Nicht mein Geschmack
Frauen im SanatoriumAnna sitzt am See und denkt an ihre Mutter, ihre hellrot lackierten Nägel. Ihre Eltern mussten die Heimat verlassen. Sie gingen nach Deutschland. Für eine bessere Zukunft. Im See leben Flamingos und einen, ...
Anna sitzt am See und denkt an ihre Mutter, ihre hellrot lackierten Nägel. Ihre Eltern mussten die Heimat verlassen. Sie gingen nach Deutschland. Für eine bessere Zukunft. Im See leben Flamingos und einen, den besonders Hellen, nennt sie Pepik. Ihm erzählt sie ihre Geschichte. Die Mühe, die sie sich in Deutschland machte, in der Schule zu glänzen, später im Studium und dann auf der Arbeit. Sie war wie besessen. Ihr Vater hatte sich da schon seine eigene Wirklichkeit geschaffen, sie hieß Tatjana und stürzte ihre Mutter in die Depression.
Die Tabletten machen, dass sie sich wattig im Kopf fühlt. Sie ist seit zwei Wochen hier, wegen der Sache. Langsam, die Unsicherheit in den Beinen ausgleichend steht sie auf, es folgt die Schwimmstunde, Elif wartet auf sie. Die ist hier, weil ihr Verlobter verschwunden ist, gerade als sie das passende Hochzeitskleid gefunden hatte. Sie hatte seinen Namen nur einmal während einer Gruppensitzung erwähnt, dann nicht mehr. Elif redet viel, mit großer Vehemenz legt sie Bedeutung in ihre Worte. Alles scheint wichtig zu sein, aber Anna entdeckt, dass sie übertreibt, nicht immer die Wahrheit sagt. An dem Tag, als Elif entlassen wird, hängt Elif eine Tüte mit ihrem Notizbuch an Annas Tür.
Nach dem Essen geht Anna ins Raucherpavillon. Dort trifft sie unfreiwillig immer Marja, die beim Essen neben ihr sitzt. Marja monologisiert ihre verstorbene Mutter herbei, malt sie in den schönsten Farben, aber Anna kann nicht lange zuhören. Ein Bus hält und entlässt sieben Soldaten, die laut reden. Darunter eine Frau, die einem Soldaten ihren Ellbogen in die Seite stößt. Sie schultern die Rucksäcke und poltern die Eingangstreppe hinauf.
Fazit: Anna Prizkau hat eine unzuverlässig erzählende Protagonistin geschaffen. Die die Leserin kaum erkennen lässt, was wahr ist. Anna kam in die Klinik, weil sie von einem Auto angefahren wurde. Sie scheint das provoziert zu haben. Die Geschichte zeigt eine Kindheit mit ganz großem Leidensdruck. Anna kümmert sich um ihre depressive Mutter und muss früh eine Verantwortung übernehmen, der sie nicht gewachsen sein kann, niemand kann das. Nach Deutschland emigriert, glänzt sie durch Leistung und schlägt sich alleine durch. Privat erlebt sie erhebliche Brüche, deren Schmerz sie mit Alkohol, Drogen und Partys kompensiert. Die Kompensation ploppt, etwas in ihr bricht und es kommt zu einer Kurzschlusshandlung. In der Klinik kann ihr niemand wirklich helfen. Die Patienten bleiben sich selbst überlassen, es wird einzig ihre Mitarbeit vorausgesetzt. Anna lernt ihre Mitpatientinnen kennen. Vieles wird erzählt, aber was davon ist wahr und was Wunschdenken? Ich habe diese Geschichte zu Anfang sehr gemocht, hatte jedoch meine Schwierigkeiten, mich auf den Schreibstil der Autorin einzulassen. Sie verwendet unendlich viele Bindestriche, um Informationen einzufügen, die ich nicht gebraucht hätte. Der Text strotzt vor Fehlern in Syntax und Semantik. Und ich habe mich ernsthaft gefragt, ob das Lektorat extrem unmotiviert war oder ob ich das erste Buch gelesen habe, das mit künstlicher Intelligenz lektoriert wurde.
…oder hatte den Satz Marja selbst gesagt? S. 166
Heroin hatte ich mir davor immer schlecht und schmutzig vorgestellt, als Droge, die sich mit alten Nadeln Arme spritzten. S. 170
Mit sieben kam Veronika auf eine Mädchenschule, die Nonnen führten S. 179
Es war das erste Mal. Und letzte. S. 183
Es kommt mir fast unwirklich vor, dass das Buch von einer Redakteurin geschrieben wurde. Zumal sie eine Korrekturfahne bekommen haben muss und das so durchgewunken haben soll? Fragen über Fragen. An Satzbau und der Verteilung der Satzzeichen hat die Autorin mich verloren und die fast letzte Szene mit David hätte ich auch nicht gebraucht. Das war nicht meins.