Verlorene Nähe, verborgene Wahrheit
Brackwasser - Stille Wasser sind tief. Und manche sogar tödlich …Dieser Psychothriller fühlt sich an wie ein Blick in einen stillen, dunklen Teich: erst passiert scheinbar nichts und dann zieht es dich rein. Jana Stieler nimmt uns mit in die Wälder und Gewässer der ...
Dieser Psychothriller fühlt sich an wie ein Blick in einen stillen, dunklen Teich: erst passiert scheinbar nichts und dann zieht es dich rein. Jana Stieler nimmt uns mit in die Wälder und Gewässer der Schlei, und dort brodelt es gewaltig unter der Oberfläche.
Im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern, die sich fremd geworden sind aber weiterhin verbunden durch ein altes Trauma, das nie ganz verschwunden ist. Und jetzt wird ein alter Mordfall wieder aufgerollt. Die Luft ist dick, das Misstrauen groß, und die Schuldgefühle sitzen tief. Svea kehrt zurück. Eigentlich nur, um ihrer Schwester beizustehen, aber natürlich wird alles komplizierter als gedacht. Und bedrohlicher.
Was die Autorin richtig gut kann? Atmosphäre aufbauen, ohne zu übertreiben. Keine unnötigen Effekte, keine überzeichneten Figuren, dafür echte psychologische Spannung, komplexe Beziehungen und eine düstere Grundstimmung, die lange nachwirkt. Und dann ist da diese Naturkulisse: Schlei, Wald, Wasser – wunderschön und gleichzeitig beunruhigend. Fast ein eigener Charakter im Buch.
Wer auf leise, aber intensive Psychothriller steht, bei denen zwischenmenschliche Dynamik wichtiger ist als Actiongeballer, liegt hier genau richtig. Jana Stieler liefert mit „Brackwasser“ ein fein komponiertes, norddeutsches Gänsehautstück – kein Schocker, sondern ein Kriecher. Und genau das macht’s so stark.