Profilbild von Jecke

Jecke

Lesejury Star
offline

Jecke ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jecke über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2025

✎ Jens Schumacher - Lesen NERVT! 2 Bloß keine Bücher!

Lesen NERVT! – Bloß keine Bücher! (Lesen nervt! 2)
0

Lesen nervt! Genau diesen Satz würde mein Kind sofort unterschreiben. Obwohl es problemlos liest und mich täglich mit einem Buch in der Hand sieht, will die Begeisterung für Geschichten bisher nicht überspringen. ...

Lesen nervt! Genau diesen Satz würde mein Kind sofort unterschreiben. Obwohl es problemlos liest und mich täglich mit einem Buch in der Hand sieht, will die Begeisterung für Geschichten bisher nicht überspringen. Da aber jeden Tag zehn Minuten Lesezeit fest im Plan stehen, suche ich ständig nach neuen Wegen, um diese Minuten spannender zu gestalten. Text, in denen Worte durch Bilder ersetzt wurden? Kommen gut an. Comics? Fehlanzeige. Lückentexte? Eher ein müdes „geht so“.

Umso neugieriger war ich, was sich Jens Schumacher für seinen zweiten Band „Lesen NERVT! Bloß keine Bücher!“ einfallen lassen hat, um lesemüde Kinder abzuholen. Die Grundidee klingt originell: Verschiedene Kurzgeschichten werden durch spielerische Kniffe verändert. Mal taucht eine Geheimsprache auf, mal sind die Sätze komplett durcheinandergeworfen, in einer anderen Version werden Buchstaben vertauscht, und schließlich gibt es eine Story, deren Seitenreihenfolge durcheinandergerät.

Klingt abwechslungsreich? Teilweise war es das auch. Die Geheimsprache sorgte bei meiner Siebenjährigen für viele Lacher und war das Highlight. Die vertauschten Buchstaben haben uns ebenfalls zum Schmunzeln gebracht, weil absurde Wörter entstanden, die manchmal mehr Spaß machten als der eigentliche Text. Weniger gelungen war die Passage mit den verdrehten Satzbausteinen, die sich kaum flüssig lesen ließ und inhaltlich wenig fesselte. Ganz ähnlich ging es uns mit der Geschichte, deren Seiten durcheinandergewirbelt waren: die Idee war nett, doch die Länge zog sich, sodass wir irgendwann aufgegeben haben.

Ein wiederkehrendes Element ist ein kleiner Skorpion, der sich durch die Bücher frisst und damit die Chaos-Effekte auslöst. Dieser rote Faden hat meiner Tochter am meisten gefallen und sorgte für eine gewisse Leichtigkeit, auch wenn er die schwächeren Stellen nicht immer retten konnte.

Beim Blick auf die Reihe habe ich gesehen, dass es inzwischen vier Teile gibt. Auf der einen Seite mag ich die Kreativität, mit der Kinder spielerisch ins Lesen hineingezogen werden. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass sich der Witz schnell abnutzt und die Texte zu unübersichtlich werden.

Die Ideen sind wirklich originell, aber der Funke ist nicht bei allen übergesprungen. Deshalb werden wir wohl keinen weiteren Band ausprobieren - auch wenn ich grundsätzlich neugierig wäre, welche Tricks in den anderen Teilen zum Einsatz kommen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 21.09.2025

✎ Mechthild Gläser - Emma, der Faun und das vergessene Buch

Emma, der Faun und das vergessene Buch
0

In einem öffentlichen Bücherschrank entdeckte ich zwei Jugendfantasyromane von Mechthild Gläser: „Die Buchspringer“ & „Emma, der Faun und das vergessene Buch“. Da ich sie für unsere Schulbibliothek in ...

In einem öffentlichen Bücherschrank entdeckte ich zwei Jugendfantasyromane von Mechthild Gläser: „Die Buchspringer“ & „Emma, der Faun und das vergessene Buch“. Da ich sie für unsere Schulbibliothek in Betracht zog, wollte ich vorab wissen, ob sie sich für unsere Jugendlichen eignen. Also griff ich kurzerhand zu den Hörbuchversionen, um mir selbst ein Bild machen zu können.

Meine Erwartungen waren nach „Die Buchspringer“, das mich eher enttäuschte, deutlich gesunken. Trotzdem hoffte ich, dass „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ mich mehr fesseln würde. Tatsächlich gefiel mir diese Geschichte anfangs besser, doch der positive Eindruck hielt nicht lange an. Die Handlung startet spannend und geheimnisvoll, verliert jedoch schnell an Schwung. Viele Wendungen lassen sich früh erahnen, wodurch der Reiz des Unerwarteten fast vollständig fehlt.

Auffällig ist außerdem, wie stark die Autorin auf gängige Muster und Klischees setzt. Es gibt eine vorhersehbare Handlung und Figuren, die nur oberflächlich wirken. Ich persönlich konnte mich mit den Charakteren kaum anfreunden. Besonders die Liebesgeschichte wirkt, als sei sie aus dem Nichts entstanden. Ich fragte mich mehr als einmal, ob mir beim Hören eine entscheidende Passage entgangen war.

Auch die Altersdarstellung passt für mich nicht recht. Emma ist offiziell 16 Jahre alt, doch ihr Verhalten lässt sie deutlich jünger erscheinen. Tiefe, Reife oder innere Entwicklung konnte ich kaum erkennen. Dazu kommt eine Szene, in der Alkohol eine Rolle spielt. Zwar wird niemand dauerhaft betrunken dargestellt, doch gerade in einem Jugendbuch ab zwölf Jahren hätte ich auf diese Episode lieber verzichtet.

Der titelgebende Faun, der auf dem Cover der Hardcoverausgabe eine zentrale Bedeutung suggeriert, tritt zudem viel zu selten auf. Von dieser Figur hätte ich mir mehr Präsenz und Einfluss auf die Handlung gewünscht. Stattdessen bleibt er blass und beinahe austauschbar. Schade, denn gerade hier lag für mich das größte Potenzial der Geschichte.

So bleibt am Ende ein Buch, das mich stellenweise unterhielt, aber nicht wirklich überzeugen konnte. Die Idee ist charmant, aber die Umsetzung nicht ganz ausgereift. Für unsere Schulbibliothek werde ich es daher nur mit Vorsicht empfehlen, denn für mich hat es nicht die Stärke, die ich mir für junge Fantasyfans wünschen würde.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 13.08.2025

✎ Jennette McCurdy - I'm Glad My Mom Died

I'm Glad My Mom Died
0

Ich habe selbst eine Mutter-Tochter-Beziehung erlebt, die ich mir so niemals gewünscht habe. Vielleicht ist es genau deshalb mein größter Wunsch, zu meiner eigenen Tochter ein inniges, herzliches und von ...

Ich habe selbst eine Mutter-Tochter-Beziehung erlebt, die ich mir so niemals gewünscht habe. Vielleicht ist es genau deshalb mein größter Wunsch, zu meiner eigenen Tochter ein inniges, herzliches und von Vertrauen geprägtes Verhältnis aufzubauen - und dieses auch zu bewahren. Bücher wie „I’m Glad My Mom Died - Meine Befreiung aus einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung“ von Jennette McCurdy sprechen mich daher besonders an, weil sie den Mut haben, schwierige familiäre Dynamiken offen anzusprechen.

Jennette schildert ihre Kindheit und Jugend mit einer Mutter, deren Kontrolle und übertriebener Ehrgeiz weit über das gesunde Maß hinausgingen. Sie zeigt, wie stark sich ein solches Verhalten auf ein Kind auswirken kann - bis hin zu dem Punkt, an dem es nicht mehr um Freude oder Selbstentfaltung geht, sondern um das Erfüllen elterlicher Erwartungen. Der Gedanke, dass ein Kind die Last tragen muss, die Familie finanziell zu unterstützen, hat mich tief berührt.

Allerdings empfinde ich, dass der Fokus des Buches im zweiten Teil stark auf Jennettes Essstörung, vor allem ihrer Bulimie, liegt. Diese schonungslose Offenheit ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Geschichte, doch ich hätte mir eine noch tiefere Auseinandersetzung mit der Mutter-Tochter-Beziehung gewünscht. Gerade die komplexe Dynamik zu ihrer Mutter, die der Titel verspricht, gerät gegen Ende eher in den Hintergrund.

Auch andere interessante Aspekte, wie die Freundschaft zu ihrer Schauspielkollegin Miranda, werden nur angerissen und nicht weiter beleuchtet. Für ein Werk, das den Anspruch hat, toxische Familienstrukturen aufzuarbeiten, bleibt dieser Teil für mich zu oberflächlich. Ich hatte gehofft, dass die Auseinandersetzung mit den psychologischen Mechanismen hinter solchen Beziehungen ausführlicher ausfallen würde.

Trotz dieser Kritik ist das Buch ein eindringliches Zeitzeugnis darüber, wie belastend es sein kann, in einer von Kontrolle und Leistungsdruck geprägten Umgebung aufzuwachsen. Es regt zum Nachdenken an - besonders für Eltern, die ihren Kindern ermöglichen wollen, ihre eigenen Wege zu gehen, ohne dabei ihre Kindheit zu verlieren.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 05.08.2025

✎ Helga Glaesener - Die Vergolderin

Die Vergolderin
0

Eigentlich hat mir „Die Vergolderin“ von Helga Glaesener gefallen. Zumindest sprachlich. Denn was man der Autorin ohne Zögern zugestehen kann, ist ihr feines Gespür für Sprache. Ihr Schreibstil ist atmosphärisch ...

Eigentlich hat mir „Die Vergolderin“ von Helga Glaesener gefallen. Zumindest sprachlich. Denn was man der Autorin ohne Zögern zugestehen kann, ist ihr feines Gespür für Sprache. Ihr Schreibstil ist atmosphärisch dicht, gut lesbar und bildhaft - genau das hat mich durch die Geschichte getragen.

Inhaltlich jedoch bin ich zwiegespalten. Der Roman spielt im historischen Kontext und folgt einer jungen Frau, die sich im Handwerk behaupten will - doch genau hier liegt mein größter Kritikpunkt. Als jemand, der sich ein wenig mit der Materie auskennt, war ich irritiert über die Gleichsetzung von Vergolderin und Goldschmied. Diese beiden Berufe unterscheiden sich deutlich - sowohl in der Technik als auch im Umgang mit Materialien und Zielprodukten. Glaesener wirft sie jedoch stellenweise in einen Topf. Ob das aus Unwissenheit oder dramaturgischer Vereinfachung geschieht, bleibt offen. Ich gestehe jeder Autorin eine gewisse kreative Freiheit zu, aber bei so grundlegenden Details wünsche ich mir mehr Präzision.

Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der Konstruktion der Handlung. Manche Wendungen wirken schlicht zu konstruiert, einige Zufälle sind so „glücklich“, dass sie fast schon unrealistisch anmuten. Es fehlt mitunter an Tiefgang in der Figurenentwicklung - besonders bei den Gegenspielern. Die „Bösen“ bleiben eindimensional, während die Hauptfiguren erstaunlich problemlos durch die Konflikte navigieren. Das macht es manchmal schwer, wirklich mitzufiebern.

Und dennoch: Der Roman ist nicht ohne Reiz. Es gibt unerwartete Momente, interessante historische Ansätze und einen durchgehend soliden Spannungsbogen. Auch wenn vieles vorhersehbar ist, bleiben genug Unklarheiten, um weiterzulesen.

Der Roman hat eine dichte Atmosphäre und eine starke Protagonistin, ihm fehlt es jedoch an historischer Genauigkeit. Auch die stereotype Figurenzeichnung war nicht mein Fall. Wer also ein authentisches, tief recherchiertes Werk erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Wer sich jedoch auf eine sprachlich schöne, unterhaltsame Lektüre mit historischem Flair einlassen möchte, könnte „Die Vergolderin“ durchaus genießen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 07.07.2025

✎ Martin Horváth - Mein Name ist Judith

Mein Name ist Judith
0

Ich hatte richtig Lust auf dieses Buch. Familiengeschichten mit historischem Tiefgang, vor allem rund um den Holocaust, lese ich viel - vorausgesetzt, ich bin in der passenden Stimmung. Und die war definitiv ...

Ich hatte richtig Lust auf dieses Buch. Familiengeschichten mit historischem Tiefgang, vor allem rund um den Holocaust, lese ich viel - vorausgesetzt, ich bin in der passenden Stimmung. Und die war definitiv da.

Trotzdem fiel mir der Einstieg überraschend schwer. Der Erzählstil ist sehr ausschweifend, fast schon sperrig. Ich fand lange keinen echten Zugang zur Handlung oder den Figuren. Mehr als einmal stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Und dennoch: Etwas hielt mich - vielleicht die Hoffnung auf eine unerwartete Wendung, vielleicht einfach die Neugier. Auch wenn ich ehrlich sagen muss: Das Ende hat mich nicht überrascht.

Was das Buch aber durchaus interessant macht, sind die Zeitsprünge. Sie fordern Aufmerksamkeit, belohnen aber mit tieferen Einblicken in die Lebenswirklichkeit der Personen - damals wie heute. Diese Struktur kann für manche Lesende verwirrend wirken, trägt aber zur Komplexität der Geschichte bei.

Die Thematik - jüdische Identität, Erinnerung, Verlust, Vergangenheit und Gegenwart - wird mit einer gewissen Tiefe behandelt, bleibt aber für meinen Geschmack streckenweise zu distanziert. Das Erzählerische bleibt mir manchmal zu verkopft.

„Mein Name ist Judith“ ist eine anspruchsvolle Familiensaga, die sich mit wichtigen Themen auseinandersetzt, mich persönlich aber emotional nicht ganz erreichen konnte. Es ist kein Holocaust-Roman, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird - auch wenn er definitiv Denkanstöße liefert.

©2025 Mademoiselle Cake