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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2025

Due stagioni

Alle weg
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Stefan Maiwald lebt in Italien und ist somit unser Mann vor Ort, wenn „alle weg“ sind – in den Monaten von September bis April, wenn in Grado nur noch die Einheimischen verweilen. „Wir alle können uns ...

Stefan Maiwald lebt in Italien und ist somit unser Mann vor Ort, wenn „alle weg“ sind – in den Monaten von September bis April, wenn in Grado nur noch die Einheimischen verweilen. „Wir alle können uns ungestört unseren kleinen und großen Ritualen widmen, ob das nun Radeln oder Spazierengehen ist, Lesen oder Kartenspielen. Kein Tourist nervt mit seinen Bedürfnissen.“
Sein Erfahrungsbericht spielt mit den Figuren, die Leserinnen und Leser bereits in früheren Büchern begegnet sind – und wer sie noch nicht kennt, wird mehrfach darauf hingewiesen, was für mich etwas zu viel des Guten war. Mit einem Schuss Selbstironie reflektiert Maiwald zugleich seine eigene Position als Deutscher unter Italienern.
Das besondere Projekt, das seine Schilderungen diesmal durchzieht, sind die Tennisstunden, die er nimmt, um es mit seiner Frau aufnehmen zu können. Diese Episoden bringen zwar auch charmante Einblicke in das örtliche Leben, waren für mich aber etwas weniger spannend als die kulinarischen Abenteuer aus dem Vorgängerband.
Das stilvoll gestaltete Buch lässt uns erneut an der italienischen Lebensart teilhaben – von Aberglauben über Karneval bis zu „Zoff am Strand“. Maiwald mischt Fakten und Beobachtungen mit feinem Humor und italienischen Einschüben, wodurch eine authentische Italien-Atmosphäre entsteht.

Veröffentlicht am 11.10.2025

Denken und tun

Mentale Gesundheit durch Yoga
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Yogi Kai Hill schreibt darüber, wie mentale Gesundheit und Yoga zusammenhängen und illustriert dies mit Meditationen, Atemtechniken oder Yoga-Einheiten.
Ich hatte mich auf dieses Buch gefreut, da ich Kai ...

Yogi Kai Hill schreibt darüber, wie mentale Gesundheit und Yoga zusammenhängen und illustriert dies mit Meditationen, Atemtechniken oder Yoga-Einheiten.
Ich hatte mich auf dieses Buch gefreut, da ich Kai Hill als Lehrer von YogaEasy kannte und der Scorpio-Verlag kürzlich das großartige Yoga-Buch von Nicole Bongartz veröffentlicht hatte. Dieses Buch verfolgt jedoch einen anderen Ansatz.
Bereits beim Durchblättern fällt auf, dass die Bilder des Autors nur in den Yoga-Sequenzen auftauchen, das heißt in sehr klein und noch dazu unterschiedlich beleuchtet, da sie offenbar den auf einem Balkon gefilmten Videos entnommen wurden. Aufgefüllt wird mit Stockfotos, so dass auf diese Weise schon mal keine persönliche Bindung entsteht.
Bleibt also der Text? Da fallen zunächst formale Patzer auf, die ein Lektorat hätte beheben können. Zu Fußnoten dazuzuschreiben, dass es im Anhang Studien gibt, hat keinen Mehrwert. Und wenn, mitunter innerhalb eines Absatzes, Worte oder Formulierungen, wie „ich persönlich“, ständig wiederholt werden, fällt es mir schwer, dem Inhalt zu folgen, der eigentlich auch eher allgemeingültig als persönlich ist.
Sieht man über Gestaltung und Schreibstil hinweg, lässt sich aber doch ein Nutzen finden, denn insbesondere Yoga-Einsteiger werden mit der Beschreibung von Abläufen oder Techniken an die Hand genommen. Der tatsächliche Mehrwert liegt schließlich im Zugang zu Kai Hills Yoga-Webseite, für die neben kurzen Videos auch ein 30-Tage-Programm freigeschaltet werden kann. Meine Balance finde ich also weniger im Buch selbst als in der gelungenen Verbindung aus Reflexionsfragen und dem begleitenden Videoprogramm.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Polizeinachwuchs

Die Kriminalistinnen. Der Tod des Blumenmädchens
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„Der Tod des Blumenmädchens“ ist der erste Teil der Trilogie um „Die Kriminalistinnen“, die ersten Frauen, die zu Kriminalbeamtinnen ausgebildet werden. Sie haben, im Düsseldorf des Jahres 1969, mit einer ...

„Der Tod des Blumenmädchens“ ist der erste Teil der Trilogie um „Die Kriminalistinnen“, die ersten Frauen, die zu Kriminalbeamtinnen ausgebildet werden. Sie haben, im Düsseldorf des Jahres 1969, mit einer Toten zu tun, die sich in Hippiekreisen bewegt hatte.
Das besondere Thema des Romans, die Rolle der Frauen, wird voll und ganz ausgekostet, von der Mode über die Bevormundung in der Ehe bis zur ständigen Infragestellung ihrer Berufswahl („Wäre Stewardess bei der Lufthansa nicht auch ein schöner Beruf für Sie?“).
Neben den neu eingeführten Charakteren begegnen wir einer Figur aus Mathias Bergs früher veröffentlichter und zeitlich später angesiedelter Krimireihe um das Düsseldorfer LKA wieder, was für mich eine nette Überraschung war, aber auch zu einer ähnlichen Dynamik führte.
Nach bewährtem Rezept hat die Protagonistin Lucia mit Geistern der Vergangenheit zu kämpfen und werden verschiedene Spuren verfolgt, bevor der Fall schließlich aufgeklärt werden kann. Während die Situation der Frauen für meinen Geschmack etwas überstrapaziert wurde, wurden die Handlungsorte authentisch in Szene gesetzt und ein nachvollziehbarer Fall vor historischem Hintergrund geschaffen.

Veröffentlicht am 15.06.2025

Die Moral von der Geschicht‘

Verbrannte Wörter
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„Verbrannte Wörter“ ist ein Wörterbuch, das darüber aufklärt, welche Begriffe aufgrund ihrer Verwendung durch die Nazis heute gemieden werden sollten und welchen dieser Ruf zu Unrecht anlastet.
Schon die ...

„Verbrannte Wörter“ ist ein Wörterbuch, das darüber aufklärt, welche Begriffe aufgrund ihrer Verwendung durch die Nazis heute gemieden werden sollten und welchen dieser Ruf zu Unrecht anlastet.
Schon die Einleitung beleuchtet die Methoden, die Menschen im Nationalsozialismus zu einem „einheitlichen Denken“ bewegen sollten. „Dieser Metaphernüberfluss ist es, der den ‚Schwulst’ ausmacht, den schon die Zeitgenossen dem faschistischen Stil nachgesagt haben und den die Forschung der vergangenen sieben Jahrzehnte zu definieren versucht hat.“
Matthias Heine analysiert Wort für Wort von A wie „Absetzbewegung“ (unbedenklich) bis Z wie „zersetzen“ (bedenklich) dessen Gebrauch in der Geschichte der deutschen Sprache, das mitunter schon von den Dichtern und Denkern geprägt und schließlich erst später mit einer anderen Bedeutung belegt wurde. Nach der weiteren Verwendung in Ost und West folgt ein Fazit zur Einstufung jedes Wortes für die heutige Zeit.
Es ist interessant und schockierend zugleich zu lesen, mit welchem Aufwand und wie perfide „Propaganda“ (unbedenklich) betrieben wurde, um die Bevölkerung zu manipulieren. Ein Wermutstropfen waren für mich die Schlussfolgerungen, die teilweise so flapsig wirkten, dass sich ihr Sinn nicht erschloss oder die Wissenschaftlichkeit der Erörterung gemindert wurde. Ich halte es für wichtig, dass wir Sprache aufgeklärt und bewusst einsetzen, dabei hilft dieses Buch.

Veröffentlicht am 08.06.2025

Bühnenreif

Sputnik
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Bereits zum dritten Mal macht Christian Berkel die Geschichte seiner Familie zum Inhalt eines Romans. Diesmal spielt er selbst die Hauptrolle, und auch „Der Apfelbaum“ und „Ada“ sind wieder mit von der ...

Bereits zum dritten Mal macht Christian Berkel die Geschichte seiner Familie zum Inhalt eines Romans. Diesmal spielt er selbst die Hauptrolle, und auch „Der Apfelbaum“ und „Ada“ sind wieder mit von der Partie.
„An Sonntagen stellte ich bei schönem Wetter ein paar Stühle unter dem Apfelbaum auf. Wer den Apfelkuchen meiner Mutter genießen wollte, musste zuerst meine Vorstellung besuchen.“ Mit dieser Szene wird das Fundament für die Theater-Begeisterung gelegt, die ihn im weiteren Leben begleiten wird.
Wir erleben den Ich-Erzähler in seiner Sturm-und-Drang-Phase, in der er Mädchen, ein anderes Land und Drogen kennenlernt. Insbesondere seine Frankreichaufenthalte prägen seine Identität, muss er sich doch als Außenseiter behaupten, bevor er den Weg zur Schauspielerei beschreitet.
Das Buch beginnt aus der Sicht des Fötus, die eigene Geburt beobachtend, und endet mit einer Wiedergeburtserfahrung bei einer Schauspielübung, was eine gelungene Klammer bildet. Zwar gibt es einige eher langatmige Passagen, doch insbesondere die Selbstfindung in Paris wird authentisch dargestellt.
Für Reihenverfolger und Schauspielbegeisterte ist „Sputnik“ die passende Lektüre, die Einblicke in die Bühnenkunst gewährt und eine gute Ergänzung zu den Vorgängern darstellt. Im Vergleich wirkt dieser Teil inhaltlich etwas blasser, auch wenn der Autor ihn sprachlich ansprechend verfasst hat.