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Veröffentlicht am 11.08.2025

Beklemmende Schicksale

Wir sehen uns wieder am Meer
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Eins haben die drei recht unterschiedlichen Schicksale der drei Freundinnen gemeinsam, sie sind schwer und grausam.
Da ist das „Deutschenmädchen“ Tekla, die sich im besetzten Norwegen auf einen Besatzungssoldaten ...

Eins haben die drei recht unterschiedlichen Schicksale der drei Freundinnen gemeinsam, sie sind schwer und grausam.
Da ist das „Deutschenmädchen“ Tekla, die sich im besetzten Norwegen auf einen Besatzungssoldaten einlässt. Sie ist die eigentliche Hauptfigur des ersten Bandes dieser Trilogie von Trude Teige und hier eher lose mit der Handlung verbunden.
Dann gibt es noch die Zwangsarbeiterin Nadja, die aus der Ukraine in die norwegische Fischfabrik verschleppt wurde und sich dann in einen Kollaborateur verliebt.
Die eigentliche Hauptfigur aber ist Birgit, eine Krankenschwester, die im Krankenhaus mit dem inländischen Widerstand gegen die Besatzer in Kontakt kommt und heimlich einen entflohenen Kriegsgefangenen versteckt, einen Russen, in den sie sich verliebt.
Das Schicksal der drei Frauen reicht weit über die Besatzungszeit durch die Deutschen hinaus. Sie erleben die sich zuspitzende Situation, als die Deutschen den Krieg schon fast verlorenen haben und sich erbittert gegen die Niederlage wehren. Genauso wie ihre Unterstützer in Norwegen, deren Fanatismus im Angesicht des Untergangs ungebrochen ist. Aber es geht auch um die Nachkriegsjahre, um das Zusammenkehren des Scherbenhaufens, den der Krieg hinterlassen hat, um die Auseinandersetzung mit Schuld und Verstrickung, mit Verantwortung und der Suche nach einem Neuanfang.
Trude Teige hat sich wieder einen interessanten Schauplatz und ein weniger beleuchtetes Thema der Weltgeschichte ausgesucht und sie verleiht den Frauen, die in der Weltgeschichte immer nur sehr beiläufig vorkommen, eine wichtige Stimme. Es geht um ihr Schicksal, ihr Handeln, ihre Verantwortung, ihre Entscheidungen und ihr Los in einer Zeit, in der männliche Willkür mit am größten war.
Allerdings hat mich die Figur der Birgit nicht so ganz packen können. Das könnte auch an ihrer Begeisterung für Russland liegen, die für einen Norwegerin in der damaligen Zeit schon sehr ungewöhnlich gewesen sein muss, da die Norweger die Russen im Krieg kurz zuvor nicht in besonders guter Erinnerung dürften behalten haben. Und die Handlung zwischen Krankenhaus und Fischfabrik sowie Gefangenenlagern bleibt mir irgendwie fern und leer. Vielleicht stumpft man ab nach dem Lesen der immer wiederkehrenden Geschichten aus den Lagern der Gefangenen oder der Kranken. Aber gerade im dritten Band fehlt mir ein Spannungsbogen. Die Handlung dehnt sich, mal erhebt sie sich ein wenig, um dann schnell wieder abzufallen. Das Harren und Warten ist ein zentrales Motiv, das die Handlung aber auch hemmt und sich auf den Leser überträgt.
Für mich reicht der dritte Band nicht an die ersten beiden heran.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ich hatte anderes erwartet

Die Frau des Farmers
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Als ich das Buch „Die Frau des Farmers“ sah und mich mit Hilfe von Klappentext und Leseprobe informierte, erwartete ich etwas über das Leben einer Farmersfrau auf einer Schaffarm in England zu erfahren. ...

Als ich das Buch „Die Frau des Farmers“ sah und mich mit Hilfe von Klappentext und Leseprobe informierte, erwartete ich etwas über das Leben einer Farmersfrau auf einer Schaffarm in England zu erfahren. Ich erwartete viele Naturbeschreibungen, einen besonderen Bezug zum Leben mit den Tieren und der Natur, vielleicht Bodenständigkeit und Erdung durch diese Verbundenheit mit dem Leben. Das Buch schildert sicher das Leben einer Frau, die sich Frau eines Farmers nennen kann, weil sie, entgegen ihres Vorhaben, als Tochter eines Farmers niemals einen Farmer oder einen Bauern, wie sie sagt, heiraten zu wollen, eben dann doch dies tut. Doch lange, bevor sie beide auf eine Farm ziehen und Schafe züchten, arbeitet ihr Mann in einem Büro und sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bis sie Mutter wird und versucht, ein Heim für alle zu schaffen. Zwar gliedert sich das Buch in die Tageszeiten „Morgen“, „Nachmittag“, „Abend“, grob gesprochen, und die Kapitel beginnen dann auch mit Dingen, die die Frau des Farmers zu den entsprechenden Tageszeiten tut, z. B. Kinder in den Kindergarten bringen oder von der Schule abholen, einkaufen, Rechnungen bezahlen, alles Tätigkeiten, die auch Frauen von Nicht-Farmern tun. Doch diese Tätigkeiten dienen nur als lockere Assoziationskette, um dann von ihrem Leben zu plaudern, ihrer Schulzeit, ihrem Wunsch, ins Ausland zu gehen, den Wunsch, ihren James zu heiraten, ihr Kunststudium, ihre Arbeit in einem Kaffee, ihre Leidenschaft fürs Essen und fürs Kochen – das Buch enthält Unmengen an Rezepten, und ihrer Begeisterung, heruntergekommene Häuser zu kaufen, zu renovieren, um dann wieder ein neues zu kaufen.
Ihre Schreibstil ist dabei leicht zu lesen und das Ganze auch nicht ganz Uninteressant, aber eben anders, als erwartet. Und was mich eindeutig stört, ist der bekannte nölige Unterton beim Beklagen über Luxusprobleme, wie sie selbst einräumt, wenn sie schreibt: Von außen gesehen sind wir gesund, sehen gut aus, leben in einem schönen Haus und können uns ein gutes Leben leisten. Aber gleichzeitig jammert sie: sie studiert Kunst, auch wohl erfolgreich, aber betätigt sich nicht als Künstlerin. Sie backt und kocht gern, hat aber oft keine Lust oder Zeit, dann gibt es Fastfood und Ungesundes. Sie will unbedingt diesen Mann und sie will soooo sehr ein Kind, dann hat sie zwei und beklagt ihre Abhängigkeit und ihre Unfreiheit und die Abwesenheit ihres Mannes, der rund um die Uhr arbeiten muss, damit sie Häuser kaufen, aufwändig renovieren, luxuriös ausstatten können, obwohl sie ja eigentlich kein Geld haben. Und so kaufen und verkaufen sie in zwei Jahren drei Häuser. Worüber man sehr erstaunt ist, wenn man bedenkt, dass sich in der heutigen Zeit Familien mit zwei Verdienern häufig nicht einmal die Miete für eine adäquate Wohnung leisten können, geschweige denn ein Eigenheim.
Ich hatte anderes erwartet und hätte gerne anderes gelesen.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Vererbtes Trauma

Wie sehr ich dich finde
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Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen ...

Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen Ereignisse setzen sich in den nachfolgenden Generationen fort. Und die Wege der Protagonisten kreuzen sich über die Beziehungen ihrer Kinder und Kindeskinder. Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich, ohne häufig genau zu wissen, woher ihre Rastlosigkeit, ihre Bindungsunfähigkeit, ihre Schwermut, ihre Wut kommt. Sie gehen alle unterschiedlich damit um und schlagen unterschiedliche Wege ein, auch dadurch, dass sie aus unterschiedlichen Schichten kommen. Aber eines haben sie alle gemein: einen dunklen Fleck auf der Seele und mindestens einen Schicksalsschlag im Nacken.
Was als historischer Roman beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer erotisch-esoterisch-spirituellen Lebensreise. Dass sich Schuld und Angst als traumatische Erlebnisse vererben und die Kriegskinder und -enkel in ihrem Leben beeinflussen können, ohne dass diesen das immer klar ist, ist mittlerweile ein ziemlich anerkannter Ansatz der Psychologie. Und auch ein sehr interessanter. Soweit ist der Roman noch nachvollziehbar. Allerdings wird dieses Modell im Buch in der ewigen Wiederholung der Abfolgen über drei Generationen ziemlich auf die Spitze geschrieben. Mir ist auch die federführende Rolle der Edelprostituierten, die den Sohn als Stammkunden hat und den Vater heiratet, mit ihren über Sex vermittelten Lebensweisheiten ein wenig zu viel des Guten, sodass mir die Entwicklung ähnlich befremdlich wird, wie es der etwas holprige Titel ist.
Wer einen historischen Roman erwartet, sollte besser zu einem anderen Buch über die Zeit greifen.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Am Ende dann spannend

Das geheime Bildnis
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Die Kunststudenten Caroline und Patrick entdecken ein Tagebuch der surrealistischen Malerin Juliette Willoughby und darin Hinweise auf die Existenz ihres Hauptwerkes, das bei einem Brand in Paris im Jahre ...

Die Kunststudenten Caroline und Patrick entdecken ein Tagebuch der surrealistischen Malerin Juliette Willoughby und darin Hinweise auf die Existenz ihres Hauptwerkes, das bei einem Brand in Paris im Jahre 1938 eigentlich zerstört worden sein soll. Dieses Gemälde scheint eine Botschaft über ein Familiengeheimnis der Willoughbys zu enthalten. Und auch Jahrzehnte später sorgt das Gemälde für einen brutalen Mord, der Patricks und Carolines Leben zu zerstören scheint.
Der Krimi des Autorenduos, das unter dem Pseuconym Ellery Llyod veröffentlicht, spielt auf drei Zeitebenen. Über die ersten dreihundert Seiten zieht sich das Geschehen für mich ziemlich. Auf allen Ebenen ereignen sich Dinge, es gibt eine Geheimgesellschaft mit Ägypten-Kult, Menschen verschwinden, Kunsthändler suchen nach dem Fund ihres Lebens, eine junge Frau aus gutem Hause verursacht einen Skandal, zwei Menschen verlieben sich ineinander, die miteinander zu tun zu haben scheinen, aber vielfach ist nicht erkenntlich, was. Es werden immer neue Erzählfäden aufgegriffen und Geschehnisse aneinander gereiht, aber für mich entsteht kein spannender Erzählsog, wie bei einem Krimi, der nach Auflösung drängt. Erst im letzten vierten Teil fügen sich die Fäden zusammen und es kommt zu einigen überraschenden Wendungen, die den Leser zum Weiterlesen motiviert. Und zum Ende löst sich alles stimmig auf. Der Roman enthält einige interessante, wenn auch nicht originelle Ansätze, aber gleichzeitig auch zu viele, um von Anfang an eine Krimiatmosphäre aufzubauen. Bei der Vielzahl an Krimis fällt es schwer, hier einen ultimativen Pageturner zu sehen.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

3 Frauen in Paris

Zweite Chancen à la carte
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In Paris treffen sich die Wege der Künstlerin Gabi in der Schaffenskrise und der verlassenen Ehefrau Kate in der Lebenskrise, beide aus Australien, in der Kochschule von Sylvie, in der Unternehmenskrise. ...

In Paris treffen sich die Wege der Künstlerin Gabi in der Schaffenskrise und der verlassenen Ehefrau Kate in der Lebenskrise, beide aus Australien, in der Kochschule von Sylvie, in der Unternehmenskrise. Sylvies Unternehmen erhält anonym schlechte Bewertungen auf google und tripadvisor, bekommt Lieferungen, die nicht bestellt, aber bezahlt werden wollen. Und die Gerüchteküche streut in den Medien Hinweise auf mangelnde Hygiene und pekuniäre Schwierigkeiten. Wer will ihrem Lebenswerk auf so perfide Weise schaden?
Alle drei Frauen kämpfen mit ihren inneren oder äußeren Dämonen und sind auf der Suche nach sich selbst. Gut, dass sie schnell willige Tröster finden, aber auch in ihren Mitstreitern in der Kochschule haben sie eine willkommene Ablenkung. Und natürlich hilft auch gutes Essen über vieles hinweg.
Was mir an dem Roman gut gefallen hat, war die unvergleichliche Stimmung von Paris, die dem Leser hier sehr lebendig vor Augen geführt wird. Auch die Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren macht das Buch unterhaltsam. Einige der Handlungsstränge sind sehr fein und behutsam angelegt, aber andere auch sehr klischeehaft und überdramatisiert. Da wird es dann doch bisweilen ein wenig zu zuckersüß, wie das Cover schon suggriert.

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