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Veröffentlicht am 31.08.2025

Fehlenden Reflexion

Die Skandalösen
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Mich hat am Buch der Titel gereizt und der Blick auf Frauen, die ich bereits kannte - Lou Andreas-Salomé, George Sand, Coco Chanel, Prinzessin Diana. Irgendwie bin ich mit dem Buch aber nicht wirklich ...

Mich hat am Buch der Titel gereizt und der Blick auf Frauen, die ich bereits kannte - Lou Andreas-Salomé, George Sand, Coco Chanel, Prinzessin Diana. Irgendwie bin ich mit dem Buch aber nicht wirklich war geworden.

Worum geht es?

Nach einer kurzen Einleitung schildert das Buch auf je 20 Seiten das Leben der Frauen. Am Ende gibt es noch ein Literaturverzeichnis. Der Großteil der Frauen stammt aus dem Adel.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Das Buch beginnt mit Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg und Georgina von Devonshire - und verliert sich dort erstmal in deren Vorfahren. Das hat den Einstieg für mich erschwert, weil ich nicht wusste, um wen es genau geht. Bereits hier wird deutlich, dass die Autorin gern abschweift und der rote Faden nicht immer klar ist. Vielleicht ging es darum, Seiten zu füllen? Außerdem sind die Sätze teilweise komplex, was mich gestört hat. Ich fand die Schilderung bei diesen Frauen auch etwas trocken.

Bei Lou Andreas-Salomé konzentriert sich das Geschehen vor allem auf ihre Männer - ihre Leistungen, die sie gemeinsam mit diesen erbracht und wie sie ihr Schaffen gefördert hat, werden wenig betrachtet.

Ohnehin hatte ich im Buch oft das Gefühl, dass "skandalös" bedeutet, dass die Frauen viele Affären haben und letztlich allein bleiben. Auch wenn die Autorin immer wieder betont, dass die Frauen selbstständig waren, kommen ihre Erfolge wenig zum Tragen. Ich habe nur bei wenigen Frauen ein Gefühl für sie bekommen.

Lebendig und kritisch wird das Buch bei Coco Chanel und Prinzessin Diana: Bei Chanel stellt sie ihre Arbeit als Kollaborateurin während der deutschen Besatzung in den Vordergrund und hinterfragt, warum sie schnell rehabilitiert wurde. Bei Diana arbeitet sie heraus, dass ihr mediales Auftreten auch den Blick auf das britische Königshaus aufgebrochen hat - von einem Mysterium hin zu einer nahbaren Familie, was deren Status gefährdet. Diese Reflexion fand ich toll. Und dass ich mit Charles und Diana zwei kaputte Personen gefunden hatten, die wohl nicht glücklich werden konnte.

Diese Einordnung hat mir bei vielen Frauen im Buch gefehlt - "skandalös" ist ein plakatives Wort, aber es wird nur selten deutlich, was diese Frauen von anderen mit ähnlicher Biografie unterscheidet. Was macht ausgerechnet sie so "skandalös", wenn es doch andere Frauen gibt z.B. Ehefrauen von Künstlern oder Vorreiterinnen der Frauenbewegung? Vielleicht hätte auch eine Einordnung in die Zeit geholfen, das deutlicher zu machen.

Fazit

Für mich passieren hier mehrere Bausteine nicht zusammen: Die Auswahl, die Reflexion, der Schreibstil. Es gibt Bücher, die länger sind, aber sich besser lesen und Frauen darstellen, die mehr als "skandalös" waren.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Was war das?

Everything I Want With You
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Ich bin schon oft über die Bücher der Autorin gestolpert, habe aber nie reingelesen. Hier hat mich aber die Grundgeschichte um den Bibliothekar und das schöne Cover gereizt. Leider war der Text inhaltlich ...

Ich bin schon oft über die Bücher der Autorin gestolpert, habe aber nie reingelesen. Hier hat mich aber die Grundgeschichte um den Bibliothekar und das schöne Cover gereizt. Leider war der Text inhaltlich ziemlich leer.

Rezi enthält Spoiler!

Worum geht es?

Drummer Spencer landet nach einem missglückten Promo-Auftritt in einer Bar und wird dort von Oliver, dem Sohn seiner Managerin, aufgelesen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch Spencer hat Angst vor einem Outing und Oliver bekommt einen Stalker. Probleme, die gelöst werden müssen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Bis 67 % plätschert die Geschichte vor sich hin. Die Figuren sabbern sich an, Spencer steht immer im Konflikt zwischen seinem Image als Boyband-Mitglied und seiner queeren Orientierung. Die beiden verlieben sich. Weder über die Leidenschaft für Musik noch über Olivers Spaß an Büchern erfährt man viel, das Einzig besondere ist, dass sich Spencher proteinreich ernährt. Es gibt, neben der Liebe, kein Thema, an dem sich die Figuren abarbeiten. Mit einem witzigen Schreibstil oder sprachlichen Finessen punktet das Buch auch nicht. Es rauscht einfach durch.

Im letzten Drittel tritt das Stalking-Thema auf den Plan. Anfangs hat mich das gepackt, weil wir Nachrichten des Täters lesen und weil ich Mitgefühl mit Oliver hatte, der keinem etwas Böses tun könnte. [Spoiler] Doch die Lösung erfolgt sehr schnell. Und es wird indirekt erzählt - wir bekommen keinen Showdown, keine Nachrichten, die bedrohliche Stimmung wird nicht effektvoll aufgelöst, sondern versandet. Vor allem an der Logik hapert es: Angeblich weiß Oliver nicht, wer ihn bedrohen könnte - doch dann fällt ihm ein, dass er vor Jahren eine Affäre mit dem falschen Mann hatte, was nicht nur ihn, sondern auch die Mutter belastete. Dass ihm ein so prägendes Erlebnis entfällt, dass die Erinnerungen nicht hochkommen, fand ich sehr komisch. [/Spoiler] Die Autorin fokussiert sich auf die Liebesgeschichte. Aber das trägt nicht über 368 Seiten.

Gut finde ich, dass die anderen Bandmitglieder nicht gewollt auftreten. Bei Reihen erlebe ich es oft, dass die Figuren in den anderen Büchern auftreten MÜSSEN, hier fand ich das ganz natürlich. Der Nachteil ist aber, dass es keine Nebenfiguren gibt, die irgendwie interessant sind.

Explizit wird es auch, leidenschaftlich wenig. Die Szenen sind gut beschrieben, aber nicht mitreißend.

Und auch hier: Ich LIEBE das Cover, es ist wunderschön, es passt zur Reihe - es passt aber weder zum Titel noch zum Inhalt.

Fazit

Ich hätte das Buch gern gemocht, aber leider verschwindet es schnell aus meinem Kopf. Vergleichen mit den Klappentexten der anderen Büchern wirkte es hier, als wollte die Autorin Spencer seinen Auftritt geben, ihr fehlte aber eine gute Story. Immerhin war die Idee mit dem Epilog/der Danksagung nett.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Geschichte vom Scheitern

On the Road
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Biografien zu bewerten, das ist schwer. Denn meistens liest man sie, wenn man die Person bereits kennt. Ich hab Rick Zabel mit seinem Vater Erik Zabel verwechselt, hatte also nicht die besten Voraussetzungen. ...


Biografien zu bewerten, das ist schwer. Denn meistens liest man sie, wenn man die Person bereits kennt. Ich hab Rick Zabel mit seinem Vater Erik Zabel verwechselt, hatte also nicht die besten Voraussetzungen. Und leider stelle ich fest: Eine wirkliche Aussage hat das Buch nicht. Aus meiner Sicht hat sich Neu-Influencer Rick Zabel damit keinen Gefallen getan.

Worum geht es?

Das Buch zeichnet relativ geradlinig Zabels Weg in den Profi-Radsport, beginnend mit ersten Versuchen als Kind über das Sport-Internat in Erfurt und erste Verträge hin zu seinem jetzigen Job als Rad-Influencer.

Kombiniert wird das ganze mit jeweils eine Begriff aus dem Radsport.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Text liest sich gut. Der Stil ist flüssig, keine Stolpersteine. Entweder weiß sich Zabel gut auszudrücken oder es wurde gut lektoriert.

Inhaltlich ist es aber eine Geschichte vom Scheitern. Zabel schreibt das einem falschen Timing zu, letztlich weiß er das aber nur selbst. In seinen 13 Jahren als Profi ist der nie ganz oben mitgefahren, stattdessen zeigt das Buch einen Mann, der nach Siegen gern feiert und auch das Ende seiner Profi-Karriere sehr ausführlich gefeiert hat. Im Gegensatz zu seinem Vater, der nach jedem Rennen noch härter gearbeitet hätte, erklärt er mehrmals. Zabel schreibt das stellenweise auch den Teams zu, die ihn nicht immer als Sprinter eingesetzt haben. Außerdem wird im Radsport auch strategisch gearbeitet, es gibt also Helfer, die Tempo machen usw.

Für Zabel war seine Leistung ok, aber im Buch reflektiert er wenig. An diesen Stellen hätte das Buch die Möglichkeit gehabt, den Menschen Rick Zabel zu zeigen. Doch diese Chance wird verschenkt.

Auch die Leidenschaft zum Radsport kommt nur selten raus. Paris-Roubaix wird ausführlich behandelt, aber die Fakten kann man sich aus Wikipedia heraussuchen. Wer sich auf hautnahe Berichte berühmter Rennen gefreut hat, wird hier enttäuscht.

Ohnehin spart das Buch mit Anekdoten, man hat nie das Gefühl, nah dran zu sein. Zabel betont, dass er am Anfang seiner Karriere seinen Reichtum zeigen wollte, und der Konflikt mit dem Vater kommt an einigen Stellen heraus. Das war es aber.

Auch Hintergrund-Infos für den Laien, wie Radsport funktioniert, gibt es eher verteilt. Ich finde das Buch etwas unausgegoren geplant.

Fazit

Warum schreibt man mit 30 ein Biografie? Rick Zabel hätte sicher genügend Stoff, aber das Buch kann das nicht vermitteln. Es zeigt weder den Menschen noch zeigt es die Tiefen des Radsports. Es ist eine Folge von wenigen Siegen und vielen Niederlagen, die letztlich in eine relativ erfolgreiche Karriere als Influencer münden. Als solcher macht sich Zabel besser als als Autor.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Der Funke fehlt

Unangepasst. Künstlerinnen und ihre Kleider
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Ich fand die Kombination als Frauen und Mode gut, daher habe ich es gekauft. Letztlich war die Auswahl interessant, aber etwas einseitig und das Buch hat ein zentrales Problem.

Worum geht es?

In jeweils ...



Ich fand die Kombination als Frauen und Mode gut, daher habe ich es gekauft. Letztlich war die Auswahl interessant, aber etwas einseitig und das Buch hat ein zentrales Problem.

Worum geht es?

In jeweils 20 Seiten beleuchtet das Buch die Leben von Josephine Baker, Frida Kahlo, Georgia O´Keeffe, Tamara de Lempicka, Louise Nevelson und Sophie Taeuber-Arp. Es verknüpft dabei die Biografien mit der Kleidung, die die Frauen prägte.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Text lässt sich schnell lesen, weil die Abschnitte kompakt sind und die Autorin mit Josephine Baker und Frida Kahlo zwei bekannten Künstlerinnen mit fünf weniger bekannten Frauen kombiniert. Das war clever. Die Biografien bilden kurz das Leben der Frauen ab, die Beschreibungen der Mode ergänzen das. Der Funke springt jedoch nicht über.

Das liegt einerseits am Schreib- und Erzählstil. Die Abschnitte sind gut lesbar, aber dramaturgisch nicht mitreißend. Zu einigen Frauen findet man auf dem Blog der Autorin Biografien, und diese sind lebhafter, klüger geschrieben. Teilweise werden Sätze wörtlich übernommen, oft anders formuliert. Über den Tod Sophie Taeubner-Arps liest man im Buch: "[Hans] Arp besteht darauf, im Warmen zu schlafen; seine Frau erklärt sich bereit, im Gartenhaus zu übernachten." (S. 138). Der Blog schreibt "Sophie Taeuber-Arp meinte, Kälte mache ihr nichts aus." (Eintrag 12.05.2021) und vermittelt damit einen anderen Eindruck. Das fließt nicht in meine Bewertung ein, hinterlässt aber einen komischen Nachgeschmack.

Das große Problem ist, dass es nur ein Foto pro Künstlerin gibt. Sowohl die Kleidung als auch die Werke werden nur beschrieben, was die Schaffenskraft und Leidenschaft der Frauen nicht vermitteln kann. Besonders, weil es um Mode geht.

Außerdem ging mir am Ende die Puste aus, denn die Geschichten ähneln sich: Es sind emanzipierte Frauen, oft aus bürgerlichen Schichten, die sich, dank einflussreicher Männer, nach oben gearbeitet haben, und manchmal scheitern. Ihre Kinder werden kaum erwähnt, nur die Ehemänner. Es wirkt, als hätten diese Frauen der Kunst vieles untergeordnet. Interessant ist, dass die Mode für manche Schutz ist (Frida Kahlo usw.), für andere ein Spiel mit gesellschaftlichen Konventionen.

Die meisten Frauen sind bildende Künstlerinnen, nur Josephine Baker ist Tänzerin. Auch das fand ich am Ende etwas erschöpfend.

Fazit

Die Frauen sind es wert, dass man von ihnen erzählt, und es gibt viel Stoff dazu. Ich merkte die Leidenschaft, die die Autorin für das Thema hat. Trotzdem fehlte den Buch das gewisse Etwas. Und die fehlenden Bilder sind bei einem Buch diese Themas ein Minuspunkt.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Zwei Beziehungen und eine Selbstzerstörung

Play Boy
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Ich fand die Idee einer Frau, die ihre Weiblichkeit und ihr Leben ablegt, um sich dem Exzess hinzugeben, interessant und dachte, dass ich etwas Tiefgründiges lesen werde. Letztlich ist es ein weiterer ...

Ich fand die Idee einer Frau, die ihre Weiblichkeit und ihr Leben ablegt, um sich dem Exzess hinzugeben, interessant und dachte, dass ich etwas Tiefgründiges lesen werde. Letztlich ist es ein weiterer Roman über eine Enddreißigerin in der Lebenskrise.

Worum geht es?

Die Hauptfigur hat ihren Mann Laurant verlassen und gibt sich der lesbischen Liebe hin. Geschildert werden zwei Beziehungen: Die verheiratete Agnes lässt sich immer bitten, lässt kaum Nähe zu. Mit der jungen Albertine erlebt die Figur eine intensive Leidenschaft, doch die Beziehung zerbricht, als Albertine zu viel Nähe fordert. Außerdem lässt die Figur ihr Leben immer mehr zerbrechen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Inhaltlich hat es mir nicht viel gegeben. Ich fand es interessant zu erleben, welches Verhältnis zu ihrer Männlichkeit die Figur hat. Sie sieht sich selbst eher als Vater und Laurant als Mutter des Kindes. Gleichzeitig lehnt sie ihr bürgerliches Leben ab, Job, Wohnung. Nur um den Sohn kämpft sie. Die Ursachen liegen vermutlich in der Familie, der Vater ein Heroin-Junkie, die verstorbenen Mutter Alkoholikerin. Oft wirkt es, als ob die Figur Ordnung als langweilig empfindet, Extreme benötigt, um sich lebendig zu fühlen.

Außerdem ist die Figur ein sehr körperlicher Mensch, ihre Umgebung scheint sie intentiver zu fühlen. Es macht Spaß, sich so tief in die Gedanken fallen zu lassen.

Das Schwimmen als monotone Bewegung zieht sich durch das Buch und gibt der Figur Struktur, es ist eine wichtige Säule ihres Lebens.

Die Sprache ist etwas umgangssprachlich, ein bisschen vulgär, vor allem in den expliziten Szenen. Ansonsten ist das Buch aber gut lesbar. Die Kapitel sind kurz, eine halbe bis vier Seiten. Daher ist man binnen einer Stunde durch.

Ich fand die negative Energie manchmal schwer auszuhalten, die Freude an der Selbstzerstörung, das Festhalten an schlechten Beziehungen, das ständige Vorgaukeln, dass der Figur alles egal ist, obwohl es wohl nicht egal ist.

Fazit

Man kann aus dem Buch einige Gedanken über Feminismus mitnehmen und sich in der Resignation der Figur wälzen. Ich fand's eher lustlos.

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