Die Herkunft
Das Pestmädchen und der MedicusLina ist nach Gernots Tod Henkerswitwe und nach wie vor eine Unehrliche. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich muss sie sich verbieten, ist er doch mit der Ratsherrentochter Angela verheiratet und somit unerreichbar. ...
Lina ist nach Gernots Tod Henkerswitwe und nach wie vor eine Unehrliche. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich muss sie sich verbieten, ist er doch mit der Ratsherrentochter Angela verheiratet und somit unerreichbar. Nach dem Überfall in der Badestube und dem Brandanschlag auf ihr Wohnhaus ist Lina sicher, dass ihr irgendjemand nach dem Leben trachtet. Spannend geht es weiter.
Nahtlos schließt Band 2 an die bisherigen Ereignisse an und lässt Augsburg im Jahre 1462 lebendig werden. Abgerissene Bettler, Beutelschneider und Huren kämpfen täglich ums Überleben, im Spital ringt man wieder einmal mit dem Schwarzen Tod und die Reichen sind der Meinung, sich alles kaufen und richten zu können. Mitten drinnen in diesem Ort der Gegensätze nimmt die junge Witwe Lina ganz alleine ihr Schicksal in die Hand und erwirtschaftet Geld mit der Herstellung von Salben und Pflastern, verkauft Armsünderfett und Fingerknöchelchen am Markt, bis ein Einbrecher ihr an die Gurgel will. Voll Angst flüchtet sie sich zum Bettlerkönig der Stadt, nicht wissend, in welch missliche Lage sie sich damit selbst begibt.
Mit vielen historisch belegten Einzelheiten besticht Silvia Stolzenburg einmal mehr und fesselt ihre Leser mit spannenden Szenen aus dem Spätmittelalter. Lina als überaus tapfere Frau hat einige Hürden zu überwinden, nicht zuletzt will sie endlich wissen, wer ihre Mutter ist und warum sie im Findelhaus aufwachsen musste. Besonders realistisch wird ihr steiniger Weg geschildert, von der Abhängigkeit und Unfreiheit einer Frau erzählt Stolzenburg ebenso wie von den typischen Behandlungsmöglichkeiten der Beulenpest und von der Annahme, dass es sich um eine Strafe Gottes für die fehlbaren Sünder handelt. Eingebettet in diesen überaus atmosphärischen Rahmen erleben wir hautnah Linas bange Wochen nach dem Tod von Gernot und fiebern mit ihr mit, wie sie fortan leben wird, in steter Angst vor einem weiteren Überfall, der mit ihrer Herkunft zusammenhängen dürfte. Böse ist das Ende von Band 2, denn es ist noch nicht das Ende!
Ein aufregender Teil der Reihe „Das Pestmädchen“, der einen beim Lesen in Atem hält und hoffen lässt, dass Teil 3 alsbald erscheint. Ich spreche eine Empfehlung aus, am besten im Anschluss an den ersten Band.