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Veröffentlicht am 07.09.2025

Hinter der Fassade

Die Frau in den Fluten
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Chloe beobachtet gerne ihre Mitmenschen (manche würden es vielleicht sogar Stalking nennen) und ist dadurch bereits nach wenigen Tagen gut mit dem Leben ihrer neuen Nachbarn vertraut. Doch ist ihr Leben ...

Chloe beobachtet gerne ihre Mitmenschen (manche würden es vielleicht sogar Stalking nennen) und ist dadurch bereits nach wenigen Tagen gut mit dem Leben ihrer neuen Nachbarn vertraut. Doch ist ihr Leben wirklich so perfekt, wie sie es darstellen? Zusammen mit Chloe werden so einige dunkle Geheimnisse aufgedeckt und Menschen an ihre Grenzen getrieben.

Die Kapitel werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt und spielen an mehreren Tagen, wobei die Überschriften die zeitliche Einordnung erleichtern.
Dazwischen gibt es immer wieder Auszüge aus einer True Crime Serie, die sich mit den Geschehnissen der Handlung beschäftigt. Diese zusätzliche Perspektive aus der Zukunft sorgt für erhöhte Spannung: Man weiß dass schlimme Dinge passieren werden, aber man hat noch keine Ahnung WIE und WARUM.
Auch wenn hier kaum klassische Krimielemente vorhanden sind und der Fokus eindeutig auf den Charakteren liegt, kann man super mitfiebern und miträtseln. Wem kann man vertrauen, was verbergen die Personen alle?
Die Spannung bleibt lange Zeit recht hoch, flacht ab einem bestimmten Punkt dann jedoch ab und man kann sich größtenteils denken, was die Wahrheit ist.

Dies ist kein Thriller, bei dem man mit einem sympathischen Charakter mitfiebern kann, ganz im Gegenteil. Besonders in der ersten Hälfte mochte ich eigentlich niemanden dort, fand die Charaktere aber trotzdem toll geschrieben. Die Autorin erkundet menschliche Abgründe und überrascht damit öfters mal den Leser - dies wirkt überwiegend authentisch und man kann sich gut vorstellen, dass Menschen so handeln, manchmal habe ich es jedoch auch als leicht übertrieben empfunden, zumindest in der Menge.
Insgesamt eine durchaus spannende Lektüre, wenn man Freude an Thrillern hat und sich von etwas stümperhaftem Polizeiverhalten nicht stören lässt.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Spuren eines Lebens

Wilder Honig
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Nach Johns Tod verschlägt es drei Frauen in den Obstgarten seines Zuhauses und zu seinen Bienenstöcken, jede mit ihren eigenen Sorgen und Erinnerungen an die Vergangenheit.
Die Erzählung wechselt zwischen ...

Nach Johns Tod verschlägt es drei Frauen in den Obstgarten seines Zuhauses und zu seinen Bienenstöcken, jede mit ihren eigenen Sorgen und Erinnerungen an die Vergangenheit.
Die Erzählung wechselt zwischen den Ereignissen in der Gegenwart und den Briefen, die John vor seinem Tod für seine Frau Hannah verfasst hat.
Da John ein Schriftsteller war, muten seine Briefe sprachlich auch besonders poetisch an. Seine Leidenschaft für seine Bienen kommt permanent zum Ausdruck, so erfährt man sehr viel über deren Leben, fast schon als würde man ein Sachbuch lesen, jedoch werden die Bienen auch gleichzeitig als Metaphern für das gemeinsame Eheleben benutzt. Dies fand ich einerseits schön und geschickt geschrieben, andererseits hätte ich mir nach einer Weile vielleicht auch weniger Bienen-Abschnitte gewünscht, jedoch ist das nur persönliches Empfinden.

Weiterhin gab es auch viele interessante Infos über Obstgärten und deren Pflege, vieles davon war mir neu. Generell ist die ganze Geschichte sehr unaufgeregt und überzeugt mit seiner ruhigen Stimmung. Der Fokus liegt nicht auf Spannung, sondern auf menschlichen Emotionen und Beziehungen.
Die Trauerverarbeitung vermischt sich mit den Erinnerungen an die Vergangenheit, aufgedeckte Geheimnisse stellen die Frage, wie gut wir die Menschen wirklich kennen, die uns am nächsten sind.
Hierbei mochte ich, wie sich die Beziehungen und Charaktere weiterentwickeln und ihren inneren Frieden (wieder)finden.
Insgesamt ein sprachlich schönes Buch, das durch seine ruhige Stimmung überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Bevor und danach

Eden
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2017 erschütterte die Nachricht über den Anschlag beim Ariana Grande Konzert die Welt. In "Eden" greift der Autor dies auf und verfolgt das Leben der Familie eines der fiktiven Opfer. Der Tatort ist hier ...

2017 erschütterte die Nachricht über den Anschlag beim Ariana Grande Konzert die Welt. In "Eden" greift der Autor dies auf und verfolgt das Leben der Familie eines der fiktiven Opfer. Der Tatort ist hier Stuttgart statt Manchester, die Sängerin hat einen anderen Nachnamen, aber ansonsten ist alles fast gleich zum realen Vorbild - und dadurch keine leichte Kost und umso bedrückender.

Über mehrere Monate hinweg erfährt man das Geschehen kurz vor dem Anschlag und danach aus den Perspektiven der Eltern des Opfers, Sofie selbst, einem Klassenkameraden und auch dem Täter selbst. Die Gliederung fand ich schön übersichtlich und während beispielsweise die Perspektive des Mitschülers zunächst eher überraschend war, hat es doch gut gepasst.
Ob der Täter tatsächlich ähnliche Gedanken hatte ist wohl schwer zu sagen, die Interpretation des Autors kam mir persönlich teilweise schlüssig, teilweise aber auch ein wenig klischeehaft vor.

Gelungen empfand ich hingegen die Abschnitte, die sich Sofie und Freund Tobias widmen. Bei beiden hat man schön rauslesen können, dass sie noch Kinder sind, aber sich gleichzeitig auch langsam auf den Weg zum Erwachsensein machen und dabei manchmal weiser sind als die richtigen Erwachsenen. Umso heftiger war es dann auch zu verfolgen, wie Sofie ihre letzten Momente erlebt.
Generell sehe ich die Stärke des Buches in den Familienbeziehungen und der Trauerbewältigung, hier konnte man die Gefühle durch bewegende Beschreibungen und Metaphern sehr spüren. Von unsinnigen Handlungen über Verdrängung und Schuldzuweisungen, vieles lässt die Familie authentisch erscheinen.

Nicht so ganz überzeugt haben mich hingegen die Nebenthemen: Hier wurde versucht, die Auswirkungen auf die politische Lage darzustellen, jedoch wurde sich auch nicht wirklich darauf fokussiert, sodass es eher immer wieder mal kurz erwähnt wurde, ohne jedoch wirklich Eindruck zu hinterlassen. Von der AfD über Coronaleugner, Rassismus und Verschwörungstheorien wurde hier einiges angesprochen, ohne irgendwo mal mehr in die Tiefe zu gehen.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Spannende Reise

Die Sphärenchronik
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Der erste Band der Sphärenchronik beginnt mit einem klassischen "Ihr wundert euch sicher, wie ich hier gelandet bin"-Moment: Der Mensch Gero sieht seiner Hinrichtung an Bord eines feindlichen Raumschiffes ...

Der erste Band der Sphärenchronik beginnt mit einem klassischen "Ihr wundert euch sicher, wie ich hier gelandet bin"-Moment: Der Mensch Gero sieht seiner Hinrichtung an Bord eines feindlichen Raumschiffes entgegen, doch bevor ihn das Vakuum des Weltalls verschlucken kann, schauen wir zurück auf die Geschehnisse, die ihn dorthin geführt haben.
Dies ist ein etwas ungewöhnlicher Aufbau und nimmt auch etwas Spannung vorweg (man weiß direkt, dass die Mission fehlschlägt), jedoch fand ich es als Einleitung echt nicht schlecht - und wie man sich vielleicht denken kann, geht es später auch noch "normal" ohne Rückblick weiter. Auch wird am Kapitelanfang immer aus fiktiven Geschichtsbüchern zitiert, was teilweise auch ein wenig spoilert, jedoch empfand ich dies nicht als schlimm, sondern im Gegenteil eher als interessant und hat mir geholfen, das Geschehen noch besser einzuordnen.

Auf den ersten Seiten wird man direkt mit einer Menge neuer Begriffe konfrontiert, die ich teilweise kurz verwirrend fand: Viele neue Arten von Außerirdischen mit eigenen Namen und Beschreibungen, von denen einige aber erst im späteren Verlauf der Geschichte erklärt werden. Hier hätte ich mir eine Art Glossar gewünscht, in dem man direkt hätte nachschlagen können (Gibt es das vielleicht in der E-Book-Version? Viele Begriffe waren grau hinterlegt).
Hat man sich aber erstmal in diese Welt hineingefunden, ist man schnell fasziniert von der Kreativität des Autors. Die verschiedenen Rassen der "Xenos" werden gut beschrieben und sind sehr vielfältig in ihrem Aussehen, Charakter, gesellschaftlichen Miteinander, Geschichte, Religion etc.
Auch hier hätte ein Glossar geholfen, da man echt viel geboten bekommt, wodurch eine komplexe Welt entsteht.

Manche Charaktere lernt man dadurch leider nur eher oberflächlich kennen, sie werden hauptsächlich über ihre Rasse definiert und weniger über innere Motivationen, doch immerhin gelingt dies ganz gut bei den Hauptcharakteren. Ich schätze aber, dass hierfür in den nächsten Bänden noch mehr Gelegenheit besteht.
Zwiegespalten bin ich bei den Dialekten, mit denen manche Personen charakterisiert werden. Einerseits hilft es sehr, sich den Charakter so noch besser vorzustellen, andererseits hat es immer wieder meinen Lesefluss gestoppt und ich musste die Sätze nochmal lesen.
Sehr gut gefallen haben mir hingegen die Action-Szenen, die ich mit Spannung verfolgt habe und leicht bildlich vor mir sehen konnte.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Ein Ausflug nach Rom und in die Geschichte einer Frau

Teddy
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Im Sommer 1969 ist Teddy Mitte 30, seit wenigen Wochen mit einem Diplomaten verheiratet und gerade erst von Texas nach Rom gezogen. Die Geschichte beginnt quasi mit einer Art Verhör: Man weiß, dass irgendwas ...

Im Sommer 1969 ist Teddy Mitte 30, seit wenigen Wochen mit einem Diplomaten verheiratet und gerade erst von Texas nach Rom gezogen. Die Geschichte beginnt quasi mit einer Art Verhör: Man weiß, dass irgendwas passiert ist, hat jedoch keine Ahnung, was genau. Um dies herauszufinden lauscht man Teddy, wie sie ihre Geschichte erzählt.
Doch anstatt sich auf das Wesentliche zu fokussieren, ist es quasi so, als würde man einer Freundin zuhören, die von ihrem Leben berichtet. Relevante Passagen wechseln sich ab mit Anekdoten und Geschehnissen aus ihrer frühen Kindheit und immer wieder fragt man sich, was davon jetzt wichtig ist und wie alles zusammenhängt.

Teddy ist hierbei teilweise durchaus eine unterhaltsame Erzählerin, die auch mit Sarkasmus und Selbstironie punkten kann, an anderer Stelle ziehen sich ihre Berichte jedoch auch mal.
In diesem Sinne kommt nur bedingt Spannung auf, man will zwar wissen, was passiert ist, jedoch steht dies nicht wirklich im Fokus.
Auch fand ich Teddy nicht immer sympathisch, bei einigen ihrer Aktionen und Verhaltensweisen musste ich öfters mal den Kopf schütteln. Ihre Ehe generell wirkte von Anfang an schon fast wie ein Unfall, bei dem man nicht wegschauen kann.
Interessant fand ich jedoch den Ausflug in das damalige Rom, die Atmosphäre wurde immer wieder ganz gut beschrieben und hat gefühlt auch sehr zur Zeit gepasst. Auch die politischen Themen haben öfters mal einen schönen Rahmen für die Handlung geliefert.

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