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Veröffentlicht am 11.07.2025

Bereit für Sich-selbst-(neu)-finden am Rande der Nordsee?

Jonna - Tage wie Glaswolle | Mit wunderschönem limitierten Farbschnitt
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„Jonna: Tage wie Glaswolle“ ist Teil eins der „Zweieinhalb-Schwestern-Serie“ von Lene Jansen, in der uns salzige Nordseeluft durch das Haar weht, tragische Erinnerungen unter kühlen Steinen warten, Nostalgie ...

„Jonna: Tage wie Glaswolle“ ist Teil eins der „Zweieinhalb-Schwestern-Serie“ von Lene Jansen, in der uns salzige Nordseeluft durch das Haar weht, tragische Erinnerungen unter kühlen Steinen warten, Nostalgie und Wehmut an Stegen lauern und Geheimnisse erst noch ausgegraben werden müssen …

Jonna Niehaus muss raus – raus aus ihrem Alltag, aus der Wohnung, aus der Ehe. Denn alles scheint zu eng, nicht richtig, fehlerhaft. Zu viele unausgesprochene Erwartungen hängen zwischen ihr und Nils, zu viel Verdrängtes macht der Enddreißigerin das Atmen schwer.
Doch statt während eines Sabbaticals in Thailand zu sich selbst zu finden, kehrt Jonna in ihre Heimat zurück, zum ersten Mal nach 17 Jahren.
Was als kurzer Stopp und spontaner Anstandsbesuch beginnt, wird zu einer wochenlangen Reise in die Vergangenheit, in eine nicht ganz runde, aber lebhafte Kindheit, in eine Version ihrer selbst, die sie einst nur zu gerne – samt dem Gefühl von zu Hause, von Familie, von ihrer ersten Liebe und all dem Schmerz, der Schuld – hinter sich gelassen hat.
Zurück zu sein heißt, Bekanntes zu erblicken, mit dem unumgänglichen Älterwerden, Schweigen und Sehnsucht konfrontiert zu werden, mit Ängsten, die nur das Meer aufwühlen kann, und der Sturm. Zwischen Renovierungsarbeiten in der kleinen Pension, die Glaswolle hervorbringen, Besuchen bei ihrer Mama, die nur langsam leichter werden, tröstenden Gesprächen mit ihrem Papa, die nie aufhören, weh zu tun, findet Jonna Stück für Stück wieder zu sich. Nicht alleine, sondern mit Hilfe. Die sie nur noch annehmen, zulassen muss.
Aber das Leben spielt anders, als der Mensch (er)hofft, und so sind es Hanna und Ella, die vom Festland Gesprächsstoff bringen, der aus leisen Vermutungen mehr macht –

Lene Jansen versteht es, mit Worten umzugehen, Emotionen und relevante Themen, Empfindungen, um die nur die wenigsten umhinkommen, in Geschichten zu verpacken, deren Hauptaufgabe es nicht ist, zu unterhalten, sondern zu berühren, zu heilen, Punkte zu treffen, denen man nur zu gerne ausweicht.
Auch die „Zweieinhalb-Schwestern-Serie“ spendet Trost und eine Umarmung, verströmt das Gefühl, verstanden zu werden, während wir salzige Luft atmen, Sand unter den Füßen …

Jonna, ihre Schwestern und andere Charaktere, denen wir auf der Nordseeinsel begegnen, sind um die 40, stehen mitten im Leben, sind von Erfahrungen, Verlusten und Fehlern gezeichnet. Reue, falsche Schuld und ein Hauch Nostalgie gehören ebenso zur Geschichte wie Jonnas chaotisches Inneres – ihr Nicht-mehr-Wissen, wer sie ist und was sie will. Doch so schmerzlich der Aufenthalt in der Heimat ist, so nah an Erinnerungen, die lange verdrängt lagen, so weit weg von dem Mann, dem sie damals das Ja-Wort gab, so erleuchtend und überraschend verläuft diese Auszeit. So heilsam und echt. Stück für Stück findet Jonna ihre Worte wieder. Ihre Wurzeln und Wahrheiten. Und sich selbst.

Malerische Beschreibungen, poetische Töne und ein Potpourri widersprüchlicher Gefühle, wehmütige Schulterblicke, tiefe Seufzer und Tristesse begleiten das Geschehen, häufig aufgewühlt durch innere Stürme und (noch) fehlende Anker. Zu all dem gesellt sich ein Verdacht, ein Geheimnis, verborgen von Schlick und vergangenen Jahren...
Die Protagonistin wurde mit all ihren Ecken, Unzulänglichkeiten und Zweifeln gezeichnet, mit ihrem Fluchtinstinkt und dem Mut, doch zu bleiben. Es war rührend, einen Teil von ihr kennenzulernen, sie einen Schritt nach dem anderen gehen zu sehen, herauszufinden, was da brodelt und in Schieflage geriet.
Die Niehaus-Schwestern könnten kaum unterschiedlicher sein: Während Hanna die Jüngste und Schlichtende, das Bindeglied zwischen den Älteren ist, kann Ella ihren Frust, ihren Ärger nicht verbergen – die einzige der drei, die zurückblieb, mit all den Pflichten. Leise brodelnde Konflikte, gesprochene Vorwürfe, unausweichliche Konfrontationen – doch es ist eine bisher nicht gesehene Wahrheit, die droht, die neu geschaffene, fragile Verbindung zum Einsturz zu bringen...

„𝐉𝐨𝐧𝐧𝐚: 𝐓𝐚𝐠𝐞 𝐰𝐢𝐞 𝐆𝐥𝐚𝐬𝐰𝐨𝐥𝐥𝐞“ ein poetischer Mehrwert über das Erwachsen- und Älterwerden, über (Selbst)Vergebung und Veränderungen, über Familie und die Liebe ...
Bereit für Sich-selbst-(neu)-finden am Rande der Nordsee?

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Veröffentlicht am 10.07.2025

RomCom zum Wohlfühlen und Mitfiebern

Skates & Sparks: Spicy Hockey Romance
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Nova Sparks steckt nach einem persönlichen Drama in einer handfesten Schreibblockade. Da die Autorin dringend Erfolge und Geld braucht, wagt sie sich an ein neues Genre – um eine authentische Geschichte ...

Nova Sparks steckt nach einem persönlichen Drama in einer handfesten Schreibblockade. Da die Autorin dringend Erfolge und Geld braucht, wagt sie sich an ein neues Genre – um eine authentische Geschichte konzipieren zu können, kommt sie weder um Recherchearbeit noch um ein Gespräch mit einem Eishockeyspieler herum – und der unhöfliche, verschlossene Goalie hat nichts Besseres zu tun, als Novas Zeit zu verschwenden. Aber nicht mit ihr! Kurz entschlossen wird der Finne zur Vorlage für den Male-Character ihrer neuen Romance. Dass eingefleischte Fans den Spieler der NHL sofort erkennen, war jedoch nicht geplant …

Tero Nieminen hasst es, von ReporterInnen belagert zu werden und überhaupt mehr als notwendig über sich selbst Preis geben zu müssen. Dass er nach seinem missglückten Täuschungsversuch nun die Rache der feurigen Autorin spüren muss, indem er die dümmliche Hauptrolle in einer Sportsromance mimt, passt ihm also gar nicht. Doch sein Konfrontationsversuch endet mit einer angedichteten Verlobten und einer überglücklichen Mutter. Und da ihm seine Familie über alles geht, macht er Nova ein Angebot …

Als die „Fast-Fremde“ immer öfter dafür sorgt, dass Tero sich entspannt und die grimmige Mine verschwindet, seine Mutter ihre Schwiegertochter mit offenen Armen empfängt und sich Nova langsam fallen lassen kann, ist die Grenze zwischen „echt“ und „gespielt“ längst verschwommen. Und sowohl Nieminen als auch Sparks sind von ihrer sich intensivierenden Verbindung, dem realen Kribbeln und der wachsenden Zuneigung verunsichert – denn beide wurden bereits enttäuscht und verraten …

Was war das witzig!
„𝐒𝐤𝐚𝐭𝐞𝐬 & 𝐒𝐩𝐚𝐫𝐤𝐬“ ist Teil 4 und für mich der beste Band der Reihe über die „𝗕𝗼𝘀𝘁𝗼𝗻 𝗕𝗮𝗱𝗴𝗲𝗿𝘀“. Saskia Louis schafft es jedes Mal, mit ihrem locker-leichten, lebendigen Stil und den nahbaren Geschichten zu unterhalten, zum Lachen und Mitfiebern zu bringen.
Da aus wechselnder Perspektive erzählt wird, bekommen wir einen guten Eindruck der beiden Hauptfiguren, ihrer (Lebens)Umstände und ihrer Unterschiede – wo Nova auf Sport verzichtet und Schokolade liebt, kurvig und laut, witzig und chaotisch, keine freie Fläche vor ihren Notizen sicher ist, lebt Tero für Eishockey und das Training. Geordnet, ruhig und am liebsten mit heruntergezogenen Mundwinkeln. Diese kontroversen Typen prallen aneinander, ecken an, bieten uns reichlich amüsanten Stoff, Konflikte und saftig-spritzige Schlagabtausche. Aber auch Verletzlichkeit, romantische Seufz-Augenblicke und explizite Momente.
Wie gewohnt greift Saskia auch ernste Punkte auf – wie bspw. Frauen, denen der mit Talent und eigener Kraft erarbeitete Erfolg abgesprochen wird, die Presse, die in die Privatsphäre eindringt, und Liebe, die weit über Äußerlichkeiten und Ruhm hinausgeht.

Abgesehen von der Beziehung und der charakterlichen wie romantischen Entwicklung schuf Louis eine wunderbare Rahmenhandlung mit diversen (bekannten) Figuren. Zudem kommt „Skates & Sparks“ ohne Längen und aufgesetztes Drama aus, aber nicht ohne menschliche Fehler und Zweifel, Unzulänglichkeiten und alltägliche Probleme. Vor allem Booklovers werden durch Nova und ihre Leidenschaft etliche Berührungspunkte innerhalb der humorvollen Wohlfühl-Story finden.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Wie ein Trostpflaster und eine wärmende Umarmung.

All the words we believe - Hearts of Paris
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Wie ein Trostpflaster und eine wärmende Umarmung.

Worte haben Macht – „𝐀𝐥𝐥 𝐭𝐡𝐞 𝐖𝐨𝐫𝐝𝐬 𝐰𝐞 𝐁𝐞𝐥𝐢𝐞𝐯𝐞“ erzählt eine emotionale Body-Positivity-Slow-Burn-Romance unter den Wundern von Paris.

Gleich an ihrem ...

Wie ein Trostpflaster und eine wärmende Umarmung.

Worte haben Macht – „𝐀𝐥𝐥 𝐭𝐡𝐞 𝐖𝐨𝐫𝐝𝐬 𝐰𝐞 𝐁𝐞𝐥𝐢𝐞𝐯𝐞“ erzählt eine emotionale Body-Positivity-Slow-Burn-Romance unter den Wundern von Paris.

Gleich an ihrem ersten Arbeitstag taucht Elodie mit einem Fleck auf der Bluse auf, verhaspelt sich bei der Vorstellungsrunde und bekommt zudem noch eine äußerst delikate Aufgabe. Doch sie darf es nicht verpatzen, denn die junge Frau braucht den Job bei dem beliebten Single-Magazin Le Clic dringend – hauptsächlich, um ihrer Katze Mimi die nötige Physiotherapie zu ermöglichen. Dass Aufreißer und Star-Kolumnist Klartext-Lucas ihren Blick wie magisch anzieht, dieser nicht der erwartete Playboy ist, von dem sie sich fernzuhalten geschworen hat, sie eng mit ihm zusammen- und sogar gemeinsam mit ihm ein Projekt erarbeiten muss, trägt nicht zu Elodies Gelassenheit bei … Dafür zu einem intensiven Kennenlernen, einem Offenlegen seelischer Wunden und einem Näherkommen, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist – denn eine ernste, romantische Beziehung ist ein fristloser Kündigungsgrund …

Laurie Jixon schafft es, dass Mensch sich in der Geschichte wiederfindet, berührt und auf eine Reise mitgenommen wird, die tiefer geht, Wachstum bereithält, Akzeptanz und so viel Mut. Elodie, die vor Jahren nach einer schmerzlich gescheiterten Beziehung aus der Bretagne und nach Paris geflüchtet ist, um Journalismus zu studieren, hat es nie geschafft, Rèmis Worte, die sich in sie einbrannten wie Wunden, hinter sich zu lassen. Noch immer quält sie seine Abneigung gegen ihren Körper, verwehrt es ihr, sich zu verlieben. Sich selbst zu lieben. Sich zu berühren, ohne Ekel in den Spiegel zu sehen.
Klartext-Lucas, bekannt für seine Ehrlichkeit, frönt dem Single-Dasein genauso wie seine neue Kollegin. Seine Kolumnen, in denen der attraktive Redakteur ohne Tabus, ungeschönt, von seinem Sexleben schreibt, sind der Verkaufsschlager von Le Clic. Seine traumatische Kindheit lehrte ihn, dass nichts und niemand bleibt, Sicherheit nur ein Mythos ist, für den er keine Risiken eingeht – eine emotionale Bindung – außer zu seiner Schwester – kommt daher nicht infrage. Doch Elodie – mit den ständig Scham geröteten Wangen, der Schüchternheit und ihrer unverstellten Art – bringt seine Überzeugungen gefährlich ins Wanken – doch nichts darf seinen Job – sein Herz – gefährden …

,𝐄𝐬 𝐭𝐮𝐭 𝐦𝐢𝐫 𝐥𝐞𝐢𝐝, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐝𝐢𝐫 𝐣𝐞𝐦𝐚𝐧𝐝 𝐞𝐢𝐧𝐠𝐞𝐫𝐞𝐝𝐞𝐭 𝐡𝐚𝐭, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐦𝐚𝐧 𝐝𝐢𝐜𝐡 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐥𝐢𝐞𝐛𝐞𝐧 𝐤𝐚𝐧𝐧.'

In „All the Words we Believe“ werden wir mit unseren Makeln konfrontiert, mit Hass und den Vorurteilen der Gesellschaft, mit Fatshaming und mit Charakteren, die uns an ihren puren Selbstzweifeln, an ihren Ängsten und bewegenden Erfahrungen teilhaben lassen. Es war so leicht, Elodie, die Befangenheit, die sie ihrem Körper gegenüber empfindet, die Sorge vor Häme und Bewertungen, zu verstehen – und sich selbst zu erkennen. Ebenfalls aufgegriffen und stimmig, auf interessante Weise integriert, werden der (offene) Umgang mit Sexualität und die Enttabuisierung dieser sowie das Singleleben. Elodies aufrichtige Liebe zu Mimi, der Wunsch, mit ihrer Arbeit etwas zu bewirken, und der Mut, den sie mehr als einmal beweist, während sie Komfortzonen überschreitet, sind nur wenige Beispiele, die sie zu einer wunderbaren Protagonistin machen. Nahbar – und authentisch.
Genauso einfach war es, sich in Lucas zu verlieben – immer dann, wenn er Professionalität und Distanz fallen lässt. Bisher Ungesagtes ausspricht. Der Verlauf ist ein Auf und Ab, angefüllt mit Unsicherheiten und falschen Glaubenssätzen – Jixon lässt all das, die sensiblen, aktuellen, realen Themen, intensiv mitklingen. Sanft und eindringlich erzählt die Autorin von einer Liebe, die weder perfekt noch einfach, nicht geradlinig oder immer zu sehen ist: jener zu sich selbst.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Tiefgründig, emotional und durch und durch wunderbar

Rebel of the Light
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Ich saß wochenlang an dieser Rezension und bin noch immer nicht zufrieden – aber so viel:
Die Autorin weiß mit Worten umzugehen, mit ihnen lebendige Bilder zu zeichnen; weiß, wie eine ausdrucksstarke ...



Ich saß wochenlang an dieser Rezension und bin noch immer nicht zufrieden – aber so viel:
Die Autorin weiß mit Worten umzugehen, mit ihnen lebendige Bilder zu zeichnen; weiß, wie eine ausdrucksstarke Geschichte auf Papier zu bringen ist, eine, die mit sachten Tönen bewegt.

„Rebel of the Light“ verbindet Romantik und Humor mit der harschen Realität und Alltagskämpfen. Erzählt von Selbstfindung- und zweifeln, von Loslassen und Ängsten, von tiefen Narben und der Frage »Was wäre, wenn …« – wenn man endlich liebt, wagt, lebt … sich einmal selbst an erster Stelle sieht.

Karla Eklund gibt in ihrem neuen Roman – leider wahre – Einblicke in zwei Berufsfelder, die für die Funktion der Gesellschaft unerlässlich sind, zeigt den Druck, die Vorurteile. Auch spielt die Autorin mit dem allgemein akzeptierten Bild des Mannes – denn August Konz ist der Korrekte, der Sensible. Der, der auch mal weint, errötet und um Worte tanzt. Als Joe in sein Leben, in seine sterile Katalogwohnung tritt, bringt sie Chaos. Das bestmögliche Chaos. Außen und innen. Wirbelt Gefühle auf, fängt Gedanken ein. Doch das Leben hat schon zu oft gezeigt, wie unbeständig es ist und wie fragil Sicherheit, wie leicht ein Herz zu brechen.

Für ihre Clique war Joe einst die Unerschrockene, die Laute und Wilde. Und für Kai schon immer die eine. Selbstverständlich. Ein Hafen, der ihn auffängt, wenn sein Schiff untergeht. Doch Johanna Ziegler hat sich verändert, will mehr als in Jugendjahren schwelgen, Bier benebelt mittendrin sein und Parolen grölen. Mit August fühlt sie sich endlich richtig, angekommen, dabei ist sie Feuer, wo er Wasser ist. Aber kann er gegen harte Resignation, wellenartige Traurigkeit und fälschlich gezischte „Nicht gut genug“’s ankommen? Gegen ein kindliches Versprechen, dessen Verantwortung noch immer schwelt?

Als die Welten der punkigen Krankenpflegerin und jene des überkorrekten Wachtmeisters kollidieren, leidenschaftliche Überzeugungen und strikte Prinzipien aufeinander treffen, verändert sich für die ungleichen Mittzwanziger alles – doch der Alltagswahnsinn, Risiken und verankerte Verhaltensweisen, Glaubenssätze und Gewohnheiten lassen sich nicht so einfach abschütteln – egal, wie beharrlich die Schmetterlinge fliegen …

Mit Sanftheit, Feingefühl und Poesie führt uns die Autorin in und durch eine emotionale Geschichte, in der weder überbordender Kitsch noch dramatische Übertreibungen, dafür eine Menge Wahrheiten und People-Pleaser zu finden sind, solche, die sich selbst vergessen haben, von Erwartungen und der Monotonie verschluckt, von Sorgen erdrückt werden. Wir lernen Johanna und August kennen, bekommen Einblicke in Vergangenes, in Pflicht und falsche Schuld. Es war bewegend, unter Joes Schichten zu dringen, ihre Zweifel zu fassen. Mehrfach überkam mich der Drang, diese starke Person in den Arm zu nehmen, sie den Klauen einer toxischen Freundschaft zu entreißen und mitten hinein in August Arme zu schubsen.
Aufregung und kribbelige Vorfreude begleiten die sich intensivierende Verbindung, das oft überraschende, unbeholfene Kennenlernen. Weder der Gesetzeshüter noch das Punk-Girl waren glatt und fehlerfrei, ganz im Gegenteil. Karla zeichnete sie mit Ecken und Kurven, gab ihnen – zu – gute Herzen, verlorene Träume und leise bröckelnde Mauern. Dies sorgte dafür, dass es leicht war, zu verstehen, sich selbst in Angst und Gedanken wiederzufinden. Die verschiedenen Nebenfiguren, diverse Konflikte und Probleme waren perfekt dosiert und das Dresdner Setting mit etlichen Details inszeniert.

Eklund reißt gesellschaftliche und politische Missstände an, erzählt von Trauma, Gewalt und Veränderungen, von Wachstum, und kreist dabei eine intensive Slow-Burn-Liebe ein, eine, die nah geht. Obgleich Wehmut und Melancholie, Fluchtdrang und Lebensangst allgegenwärtig sind, eine sich anbahnende Bedrohung zwischen den Zeilen schwelt, eine unberechenbare Konstante, Herzschmerz und Traurigkeit, hält „Rebel of the Light“ auch Witz, spritzige Dialoge und Wohlfühlaugenblicke bereit. Verströmt Wärme. Momente, die aufatmen und seufzen, gar lächeln lassen.
Ein Roman, der nachklingt und sich festsetzt.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Mystisch. Mitreißend. Woods.

Die Geschichtensammlerin
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Nachdem mich „Der verschwundene Buchladen“ nachhaltig begeisterte, konnte ich „Die Geschichtensammlerin“ kaum erwarten. Evie Woods führt uns in das abgelegene Dorf Thornwood, Westirland – um das sich seit ...

Nachdem mich „Der verschwundene Buchladen“ nachhaltig begeisterte, konnte ich „Die Geschichtensammlerin“ kaum erwarten. Evie Woods führt uns in das abgelegene Dorf Thornwood, Westirland – um das sich seit Jahrhunderten Mythen ranken, die auch heute noch festverwurzelt sind …

1910/1911
Anna Butler kann ihre Begeisterung, dem Amerikaner Harold Griffin-Kraus bei seiner Arbeit unter die Arme greifen zu dürfen, nur schwer verbergen. Der Fremde sammelt verschiedene Folklore und Mythen, möchte die hiesigen Geschichten erfahren und mit Ortsansässigen sprechen. Anna, die den abschätzigen DorfbewohnerInnen bekannt und des Gälischen mächtig ist, begleitet ihn und erfährt auf diese Weise selbst so einiges mehr. Gerade die Legende um das Thornwood House, welches 1882 erbaut wurde und in dem sich schreckliche Ereignisse zugetragen haben sollen, zieht das Interesse von Harold an. Um dem Gemäuer Platz zu machen, musste damals ein uralter Weißdornbaum weichen, etwas, das mit großem Unglück und dem Zorn des „Guten Volkes“ verbunden ist. Anna, die ihre Zeit mit dem charmanten, gebildeten Fremden in einem Tagebuch festhält, wird diese Wochen niemals vergessen...

2010/2011
Nach der Trennung von ihrem Mann will Sarah Harper in ein Flugzeug nach Boston steigen, doch landet die von Schmerz gezeichnete Frau – benebelt von zu viel Whiskey und einer skurrilen Schlagzeile – an einem regnerischen Morgen in Irland. Überrascht von ihrem plötzlichen Aufenthaltsort und nicht in der besten mentalen Verfassung, mietet Sarah das Butler's House – ein süßes Cottage in einem urigen Dorf. Als sie des Nachts dem gewohnheitsmäßigen Drang, eine Runde laufen zu gehen, nicht widerstehen kann, stößt sie nicht nur auf einen Esel, sondern auch auf ein altes Tagebuch … Worte, die sie aus Trauer und Lethargie reißen, ihr einen Weg weisen.

Mit „Die Geschichtensammlerin“ hat Evie Woods erneut bewiesen, dass sie eine dichte, mystische und nachhallende Handlung konzipieren kann, von der es sich nur schwer lösen lässt.
Sarah, die seit „der Sache“ regelmäßig mit Verzweiflung, Scham und Schuld ringt, sich im Alkohol verliert, wird von den Einheimischen Thornwoods herzlich aufgenommen und findet durch diese und die Chance, sich mit sich selbst und ihrem Verlust auseinanderzusetzen, langsam zurück ins Leben und den Mut, Unaussprechliches endlich in Worte zu fassen. Getrieben von den Erlebnissen der jugendlichen Bäuerin, die ebenfalls einst das Butler's House ihr Heim nannte, sucht die Künstlerin nach mehr als dem, was auf Zeilen gebannt wurde. Woods durchbricht die Gegenwart rege mit den Erzählungen von Anna – greift die damaligen Gegebenheiten und Konventionen, die Neugierde und Euphorie des Mädchens authentisch auf, spickt die Vergangenheit jedoch auch mit etwas Dunklem. Einem Hauch von Magie, einer Bedrohung, die auch ein Jahrhundert später unübersehbar in der Luft schwebt.

Sowohl Anna und Harald als auch Sarah und Oran, der ebenfalls eine tiefere Verbindung zu dem alten Cottage und den Legenden des Dorfes hat, wurden greifbar und echt, mit ihrem eigenen Schmerz und der Art, diesem zu ent- oder über ihn hinwegzukommen, gezeichnet. Auch finden sich einige Nebencharaktere, die die Story bereichern. Es war aufregend, die Figuren und ihre Leben kennenzulernen, im Damals und Heute durch das Örtchen zu streifen und sich stets zu fragen, was real ist – und sein könnte. Viele Momente und Wahrheiten gehen nah, öfter überrascht Woods, treibt das Tempo kontinuierlich hoch, um uns atemlos zurückzulassen – dabei ist „Die Geschichtensammlerin“ kein actionreicher Roman, jedoch reich an Ereignissen, die mitfiebern lassen, Emotionen, die wehtun, und Geheimnissen, deren Ergründung das Interesse nicht abflauen lassen. Umspielte das Geschehen eine einnehmende, oft schwere Atmosphäre, Wehmut gepaart mit melancholischen Zügen, lichtet sich im Verlauf die Tristesse, schafft Platz für Neues – und die mahnende Erinnerung, Fehler nicht zu wiederholen …

Im Herbst wartet bereits der nächste Roman der Autorin und ich freu’ mich auf eine Reise nach Paris!

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