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Veröffentlicht am 10.07.2025

Dschungel, Drama, Déjà-vu – Spannung mit kleinen Stolpersteinen

Her Last Summer – Eine verschwundene Frau. Eine Reise ohne Wiederkehr.
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Her Last Summer klang nach dem perfekten Mix aus Sonne, Dschungel und düsterem Geheimnis – quasi „Urlaub mit Gänsehaut“. Und ja, das Setting hat gestimmt: tropisch, schwitzig, mysteriös. Luke und Mari, ...

Her Last Summer klang nach dem perfekten Mix aus Sonne, Dschungel und düsterem Geheimnis – quasi „Urlaub mit Gänsehaut“. Und ja, das Setting hat gestimmt: tropisch, schwitzig, mysteriös. Luke und Mari, ein verliebtes Backpacker-Duo, nur dass Mari irgendwann einfach... puff! Weg. Und zwanzig Jahre später will Luke plötzlich reden? Klingt verdächtig, dachte ich mir. Cassidy, die Doku-Filmerin mit Spürnase, macht sich also auf die Suche nach der Wahrheit. Klingt erstmal spannend – und ist es auch. Aber irgendwie... auch nicht?

Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte sich manchmal im Kreis dreht wie ein geölter Kompass im Magnetsturm. Einige Wendungen waren stark – andere eher so: „Hm, das hab ich mir schon gedacht, Luke.“ Cassidy selbst bleibt für mich leider etwas blass. Ich hätte mir mehr Biss, mehr Ecken und Kanten gewünscht – stattdessen stolpert sie mit Kamera und Misstrauen durch Thailands Vergangenheit. Stilistisch ist das Buch solide, keine Frage. Emily Freud weiß, wie man Spannung aufbaut. Nur leider plätschert es zwischendurch auch wie eine lauwarme Kokosnuss.

Alles in allem: nette Lektüre, besonders für die Hängematte am Strand mit gelegentlichem Seitenblick auf Palmen und Verdächtige. Aber das große „Wow, DAS hat mich umgehauen!“ blieb aus. Solider Thriller, aber bei mir ist die Gänsehaut eher im Schatten geblieben.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Ein Urlaub voller Absurditäten und Ehefragen

Der Duft des Wals
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Ein Buch, das nach tropischer Brise, Ehekrise und totem Fisch riecht. Klingt erstmal schräg, ist es auch. Die Ausgangslage: Judith und Hugo, ein Paar mit ordentlich Knacks in der Beziehung, checken in ...

Ein Buch, das nach tropischer Brise, Ehekrise und totem Fisch riecht. Klingt erstmal schräg, ist es auch. Die Ausgangslage: Judith und Hugo, ein Paar mit ordentlich Knacks in der Beziehung, checken in ein mexikanisches All-inclusive-Paradies ein, um ihre Ehe zu kitten. Spoiler: Der Wal stinkt schlimmer als ihre Probleme.

Was Paul Ruban hier abliefert, ist irgendwo zwischen Absurdität und Urlaubsprospekt geplatzt. Sprachlich fein übersetzt von Jennifer Dummer, das muss ich ihr lassen – aber manchmal war mir das Ganze zu sehr Theaterstück auf Speed. Ich mochte den schrägen Humor, die leicht klamaukige Tragik und diesen unterschwelligen Wahnsinn, der durch jede Piña Colada tropft.

Aber: Ich hatte Mühe, richtig reinzukommen. Die Figuren blieben mir irgendwie fern, als würden sie mit Sonnenbrille und Cocktail in der Hand immer ein bisschen an mir vorbeischauen. Und die ewige Metapher mit dem Walgeruch? Ja, originell, aber nach Seite 150 roch es dann auch ein bisschen nach Wiederholung.

Trotzdem: Ich musste mehr als einmal schmunzeln. Und die Idee, Verfall so charmant zu verpacken, ist originell. Es ist ein Buch wie ein verrückter Hotelgast: laut, ungewöhnlich, manchmal unangenehm – aber man erinnert sich dran. Für mich ein solider Dreier mit viel Luft nach oben. Und jetzt hab ich Lust auf Urlaub. Nur bitte ohne tote Meeressäuger.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Gute Idee, schwache Verbindung

Das späte Leben
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In Das späte Leben begleitet man Martin, 76 Jahre alt, der mit einer erschütternden Diagnose konfrontiert wird. Die verbleibende Zeit bringt ihn dazu, sein Leben zu ordnen und sich zu fragen, was er seiner ...

In Das späte Leben begleitet man Martin, 76 Jahre alt, der mit einer erschütternden Diagnose konfrontiert wird. Die verbleibende Zeit bringt ihn dazu, sein Leben zu ordnen und sich zu fragen, was er seiner jungen Frau und seinem kleinen Sohn David noch mitgeben kann. Besonders wichtig ist ihm, etwas Bleibendes zu hinterlassen – etwas, das über seinen Tod hinaus Bedeutung haben soll. Der Roman beschäftigt sich mit Abschied und vielen Fragen, wenn das Leben plötzlich ein klares Ende bekommt.

Meine Meinung:
Die Ausgangsidee des Buches fand ich sehr vielversprechend. Ein alter Vater, ein junges Kind, eine schwere Diagnose – das sind Themen, die emotional viel Tiefe haben könnten. Leider hat mich die Umsetzung kaum erreicht.

Der sogenannte „Rasier-Brief“, den Martin an seinen Sohn David schreibt, sollte vermutlich ein zentrales emotionales Element sein. Für mich war der Inhalt dieses Briefes jedoch enttäuschend. Ich hatte mir etwas Persönlicheres und Bedeutenderes für David gewünscht etwas, das wirklich das Gefühl vermittelt, dass der Vater seinem Sohn etwas fürs Leben mitgibt.

Generell hatte ich zu keiner der Figuren eine wirkliche Bindung. Weder Martin noch Ulla konnten bei mir Sympathie wecken. Es war mir ehrlich gesagt ziemlich egal, was mit ihnen passiert oder wie sich ihre Beziehungen entwickeln. Genau das hat mir beim Lesen am meisten gefehlt: Emotionen.

Es gab durchaus ein paar nette Ansätze und ruhige, nachdenkliche Momente, die Potenzial hatten. Doch insgesamt blieb mir der Roman zu distanziert und zu kühl. Für ein Thema, das eigentlich sehr nahe gehen könnte, hat mich das Buch unberührt zurückgelassen.

Fazit:
Das späte Leben ist kein schlechtes Buch, aber für mich eines mit zu viel verschenkter Möglichkeit. Wer eine sachliche, zurückhaltende Auseinandersetzung mit dem Lebensende sucht, könnte hier fündig werden. Wer jedoch auf emotionale Tiefe und Figuren hofft, die einem ans Herz wachsen, wird vermutlich etwas enttäuscht zurückbleiben.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Potenzial vorhanden, aber der Funke sprang nicht über

Flammensturm (Band 1) - Firebird
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Meine Frau und ich waren uns beim Buddyread schnell einig: Das Buch klingt vom Klappentext her nach einem feurigen Schlagabtausch, aber das, was wir gelesen haben, fühlte sich ganz anders an. Laut Beschreibung ...

Meine Frau und ich waren uns beim Buddyread schnell einig: Das Buch klingt vom Klappentext her nach einem feurigen Schlagabtausch, aber das, was wir gelesen haben, fühlte sich ganz anders an. Laut Beschreibung sollte es hier ja ordentlich knistern, Feinde zu Liebenden und so – für uns war es eher “Bekannte, die sich schnell mögen”. Julian, dieser angeblich so gefährliche Drache, war für mich mehr Schmusekater als furchteinflößender Krieger. Das kann charmant sein, hat aber nicht ganz zum angepriesenen Enemies-to-Lovers-Vibe gepasst.

Das Setting im antiken Rom war definitiv stimmig, die Mischung aus Historie und Fantasy hat was. Leider fliegen die Kapitel nur so vorbei, ohne dass ich wirklich in die Köpfe oder Herzen der Figuren abtauchen konnte. Mir fehlten die feinen Details, die mich an Charaktere binden. Wenn dann die Spice-Szenen auftauchten, wirkten sie für mich oft deplatziert – so als hätten sie sich heimlich ins Manuskript geschlichen.

Die Handlung selbst war nett, aber vieles konnte man schon Seiten vorher erahnen. Keine großen Schockmomente, eher ein Spaziergang mit gelegentlichen Abzweigungen. Malina war für mich zwar interessant, aber nicht so fesselnd, wie sie es hätte sein können. Manche Dialoge wirkten wie Lückenfüller, während andere Szenen zu schnell abgehakt wurden.

Trotzdem: Die Welt, die hier entworfen wurde, hat Potenzial. Rom, Drachenwandler, Götter – das alles ist schon ein cooler Cocktail. Leider hat für mich das Verhältnis zwischen Handlung, Charakterentwicklung und Leidenschaft nicht so ganz gestimmt. Am Ende blieb der Eindruck, dass die Verpackung viel verspricht, der Inhalt aber nicht komplett liefert. Zwei Sterne für ein solides Setting und eine Grundidee, die mich neugierig gemacht hat, auch wenn die Umsetzung uns beide nicht richtig packen konnte.

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