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Veröffentlicht am 31.10.2025

Nicht gänzlich dem Klappentext entsprechend

Ein Herz aus Papier und Sternen
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"Ein Herz aus Papier und Sternen" ist ein weiterer gefühlvoller Roman aus der Feder der P.S. Ich liebe dich-Autorin Cecelia Ahern. Wie gewohnt schreibt sie ruhig und tiefgründig, fängt die stillen Momente ...

"Ein Herz aus Papier und Sternen" ist ein weiterer gefühlvoller Roman aus der Feder der P.S. Ich liebe dich-Autorin Cecelia Ahern. Wie gewohnt schreibt sie ruhig und tiefgründig, fängt die stillen Momente des Lebens ein und verwebt sie zu einer berührenden Geschichte über Mut, Selbstfindung und die leise Sehnsucht nach Freiheit.

Pip ist 32 und lebt noch immer bei ihrer Mutter – einer Frau, die sie seit Jahren kontrolliert und klein hält. Schon mit 16 wurde Pip Mutter und trägt seither Verantwortung, ohne je wirklich selbst entscheiden zu dürfen. Ihr Alltag ist von Pflichten, Schuld und unausgesprochenem Druck geprägt. Erst als sie einem Astronom begegnet, der ihr den Blick zum Himmel öffnet, beginnt sie zu fragen, wer sie sein könnte, wenn sie endlich frei wäre.

Doch das Leben im kleinen Ort ist alles andere als ruhig: Diskussionen um Torfabbau und den Steinbruch bringen Unruhe – und mit ihnen kehrt auch der Mann zurück, dem einst Pips Herz gehört hat. Alte Wunden reißen auf, während Pip langsam begreift, dass sie ihr eigenes Leben in die Hand nehmen muss.

Ahern erzählt mit großer Empathie und nah an der Realität. Pips stille Kämpfe, ihre Unsicherheiten und kleinen Gesten – das ständige Falten von Origami als Ausdruck ihrer Gefühle – machen sie zu einer greifbar nahen Figur. Sie ist keine klassische Heldin, die laut rebelliert, sondern eine, die leise wächst und ihren Mut erst tastend findet.

Der Roman ist ruhig, fast meditativ, doch nie belanglos. Gesellschaftliche Themen wie Umweltzerstörung, Übergriffigkeit und Selbstbestimmung verleihen ihm Tiefe und Gewicht. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Raum für die Nebenfiguren gewünscht, deren Geschichten nur angedeutet bleiben. Auch die Verbindung zu dem Astronomen, die laut Klappentext romantischer klingt, bleibt sachlich – weniger Sternenglanz, mehr Realität.

Trotz kleiner Schwächen ist "Ein Herz aus Papier und Sternen" ein Roman, der lange nachhallt. Er erinnert daran, dass Freiheit oft im Kleinen beginnt – in einer Entscheidung, einem gefalteten Kranich, einem Blick in den Himmel.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Die Liebe nach dem Glück

All the Way to the River
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„All the Way to the River“ ist ein weiteres schonungslos ehrliches Werk aus der Feder der Autorin von „Eat, Pray, Love“. Beide Bücher sind zutiefst biografisch, und während mich ihr früheres Werk restlos ...

„All the Way to the River“ ist ein weiteres schonungslos ehrliches Werk aus der Feder der Autorin von „Eat, Pray, Love“. Beide Bücher sind zutiefst biografisch, und während mich ihr früheres Werk restlos begeisterte, ließ mich dieses nun sprach- und fassungslos zurück.

Kennt ihr die Debatten darüber, ob es nach einem Happy End überhaupt eine Fortsetzung geben sollte? Oder ob man sie besser weglässt, weil niemand lesen will, was nach dem Glück kommt? Genau so erging es mir mit „All the Way to the River“ und meine „Eat, Pray, Love“-Blase ist dabei endgültig zerplatzt.

Elizabeth Gilbert findet auf ihrer Reise zu sich selbst, schlägt einen spirituellen Weg ein und begegnet einem Mann, den sie aufrichtig liebt. Daran zweifle ich nicht. Doch Jahre später tritt eine Frau in ihr Leben, die alles verändert. Gilbert verdrängt lange ihre Gefühle, bis diese Frau – Rayya – an Krebs erkrankt. Erst dann wagt sie den Schritt aus ihrem sicheren Leben, und der wilde Ritt beginnt.

Mehrmals überlegte ich, das Buch abzubrechen. Rayya, jahrzehntelang drogensüchtig und getrieben vom Moment, wirkt wie das Gegenstück zu Gilbert, die ihre Süchte in Anerkennung und körperlicher Nähe suchte. Das Buch zeigt eindrucksvoll die zwei Gesichter der Abhängigkeit – durch Substanzen und durch Menschen. So zärtlich Gilbert über ihre große Liebe schreibt, so erschütternd ist die Wirkung dieser Beziehung. Beide rasen unaufhaltsam auf einen Abgrund zu, und Rayya fällt mit ihrer Diagnose in alte Muster zurück.

Was Sucht aus einem Menschen machen kann, wird hier beklemmend deutlich. Keine Seite las ich ohne Kopfschütteln. Der Begriff Spiritualität dehnt sich in diesem Buch ins Grenzenlose, manchmal bis ins Unbegreifliche. „All the Way to the River“ ist schwer zu fassen. Man muss sich darauf einlassen. Am Ende liest man die Geschichte zweier zutiefst verletzter Menschen, deren Botschaft für Gesunde kaum greifbar ist. Es öffnet den Blick in tiefe Abgründe – und bleibt doch dank Gilberts unverkennbar emotionalem Stil berührend.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Surreal und tief berührend

Schwanentage
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Wer Bücher aus dem asiatischen Raum liest, merkt schnell: Hier erzählt man anders, oft leiser, mit mehr Zwischentönen. Auch Zhang Yuerans Schwanentage entführt uns mitten ins Geschehen. Der Blick richtet ...

Wer Bücher aus dem asiatischen Raum liest, merkt schnell: Hier erzählt man anders, oft leiser, mit mehr Zwischentönen. Auch Zhang Yuerans Schwanentage entführt uns mitten ins Geschehen. Der Blick richtet sich auf die Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen. Eine reiche Familie, zwei Haushälterinnen – und im Zentrum die verbitterte Yu Ling, deren Perspektive den Roman prägt.

Die Autorin Zhang Yueran macht in einer turbulenten Geschichte deutlich, dass nicht alles so klar erscheint, wie es scheint. Arm oder reich, mit Geheimnissen oder Fehlern, niemand ist eindimensional. Der Einstieg wirkt zwar zunächst entrückt, führt aber bald zu den titelgebenden Schwanentagen. Der Schwan selbst ist stets präsent, nimmt fast eine Hauptrolle ein und verändert sich wie die Figuren. Er verkörpert gemeinsam mit dem Sohn der Familie die Reinheit einer noch unbescholtenen Seele.

Der Roman erzeugt Spannung vor allem zu Beginn und am Ende. Das spurlosen Verschwinden der Frau und die Festnahme des Vaters bleiben hier leider oberflächlich. In der Mitte jedoch verlangsamt sich das Tempo. Wir beobachten Yu Ling, wie sie zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Ansprüchen des Kindes ihrer Arbeitgeber schwankt.

Zhang Yueran bringt viele Charaktere ins Spiel. Fast jede Figur erhält einen kurzen Abschnitt, bevor sie wieder verschwindet. Ein verbindender Erzählstrang fehlt – vermutlich bewusst –, sodass jede Geschichte für sich steht. Das lenkt den Blick auf das Wesentliche.

Für mich ist die asiatische Schreibeweise oft auf eine spezielle Art reizvoll. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, zu reflektieren und die Nuancen zu betrachten. Yueran zeigt in ihrem Roman, dass Machtgefälle und Abhängigkeiten sich in westlichem und asiatischem Raum kaum unterscheiden. Ein vollständiges Bild bleibt offen – stattdessen entfaltet sich im Schwanenhotel ein Geflecht aus Metaphern und Bildern, das surreal und zugleich tief berührend wirkt.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

RomCom als Wegweiser

Red Flags
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Mit "Red Flags" halte ich nach langer Zeit mal wieder einen Jugendroman in den Händen und ich habe wohl vergessen, wie herzlich diese Geschichten sein können. Hingegen der momentan gängigen Bücher, geht ...

Mit "Red Flags" halte ich nach langer Zeit mal wieder einen Jugendroman in den Händen und ich habe wohl vergessen, wie herzlich diese Geschichten sein können. Hingegen der momentan gängigen Bücher, geht es in diesem Buch wirklich um den Umgang mit Gefühlen und um das Kennenlernen seiner selbst. Kein Spice wird benötigt, um Red Flags zu einem gelungenen Buch zu machen.
Den Charakter der Protagonistin kann man schon anhand ihres Namens erraten: Poppy. Sie ist spritzig, extrovertiert und hat genaue Vorstellungen von ihrem Traummann. Darüber führt sie sogar Liste. Das sorgt allerdings dafür, dass sie jeden jungen Mann abschießt, der einem Kriterium widerspricht. Nun soll sie wegen einer Wette ganze zwei Monate mit einem Typen aushalten, ohne ihn in den Wind zu schießen!
Cam hingegen will sich nicht so recht binden und ist froh, wenn er einen Grund bekommt, Schluss zu machen. Doch auch seine beste Freundin nagelt ihn auf einer Wette fest: Er soll eine Beziehung solange durchziehen, bis seine Partnerin Schluss macht.
Poppy und Cam treffen aufeinander und hier beginnt der humorvolle Schlagabtausch. Cam versucht extra nervig zu sein, während Poppy extra nett sein möchte. Poppy hat dabei eine sehr eigene Art, die auf einige abschreckend wirken könnte, doch für eine 17-jährige fand ich dies sehr authentisch. Unter anderem machte das ihren Humor aus. Etwas düster und bissig. Ich kann nicht behaupten, herzhaft in diesem Buch gelacht zu haben, aber das entlocken mir die wenigsten Bücher und so war es sicherlich nicht gedacht. Viel mehr fundierte das Buch für mich auf vielen kleinen Schmunzlern. Auf einer Erheiterung, die ich tief in der Brust spürte.
Das Buch behandelte schon zu Beginn vielerlei Themen. Primär ging es um die feinen Unterschiede von extrovertiert zu introvertiert, aber auch um Feminismus und die Wünsche im Leben. Allzu oft ertappte ich mich, wie ich noch heute denke, wie Poppy. Allerdings war auch Feminismus ein Thema, was etwas aneckt, wenn die Protagonistin auf die gängigen Liebesfilme steht und sich das vom Partner erhofft.
Insgesamt eine locker leichte Lektüre, die fröhlich macht und als Wegweiser dienen kann.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Das Leben Jugendlicher in Moskau

Moscow Mule
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Karina und Tonya leben in Moskau und wollen nur eins: Nach Deutschland. Warum ausgerechnet dahin? Dafür gibt es vielerlei guter Gründe, die im Buch aber nicht ganz deutlich werden.
Deutlich wird, dass ...

Karina und Tonya leben in Moskau und wollen nur eins: Nach Deutschland. Warum ausgerechnet dahin? Dafür gibt es vielerlei guter Gründe, die im Buch aber nicht ganz deutlich werden.
Deutlich wird, dass Karina mitgeschleift wird, von den Träumen ihrer Freundin. Sie hat nicht sehr liebevolle Eltern, die wilde, unberechenbare Natur Russlands ist sie satt und sie wünscht sich anzukommen. In einem Land, in einer Stadt, in der sie frei sein darf: Berlin. Hier gibt es nicht so viele Regeln, wie in Russland. Hier wird man nicht eingesperrt, weil man etwas falsches gesagt hat. Hier wird man nicht mit Mitgliedschaften im Fitnessstudio geködert, um einer Partei beizutreten. Die Autorin zeichnet Karina als rastlos. Sie hangelt sich von Liebhaber, zu Fototerminen, zu anderen Events und Parties, nur um nicht die zwei Stunden Hin- und Rückfahrt von ihrer Uni zu ihrer Oma und zurück in Kauf nehmen zu müssen. Sie lebt zwischen den Welten, ist zwar eine fleißige Studentin, aber hat sonst wenig Ambitionen.
Durch die verschiedenen Kulissen erschafft sich Autorin Rosa die Möglichkeit, mit Moskau - repräsentativ für Russland - stark ins Gericht zu gehen. Sie weist auf, was falsch läuft, aber auch, woher der Charme dieser Kultur kommt. Andersherum zeichnet sie Berlin - repräsentativ für Europa - als einen Traum. Als ein Ziel, an das man ankommen müsse, aber das unerreichbar bleibt. Ich hatte schon vorab oft gehört, dass es für Russen schwierig ist, aus ihrem Land herauszukommen. Durch dieses Buch bekam ich einen Eindruck von dem 'Warum', ohne, dass Rosa zu tief in die politischen Debatten eintaucht.
Die Kapitel sind alles Momentaufnahmen. Eine Situation folgt der nächsten. Es ist kein Ineinandergreifen der Ereignisse, sondern auch der Leser lebt - wie Karina - von einem Moment in den anderen. Der Sprachstil hat mich immer wieder fasziniert. Rosa kann gut mit Worten Bilder weben und hinterlässt einen gut verständlichen, gut recherchierten Roman, der sicherlich auch auf eigenen Erfahrungen basiert. Gerne hätte ich noch mehr aus Deutschland gelesen.

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