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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2025

Extrablatt! Extrablatt!

Joshua Jackelby
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1851, London. Joshua ‚Josh’ Jackelby verdient sich als Zeitungsbote sein Geld, um über die Runden zu kommen. Sein Traum ist es irgendwann als königlicher Bote zu arbeiten und endlich wieder auf einem Pferd ...

1851, London. Joshua ‚Josh’ Jackelby verdient sich als Zeitungsbote sein Geld, um über die Runden zu kommen. Sein Traum ist es irgendwann als königlicher Bote zu arbeiten und endlich wieder auf einem Pferd zu reiten. Eines Tages rettet Josh einen kleinen Hundewelpen aus der Themse und ahnt nicht, dass ihm die Hündin Hazel fortan nicht mehr von der Seite weichen wird. Ein Band, das Josh brauchen kann, genauso wie seine treuen Freunde Leroy und Charlotte. Gemeinsam mit den Waterloo Boys müssen sie sich immer wieder gegen die Straßenband der ‚Kings‘ durchsetzen und geraten bald in ein noch größeres Abenteuer. Denn dem Professor Bellows werden Pläne für eine Flugmaschine gestohlen, dessen Diebstahl noch viel größere Folgen haben könnte. Joshua und seine Freunde machen sich auf die Suche nach den Dieben.

Joshua Jackelby von Benedict Mirow entführt einen in das viktorianische London und dreht die Zeit zurück. Das Buch ist nicht klassisch in Kapitel unterteilt, sondern wird durch Daten und Uhrzeiten unterteilt. Jeder Tag beginnt mit den ‚Extrablatt‘ rufen der Zeitungsverkäufer und sorgt direkt dafür, dass man sich in die Vergangenheit versetzt fühlt. Dieser Einstieg ist sehr geschickt gewählt, nimmt einen direkt ein und weckt die Vorfreude auf den nächsten Tag. Die Seiten lesen sich auch sehr schnell, denn gefühlt passiert immer etwas und die Spannung steigt von Tag zu Tag. Die Atmosphäre ist gut getroffen, die Welt Joshuas ist deutlich rauer und von Armut, Krankheit und Tod geprägt. Gesellschaftliche Strukturen werden hinterfragt und kritisiert, Freundschaften sind dabei ein sehr wichtiger Bestandteil und auch, dass nicht alle Individuen einer Gruppe dem Vorurteil oder Klischee entsprechen. In diesem ganzen Konstrukt, dass sehr authentisch wirkte, war das fliegende Abenteuer der Kinder für mich etwas zu viel, gleichzeitig hat es für die Kinder nochmal die Spannung erhöht.

Joshua ist ein toller Protagonist, der sich trotz eigener Armut für andere einsetzt und Josh wächst im Verlaufe der Geschichte immer wieder über eigene Ängste hinaus. Seine Freundschaft zu Leroy und Charly zeigt sich als eine ganz besondere, in der alle füreinander einstehen, die Eigenarten der anderen akzeptieren und auch den Freiraum, den sie benötigen. Aarya und Rashna fügen sich auch schnell in dieses Bild ein, das über Freundschaft gezeichnet wird und geben gleichzeitig noch viel mehr mit auf dem Weg.

Joshua Jackelby ist ein viktorianisches Abenteuer, dass durch seine realistischen Beschreibungen durchaus eine düstere Atmosphäre erzeugt und damit nicht nur unterhaltend ist, sondern auch über frühere Zeiten ins Gespräch kommen lässt.

Veröffentlicht am 22.08.2025

Dunkle Geheimnisse

Der Lehrer – Will er dir helfen oder will er deinen Tod?
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Eve Bennett führt ein gutes Leben, sie ist Anfang 30, verheiratet mit Nate, dem beliebtesten Lehrer ihrer Schule und selbst als Mathelehrerin tätig. Doch letztes Jahr erschütterte ein Skandal ihre Schule ...

Eve Bennett führt ein gutes Leben, sie ist Anfang 30, verheiratet mit Nate, dem beliebtesten Lehrer ihrer Schule und selbst als Mathelehrerin tätig. Doch letztes Jahr erschütterte ein Skandal ihre Schule und ausgerechnet das Mädchen, das im Zentrum dieses Skandals stand, wird ihrem Kurs zugeteilt. Eve sieht das Dunkle in ihr und die komplette Schülerschaft meidet Addie. Doch kaum jemand kennt Addies schlimmsten Geheimnis wirklich. Das Schuljahr beginnt für Addie mit Mobbing und ihr einziger Lichtblick ist ihr Englischlehrer: Nate Bennett.

Der Lehrer von Freida McFadden ist ein atmosphärischer Psychothriller, der vor allem mit dem Innenleben der Charaktere überzeugen kann und auf der psychologischen Ebene für mich ganz großes Kino darstellt. Inhaltlich war das Buch nur bedingt spannend, viele Handlungsstränge konnte man sich schnell ausmalen und erahnen, aber dennoch hat die Autorin durch die Gedankenwelt der Protagonist:innen eine unglaublich interessante Geschichte erschaffen, die mich von der ersten bis zur letzten Seite unglaublich gut unterhalten konnte und vor allem über eine eindrückliche Atmosphäre zu überzeugen wusste.

Im Gegensatz zu „Die Kollegin“ empfand ich das Ende in diesem Fall auch runder, auch wenn es für mich ein Plot-Twist zu viel war.

Veröffentlicht am 25.07.2025

Die Katze

Aristide Ledoux – Meisterdieb wider Willen
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Anfang des 20. Jahrhunderts, Paris: wenn die Nacht einbricht wird aus dem 14-jährigen Waisenjungen Aristide Ledoux ein Meisterdieb. Seine Aufträge erhält er erst in der Kutsche, verschlossen in einem Briefumschlag ...

Anfang des 20. Jahrhunderts, Paris: wenn die Nacht einbricht wird aus dem 14-jährigen Waisenjungen Aristide Ledoux ein Meisterdieb. Seine Aufträge erhält er erst in der Kutsche, verschlossen in einem Briefumschlag und Aristide weiß nicht, wer ihn auf Diebestour schickt. An jenem Abend ist aber alles anders und Aristide sitzt in der Falle. Die Droschke ist verschlossen und Aristide wird von einem Fremden in die Seine geworfen. Aristide hat Glück und wird vom Straßenjungen Julien und seinem tierischen Begleiter Patou gerettet. Zusammen mit dem Mädchen aus guten Hause Leontine wollen sie das wiederfinden, was Aristide verloren hat, seine Erinnerungen und den Fremden, der Aristide in der Seine ertränken wollte.

Aristide Ledoux - Meisterdieb wider Willen von Frank Maria Reifenberg ist eine etwas andere Meisterdiebgeschichte! Das Buch wirkt super hochwertig und die Mischung aus Fließtext und Comic verleiht dem Buch einen ganz besonderen Charme.

Wir erleben die Geschichte aus drei Perspektiven (1) der Meisterdieb Aristide Ledoux, (2) der Straßenjunge Julien und (3) das Mädchen aus guten Hause. Alle drei Perspektiven verleihen dem Werk eine gute Perspektive, geben Raum zum Mitfühlen und erschaffen ein Gefühl für die damalige Zeit und was diese, für die Kinder mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, bedeutet. So vermittelt es nebenbei ein Gefühl für die Zeit, aber auch für die Entwicklung, die seitdem stattgefunden hat. Dennoch kam dieser Perspektivwechsel eher überraschend, da wir aufgrund des Titels und des Fokus’ auf Aristide auch nur mit seiner Perspektive gerechnet hatten.

Die Story selbst ist spannend und hat ein paar kleine und größere Überraschungen parat, Text und Illustrationen lassen einen ins damalige Paris eintauchen und erschaffen eine gute Atmosphäre, die immer ein bisschen düster angehaucht, aber vor allem spannungsgeladen ist.

Ein Highlight war natürlich Patou und seine Verbindung zu Julien, zwei die sich auch ganz ohne Worte verstehen. Sehr gut haben uns auch die Zeitungsartikel gefallen und die außergewöhnliche Idee der Kapiteleinleitung über eine Taschenuhr!

Aristide Ledoux - Meisterdieb wider Willen hat uns ausgesprochen gut gefallen, auch wenn wir zu Beginn etwas anderes erwartet hatten. Die Zeichnungen des Illustrators Maleek sind wunderschön und unterstützen die eigenen Vorstellungen. Ich konnte nicht rausfinden, ob Aristide Ledoux ein Einzelband ist oder vielleicht doch der Beginn einer spannenden Reihe, aber das Ende könnte beides bedeuten und so hoffen wir, dass wir in Zukunft nochmal von Aristide, Leontine, Julien und Patou lesen werden.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Starker Auftakt der Donkerbloem-Trilogie!

Der Trailer
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Lisa Martin verschwand vor fast 15 Jahren spurlos in den Ardennen. Ein Fall der die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke lange beschäftigt, denn Lisa war eine Schulkollegin von ihr und obwohl sie sich ...

Lisa Martin verschwand vor fast 15 Jahren spurlos in den Ardennen. Ein Fall der die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke lange beschäftigt, denn Lisa war eine Schulkollegin von ihr und obwohl sie sich nicht gut kannten, fragt Frieda sich noch heute, was mit Lisa damals wirklich passiert ist. Deswegen nimmt sie an einem True-Crime-Podcast teil, um Lisas Fall wieder in die Öffentlichkeit zu bekommen und neue Erkenntnisse zu sammeln.

Der Kölner Barbesitzer Wout Meertens hört diesen Podcast und fühlt sich zurückerinnert. Denn Wout war zur damaligen Zeit in Camp Donkerbloem, doch als Vorbestrafter ist seine einzige Devise „nicht mit den Bullen reden“ und außerdem ist er auch der Meinung, dass er Frieda Stahnke gar nichts sagen könnte, denn er hat damals nichts gesehen.

Doch Wout und Frieda entdecken etwas fürchterliches und vor allem Wout gerät bald selbst in Gefahr. Können sie zusammen das Verbrechen von damals lösen?

Der Trailer von Linus Geschke ist der erste Band der Donkerbloem-Trilogie und ein starker Auftakt. Wir erleben die Geschichte aus mehreren Perspektiven, die von Wout Meertens und Frieda Stahnke sind dabei jedoch die präsentesten und vor allem Wout Meertens fand ich einen super interessanten Charakter. Seine Vorgeschichte und seine Gedanken sind nicht immer moralisch in Ordnung und doch hat er (s)eine moralische Grenze, die so stark dargestellt wurde, dass er nicht gänzlich unsympathisch rüberkommt. Außerdem mochte ich seine Loyalität gegenüber denen, die er in sein Leben gelassen hat. Frieda Stahnke hingegen ist eine ‚typische‘ Kommissarin, ohne das negativ zu meinen. Sie fällt charakterlich noch nicht sonderlich auf, dennoch war ihre Perspektive nicht langweilig.

Die Geschichte um Lisa Martin war von Beginn an spannend erzählt, durch die ständigen Perspektivwechsel und einem guten Schreibstil, wurde das Lesetempo extrem gesteigert und am Ende mit einem wirklich überragenden Plottwist belohnt. Ich werde nicht mehr häufig überrascht, hier war ich es. Und dennoch hat es leider nicht ganz für ein Highlight gereicht, weil mir ein paar Dinge nach dem Twist leider gar nicht zusagen konnten. Ich möchte auf die aber an dieser Stelle auch nicht näher eingehen, weil sie alles Spoilern würden und dennoch bin ich mir auch sicher, dass viele das Ende so gut finden werden. Meins war es in dem Fall leider nicht. Dennoch hat mir sehr viel an diesem Thriller gefallen und ich bin unglaublich gespannt, wie die Trilogie weitergeht!

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Die Windweberin

The Wind Weaver (Wind Weaver 1)
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Rhya ist ein Halbling - halb Fae, halb Mensch - und niemand darf das wissen. Denn in Anwyvn werden Halblinge von den Menschen gnadenlos verfolgt und zur Strecke gebracht. Während eines Überfalls auf ihr ...

Rhya ist ein Halbling - halb Fae, halb Mensch - und niemand darf das wissen. Denn in Anwyvn werden Halblinge von den Menschen gnadenlos verfolgt und zur Strecke gebracht. Während eines Überfalls auf ihr Dorf, wird Rhya festgehalten und ihre wahres Wesen gelangt ans Licht von dem auch Rhya bisher nichts wusste und ein Mal auf ihrer Brust kommt zum Vorschein. Kurz vor ihrer Hinrichtung rettet sie der mysteriöse General Scythes, richtet sich gegen seine eigene Männer und nimmt sie mit in die Nordlande.

Rhya ist die letzte Windweberin und hat die Macht, den Wind zu rufen. Nun muss sie nicht nur lernen ihre Fähigkeiten zu bändigen, sondern auch ihre Gefühle für ihren mysteriösen Entführer.

The Wind Weaver von Julie Johnson ist der Auftakt einer Trilogie und kann mit einem tollen Worldbuilding und interessanten Charakteren Punkten. Wir erleben die Geschichte aus Rhyas Sicht und in der Ich-Perspektive, was eine gute Beziehung zu ihre ermöglicht und mit ihr mitfühlen lässt. Mir gefielen ihre Beziehungen, die sie im Laufe der Geschichte zu den anderen Figuren aufnimmt und ihre Gedanken zu ihnen besonders gut. Besonders geschickt fand ich den Beginn, der einen mitten ins Geschehen geschmissen hat, weswegen ich unbedingt mehr wissen wollte und das Buch selten aus der Hand legen konnte. Wenn das mal der Fall war, dann habe ich gerne zum Hörbuch gegriffen, das unheimlich gut von Rebecca Veil eingesprochen wurde und für ein schönes Hörerlebnis sorgte.

Der Erzählstil ist eher langsam, was mir grundsätzlich sehr gut gefallen hat, an manchen Stellen hätte ich mir dennoch etwas mehr Tempo oder Variabilität gewünscht, da manche Dinge gefühlt nach einem bestimmten Muster abliefen. Besonders interessant fand ich auch Penn und die gemeinsamen Szenen wirkten auf mich sehr authentisch, auch wenn das teilweise Frust beim Lesen bedeutete. Und auch das Ende konnte mich überzeugen und lässt mich gespannt auf den nächsten Teil warten. Alles in allem war The Wind Weaver für mich ein toller Fantasyroman!

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