Cover-Bild Ungebetene Gäste
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Kein & Aber
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Ersterscheinung: 14.06.2025
  • ISBN: 9783036995212
Ayelet Gundar-Goshen

Ungebetene Gäste

Ruth Achlama (Übersetzer)

Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.
Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.
Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war. 

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2025

Tiefer Einblick in einen innerstaatlichen Konflikt

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Habt ihr schon mal einen Roman von Ayelet Gundar-Goshen gelesen? Wenn nicht, dann wird es Zeit!

Diese Geschichte spiegelt den innerstaatlichen Konflikt zwischen israelischen Juden und Arabern auf tiefgründige ...

Habt ihr schon mal einen Roman von Ayelet Gundar-Goshen gelesen? Wenn nicht, dann wird es Zeit!

Diese Geschichte spiegelt den innerstaatlichen Konflikt zwischen israelischen Juden und Arabern auf tiefgründige und bewegende Weise wider und schafft es dabei, wertneutral und ehrlich, die Sicht beide Seiten gekonnt zu beleuchten.
Während Naomi mit ihrem kleinen Sohn Uri allein zuhause ist, erledigt ein arabischer Handwerker im Auftrag ihres Mannes ein paar Arbeiten auf dem Balkon ihrer Tel Aviver Wohnung. Die Tatsache mit ihm und dem kleinen Uri allein zu sein, bereitet ihr von Anfang an Unbehagen. Ihre Gedanken strotzen vor unbegründeten Ängsten, Ablehnung und Vorurteilen, in die sie sich immer weiter hineinsteigert, obwohl der Mann ihr keinerlei Anlass dazu liefert.
In seiner Abwesenheit passiert ein Unglück und anstatt sie es mit wenigen Worten aufklärt, sorgt ihr Schweigen dafür, dass eine schlimme Kettenreaktion ihren Lauf nimmt. Aus Scham traut sie sich erst viel zu spät, das Missverständnis aufzuklären und versucht stattdessen, ihr Schuld vor sich selbst zu legitimieren - was ihr jedoch auf Dauer nicht lange gelingt.
Am Ende versucht die Familie mit einem Umzug nach Nigeria einen Neuanfang, doch die Geschehnisse wirken bei allen Beteiligten nach.

Man schämt sich fremd, ist ohnmächtig vor Wut und Entsetzen, über die Ungerechtigkeit, die unbeteiligten Personen hier widerfahren. Es ist furchtbar, wie Vorurteile und Rassismus eine friedliche Koexistenz erschweren und eine Versöhnung schier unmöglich scheint.

Gleichzeitig ist es ein tiefer Einblick in die israelisch-palästinensische Gesellschaft, der realitätsnahe Gründe liefert, warum ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Arabern kaum möglich scheint.

Die Geschichte hat mich zutiefst bewegt, manchmal auch leicht verwirrt (bei plötzlichen Wechsel des Handlungsstrangs mit neuen Protagonisten), doch letzten Endes vor allem ein außergewöhnliches Leseerlebnis beschert. Vor allem den flüssigen Schreibstil und die bildliche Erzählweise mochte ich hier sehr gern. Auch der feinfühlige Umgang mit der Thematik hat mir wirklich gut gefallen. Von Ayelet Gundar-Goshen möchte ich nach diesem Roman unbedingt noch mehr lesen!

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Tsunami der Gefühle

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Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen , gelesen Milena Karas, erschienen im Argon Verlag als ungekürztes Hörbuch am 14.06.2025.

Naomi ist zurzeit nicht berufstätig da sie auf ihren einjährigen Sohn ...

Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen , gelesen Milena Karas, erschienen im Argon Verlag als ungekürztes Hörbuch am 14.06.2025.

Naomi ist zurzeit nicht berufstätig da sie auf ihren einjährigen Sohn Uri aufpasst. Als ihr Mann die Renovierung ihres Balkons zu einem Zeitpunkt beauftragt, wo sie mit dem Kind allein daheim ist, ist Naomi wütend auf ihren Mann. Sie fühlt sich von dem arabischen Mann bedroht, obwohl dieser hebräisch spricht und angibt selbst eine kleine Tochter zu haben. Uri soll eigentlich schlafen, ist dementsprechend quengelig und dann wagt es der Mann auch noch an die Türe zum Kinderzimmer zu klopfen, hinter der sie dem Kind die Brust gibt. Während Naomi dem Handwerker einen Kaffee kocht, kommt es auf der Straße zu Unruhen. Da der Mann zu dem Zeitpunkt auf der Toilette war, hat wohl Uri den liegengelassenen Hammer von der Balkonbrüstung geworfen, der dann einen jungen Mann getroffen und getötet hat. Naomi schweigt als die herbeigeeilte Polizei den Handwerker verhaftet.

Ayelet Gundar-Goshen verarbeitet hier z.T. ihre eigenen Erlebnisse und kriecht mit ihrer unaufgeregten Schreibweise in unser Hirn und lässt uns unsere eigenen Vorurteile und Erwartungshaltungen kosten. Da wird ein Mann zu Bedrohung für Mutter und Kind, der einfach bestellt wurde, um eine Arbeit zu erledigen. Für mich ist so etwas normaler Alltag. In einer aufgeheizten Umgebung, wo es Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen gibt, ist das aber wohl normaler Alltag. Jeder Mann arabische Herkunft ist für Naomi eine Bedrohung, ein möglicher Attentäter.

Im Hörbuch geht es um Verantwortung, Mitgefühl und Gerechtigkeit. Naomi nimmt ihren Sohn mit in die Küche, um ihre Familie zu schützen, ist dann aber völlig gelähmt. Sie befürchtet als Mutter zur Rechenschaft gezogen zu werden und es ist für sie einfacher, wenn ein Außenstehender, ein Fremder der als Araber im israelischen Staat eh immer verdächtig ist, zur Rechenschaft gezogen wird. Erst im laufe des Romans erfahren wir, wie die Sache ausgegangen ist.

Die Autorin drückt wohl auf blutende Wunden, was das Verhältnis der Religionen und der Umgang mit Menschen die verschiedene Werte verfolgen und man sich über viele Beweggründe überhaupt nicht informiert betrifft. Milena Karas hat das Hörbuch eindrucksvoll zum Leben erweckt und ich habe ihr fasziniert gelauscht.

Ich war vom Klappentext und der Hörprobe sofort begeistert, zögerte aber etwas, weil man sich mit der Auseinandersetzung zwischen Israel und der arabischen Welt ziemlich schnell in ein Steppenfeuer begibt. Ayelet Gundar-Goshen hat es fertig gebracht ihren Mitmenschen ihre eigenen Unzulänglichkeiten zu zeigen, ohne dass man sich da raus winden möchte. Man hört und lernt. Danke.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Das Buch geht unter die Haut

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„Ungebetene Gäste“ von Ayelet Gundar-Goshen
Verlag: Kein & Aber

Ein Buch, das bleibt – unter der Haut, im Kopf, im Herzen.
Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri in ihrer Wohnung in Tel Aviv – und ...

„Ungebetene Gäste“ von Ayelet Gundar-Goshen
Verlag: Kein & Aber

Ein Buch, das bleibt – unter der Haut, im Kopf, im Herzen.
Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri in ihrer Wohnung in Tel Aviv – und fühlt sich unwohl. Der arabische Arbeiter, den ihr Mann Juval zur Balkonrenovierung beauftragt hat, ist freundlich, aber sie will einfach nur allein mit ihrem Kind sein. Uri hat seinen gewohnten Tagesrhythmus, und dieser fremde Mann stört und macht ihr ein bisschen Angst. Als er auch noch ihre Toilette benutzt und draußen plötzlich laute Schreie zu hören sind, kippt die Stimmung.
Ein junger Mann wurde von einem herabfallenden Hammer erschlagen – und Naomi begreift in einem erschütternden Moment: Es war ihr Sohn. Der Hammer fiel nicht von selbst. Uri hat ihn geworfen.
Doch der Verdacht fällt auf den arabischen Arbeiter. Er wird festgenommen. Und Naomi? Schweigt. Erstarrt. Sie kann die Wahrheit nicht sagen. Aus Angst. Aus Schuld.
Ihr Ehemann ist entsetzt, als er erfährt, was wirklich passiert ist. Die Ehe, das Vertrauen, das ganze Leben – alles gerät ins Wanken. 
Die Familie flieht nach Afrika. Doch die Schuld reist mit. Immer.
Die Autorin versteht es meisterhaft, innere Konflikte sichtbar zu machen. Wie fühlt es sich an, nach so einem Einschnitt weiterzuleben? Wie geht man mit Schuld um, wenn das eigene Kind einen Menschen getötet hat?
Ein Albtraum für die arabische Familie. Ein Riss in der israelischen. Ein Zusammenbruch für einen Unschuldigen.
Der Roman zeigt eindrucksvoll: Schuld ist nicht nur eine Tat, Schuld ist auch ein Schweigen, ein Wegschauen, ein Nicht-Handeln. Und sie verändert. Jeden. Naomi, Juval, den arabischen Handwerker, der ohne eigenes Zutun alles verliert – Würde, Freiheit, Vertrauen.
Ayelet Gundar-Goshen gelingt es meisterhaft, diese innere Zerrissenheit zu zeigen. Ihre Sprache ist klar, eindringlich, manchmal schmerzhaft schön. Die Figuren wirken authentisch, sie handeln irrational, widersprüchlich – so wie echte Menschen eben. Und genau das macht diesen Roman so kraftvoll, so bedrückend, so nah.
Die Flucht nach Afrika mag räumlich Distanz bringen, innerlich bleibt der Vorfall unausweichlich. Er lebt mit, reist mit, sitzt mit am Tisch. Ungebetene Gäste ist nicht nur der Titel, es ist ein Gefühl, ein Zustand, ein moralisches Vakuum, das alle Beteiligten begleitet.
Dieses Buch hallt nach. Es lässt sich nicht abschütteln, nicht weglegen. Es zwingt zum Nachdenken über Schuld, Gerechtigkeit, Angst, Verantwortung und über das, was wir tun, wenn wir glauben, keine andere Wahl zu haben.
Ein starkes, tiefgründiges, sprachlich brillantes Buch. Fesselnd und verstörend zugleich. Ein literarisches Psychodrama, das unter die Haut geht und dort bleibt.
Eine absolute Leseempfehlung (5 Sterne).

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein beeindruckendes Buch und Highlight meines Lesejahres 2025

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#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte ...

#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte einen arabischen Arbeiter, den Balkon zu renovieren. Was dann geschah, lässt sich kaum nachvollziehen. Zeigt aber deutlich, wie tief die Gräben zwischen der Bevölkerung Israels sind.

D a s war mal wieder ein Buch so ganz nach meinem Geschmack. Dass die Autorin auch Psychologin ist, merkt der Leser an ihren kenntnisreichen Ausführungen. Nein, die sind keineswegs so geschrieben, dass nur Fachleute sie verstehen. Nach dem Unfall, bei dem ein Unschuldiger verurteilt wird, zeigt sich, was es heißt, mit einer Schuld umzugehen. Alle, sowohl die Familie um Naomi als auch um den palästinensischen Arbeiter, kommen mit der Situation nicht zurecht. Die einen haben ein schlechtes Gewissen, die anderen sinnen auf Rache.

Zu ihrem Buch sagt die Autorin, dass sie eine ähnliche Situation erlebte und daraus dann die Idee zu diesem Roman entstand. Sie merkt auch an, dass seit dem 07. Oktober 2023 eine latente Furcht zwischen den Menschen in Israel herrscht. Wer kann darüber besser berichten als Ayelet Gundar-Goshen? Wohl niemand.

Nicht nur Inhalt und Sprachstil haben mich beeindruckt. Auch die Lesung durch Milena Karas fand ich äußerst gelungen. Von mir gibt es einen Sternenregen und eine ausdrückliche Lese- oder Hörempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Wer ist schuld, wenn ein Hammer herunterfällt und ein Kind tötet?

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Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri allein. Sie sind Juden. Ein arabischer Handwerker bringt den Balkon in Ordnung. Als dieser auf die Toilette geht und Naomi einen Kaffee zubereitet, fällt ein Hammer ...

Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri allein. Sie sind Juden. Ein arabischer Handwerker bringt den Balkon in Ordnung. Als dieser auf die Toilette geht und Naomi einen Kaffee zubereitet, fällt ein Hammer vom Balkon, wahrscheinlich hat ihn Uri versehentlich runter geschmissen und erschlägt einen Jungen auf der Straße, der sofort tot ist.
Die kurz darauf eintreffende Polizei geht selbstverständlich davon aus, dass es der Araber war und nimmt ihn fest. Naomi ist wie gelähmt, schafft es nicht die Wahrheit zu sagen.
Und schon ist man mitten drin, in einem Psychodrama über Schuld, Rache, Rassenvorurteile und Selbstjustiz.
Ayelet Gundar-Goshen versteht es, die inneren Konflikten zu beschreiben, denen von nun an die Familie ausgesetzt ist. Wie lebt es sich nach solch einem fundamentalen Einschnitt? Wie geht man mit der Schuld um?

Ich bin durch die Seiten geflogen, sprachlich ist der Roman brillant. Das Setting in Tel Aviv und später in Nigeria sehr interessant und informativ.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und spreche eine große Leseempfehlung aus, da er spannend, interessant und informativ ist.

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