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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2025

Etwas langatmig

Pirlo - Gefährlicher Freispruch
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Dies war mein erster Krimi des Autors. Die Unterteilung des Buches nach den 5 Phasen einer Straftat – Tatentschluss, Tatvorbereitung, Tatermöglichung, Versuch und Beendigung – fand ich eine interessante ...

Dies war mein erster Krimi des Autors. Die Unterteilung des Buches nach den 5 Phasen einer Straftat – Tatentschluss, Tatvorbereitung, Tatermöglichung, Versuch und Beendigung – fand ich eine interessante Herangehensweise. Zugegebenermaßen hatte ich anfangs Schwierigkeiten, in die Story einzutauchen, da sie sich sprachlich etwas in die Länge zog. Doch nach ca. 100 Seiten nahm die Geschichte mehr an Fahrt auf. Da ich die ersten Bände nicht gelesen habe, konnte ich nicht alle Anspielungen verstehen. Dennoch erfuhr ich, dass Pirlo unter falschem Namen arbeitet, seine Brüder gerne mal Mist bauen und er familiär in der Welt der Clans verbandelt ist, was er auch durch seinen akademischen Aufstieg und die Namensänderung nicht abschütteln kann. Eine Frau hat ihn im Zusammenhang mit dem letzten Fall verletzt, was ihn in eine Depression gestürzt hat, aus der Sophie ihm hoffentlich heraushelfen kann.

Teilweise zogen sich die Unterkapitel für meinen Geschmack etwas, vermutlich aufgrund der ausschweifenden Sätze, die ich manchmal mehrmals lesen musste.

Der Teil über die Überforderung des Staates und die ungeprüfte Ausschüttung von Geldern und Soforthilfen hat mich wirklich geärgert (im positiven Sinne, es wurde eine emotionale Verbindung zur Realität geschaffen), genauso wie die plötzliche Flut von Testzentren – weil es leider in der Realität wirklich so war.

Den Abschluss der Geschichte ist „rund“ und sinnig, wenngleich ich diese Wendung nicht besonders spannend fand.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Habe mehr erwartet

Die Postbotin
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Wir befinden uns in Berlin, kurz nach dem 1. Weltkrieg. Regine arbeitet als Briefträgerin bei der Reichspost, ist aber "nur" eine Kriegsaushilfe, die arbeiten musste, weil sämtliche Männer an der Front ...

Wir befinden uns in Berlin, kurz nach dem 1. Weltkrieg. Regine arbeitet als Briefträgerin bei der Reichspost, ist aber "nur" eine Kriegsaushilfe, die arbeiten musste, weil sämtliche Männer an der Front waren. Nun, wo alle (die überlebt haben) nach und nach zurückkehren und die Jobs wieder übernehmen, sollen die Aushilfen gekündigt werden. Für viele sind die Jobs aber mittlerweile überlebenswichtig, teilweise ernähren die Frauen ihre Familien alleine. Daher wollen die Frauen nun streiken, um ihre Jobs zu behalten oder zumindest eine Abfindung zu bekommen.

Dieses Setting fand ich zunächst einmal sehr spannend. Leider konnte mich die Erzählweise dann aber nicht wirklich packen. Es wird in allwissender Sicht abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Frauen geschrieben. Zum einen die titelgebende Regine, die eben als Postbotin arbeitet und deren Vater selbst früher niedriger Beamter bei der Post war (für ihn scheint die Behörde das Nonplusultra zu sein). Zum anderen Evi (warum mit 'i', habe ich mich die ganze Zeit gefragt, eigentlich heißt sie Eva-Maria und ist eine erwachsene Frau), die als Vermittlerin für Telefongespräche im selben Postamt arbeitet. Außerdem kommen verschiedene andere Frauen und ihre Probleme vor, bspw. Lotte, Gretchen (die sich gerade Evis Ex geangelt hat), Evis Mutter Bernardine, Emma - eine Kraftfahrerin, etc.

Leider fand ich auch keine der Protagomistinnen sonderlich sympathisch. Die Handlung entwickelt sich schleppend, es passiert eigentlich im gesamten Buch wenig wirklich relevantes. Regine lernt durch Lotte einen Gewerkschafter kennen, der ihr beim Streik helfen will. Sie betont ständig, wie wenig Ahnung sie von alldem hat und dass sie sich mit nichts auskennt - das hat mich richtig genervt. Generell verhalten sich alle Frauen irgendwie sehr naiv und kindlich. Aber so richtig voran geht es mit dem Streik nicht, es wird nie wirklich etwas organisiert, schlecht geplante Treffen der Frauen schlagen fehl, es wird nur rumgestanden und geredet, ohne dass etwas dabei herumkommt.

Außerdem werden zu viele Nebenschauplätze aufgemacht (bspw. Bernardine und der Mantel, Regines "Verehrer" der Bäcker, ...). Evi ist die ganze Zeit auf der Suche nach ihrem Bruder, der im Krieg war und dessen Verbleib unbekennt ist, und ihrem Vater, der sich einfach nicht um die Familie kümmert.

Die letzten 150 Seiten habe ich nur noch überflogen, es passieren nur Dinge, die meiner Meinung nach unzusammenhängend nacheinander erzählt werden, es gibt aber keine Verbindung, die im Rahmen der Geschichte Sinn ergibt.

Natürlich habe auch ich nicht in der damaligen Zeit gelebt, zum Glück auch nie einen Krieg erlebt, aber es fiel mir sehr schwer, mich anhand der Schreibweise auch nur halbwegs in die Situation der Frauen hineinzuversetzen. Auch die Gespräche untereinander wirkten oft sehr sperrig und unnatürlich, gingen viel zu lang, ohne dass der Inhalt interessant war oder die Stoty vorangebracht hat. Regine beispielsweise sieht Kurt schätzungsweise drei Mal, meistens geraten sie irgendwie aneinander, und trotzdem verliebt sie sich in ihn, was sie ihm natürlich auch prompt sagen muss? Begriffe wie "Koloss" finde ich auch nicht besonders schmeichelhaft, häufig habe ich mich an unterschiedlichen Formulierungen gestört. Die Entwicklung dieser "Liebesbeziehung" konnte ich absolut gar nicht nachvollziehen, Gefühle kamen überhaupt nicht auf.

Gut gelungen ist allerdings die Wut, die man die ganze Zeit beim Lesen verspürt, weil die Zeiten damals einfach ungerecht und frauenfeindlich waren. Die Frauen werden bloß als Platzhalterinnen angesehen, bis die Männer zurükommen um ihre Plätze einzunehmen und "die Familien zu ernähren", was die Frauen auch geschafft haben. Außerdem haben sie nur die Hälfte des Lohns bei gleicher Arbeit bekommen - diese Problematik des Gender Pay Gaps ist ja selbst heute noch nicht ganz gelöst.

Die Thematik des Streiks von der ich dachte, dass es die Hauptproblematik sein würde, ist am Ende irgendwie nicht wirklich wichtig und wird nicht weiter verfolgt. Die einzelnen Schicksale plätschern so dahin, aber ohne wirklichen roten Faden oder Inhalt. Viele Erzählstränge laufen am Ende ins Leere, die Frauen haben nicht wirklich aktiv gekämpft oder gestreikt - ich muss sagen, dass ich mehr erwartet habe.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Fute Idee aber recht klischeehaft

Spirit Dolls
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Die düstere Atmosphäre von 'Spirit Dolls' hat mich sofort interessiert, angefangen beim faszinierenden Cover bis hin zum vielversprechenden Klappentext. Der Schreibstil ist leicht und dennoch fesselnd, ...

Die düstere Atmosphäre von 'Spirit Dolls' hat mich sofort interessiert, angefangen beim faszinierenden Cover bis hin zum vielversprechenden Klappentext. Der Schreibstil ist leicht und dennoch fesselnd, und die Handlung bewegt sich geschickt zwischen Spannung und langsamen Momenten. Ein Hauch von Mysterium, eine Prise Krimi, ein Schuss Romantik.

Der teilweise fast poetische Schreibstil hat mich überrascht, und der Einstieg in die Geschichte war vielversprechend. Die Geschichte rund um das Geheimnis am Aconite Institute war interessant, aber ausbaufähig. Es fehlten mir manchmal Erklärungen zur Welt, und die Handlung wirkte an einigen Stellen zu gehetzt. Insgesamt ein ausbaufähiger Auftakt, der leider viele gängige YA-Klischees bediente. Leider verlor das Buch außerdem im letzten Drittel an Fahrt.

Die Antworten auf die im Prolog aufgeworfenen Fragen kommen für meinen Geschmack zu spät und ohne die erwartete Spannung. Obwohl es Rückblicke gibt, bleiben zu viele Fragen bis zum Schluss offen und sorgen für Verwirrung.

Die Wandlung der Protagonistin Runa von einer starken jungen Frau zu einem naiven, weinerlichen Mädchen habe ich nicht verstanden. Die Liebesgeschichte entwickelte sich von süß zu irgendwie unangenehm („cringe“ würde man heute wohl sagen) und war für einen YA-Roman zu „kindlich“, was man auch an den Dialogen gemerkt hat.

Runa blieb insgesamt eher emotionslos, die anderen Charaktere sind blass, und das eigentlich interessante Thema der Schattenspringer wird wenig beleuchtet. Es fehlt an Spannung und einem überzeugenden Finale, sodass ich das zweite Buch eher nicht lesen werde.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Intreressante Fälle, aber sehr nüchtern erzählt

Die Spur des Bösen
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Ich war sehr gespannt auf das Buch, da mich das Thema "sogenannte" (wie der Autor stets betont) Sekten bereits seit Langem interessiert und nicht zuletzt durch diverse True Crime-Serien/-Dokus, -Podcasts ...

Ich war sehr gespannt auf das Buch, da mich das Thema "sogenannte" (wie der Autor stets betont) Sekten bereits seit Langem interessiert und nicht zuletzt durch diverse True Crime-Serien/-Dokus, -Podcasts etc. momentan viel Beachtung findet.

Einige der beschrriebenen Fälle kannte ich daher schon (was bspw. bei Charles Manson oder der SDA auch nicht soo überraschend ist, weil diese sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren haben).

Daher hätte ich den Fokus auf kleinere/unbekanntere Gruppen spannender gefunden, weil über die prominenten Beispiele im Buch nichts Neues mehr zu erfahren war. Im Gegenteil wirkten die jeweiligen Kapitel etwas blass in der Art ihrer Erzählung im Angesicht des Ausmaßes der Tragödien.

Der Schreibstil war mir persönlich etwas zu sachlich. Das Buch las sich im Prinzip wie eine aufgelockerte Masterarbeit mit ein paar eingestreuten Analysen und eigenen Meinungen. "Packend" fand ich den Schreibstil nicht und durch die nüchternen Beschreibungen ging oft (für meinen Geschmack) die Dramatik bzw. das Ausmaß der beschriebenen Ereignisse verloren.

Teilweise konnte ich den Beschreibungen auch aus verschiedenen Gründen nicht richtig folgen: Entweder wurde wirklich wirr erzählt, vielleicht auch Informationen ausgelassen (natürlich könnte man über jeden Fall ein eigenes Buch schreiben und der Autor musste die Ereignisse irgendwie komprimieren), sodass es schwer war, nachzuvollziehen, was in welcher Reihenfolge passiert ist. Oder Personen wurden mal bei ihrem Vor- mal beim Nachnamen oder irgendwelchen selbst gegebenen Namen genannt - das aber nicht konstant, sodass ich öfter zurückblättern musste, wer das denn nun war. Manchmal wurden auch"sekteninterne" Begriffe benutzt, die aber nicht richtig erklärt wurden.

Auch hätte ich mir eine bessere Trennung von der Erzählung der Geschehnisse und Analyse gewünscht. Es gibt zwar nach jedem Kapitel einen kurzen Analyseteil (zusätzlich zum allgemeinen Erklärungsversuch am Schluss), trotzdem wurde auch immer wieder in den Kapiteln schon in die Deutung gegangen oder die eigene Meinung eingebracht, was an der Stelle mMn unpassend war.

Zusammenfassend also ein interessantes Buch für alle, die das Thema Sekten(ähnliche Vereinigungen) interessiert und die eine Ahnung davon bekommen möchten, wie solcher Fanatismus tödlich enden kann. Man sollte sich aber bewusst sein, dass dies eine Art Mischung aus Sachbuch und eigener Interpretation ist, der Schreibstil also recht nüchtern daherkommt.

Am Schluss hatte ich ein wenig das Gefühl, dass der Autor seine eigene Tätigkeit als Theologe "rechtfertigen" möchte, weil er immer wieder betont, dass solche Ereignisse nicht zwingend mit Religion zusammenhängen, sondern Fanatismus überall entstehen kann (bspw. rechtsradikale Gruppen, Esoteriker:innen, Fußballfans). Meiner persönlichen Meinung nach bieten Religionen aller Art aber einen besonders guten Nährboden für diese Art des Fanatismus und ideologisch motivierte Massentötungen(-Selbstmorde) passieren komischerweise irgendwie fast immer in religiös geprägten Gruppierungen.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Habe etwas anderes erwartet

Anna O.
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"Anna O." war anders, also ich dachte. Nicht unbedingt schlecht - aber durch die starke Werbekampagne hatte ich sehr hohe Erwartungen, die nicht ganz erfüllt wurden.

Anna schläft seit 4 Jahren - seit ...

"Anna O." war anders, also ich dachte. Nicht unbedingt schlecht - aber durch die starke Werbekampagne hatte ich sehr hohe Erwartungen, die nicht ganz erfüllt wurden.

Anna schläft seit 4 Jahren - seit dem Tag, an dem sie angeblich ihre zwei besten Freunde umgebracht hat. Nun soll sie vor Gericht gestellt werden. Das geht natürlich nur, wenn sie wach ist. Also wird sie in eine Schlafklinik verlegt, in der der Psychologe Dr. Benedict Prince arbeitet. Er ist auf das sogenannte Resignationssyndrom spezialisiert. Also der Tiefschlaf nach einem traumatischen Ereignis.


Was ich ganz spannend fand, war, dass aus verschiedenen Perspektiven erzählt wurde und sich das Bild so ganz langsam zusammengesetzt hat. Auch Annas Tagebucheinträge waren interessant zu lesen.

Dafür, dass ihr langer unerklärlicher Schlaf als Hauptthema angepriesen wurde, war das "Mysterium" um Annas Schlaf und ihr Aufwachen aber dann erstaunlich unspektakulär und stand auch nicht im Fokus. Auch fand ich nicht, dass Ben eine "gewagte Theorie" hatte, wie man sie aufwecken könnte.

Stattdessen werden Methoden eingesetzt (Gerüche, Musik, Fernsehen), die aus jeder mittelmäßigen Krankenhausserie bekannt sind.

Der Autor wollte hier meiner Meinung nach einfach zu viel. In jedem Kapitel werden nur immer mehr Fragen aufgeworfen und man wird als Leser:in nicht geschickt auf falsche Fährten geführt, sondern einfach maximal verwirrt.

Von Ben über seine Ex-Frau Clara über Annas Familie, Ärztinnen und Pflegerinnen ... jede:r hat irgendwas mit dem Fall zu tun.

Am Ende gab es zwar eine Aufklärung, diese war mir persönlich aber viel zu langatmig und es gab eigentlich keine Thrillerelemente. Und selbst nach der Aufklärung waren noch viele Fragen offen.

Das Buch ließ sich an sich gut lesen, man muss sich aber schon konzentrieren, weil so viel passiert und man nie weiß, was davon noch wichtig sein könnte. Darum nur 2,5 Sterne von mir.

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