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Veröffentlicht am 13.08.2025

Das Leben Jugendlicher in Moskau

Moscow Mule
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Karina und Tonya leben in Moskau und wollen nur eins: Nach Deutschland. Warum ausgerechnet dahin? Dafür gibt es vielerlei guter Gründe, die im Buch aber nicht ganz deutlich werden.
Deutlich wird, dass ...

Karina und Tonya leben in Moskau und wollen nur eins: Nach Deutschland. Warum ausgerechnet dahin? Dafür gibt es vielerlei guter Gründe, die im Buch aber nicht ganz deutlich werden.
Deutlich wird, dass Karina mitgeschleift wird, von den Träumen ihrer Freundin. Sie hat nicht sehr liebevolle Eltern, die wilde, unberechenbare Natur Russlands ist sie satt und sie wünscht sich anzukommen. In einem Land, in einer Stadt, in der sie frei sein darf: Berlin. Hier gibt es nicht so viele Regeln, wie in Russland. Hier wird man nicht eingesperrt, weil man etwas falsches gesagt hat. Hier wird man nicht mit Mitgliedschaften im Fitnessstudio geködert, um einer Partei beizutreten. Die Autorin zeichnet Karina als rastlos. Sie hangelt sich von Liebhaber, zu Fototerminen, zu anderen Events und Parties, nur um nicht die zwei Stunden Hin- und Rückfahrt von ihrer Uni zu ihrer Oma und zurück in Kauf nehmen zu müssen. Sie lebt zwischen den Welten, ist zwar eine fleißige Studentin, aber hat sonst wenig Ambitionen.
Durch die verschiedenen Kulissen erschafft sich Autorin Rosa die Möglichkeit, mit Moskau - repräsentativ für Russland - stark ins Gericht zu gehen. Sie weist auf, was falsch läuft, aber auch, woher der Charme dieser Kultur kommt. Andersherum zeichnet sie Berlin - repräsentativ für Europa - als einen Traum. Als ein Ziel, an das man ankommen müsse, aber das unerreichbar bleibt. Ich hatte schon vorab oft gehört, dass es für Russen schwierig ist, aus ihrem Land herauszukommen. Durch dieses Buch bekam ich einen Eindruck von dem 'Warum', ohne, dass Rosa zu tief in die politischen Debatten eintaucht.
Die Kapitel sind alles Momentaufnahmen. Eine Situation folgt der nächsten. Es ist kein Ineinandergreifen der Ereignisse, sondern auch der Leser lebt - wie Karina - von einem Moment in den anderen. Der Sprachstil hat mich immer wieder fasziniert. Rosa kann gut mit Worten Bilder weben und hinterlässt einen gut verständlichen, gut recherchierten Roman, der sicherlich auch auf eigenen Erfahrungen basiert. Gerne hätte ich noch mehr aus Deutschland gelesen.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Ungerechtigkeiten, die Wut hinterlassen

Wohin du auch gehst
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Bücher über die dunkelhäutige Gesellschaft lösen bei mir oft einen Kulturschock aus – im negativen Sinn. Für mich. Als weiße Frau. Es erschreckt mich, wie selbstverständlich wir andere Kulturen eingliedern ...

Bücher über die dunkelhäutige Gesellschaft lösen bei mir oft einen Kulturschock aus – im negativen Sinn. Für mich. Als weiße Frau. Es erschreckt mich, wie selbstverständlich wir andere Kulturen eingliedern wollen, obwohl sie ganz eigene Lebensweisen haben. Manches muss moralisch hinterfragt werden, dennoch eignen wir uns Zuviel an. Klar ist: Es braucht mehr Aufklärung. Bücher wie „Wohin du auch gehst“ bringen uns diese Welt – und hoffentlich auch das Verständnis – näher.

Nun zur Geschichte: Bijoux lebt mit ihrer Tante in London, seit sie ein Teenager ist. Doch versucht sie, sich zu finden und kommt gleichzeitig dem Geheimnis ihrer Tante näher. Zu großen Teilen erfährt man dieses Geheimnis als Leser bereits, was in die Irre führen kann. Bis zum Schluss konnte ich Tante Mira zwar verstehen, aber meine Sympathien konnte sie nicht erlangen. Durch das Buch hinweg war eine Wut in mir, die sich nicht zügeln lies und die die Ungerechtigkeit auf vielen Ebenen widerspiegelte.

Durch die beiden Perspektiven gibt es Zeitsprünge. Bijoux’ Part ist nah an unserer Zeit – umso erschreckender sind die Vorurteile, mit denen sie kämpft. Diese kommen aus Familie, Glauben und weißer Gesellschaft. Der Roman zeigt, dass gesetzliche Anerkennung von Homosexualität keine gelebte Freiheit bedeutet und dass sich Generationen zwar weiterentwickeln, aber immer mit einem Kampf verbunden sind.

Ich brauchte einige Zeit, um in die Geschichte einzutauchen. Die Autorin nutzt Wörter und Bezeichnungen in Lingala. Eine Verkehrssprache im Kongo. Einmal eingelesen, lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen und hat einen angenehmen Schreibstil. Auch geschichtliches Wissen blieb nicht auf der Strecke. Leicht, aber nicht überwältigend, erlebt man im Hintergrund die Entwicklung des Kongo.

Durch das Buch hinweg dachte ich, das große Geheimnis schon zu kennen, doch das Ende des Buches erfolgt nochmal durch einen Knall, der alles abrundet und final eine weitere Ungerechtigkeit der Sitten dort aufweist.

Insgesamt ein sehr gelungenes Debüt. Es regt zum Nachdenken und selbst reflektieren ein und bietet authentische Charaktere.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Cozy-Roman mit Urlaubsfeeling

If You Fly Too Far
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n Tine Nells neuem Roman geht es wieder auf Reisen. Statt den nördlichen Gefilden reisen wir nun auf die wunderschönen Kanaren. Nach Fuerteventura.
Protagonistin Elana ist ausgebildete Fitnesstrainerin. ...

n Tine Nells neuem Roman geht es wieder auf Reisen. Statt den nördlichen Gefilden reisen wir nun auf die wunderschönen Kanaren. Nach Fuerteventura.
Protagonistin Elana ist ausgebildete Fitnesstrainerin. Schon diesen Fakt fand ich ziemlich cool, da es kaum Bücher mit diesem Job gibt. Vor allem nicht als Frau. Dass die Autorin hier etwas aus den Standards rausgeht, liebe ich sehr.
Nach einer Trennung will Elana einfach weg und findet einen Job in einem Luxushotel auf den Kanaren. Die Handlung geht zügig voran, es gibt nicht viel Geplänkel, aber alles Wichtige wird erzählt. Auf der Insel angekommen lernt sie direkt zwei tolle Menschen kennen, die mit der Zeit ihre Freunde werden und bereits auf ihrer Hinfahrt gerät sie in Streit mit dem Love Interest, der zu allem Überfluss im Hotel auftaucht. Allerdings ist dies kein klassisches Enemies to Lovers. Elana ist lediglich von Adrians Art genervt und versucht ihm, aufgrund der Hotelregeln, aus dem Weg zu gehen. Die Beziehung zwischen beiden entwickelt sich allerdings rasch. Die Anfänge gingen mir etwas zu schnell, aber im weiteren Verlauf entschleunigt sich die Geschichte wieder.
Von Geschichten aus fernen Orten erwarte ich, dass sie mir Land und Leute näherbringen. Dies kam mir hier etwas zu kurz. Elana und Adrian reisen zwar an verschiedene Orte und man lernt die Insel kennen, aber ein paar mehr Fakten und Ausschmückungen hätten reingedurft. Allgemein hätten manche Gespräche und Situationen gerne noch gestreckt werden können. Das ist aber lediglich eine Frage des Geschmacks, denn das Wichtigste wird erzählt und wer sich auf einen kurzweiligen Roman freut, der einem das Cozy-Gefühl vermittelt, ist hier goldrichtig.
Zu einer jeden Geschichte gehören Twists und Wendungen. Zunächst dachte ich, diese wären alle vorhersehbar. Und die Twists, die ich auf den ersten paar Seiten gewittert hatte, traten auch alle so ein. Aber zu meiner Erleichterung brachte Nell noch einen weiteren Aspekt mit ein, der gegen Ende das Spannungslevel noch hob. Auch wenn hier wieder klar war, wer oder was der Auslöser war, gefiel mir, dass in die Geschichte nochmal Wind reinkam.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Die raue Liebe einer Frau

Die Hummerfrauen
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Die Hummerfrauen von Beatrix Gerstberger ist ein drei-Generationen-Roman in einem kleinen fiktiven Fischerörtchen im nicht fiktiven Hummerfischerareal in Maine (USA).

Die Autorin war für ihre Recherche ...

Die Hummerfrauen von Beatrix Gerstberger ist ein drei-Generationen-Roman in einem kleinen fiktiven Fischerörtchen im nicht fiktiven Hummerfischerareal in Maine (USA).

Die Autorin war für ihre Recherche viele Male vor Ort und hat sich mit Hummerfischerinnen unterhalten, ist auf ihren Booten mitgefahren und hat ihre Geschichte hautnah in einen Roman verwandelt. Dies macht den Roman authentisch. Genauso, wie ich es mir vorstelle, hat in dem Örtchen jeder eine raue Art. Der Humor ist manchmal unter der Gürtellinie, aber das sind die harten Frauen gewohnt. Hier wird sich nichts geschenkt, aber wer ehrlich und hart arbeitet, der hat sich seinen Platz in der Gesellschaft verdient.

Alle drei Frauen haben also ihre Geschichte, in der sie sich selbst durchbeißen. Doch über die Zeit finden sie sich und sind sich gegenseitig eine Stütze. Es ist ein Roman voller Frauenliebe. Pure Unterstützung und Wohlwollen. Dies zu lesen erwärmt das Herz.

Der Hummer spielt durchgängig eine subtile Rolle. Da ist zum einen das Gewässer, indem täglich nach diesen Tierchen gefischt wird. Da sind die philosophischen Lektionen, die man aus dem Hummerdasein ziehen kann und natürlich Mr. Darcy. Der blaue Hummer. Einer von einer Million... schätzungsweise. Wer kann so einen besonderen Sidekick nicht lieb gewinnen?

Doch für mich gehört zu jedem Roman auch ein gewisser Höhepunkt, auf den das Buch hinaus läuft. Sei es eine spannende Aktion, ein unerwarteter Twist, oder einfach das Ändern der Lebensweise oder des Denkens. Etwas hoffnungsvolles. Hier schien dies etwas zu fehlen. Ann (72) ist am Höhepunkt ihres Lebens. Sie ist da für die Ratschläge und lebt ein ruhiges, eigenbrötlerisches Leben. Julie (54) bringt den Aspekt einer Liebesbeziehung rein, die auch ohne Ecken und Kanten ist und sie hin und wieder unsympathisch rüberkommen lässt. Zuletzt ist noch Mina (28), die am wenigsten mit dem Fischen am Hut hat. Ihre Story baute sich erst nach der Hälfte des Buches auf und hätte einen spannenden Krimieffekt reinbringen können, jedoch wurde dies nicht ausgeschöpft.

Das Buch ist zwar ruhig, aber dieses so andersartige Leben wuchs mir sehr ans Herz.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Entschleunigung während des Lesens

Kokoro
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Es bereitet mir momentan wirklich Freude, wie viel Unterschiedliches ich lesen darf und wie positiv mich diese Bücher alle auf ihre eigene Weise überraschen und prägen.

In Kokoro geht es um japanische ...

Es bereitet mir momentan wirklich Freude, wie viel Unterschiedliches ich lesen darf und wie positiv mich diese Bücher alle auf ihre eigene Weise überraschen und prägen.

In Kokoro geht es um japanische Weisheiten. Autorin Kempton reist in ihrer Midlife-Crisis durch Japan. Eigentlich ist sie ein durchstrukturierter Mensch, doch die Trauer des fortlaufenden Lebens holt auch sie ein. Schon lange begeistert sie sich für dieses Land und die Kultur der Menschen dort. Sie studierte Japanologie und im Buch erscheint es, als würde ihr Freundeskreis diese Leidenschaft widerspiegeln. Insofern brachte Kempton viel Wissen mit und als Leserin durfte ich aus ihrem Wissensschatz profitieren und bekam Einblicke in sehr persönliche Erfahrungen mit diesem Land.
Dabei muss man sagen, dass die Autorin hier und da auch eine spirituelle Seite deutlich macht. Dies mag nicht für jeden was sein, nimmt aber auch nur Platz am Rand ein. Für mich gehört diese Art zu Denken auch etwas zum japanischen Mindset dazu und so konnte ich mich völlig drauf einlassen.

Kokoro hat zwar wenig Seiten, doch ist keinesfalls schnell zu lesen. Wer mag, darf und sollte sich auf die Fragen einlassen, die an einem jeden Kapitelende gestellt werden. Kempton fordert den Leser/die Leserin dazu auf, in sich hinein zu schauen. Und das nicht nur in das Hier und Jetzt und die Zukunft, sondern auch in Vergangenes. Nicht nur in die Anfänge, sondern auch auf die Enden. Gerade die Kapitel über Verlust und Loslassen, haben mich tief berührt und etwas in mir bewegt.

Letzten Endes kann ich noch immer nicht ganz fassen, was Kokoro bedeutet. Es ist ein tief verwurzelter Begriff Japans, der selbst für Einheimische die unterschiedlichsten Bedeutungen hat. Vielleicht ist auch genau das die Definition. Doch ich kann sagen, dass dieses Buch mir viele Weisheiten vermitteln konnte. Mir viele Tipps mit auf den Weg gegeben hat und wenn ich nicht bereits Lust auf das Land hätte, dann spätestens jetzt. Während man diese Buch liest, kann man in sich kehren.

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