Das Ende der Welt
Emmi Beinhart fühlt sich nicht mehr wohl in der Wiener Zeitungsredaktion und hat schon ihre Kündigung vorbereitet, als Chefin Sani Kovacic ihr eine Reportage in der Steiermark vorschlägt, die sie nicht ...
Emmi Beinhart fühlt sich nicht mehr wohl in der Wiener Zeitungsredaktion und hat schon ihre Kündigung vorbereitet, als Chefin Sani Kovacic ihr eine Reportage in der Steiermark vorschlägt, die sie nicht ablehnen kann. Eine schreckliche Hochwasserkatastrophe hat sich im abgelegenen Dorf Rabenwald - beinahe am Ende der Welt - ereignet, nachdem ein kleiner Bach weit über seine Ufer getreten ist, die persönlichen Berichte der Betroffenen sollen Emmi die Karriereleiter hinaufklettern lassen.
Völlig unpassend gekleidet landet die junge Journalistin naiv im waldreichsten Bundesland Österreichs und wird, wie schon vom Kollegen Sandberg vorgewarnt, nicht besonders freundlich von den Einheimischen empfangen. Zum Glück kann sie sich im Ferienhäuschen Sandbergs für ein paar Tage wohnlich einrichten und sogleich mit der Recherche beginnen, aber schon bald wird sie von unheimlichen Ereignissen eingeholt: da schleichen Männer in weißen Overalls durch den Wald, hängt eine Leiche am Baum, scheint jemand Emmi durchs Fenster zu beobachten. Alpträume suchen Emmi heim, bald weiß sie nicht mehr, ob sie phantasiert oder all das wirklich erlebt. Die düstere Stimmung mit den wortkargen Steirern, dem dunklen Wald und der unmittelbar vorangegangenen Naturkatastrophe fängt Robert Preis blendend ein, die fesselnde Geschichte nimmt zügig ihren Lauf. Sowohl für die Journalistin als auch für den Leser bleibt lange im Verborgenen, was hier genau passiert und wer welche Ziele vor Augen hat. Kann Emmi dem „Hausmeister für alles“ Severin Moser vertrauen oder will er sie nur unter Kontrolle halten? Warum reagiert der Bürgermeister so ablehnend und wieso richtet die Frau im Rollstuhl eine Flinte auf sie? Eine gespenstische Atmosphäre und entsetzte Gesichter prägen die seltsamen Vorgänge in einer Welt, die gerade aus den Fugen gerät, ja dem Untergang geweiht sein soll. Geheimnisvoll und mystisch mutet so manche Szene an, wie nebenbei und ohne oberlehrerhaft erhobenen Zeigefinger flicht Preis die Dynamik der Klimaveränderung in diesen Krimi ein und endet mit einer Hommage an den Wald als wertvollen Lebens- und Erholungsraum.
Ein bizarrer Krimi mit gruseligen Elementen und einer Erinnerung daran, wie wir unserer Umwelt begegnen sollten – unterhaltsam umgesetzt und daher eine Empfehlung wert.