Poetischer Schreibstil und nicht nachvollziehbare Charakterentwicklungen
Das WohlbefindenEs geht in diesem Roman um drei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Johanna Schellmann ist Anfang des 20sten-Jahrhunderts Schriftstellerin und lernt das Medium Anna in den Beelitzer Heilstätten ...
Es geht in diesem Roman um drei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Johanna Schellmann ist Anfang des 20sten-Jahrhunderts Schriftstellerin und lernt das Medium Anna in den Beelitzer Heilstätten kennen. Ihre Urenkelin Vanessa lebt in Corona-Zeiten in Berlin und hat mit scheinbar ganz anderes Sorgen zu kämpfen.
So interessant die unterschiedlichen Charaktere auf den ersten Blick doch scheinen, so fehlt es ihnen beim zweiten Blick an Tiefe und es fällt den Leser*innen schwer, die Personen und deren Entwicklungen zu greifen und nachzuvollziehen. Das Buch ist recht kurz für die Geschichte, die aus so vielen Perspektiven und zu so vielen Zeiten erzählt werden will - daher bleibt im Laufe der Geschichte so einiges liegen und es bleiben viele Fragen offen, denn es fehlt oft an Tiefe. Meine Sympathie für die verschiedenen Charaktere schwangt sehr stark im Laufe der Erzählung, dies kann sehr gut daran liegen, dass aufgrund der langen Geschichte und der kurzen Zeit, nicht immer alle Entwicklungen nachvollziehbar sind und daher manchmal das Verhalten inkonsequent wirkt.
Ein sehr präsentes Thema ist der Okkultismus, der meiner Meinung nach nicht von allen Seiten und somit scheinbar unkritisch betrachtet wird. Das mag daran liegen, dass einige der Personen dieses Thema ebenfalls recht unkritisch betrachten und es dazu passt, doch hätte ich mir noch eine Einordnung oder stärkere Argumente von Gegenseite gewünscht.
Der Schreibstil gefällt mir allerdings sehr gut, er ist sehr flüssig und fast schon poetisch. Die Beschreibungen von den Beelitzer Heilstätten sind ebenfalls sehr gut gelungen und ich konnte mir die Heilstätten damals sowie heute sehr gut vorstellen - sowohl den Ort als auch die dort vorherrschende Einstellung zum Wohlbefinden. Ich war fast schon traurig, dass nur so ein kleiner Teil der Handlung in Beelitz spielte.