughes eine kurze, aber intensive Lektüre, es ist eine Erkundung von Trauer und Verlust und wie sich diese im Laufe des Lebens entwickeln. Die Geschichte dreht sich um Themen wie Verlust, Trauer, Mutterschaft und Selbstfindung und wird in der Ich-Form aus Mariannes Perspektive erzählt. 

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Poetische Reise mit Sputnik

Sputnik
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Nach "Ada", "Der Apfelbaum" nun also "Sputnik" als dritter Roman von Christian Berkel, indem er die Lesenden in sein Leben und seine Erinnerungen eintauchen lässt. Und diesmal wirklich tief, denn zu Beginn ...

Nach "Ada", "Der Apfelbaum" nun also "Sputnik" als dritter Roman von Christian Berkel, indem er die Lesenden in sein Leben und seine Erinnerungen eintauchen lässt. Und diesmal wirklich tief, denn zu Beginn wird man gemeinsam mit ihm sogar eins mit seiner Mutter. So ist man direkt bei seiner Zeugung, seiner Zeit in der mütterlichen Fruchtblase und der Geburt dabei.

Christian Berkel hat ein feines Gespür für Wörter und Stimmungen, er schafft es, mit wenigen Worten ein authentisches Bild seiner Kindheit und Jugend sowie der damaligen Zeit zu erzeugen. Man fühlt sich direkt in seine Gedanken- und Gefühlswelt hineingesetzt und nimmt die Welt mit seinen Augen wahr.

Neben seinem Weg zum Theater wird man auch in damalige gesellschaftliche Diskussionen hineingezogen, so sind die RAF und die Serie Holocaust und damit einhergehend Antisemitismus ein Thema. Das zeigt, dass Berkel nicht vor schwierigen Themen zurückschreckt, auch eigene unangenehme Erfahrungen finden Eingang in seine autobiografische Erzählung.

Erzählt anhand kurzer Kapitel und Abschnitte fällt es schwer, mit dem Lesen aufzuhören. Berkels offener und ehrlicher Blick auf sich selbst und seine Mitmenschen tragen ihren Anteil dazu bei.

Lediglich zum Ende hin, scheint es, dass der Autor den roten Faden seiner Erzählung etwas verlierz. Auch wirkt der Schluss für mich etwas zu gezwungen, um einen Kreis mit dem Anfang zu schließen.

Zu empfehlen für Fans von Christians Berkel vorherigen Romanen und Leute, die sich für autobiografische Romane, die zeitgeschichtliche Entwicklungen aufgreifen.

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