Profilbild von dierotefuchsin

dierotefuchsin

Lesejury Profi
offline

dierotefuchsin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dierotefuchsin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2025

Wenn Reden heilt: Henry&Kate im Darlington

The Darlington - Henry & Kate
0

„Ein Buch, in dem Probleme nicht künstlich aufgebauscht werden, sondern gelöst werden, weil Menschen miteinander sprechen. Genau das hat mich beim Lesen so befreit und berührt.“


Willkommen im „Darlington“ ...

„Ein Buch, in dem Probleme nicht künstlich aufgebauscht werden, sondern gelöst werden, weil Menschen miteinander sprechen. Genau das hat mich beim Lesen so befreit und berührt.“


Willkommen im „Darlington“ – Londons exklusivstem Hotel, in dem alle deine Träume wahr werden … vorausgesetzt, du hast genug Geld, um dir eines der luxuriösen Zimmer leisten zu können.
Hast du dieses Geld nicht? Tja, dann rümpfen die feinen Damen und Herren der Upper Class eher die Nase über dich und zerreißen sich hinter vorgehaltener Hand das Maul.
Kate könnte dem Darlington kaum ferner sein, als sie Henry Darlingtons (gutaussehend und der reiche, reiche, reiche Geschäftsführer des Darlington) Handy stiehlt. Doch sie tut das nicht grundlos, sondern aus schierer Not. Denn Kate ist obdachlos. Als Henry sein Handy ortet und damit auch Kate, beginnt eine unglaublich liebenswerte Geschichte zweier verlorener Seelen, die sich finden und (meistens) gut tun.

Laura Kneidl hat ihre Figuren mit viel Feingefühl gezeichnet. Soweit ich das beurteilen kann, wurden ihre jeweiligen Lebensrealitäten sehr authentisch abgebildet. Durch den immer wiederkehrenden Perspektivwechsel zwischen Henry und Kate (ein Kapitel Henry, dann eins Kate, mal zwei Henry usw.) kann man sich hervorragend in beide hineinversetzen. Es hat große Freude gemacht, ihnen bei ihrer jeweiligen Entwicklung zuzusehen (und ganz besonders große Freude ihre Chats zu lesen... Hach! If you knew, you knew!)

Hoch anrechnen möchte ich der Autorin, dass sie die vielen, vielen Klischee-Fallen, die auf dem Weg der beiden lauern, einfach nicht bedient. Oft kommt es überraschend dazu, dass ein erwartetes Problem gar nicht erst entsteht, weil die beiden (Achtung! keine Übung!) tatsächlich miteinander reden! Ja, ihr habt richtig gelesen: Die Protagonisten kommunizieren vernünftig miteinander. Das tut so gut, weil in Romanen viel zu oft künstliche Probleme entstehen, die man einfach hätte umgehen können, wenn man nur einmal innegehalten und miteinander gesprochen hätte.

Natürlich ist auch im Darlington nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen... Sonst wäre es (seien wir ehrlich) schlicht langweilig. Über die aufkommenden Stolpersteine und Probleme möchte ich hier aber nicht zu viel verraten. Die müsst ihr schon selbst entdecken.

Was ebenfalls mein Herz jubilieren ließ: Henry ist zu 95 % eine absolute Green Flag. Wie erfrischend zwischen all den drölfzig Millionen Bad Boys da draußen! Er hat getrunken und muss danach irgendwohin? Natürlich fährt er nicht selbst! Er hat Mist gebaut und sieht das ein? Dann kommt eine Entschuldigung! Er fragt nach, nicht nur oberflächlich, sondern um seinen Horizont zu erweitern. Wundervoll! (Und sollte irgendwie doch normal sein)

Kritik (auf hohem Niveau) habe ich dann aber doch noch: Stellenweise war es mir zu viel Heititei und „alles ist toll“. Da kam nicht so recht Spannung auf. Wenn ich im Lesefluss war, war es wundervoll, aber sobald ich das Buch zur Seite gelegt hatte, fehlte mir dieser Drang, unbedingt sofort weiterzulesen. Denn es war ja alles gut für die beiden zwischen den Seiten.

Alles in allem ein wundervolles Buch zum Eintauchen, perfekt für alle, die nicht den xten Bad Boy brauchen, um Kribbeln zu spüren, sondern Figuren lieben, die einander so behandeln, wie wir es uns selbst auch wünschen (und hoffentlich erleben).

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2025

Wie man sich leise kaputtarbeitet und trotzdem gute Noten bekommt. Ein Burnout zwischen den Zeilen.

Emotional Female
2

In ihrer Autobiografie „Emotional Female“ nimmt uns Yumiko Kadota mit auf ihren Weg zur Chirurgin: Ein Weg, der (und das ist kein Spoiler) in einem massiven Burnout endete.
Kadota erzählt ihre Geschichte ...

In ihrer Autobiografie „Emotional Female“ nimmt uns Yumiko Kadota mit auf ihren Weg zur Chirurgin: Ein Weg, der (und das ist kein Spoiler) in einem massiven Burnout endete.
Kadota erzählt ihre Geschichte in einem sachlich-nüchternen Ton, der überraschend fesselnd wirkt. Der Text umfasst viele Jahre ihres Lebens und beginnt mit ihrer Kindheit und Jugend. Diese Passagen helfen dabei, bestimmte Verhaltensmuster und Prägungen besser nachzuvollziehen. Kadota wurde zwar nicht in Japan groß, aber nach streng japanischen Werten erzogen. Ein Umstand, der sich im gnadenlosen Klinikalltag nicht immer als Vorteil erweist.
Trotz der zahlreichen medizinischen Fachbegriffe lässt sich das Buch erstaunlich flüssig lesen. Die nüchterne Sprache trägt dazu bei, dass man die vielen Rotationen, die endlosen Ausbildungsjahre und die stetig steigende Belastung wie in einem beschleunigten Strudel erlebt. Ereignisse und Jahre verschwimmen zunehmend, bis am Ende ein grauer Schleier aus Überforderung und Erschöpfung zurückbleibt (im Ernst, ich hatte nicht mal annähernd eine Ahnung, wie hart die Ausbildung wirklich ist). Kadotas Schreibstil verstärkt dieses Gefühl, man liest sich fast selbst in eine emotionale Abstumpfung hinein, ohne es zunächst zu merken. Umso eindrücklicher ist die Wirkung beim Innehalten.
Was mich beim Lesen gestört hat, war Kadotas immer wieder betonte Selbstüberhöhung. Sie ist durchweg die Beste und das wird sie auch nicht müde zu erwähnen. Natürlich erklärt das viel über ihr Selbstbild und die Anforderungen, die sie an sich selbst stellt. Dennoch: Beim fünfzehnten „Ich war wieder die Beste“ fiel es mir schwer, nicht die Augen zu verdrehen.
In wie weit dies bewusst als Stilmittel eingesetzt wird oder doch aus der Überzeugung der Autorin kommt mag ich an dieser Stelle nicht urteilen.

Zudem wirkten einige Aussagen, zumindest in der deutschen Übersetzung, irritierend. So beschreibt Kadota, dass sie erst „mädchenhafte Gespräche“ mit den Krankenschwestern führen musste, um als Ärztin so respektiert zu werden wie ihre männlichen Kollegen.
Das Adjektiv „mädchenhaft“ klingt hier mindestens unglücklich gewählt und wirft für mich Fragen auf. Ich hoffe sehr, dass es sich dabei um eine misslungene Übersetzung handelt, andernfalls bleibt ein fader Beigeschmack mit einer feinen Note aus internalisierter Misogynie im Abgang.
Im Nachwort der deutschen Ausgabe folgt noch eine Information, die viele ihrer Handlungen und Aussagen in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Ohne zu viel zu verraten: Diese zusätzliche Kontextualisierung hat meinen Blick auf Kadota und ihre Geschichte sehr verändert. Ohne zu viel zu sagen: Aufgrund der Tatsache, dass sich manche Dinge erst nach erscheinen der englischen Originalausgabe ergeben haben kann ich verstehen warum dies im Nachwort aufgeführt wird. So haben wir Leser die Möglichkeit das Buch genauso zu lesen, wie es ursprünglich war.

Insgesamt kein „schönes“ Leseerlebnis im klassischen Sinne, dafür ist das Thema zu schwer, aber definitiv ein wichtiges.
„Emotional Female“ ist eine bereichernde Lektüre für alle, die wissen möchten, wie ein Klinikalltag jenseits von Grey’s Anatomy wirklich aussieht. Und für alle, die bereit sind, sich auf eine komplexe, widersprüchliche und nicht immer sympathische, aber sehr menschliche Erzählerin einzulassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 03.06.2025

Zwischen Flammen, Fallstricken und Funkenflug

A Fate Forged in Fire – Aus Flammen geboren
0

Also erstmal: Ist dieses Buch nicht unfassbar schön? Dazu wartet es auch noch mit super schicker Karte und zwei Illustrationen im Innenteil auf.
But, never judge a book by its Cover (oder seiner Karten. ...

Also erstmal: Ist dieses Buch nicht unfassbar schön? Dazu wartet es auch noch mit super schicker Karte und zwei Illustrationen im Innenteil auf.
But, never judge a book by its Cover (oder seiner Karten. Oder Illustrationen.).
Daher hier was zum Inhalt:
Es gibt Drachen! Keltische Drachen! Keltische Legenden und keltische Vibes! Und da alles so schön keltisch ist kommen wir leider zu einem Punkt der beim Lesen bei mir immer mal wieder für Stolpern gesorgt hat: Wie spreche ich die alle aus und wie merke ich mir das?
Also ich meine Namen, Orte und auch manche Bezeichnungen. Da brauchte ich definitiv einen Moment um reinzukommen und gerade am Anfang wurde mein Lesefluss dadurch etwas unterbrochen.
Allerdings wäre es auch sehr seltsam wenn hier plötzlich eine Kiara und ein Jayden auf Drachen namens Kunigunde und Herbert reiten würden.
Daher trägt es mehr zur Stimmung bei, als es in meinen Augen zerstört.
Wofür es aber einen Stern Abzug gibt: Das doch seeehr undurchdachte Verhalten der Protagonistin. DURCHGÄNGIG! Sie rennt fröhlich alle Vorzeichen ignorierend einfach in jede Falle die es da so gibt und schlägt sämtliche Logik und Warnungen in den Wind um einfach hitzköpfig ihre Entscheidungen durchzuziehen. Katniss Everdeen wäre enttäuscht. Und ich war es so manches Mal auch.
Womit wir bei Warnungen sind: Nehmt die Content Warning ernst im Buch!
Das Worldbuilding fand ich sehr schön und stimmig. Es ist feministisch und queer und das auf total selbstverständliche Art und Weise.
Die Protagonistin ist mal mindestens bisexuell und auch daraus wird keine große Sache gemacht. Ist halt so.
Die Geschichte wartet mit so vielen Wendungen auf, dass ich so manchen vorherigen Twist noch gar nicht wirklich verarbeitet hatte... Dadurch wird es einfach auch nicht langweilig, aber hey, waren wir nicht gerade noch zusammen in der Schmiede?
Und was war das bitte für ein Ende?! Hallo? Mein Herz ist gebrochen und das nächste Buch noch gar nicht in Sicht. Ich sage nur: Cliffhanger sein Vater!
Wenn euch das nichts ausmacht und ihr starke, weibliche Protagonistinnen mögt, dazu Slow Burn vom feinsten und ein wenig Enemys to Lovers kann ich nur sagen:
Holt euch ein Getränk, schnappt euch Popcorn, lehnt euch zurück und genießt die Story.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.05.2025

Bitte verfremden Sie Ihren Substack!

The Freedom Clause
0

Daphne & Dominic: Beide können sich ein Leben ohne den jeweils anderen nicht vorstellen. Kennen und Lieben gelernt mit 18. Gemeinsam ihre Jungfräulichkeit verloren. Gemeinsam erwachsen geworden. Früh geheiratet. ...

Daphne & Dominic: Beide können sich ein Leben ohne den jeweils anderen nicht vorstellen. Kennen und Lieben gelernt mit 18. Gemeinsam ihre Jungfräulichkeit verloren. Gemeinsam erwachsen geworden. Früh geheiratet. Das Leben vor sich.
Doch mit Mitte 20 scheint ihre Beziehung fest gefahren.
Ihr Sexleben? Nicht vorhanden.
Und so schlägt Dominic einen wahnwitzigen Plan vor: Zur Wiederbelebung ihres sexuellen Verlangens darf jeder ein Mal im Jahr mit einer fremden Person schlafen.
Erstmal auf fünf Jahre festgelegt, bis sie 30 sind.
Zunächst äußerst widerwillig stimmt Daphne Dominics Plan zu...

Und so begleiten wir mal Daphne, mal Dominic über die nächste 5 Jahre.

Dabei war es wundervoll Daphnes Entwicklung von einer schüchternen, jungen Frau die nicht weiß was sie will hin zu einer selbstbewussten und emanzipierten Persönlichkeit zu beobachten.
Auch Dominic bleibt nicht einfach zweidimensional. Sein Charakter bekommt über die Jahre immer mehr Tiefe.
Dadurch ist er nicht einfach nur der „Typ“ der diesen Pakt vorgeschlagen und – aus meiner Sicht – durchgedrückt hat.

Der Erzählstil ist flüssig, wodurch sich das Buch gut und gern in einem Rutsch lesen lässt (wenn die Zeit es erlaubt).
Dabei gefiel mir die Einteilung in die jeweiligen Jahre, anstelle von Kapiteln, sehr gut.

Auch wenn mir das Buch sehr gut gefallen hat, muss ich auch ein wenig Kritik üben:
Manche Situationen (gerade am Anfang und gegen Ende) wirkten doch arg konstruiert um die Story voranzutreiben.
Und ganz ehrlich Daphne, wer verfremdet denn die Personen in einem so brisanten Substack nicht? Selbst wenn man davon ausgeht, dass nie jemand diesen lesen wird.

Trotz dieser Kritik hat mir das Buch gut gefallen. Daher gibt es eine klare Empfehlung, für alle die sich mit dem Thema auseinander setzen möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2025

Ein überraschend locker geschriebener Roman, über ein sehr ernstes und wichtiges Thema

Hazel sagt Nein
1

„Hazel sagt nein“ von Jessica Berger Gross ist ein wichtiger Beitrag zu Me-Too und feministischen Stimmen im allgemeinen.
Dabei schafft es Berger Gross sehr gekonnt dieses doch eher schwere und traumatische ...

„Hazel sagt nein“ von Jessica Berger Gross ist ein wichtiger Beitrag zu Me-Too und feministischen Stimmen im allgemeinen.
Dabei schafft es Berger Gross sehr gekonnt dieses doch eher schwere und traumatische Thema durch ihre vier Protagonist:innen wichtig und ernst genug, aber mit überraschend viel Humor an ihre Leser:innen heranzubringen.
Ihr Schreibstil ist locker und pointiert, liest sich somit sehr unterhaltsam.
Ihre vier Protagonist:innen sind allesamt interessante Figuren denen man gerne eine Weile durch ihr Leben folgt.
Gleichzeitig wirft Berger Gross hier stellenweise so komplexe und wichtige Themen auf, dass ich mir an der ein oder anderen Stelle gewünscht hätte wir könnten mal etwas länger auf dem neu aufgekommenen Problem herumkauen.
Da geht es nicht nur um das Machtgefälle zwischen Hazel und ihrem Direktor, sondern plötzlich auch um Hassbotschaften, Antisemitismus und vor allem um große moralische Fragen denen sich die Familie und besonders Hazel gegenüber sieht.
Wäre die Autorin allerdings hier wirklich auf alles eingegangen, wäre es zum einen kein so, trotz der Synopsis, unterhaltsamer Roman und zum anderen sicherlich ein mindestens doppelt so dickes Manuskript. Aber diesen Anspruch hat die Geschichte auch gar nicht an sich. Es muss nicht alles aufgebröselt und gelöst werden, manches darf einfach existieren und ein weilchen vom Leser oder der Lesrin mitgenommen werden. Und das ist, meistens, auch gut so.
Bei manch anderem habe ich mich hingegen schon gefragt, warum genau das denn jetzt auch noch auf den Tisch musste, nur um dann nicht wieder relevant zu sein. Aber nun gut, es war nur eine Kleinigkeit.

Dadurch, dass wir immer mal wieder abwechselnd jedem einzelnen der Familie über die Schulter schauen haben wir zum einen als Leser einen ganz guten allgemeinen Überblick aus einem Mosaik an Gedanken. Zum anderen kommen wir aber nicht ganz so nah an die Figuren heran. Ich hatte beim Lesen permanent das Gefühl das Geschehene aus einer sicheren Distanz, durch eine Scheibe zu beobachten. Wobei ich das bei diesem Buch nicht als allzu negativ empfunden habe und doch fehlte am Ende irgendwas um aus dieser soliden und unterhaltsamen Erzählung ein mitreißendes und unvergessliches 5 Sterne Buch zu machen.

Alles in allem ein gutes und wichtiges Buch, aber sicherlich nicht das beste in diesem Bereich.

Von mir gibt es 3,5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere