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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2022

Nimm eins, bekomme zwei!

Tod zwischen den Zeilen
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Das Hörbuch von V.M. Burns „Tod zwischen den Zeilen“ wurde von der Sprecherin Chris Nonnast fantastisch eingelesen. Das schön gestaltete Cover vermittelt eindeutig Cosy-Crime-Vibes.

Die Hörer*innen folgen ...

Das Hörbuch von V.M. Burns „Tod zwischen den Zeilen“ wurde von der Sprecherin Chris Nonnast fantastisch eingelesen. Das schön gestaltete Cover vermittelt eindeutig Cosy-Crime-Vibes.

Die Hörer*innen folgen in zwei verschiedenen Erzählsträngen zwei verschiedenen Kriminalfällen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten. Es geht um Mord, Diebstahl, Trauer, Bücher, die große Liebe, Familie, Freunde, und die Verwirklichung eines Lebenstraumes. Die Personen sind größtenteils so sympathisch, dass man das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen. Trotz der teilweise bedrückenden Themen verliert der Roman an keiner Stelle seine humorvolle Leichtigkeit in der Erzählweise. Durch den Wechsel der beiden Geschichten entsteht eine Spannung, die sich bis zum Ende hält. Die Frage, wer die Morde begangen hat und ob es für beide Geschichten ein Happy End gibt, haben mich bis zum Ende ausgezeichnet unterhalten. Eine absolute Leseempfehlung für gemütliche Hörstunden!

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  • Spannung
Veröffentlicht am 12.03.2022

Dark Academia - real

Den Wölfen zum Fraß
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Der Roman „Den Wölfen zum Fraß“ von Patrick McGuinness, aus dem Englischen übersetzt von Dieter Fuchs, basiert auf einer wahren Geschichte.

Vorweihnachtszeit in Bristol: Die Leiche einer jungen Frau ...

Der Roman „Den Wölfen zum Fraß“ von Patrick McGuinness, aus dem Englischen übersetzt von Dieter Fuchs, basiert auf einer wahren Geschichte.

Vorweihnachtszeit in Bristol: Die Leiche einer jungen Frau wird gefunden und das ungleiche Polizeiduo Ander und Gary ermitteln gegen den, von der Presse schnell zum Hauptverdächtigen erklärten, pensionierten Lehrer einer Eliteschule. Das schwarz-weiße Coverbild stimmt bereits auf den Roman ein: Es wirkt düster, fast schon kalt. Die Blickrichtungen in dem Bild korrespondieren mit den unterschiedlichen Perspektiven der Figuren der Geschichte auf den Mordfall – distanziert, von der Mitte und von oben aus nach unten. Die Romanhandlung spielt auf zwei Zeitebenen, die von der Hauptfigur Ander erzählt werden. Zum einen ist da sein Blick auf die Vergangenheit, in der er Schüler bei dem Mordverdächtigen war. Zum anderen die Gegenwart, in der er gegen seinen ehemaligen Lehrer ermittelt. Der Autor verknüpft beide Storylines geschickt zu einer Kritik am englischen Schulsystem und vor allem an den Medien, die eine eigene, selbsternannte, öffentliche Gerichtsbarkeit erzeugen, die Leben für immer zerstört.

Patrick McGuinness denkt in einer sehr klugen und kreativen Sprache aber auch über Themen wie Tod, Sprache und Brücken im allgemeinen nach. Bei aller Spannung und Dramatik, die sich den ganzen Roman über hält, bleiben die Figuren jedoch seltsam kühl und unnahbar, allerdings mit dem Ergebnis, dass für mich als Lesende genug Raum für eigene Urteile und Gedanken bleibt, denn auf diese Weise verhindert der Autor jede emotionale Bindung an eine bestimmte Figur. Alles in allem ist dies ein sehr tiefgründiger Kriminalroman, der einen nicht so schnell loslässt.

Vorurteile, die Macht der Medien und gesellschaftliche Meinungsbildung sind aktuell immer wichtiger werdende Themen. Deshalb meine unbedingte Leseempfehlung für diesen außergewöhnlich spannenden und kritisch-klugen Roman.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Die Macht der Sprache

Die Sprache der Drachen
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1923: Die Menschen haben den Krieg gegen die Drachen verloren und leben fortan in einem starren Drei-Klassensystem. Als Viviens Eltern, selbst Angehörige der zweiten Klasse, als aufständische Rebellen ...

1923: Die Menschen haben den Krieg gegen die Drachen verloren und leben fortan in einem starren Drei-Klassensystem. Als Viviens Eltern, selbst Angehörige der zweiten Klasse, als aufständische Rebellen verhaftet werden, gerät Vivien, statt an der Universität in London Sprachwissenschaften zu studieren, in ein streng geheimes Regierungsprojekt und soll die Sprache der Drachen entschlüsseln, denn nur auf diese Weise kann sie ihre Eltern retten.

Vivien ist eine Protagonistin, die einen schweren Fehler begangen hat und diese Schuld mit sich herumträgt. Die Autorin versteht es sehr gut, Viviens innere Kämpfe und Zweifel darzustellen. Mir hat die Entwicklung der Figur im Verlauf der Geschichte gefallen. Vivien wächst an den Umständen und findet unter den anderen Rekrutinnen sogar ihre Liebe. Doch welche Erkenntnisse hat sie, während sie wie besessen in die Geheimnisse der Drachensprache eintaucht? Welche Entscheidungen trifft sie und welche Folgen hat das für sie, ihre Familie, ihre Freundinnen, die Drachen und ihr Land?

Die Autorin S. F. Williamson hat mit ihrem Debütroman eine spannende und mitreißende Geschichte geschaffen, der ich bis zum Schluss begeistert gefolgt bin. Erfrischend fand ich auch, dass Viviens Romanze nicht im Mittelpunkt stand. Stattdessen geht es um Fragen wie das eigene Gewissen, Verrat, Angst, Politik, Krieg, marginalisierte Gruppen der Gesellschaft und Vertrauen. Da die Autorin selbst Übersetzerin ist, lässt sie immer wieder ihre eigenen Erfahrungen aus dieser Tätigkeit in den Roman einfließen. Das ist sehr interessant und macht die Protagonistin noch glaubhafter.

Alles in allem eine sehr spannende und originelle Geschichte, die hoffentlich bald eine Fortsetzung bekommt.

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Sprachgewaltige Geschichte mit fehlendem Tiefgang

Die Tage des Wals
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Elizabeth O'Connor schreibt in ihrem Debütroman über das karge und schwere Leben auf einer walisischen Insel am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Die achtzehnjährige Protagonistin Manod träumt davon, der ...

Elizabeth O'Connor schreibt in ihrem Debütroman über das karge und schwere Leben auf einer walisischen Insel am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Die achtzehnjährige Protagonistin Manod träumt davon, der Abgeschiedenheit und Trostlosigkeit ihres Daseins eines Tages zu entfliehen. Als der titelgebende Wal ans Ufer gespült wird, kommen zwei Engländerinnen aus Oxford auf die Insel und die achtzehnjährige Manod sieht eine Möglichkeit, ihre Träume von Bildung und einem weniger beschwerlichen Leben zu verwirklichen.

Der 206 Seiten schmale Roman oszilliert zwischen den Beiträgen der Protagonistin Manod, Berichten der Forscher
innen zum Inselleben, mythologischen Geschichten und Volksliedern der Insel. Alles zusammen ergibt für die Lesenden eine Vorstellung der zeitgenössischen Lebensumstände auf der Insel, die die Autorin mit einer großartig klaren und kraftvollen Sprache beschreibt. Leider bleibt meiner Meinung nach der Plot hinter der Sprache zurück. Die Figuren wirken seltsam emotionslos und nicht wenige Erzählstränge in der Geschichte bleiben offen, was ein tiefergehendes Verständnis der Charaktere erschwert.

Wer einen Eindruck der überzeugenden Erzählkraft der Autorin bekommen möchte, keine Scheu vor offenen Enden hat, spröde Charaktere und Landschaften mag, der ist hier richtig. Auf jeden Fall macht das Buch neugierig auf weitere Werke aus der Feder der Autorin.

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Veröffentlicht am 27.03.2024

Sagenhafter Roman vor dem Hintergrund des Rheins in der Romantik

Loreley - Die Frau am Fluss
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Die Protagonistin Juliane wächst als mittellose Waise im Bacharach am Rhein des Jahres 1817 bei ihrer Pflegefamilie auf und arbeitet dort als Magd im Gasthof ihres Vormunds. Julianes außergewöhnliche Schönheit ...

Die Protagonistin Juliane wächst als mittellose Waise im Bacharach am Rhein des Jahres 1817 bei ihrer Pflegefamilie auf und arbeitet dort als Magd im Gasthof ihres Vormunds. Julianes außergewöhnliche Schönheit gerät ihr im Umgang mit den Menschen oft zum Nachteil, bis sie Johann kennenlernt, der Eltern und Geschwister verloren hat und versucht, seinen Platz im Leben zu finden. Doch die Vergangenheit holt beide ein und auf dem Loreley-Felsen spitzen sich die dramatischen Ereignisse zu.

Die Autorin Susanne Popp arbeitet in ihrem neuen Buch "Loreley" mit ganz unterschiedlichen Elementen: Sie verwebt Informationen zur Rheinbegradigung und historischen Personen mit märchenhaften und mystischen Anteilen sowie wunderbaren Landschaftsbeschreibungen zu einem spannenden Roman. Die verschiedenen Handlungsstränge verbinden sich im Verlauf der Geschichte und entwickeln eine Sogwirkung, der ich mich nicht entziehen konnte. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und warte nun sehnsüchtig auf Band 2, der im Herbst 2024 erscheinen soll.

Wer gern historische Romane liest, die märchenhafte sowie mystische Anteile enthalten und das Lokalkolorit des Rheins zur Zeit der Romantik genießt, ist hier richtig. Eine spannende Lektüre, die ihre Leser*innen sehr gut unterhält.

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