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Veröffentlicht am 12.01.2018

Ein „neurobiologischer Mutmacher“ – sehr lesenswert

Was wir sind und was wir sein könnten
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MEINE MEINUNG

In seinem Sachbuch „Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher“ fordert der erfolgreiche Autor und bekannte Neurobiologe Gerald Hüther ein radikales Umdenken. ...

MEINE MEINUNG

In seinem Sachbuch „Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher“ fordert der erfolgreiche Autor und bekannte Neurobiologe Gerald Hüther ein radikales Umdenken. Es sei Zeit für einen „Wechsel von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung zu einer Gesellschaft der Potentialentfaltung“, die „mehr Raum und Zeit für das Wesentliche“ zulässt.
Trotz technischen Fortschritts und materieller Unabhängigkeit seien die meisten von uns nicht zuversichtlicher und zufriedener geworden. Verschiedenste psychosomatische Krankheiten wie Depressionen oder Burnout-Syndrom aber auch neurogenerative Krankheiten wie Demenz nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu. Sehr eindrücklich führt Hüther uns vor Augen, was geschieht, wenn die Gesellschaft ihre Kreativität und Begeisterungsfähigkeit verliert, Leistungsdruck, Erfolgsdenken und Stress den Alltag beherrschen und das Leben nur noch aus Routine und monotonem Funktionieren besteht.
In seinem Buch versucht er uns aus neurobiologischer Sicht die Zusammenhänge und Hintergründe anschaulich und zugleich unterhaltsam zu erklären. Hüther verwendet einen auch für Laien gut verständlichen und präzisen Schreibstil. Anerkannte und inzwischen veröffentlichte Ergebnisse der aktuellen Hirnforschung erklärt er, ohne den Leser mit unnötigen Details und Fachbegriffen zu überfordern. Ein gewisses biologisches Grundwissen ist allerdings zum besseren Verständnis sicher hilfreich. Insgesamt gelingt es Hüther hervorragend, uns eine völlig neue, kritische Sichtweise auf Alltagsphänomene in der Gesellschaft zu eröffnen und vor allem die Konsequenzen der Zwänge unserer Leistungsgesellschaft vor Augen zu führen.
Mit konkreten Beispielen und aktuellen Erkenntnissen aus der Hirnforschung macht er deutlich, wie sehr wir in anerzogenen und selbsterschaffenen Verhaltensmustern verharren und oft in einer Sackgasse gefangen sind.
Sein optimistisch stimmendes Buch kann tatsächlich als eine Art Mutmacher betrachtet werden, indem er klar macht, dass unser Gehirn ein hochkomplexes, menschliches Organ ist, das selbst im Alter durch neue Erfahrungen und Wahrnehmungen wesentlich wandlungsfähiger ist als bisher angenommen wurde.
Wichtig ist es ihm, uns Wege aufzuzeigen, wie wir aus unseren eingefahrenen Mustern ausbrechen können, und wie es uns gelingen kann, das Potential in uns weiter zu entwickeln und auszuschöpfen. Fertige Rezepte in typischer Ratgeber-Manier wird man in diesem Buch allerdings vergeblich suchen. Dieses Buch liefert viele hilfreiche Denkanstöße, die dazu beitragen können, schließlich „zu dem zu werden, was wir sein können“. Hierzu ist jedoch notwendig, den Willen zu entwickeln, aus unserem Leben etwas anderes zu machen und den Mut zu finden, nicht mehr so weiter zu machen wie bisher.

FAZIT
Ein sehr lesenswertes, lehrreiches Buch, das uns ermutigt neue Wege im Leben einzuschlagen und sich den Zwängen der Leistungsgesellschaft zu entziehen!

Veröffentlicht am 06.01.2018

Temporeicher, fesselnder Auftakt

Suizid
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„Ich muss dringend sterben“

INHALT
Die beurlaubte FBI-Agentin Jane Hawk versucht den für sie unerklärlichen Selbstmord ihres Mannes Nick aufzudecken und stößt bei ihren Recherchen auf einen rätselhaften ...

„Ich muss dringend sterben“

INHALT
Die beurlaubte FBI-Agentin Jane Hawk versucht den für sie unerklärlichen Selbstmord ihres Mannes Nick aufzudecken und stößt bei ihren Recherchen auf einen rätselhaften Anstieg von Suiziden in Amerika. Betroffen sind herausragende Persönlichkeiten, die mitten im Leben standen, sich aus dem Nichts ihr Leben nahmen und Hinterbliebene hinterließen, die wie Jane nach Erklärungen suchen. Als Jane ihre Nachforschungen hartnäckig weiterfolgt, versucht man sie einzuschüchtern und bedroht das Leben ihres kleinen Sohns. Nachdem sie ihn in Sicherheit weiß, taucht sie unter. Auf eigene Faust versucht sie, die Wahrheit aufzudecken und den Tod ihres Mannes zu rächen, und muss dabei mächtige Gegner jagen. Für Jane beginnt ein ungeahnter Albtraum und eine atemberaubende Jagd nach den Hintermännern …

MEINE MEINUNG
Dem amerikanischen Bestseller-Autor Dean Koontz ist mit „Suizid“ der Auftakt einer action- und temporeichen Thriller-Trilogie rund um seine neue Heldin Jane Hawk gelungen, die mich gleich von Beginn an fesseln konnte.
Koontz hat sich für seinen Page Turner eine interessante Hintergrundstory ausgedacht, die mit seinen futuristischen Elementen anfangs etwas Science Fiction-Anklänge hatte, mich aber insgesamt überzeugen konnte, denn das beklemmende Szenario ist gar nicht so weit hergeholt oder unrealistisch. Der Autor versteht es hervorragend, so abwechslungsreich und fesselnd zu schreiben, dass man als Leser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Vieles am Handlungsverlauf erinnert sehr an typisch amerikanische Agenten- bzw. Spionage-Thriller. Schon der rasante Einstieg, die sehr kurz gehaltenen Kapitel und raschen Wechsel der Perspektiven sorgen für einen schnell ansteigenden Spannungsbogen. Darüber hinaus garantieren das extrem hohe Tempo, jede Menge zum Teil filmreife Actionszenen sowie unerwartete Wendungen einen packenden, sehr unterhaltsamen Lesespaß.
Koontz hat mit seiner unglaublich taffen Protagonistin Jane Hawk einen faszinierenden, recht glaubwürdigen Charakter geschaffen, auch wenn sie mit ihren „Super“-Kräften, übernatürlichen Spürsinn und weiteren Multitalenten schon etwas überzeichnet und klischeehaft wirkt. Als verzweifelte und zugleich wütende Witwe, fürsorgliche Mutter und hervorragend trainierte Ex-FBI-Agentin setzt sie alles daran, herauszufinden, wer hinter dem Tod ihres geliebten Manns und der auffällig steigenden Selbstmordrate steckt. Ein atemberaubendes Katz- und Mausspiel beginnt, bei dem im Laufe der Handlung aber die Rollen vertauscht werden. Befindet Jane sich anfangs noch auf der Flucht vor beinahe übermächtigen Gegnern, gelingt es ihr in ihrem beinahe aussichtslosen Kampf „Allein gegen den Rest der Welt“ die Oberhand zu gewinnen und ihre Widersacher ohne Rücksicht auf Verluste auszutricksen. Nur vage können wir uns eine Vorstellung von den Drahtziehern, ihrer Skrupellosigkeit und ihren Machtfantasien machen, doch im Laufe der Handlung kristallisieren sich immer deutlicher die beängstigenden Dimensionen heraus, und man blickt schließlich in die Abgründe einer beängstigenden Verschwörung, die die Freiheit der ganzen Menschheit zu bedrohen scheint.
“Suizid” endet mit einem Cliffhanger und lässt uns mit vielen Fragen und Spekulationen zurück, so dass wir gespannt auf die Fortsetzung von Janes Jagd nach der Wahrheit warten müssen.

FAZIT
Eine fesselnde Hintergrundstory, hohes Tempo, filmreife Actionszenen sowie unerwartete Wendungen sorgen für einen packenden, sehr unterhaltsamen Lesespaß mit einer faszinierenden Heldin.
Temporeicher, fesselnder Auftakt einer neuen Thrillertrilogie!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Zoe, die Liebe und das wahre Glück

Zoe und die Liebe
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INHALT
Die Radiomoderatorin Zoe London ist ein rundum glücklicher Mensch und sprüht vor Lebensfreude. Ob nun mit ihren bunten Polkadot-Kleider, beim Kreieren ausgefallener Torten oder in ihrer geliebten ...

INHALT
Die Radiomoderatorin Zoe London ist ein rundum glücklicher Mensch und sprüht vor Lebensfreude. Ob nun mit ihren bunten Polkadot-Kleider, beim Kreieren ausgefallener Torten oder in ihrer geliebten Radiosendung „London Calling“: Mit ihrer originellen, offenen Art und ihrer optimistischen Einstellung weiß Zoe die Menschen zu begeistern. Zoe glaubt als überzeugte Singlefrau nicht an die große Liebe und immerwährendes Glück. Ein One night-Stand mit ihrem Chef Tobias stürzt sie in unerwartete Gefühlsturbulenzen und ihr Selbstverständnis gerät plötzlich ganz schön ins Wanken. Könnte es sein, dass sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt hat?

MEINE MEINUNG
Schon von der ersten Seite an war ich von Zoes etwas verrückten, quirligen und lebenslustigen Art fasziniert. Allein die geistreichen Anmoderationen ihrer Livesendung "London Calling" bei Radio Okay konnten mich sehr begeistern.
„London Calling, hier ist wieder Zoe am Mikrophon, all meinen Hörerinnen und Hörern ein herzliches Willkommen und besondere Grüße an alle, die nur mal reingeswitcht haben. Das ist kein Irrtum, ihr seid nicht auf dem falschen Sender, hier ist Radio Okay, mit der spontansten Redaktion Kölns, und wir – ihr da draußen und ich – hören uns jetzt von Montag bis Freitag immer genau um fünf nach vier genau hier. Ich freu mich drauf. Ihr hoffentlich auch.“ ~Zitat S. 23 ~
Mit Zoe hat die Autorin eine rundum sympathische, vielschichtige Hauptfigur geschaffen, die man einfach schnell ins Herz schließen muss. Dank der leichten, witzigen und sehr humorvollen Erzählweise fliegen die Seiten noch so dahin – ein unterhaltsames Lesevergnügen pur! Abgerundet wird das Ganze mit einigen weiteren liebenswerten, wundervoll ausgearbeiteten Charakteren, die Zoe zur Seite stehen.
Im Verlauf der temporeich erzählten Geschichte verfolgt man gefesselt mit, wie Zoe die Hindernisse in ihrem Leben meistert, sich mutig ihren Ängsten stellt und ihre festgefahrenen Überzeugungen hinterfragt. In verschiedenen Rückblenden zu Zoes Kindheit und Jugend erfährt man schließlich die Hintergründe für ihre negative Einstellung zur großen Liebe und Beziehungen ohne Herzschmerz. Hierdurch kann man als Leser auch sehr viel besser als ihr Umfeld nachvollziehen, was ihren Charakter geprägt hat, und kann ihre Reaktionen verstehen. Natürlich hofft man beim Lesen insgeheim, dass Zoe auf ihrer Suche nach dem wahren Glück und ihrem Mister Right - den sie eigentlich gar nicht sucht! - schließlich die richtige Entscheidung treffen wird und sich nicht ständig selbst im Wege steht. Neben der unbeschwerten Handlung ist es der Autorin aber auch hervorragend gelungen, nachdenklich stimmende und berührende Momente einzuflechten. Die Geschichte enthält zwar einige vorhersehbare Geschehnisse, wartet aber immer wieder auch mit neuen, überraschenden Verwicklungen auf, so dass bis zum Ende hin alles offen und die Spannung auf einem hohen Niveau gehalten wird.

FAZIT
Ein unterhaltsames, humorvolles Lesevergnügen mit liebenswerten Charakteren! Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Die Tote vom Münsterländer Galgenhügel

Galgenhügel
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INHALT
An einem nebelverhangenen Herbstmorgen wird im kleinen Dorf Ahlbeck im Münsterland die bekannte Schauspielerin Ellen Gerwing tot aufgefunden - erhängt am historischen Galgen des Ortes. Für viele ...

INHALT
An einem nebelverhangenen Herbstmorgen wird im kleinen Dorf Ahlbeck im Münsterland die bekannte Schauspielerin Ellen Gerwing tot aufgefunden - erhängt am historischen Galgen des Ortes. Für viele ist es ein klarer Fall, man geht von einem Suizid aus. Der ermittelnde Kommissar Tenbrink und sein junger Kollege Bertram bezweifeln dies allerdings, als sie erfahren, dass vor sechzehn Jahren die Zwillingsschwester der Toten ebenfalls an diesem Ort auf tragische Weise zu Tode gekommen ist. Ein seltsamer Zufall oder gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen? Im Verlauf ihrer Ermittlungen kommen die Kommissare aus Münster schließlich einem dunklen, wohl gehüteten Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur. Einige Dorfbewohnern darunter auch die Schwester der Toten und Inhaberin eines angesagten Landhotels vor Ort, sind von ihren beharrlichen Nachforschungen überhaupt nicht begeistert. Doch wie hängt dies alles mit der erhängten Toten zusammen?

MEINE MEINUNG
„Galgenhügel" ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die im westlichen Münsterland nahe der holländischen Grenze angesiedelt ist. Mittlerweile gibt es eine unüberschaubare Anzahl von Regionalkrimis aus fast jedem denkbaren Landstrich, doch trotz netten Lokalkolorits sind diese nicht immer wirklich lesenswert. Mit „Galgenhügel" ist Tom Finnek jedoch ein rundum überzeugender Kriminalroman gelungen.
Mit den Kommissaren Tenbrink und Bertram hat Finnek ein eigenwilliges Ermittler-Team zusammengebracht, das trotz aller Gegensätze hervorragend miteinander harmoniert. Tenbrink ist ein typischer Münsterländer Dickschädel, der mit seiner sturen, wortkargen Art nicht einfach ist. Erschwerend kommt hinzu, dass er nach dem Tod seiner Frau extrem mit seiner Vergesslichkeit zu kämpfen hat. Bewundernswert wie er als Kommissariatsleiter seine schon bedenklichen Erinnerungslücken zu kompensieren weiß, so dass er mit seinen untrüglichen Instinkten und seiner unschätzbaren Erfahrung an die Ermittlungen heran geht. Sein junger, attraktiver Kollege aus Magdeburg, Maik Bertram, hingegen hat mit seiner etwas problematischen Vergangenheit zu kämpfen, denn wegen eines gravierenden Fehlverhaltens ist er nach Münster strafversetzt worden. Finnek sind hier zwei lebendige, sehr facettenreiche Charaktere gelungen, die mir auf Anhieb sympathisch waren und über deren Eigenheiten und Geheimnisse man gerne noch mehr erfahren möchte. Sehr glaubwürdig und lebensnah werden auch die anderen Nebenfiguren beschrieben und sorgen für reichlich Abwechslung.
Geschickt startet die Geschichte mit einem dramatischen Prolog, der mit einem fesselnden Cliffhanger und vielen Fragen endet, so dass ich sehr gespannt weiterlesen musste. Etwas Geduld braucht man dann allerdings schon, denn die Geschichte kommt erst allmählich in Schwung und ist anfangs nur mäßig spannend. Spannung und Tempo werden aber später angezogen, so dass es bald unmöglich ist, das Buch zur Seite zu legen. Insgesamt ist die raffinierte Handlung des Kriminalfalls sehr verzwickt und undurchschaubar angelegt, so dass man wunderbar miträtseln und spekulieren kann. Bei den vielen Hinweisen und einigen überraschenden Wendungen ist es gar nicht einfach, den wahren Hintergründen auf die Spur zu kommen. Der Krimi gipfelt schließlich in einem unglaublich mitreißenden Showdown und endet mit einer logischen und zufriedenstellenden Auflösung. Zum krönenden Abschluss hält der Autor für uns noch eine kleine Überraschung bereit, die viel Raum für Spekulationen lässt und uns sehr neugierig auf die Fortsetzung macht.
Ein sehr gelungener Regionalkrimi, bei dem die Mischung einfach stimmt: atmosphärisch dichte Landschaftsbeschreibungen, urige und liebenswerte Charaktere, die richtige Prise Humor und vor allem eine unterhaltsame, gut durchdachte Handlung.

FAZIT
Ein spannender, raffinierter Regionalkrimi aus dem Münsterland, der viel Raum zum Spekulieren und Miträtseln lässt, und zugleich ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe!
Ich freue mich schon auf den nächsten Teil, der im Sommer 2018 mit dem Titel „Totenbauer“ herauskommen wird, und bin sehr gespannt, wie es mit dem sympathischen Ermittler-Team Tenbrink und Bertram weitergehen wird.

Veröffentlicht am 15.01.2026

Berührender Cosy Crime

Der Tag, an dem Barbara starb
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MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Der Tag, an dem Barbara starb“ präsentiert Richard Hooton einen charmanten, etwas eigenwilligen Cosy Crime mit unverkennbarem britischem Flair. Im Zentrum steht weniger ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Der Tag, an dem Barbara starb“ präsentiert Richard Hooton einen charmanten, etwas eigenwilligen Cosy Crime mit unverkennbarem britischem Flair. Im Zentrum steht weniger der spannende Kriminalfall als vielmehr eine feinfühlig erzählte Familiengeschichte mit unerwarteter emotionaler Tiefe.
Gekonnt entfaltet Hooton eine ruhige und zugleich sehr berührende Geschichte, die vor allem durch ihre feine Melancholie, einfühlsame Beobachtungen sowie vielschichtige Charakterzeichnung überzeugt.
Im Mittelpunkt steht die verwitwet 89-jährige Margaret Winterbottom, eine liebenswerte Protagonistin, die allein in ihrem kleinen Häuschen in einem beschaulichen nordenglischen Dorf lebt, wo sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Seit ihr Körper und auch ihr ehemals gutes Gedächtnis sie gelegentlich im Stich lassen, wird sie von ihrer beunruhigten Familie umsorgt und zunehmend bevormundet.
Als ihre beste Freundin und Nachbarin Barbara eines Abends tot aufgefunden wird und die Polizei bei den Mordermittlungen nicht vorankommt, beschließt Margaret selbst aktiv zu werden und eigene Nachforschungen anzustellen. Ausgerechnet jene letzten Worte, die die sichtlich beunruhigte Barbara ihr kurz vor ihrem Tod anvertraute, wollen Margaret einfach nicht mehr einfallen. Irgendwo zwischen ihren Erinnerungsfetzen könnte schließlich der Schlüssel zur Wahrheit liegen. Nur gut, dass sie sich auf ihren cleveren fünfzehnjährigen Enkel James verlassen kann, der sie bei der Aufklärung tatkräftig unterstützt und versucht, ihrem Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen.
Erzählt wird die Geschichte aus Margarets Perspektive, durchsetzt von Rückblenden, liebevollen Details und nachdenklichen Gedankengängen. Besonders eindrücklich gelingt Hooton der Einblick in das Innenleben und die Gedankenwelt seiner älteren Heldin, deren innere Zwiesprache mit ihrem geliebten verstorbenen Mann Albert zu den berührendsten Momenten des Romans zählt. Dabei offenbaren sich allmählich Einblicke in ihre bewegte Vergangenheit, die von einem verdrängten schmerzlichen Geheimnis überschattet wird.
Inspirieren ließ sich Richard Hooton von seiner eigenen Familiengeschichte und den Erfahrungen mit seiner verstorbenen, an Alzheimer erkrankten Großmutter. Mit seiner einfühlsamen Erzählweise und feinem Humor gelingt es ihm hervorragend, den Lebensalltag von Margaret und die vielen Facetten ihrer beginnenden Alzheimer-Erkrankung anschaulich und glaubwürdig einzufangen. Gekonnt verwebt Hooton die Themen Älterwerden, Krankheit, Verluste, Erinnerungen, Selbstbestimmung und familiärer Zusammenhalt mit der Kriminalhandlung.
Der Kriminalfall schreitet in gemächlichem Tempo voran, gewinnt jedoch zum Ende hin deutlich an Dynamik und Spannung, wenn Margaret im fesselnden Finale ihre Entschlossenheit beweist und das Rätsel um Barbaras Tod schließlich lüftet.
Die Geschichte lebt vor allem von der wundervollen und sehr authentisch angelegten Hauptfigur Margaret Winterbottom und ihren originellen Ermittlungen. Der Autor hat mit ihr eine ausgesprochen vielschichtige, charakterstarke Persönlichkeit geschaffen, die man mit ihren liebenswerten Eigenarten und ihren fortschreitenden Erinnerungslücken rasch in Herz schließt. Die resolute, clevere ältere Dame blickt auf eine interessante Lebensgeschichte mit einigen lang gehüteten Geheimnissen zurück, die sie schließlich zu enthüllen bereit ist. Man folgt ihr mit Empathie und wachsender Bewunderung, während sie trotz aller Widrigkeiten des Alters nochmals über sich hinauswächst und zeigen kann, was in ihr steckt.
Die enge Beziehung zwischen Margaret und ihrem Enkel wird ebenfalls sehr liebevoll und stimmig dargestellt, wodurch sich die Geschichte zu einer warmherzigen Familienerzählung mit einer starken menschlichen Touch wandelt.

FAZIT
Ein ruhiger, atmosphärisch dichter Cosy Crime über Geheimnisse, Verlust und menschliche Verletzlichkeit, der sich weniger durch klassische Spannung als durch emotionale Momente und psychologische Tiefe auszeichnet.
Ein warmherziger, klug komponierter und berüherender Spannungsroman mit einer bemerkenswerten Protagonistin und einfühlsamen Milieuschilderungen!

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