Wenn Reden heilt: Henry&Kate im Darlington
The Darlington - Henry & Kate„Ein Buch, in dem Probleme nicht künstlich aufgebauscht werden, sondern gelöst werden, weil Menschen miteinander sprechen. Genau das hat mich beim Lesen so befreit und berührt.“
Willkommen im „Darlington“ ...
„Ein Buch, in dem Probleme nicht künstlich aufgebauscht werden, sondern gelöst werden, weil Menschen miteinander sprechen. Genau das hat mich beim Lesen so befreit und berührt.“
Willkommen im „Darlington“ – Londons exklusivstem Hotel, in dem alle deine Träume wahr werden … vorausgesetzt, du hast genug Geld, um dir eines der luxuriösen Zimmer leisten zu können.
Hast du dieses Geld nicht? Tja, dann rümpfen die feinen Damen und Herren der Upper Class eher die Nase über dich und zerreißen sich hinter vorgehaltener Hand das Maul.
Kate könnte dem Darlington kaum ferner sein, als sie Henry Darlingtons (gutaussehend und der reiche, reiche, reiche Geschäftsführer des Darlington) Handy stiehlt. Doch sie tut das nicht grundlos, sondern aus schierer Not. Denn Kate ist obdachlos. Als Henry sein Handy ortet und damit auch Kate, beginnt eine unglaublich liebenswerte Geschichte zweier verlorener Seelen, die sich finden und (meistens) gut tun.
Laura Kneidl hat ihre Figuren mit viel Feingefühl gezeichnet. Soweit ich das beurteilen kann, wurden ihre jeweiligen Lebensrealitäten sehr authentisch abgebildet. Durch den immer wiederkehrenden Perspektivwechsel zwischen Henry und Kate (ein Kapitel Henry, dann eins Kate, mal zwei Henry usw.) kann man sich hervorragend in beide hineinversetzen. Es hat große Freude gemacht, ihnen bei ihrer jeweiligen Entwicklung zuzusehen (und ganz besonders große Freude ihre Chats zu lesen... Hach! If you knew, you knew!)
Hoch anrechnen möchte ich der Autorin, dass sie die vielen, vielen Klischee-Fallen, die auf dem Weg der beiden lauern, einfach nicht bedient. Oft kommt es überraschend dazu, dass ein erwartetes Problem gar nicht erst entsteht, weil die beiden (Achtung! keine Übung!) tatsächlich miteinander reden! Ja, ihr habt richtig gelesen: Die Protagonisten kommunizieren vernünftig miteinander. Das tut so gut, weil in Romanen viel zu oft künstliche Probleme entstehen, die man einfach hätte umgehen können, wenn man nur einmal innegehalten und miteinander gesprochen hätte.
Natürlich ist auch im Darlington nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen... Sonst wäre es (seien wir ehrlich) schlicht langweilig. Über die aufkommenden Stolpersteine und Probleme möchte ich hier aber nicht zu viel verraten. Die müsst ihr schon selbst entdecken.
Was ebenfalls mein Herz jubilieren ließ: Henry ist zu 95 % eine absolute Green Flag. Wie erfrischend zwischen all den drölfzig Millionen Bad Boys da draußen! Er hat getrunken und muss danach irgendwohin? Natürlich fährt er nicht selbst! Er hat Mist gebaut und sieht das ein? Dann kommt eine Entschuldigung! Er fragt nach, nicht nur oberflächlich, sondern um seinen Horizont zu erweitern. Wundervoll! (Und sollte irgendwie doch normal sein)
Kritik (auf hohem Niveau) habe ich dann aber doch noch: Stellenweise war es mir zu viel Heititei und „alles ist toll“. Da kam nicht so recht Spannung auf. Wenn ich im Lesefluss war, war es wundervoll, aber sobald ich das Buch zur Seite gelegt hatte, fehlte mir dieser Drang, unbedingt sofort weiterzulesen. Denn es war ja alles gut für die beiden zwischen den Seiten.
Alles in allem ein wundervolles Buch zum Eintauchen, perfekt für alle, die nicht den xten Bad Boy brauchen, um Kribbeln zu spüren, sondern Figuren lieben, die einander so behandeln, wie wir es uns selbst auch wünschen (und hoffentlich erleben).