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Veröffentlicht am 21.08.2025

Die diamantene Spinne

Frag Philomena Freud
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Das Waisenmädchen Philomena lebt auf der Straße und schlägt sich mit Schuhputzen durch. Jeden Tag findet man sie vor der Praxis des Psychiaters Sigmund Freud, um den Großkopferten die Schuhe zu pflegen. ...

Das Waisenmädchen Philomena lebt auf der Straße und schlägt sich mit Schuhputzen durch. Jeden Tag findet man sie vor der Praxis des Psychiaters Sigmund Freud, um den Großkopferten die Schuhe zu pflegen. Dabei erteilt sie manchmal auch den ein oder anderen praktischen Rat. Ihr Rufname "Philomena Freud" kommt daher nicht von ungefähr. Als eines Tages Sidonie von Wallersee verdächtig wird, die Gräfin und zugleich ihre Erbtante mit einer Haarnadel, auf der eine diamantene Spinne thront, ermordet zu haben, wird Philomena hellhörig. Schließlich ist Sidonie bei Sigmund Freud in Behandlung, um ihre Albträume sowie ihre extreme Spinnenphobie in den Griff zu bekommen...

Philomena Freud hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und das trotz eines kleinen Hakens: Ich habe schon ziemlich früh durchschaut, wer, warum und wie hinter allem steckt. Die Handlung war für mich daher vorhersehbar, doch der Showdown war trotzdem packend und hat mich bis zur letzten Seite gefesselt.

Der historische Jugendroman lebt vor allem von seinen einprägsamen Figuren. Sie sind durchweg liebevoll und detailliert gezeichnet, auch wenn man natürlich nicht alle gut leiden kann - es gibt auch Figuren für die Antipathie ;). Besonders Philomena habe ich aber sofort ins Herz geschlossen. Sie ist frech, gewitzt und mit einem Herz aus Gold ausgestattet. Sie trägt die Geschichte mit so viel Witz und Eigenwilligkeit, dass man einfach weiterlesen muss. Aber auch die anderen Straßenkinder, ihr Hund Kaiser Franz, ihr Bruder und die Angestellten der Gräfin bringen herzallerliebste Momente mit sich.

Der Schreibstil ist flüssig, jedoch musste ich mich an den Wiener Dialekt erst einmal gewöhnen, aber als ich drin war, hat er dem Ganzen einen ganz eigenen Charme verliehen. Zudem gibt es für Jugendliche im Anhang ein Glossar, um eine Übersetzung für das ein oder andere Wort nachschlagen zu können.

Das historische Setting wirkte unglaublich authentisch; die damaligen Verhältnisse wurden so lebendig beschrieben, dass ich beim Lesen regelrecht in diese Zeit eintauchen konnte.

Fazit: Der Roman ließ sich in einem Rutsch weglesen und ich hoffe sehr, dass es noch weitere Abenteuer mit Philomena geben wird, denn ich ich wäre auf jeden Fall wieder dabei!

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Sommerferien-Vibes

Goldcrest Manor - Velvet Meadows
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Als Kenzie nach Absolvieren ihres Bachlorstudiums in BWL zurück auf den familiären Pferdehof "Goldcrest" kehrt, trifft sie auf einige Veränderungen und Probleme. Der Hof hat finanzielle Probleme, ihre ...

Als Kenzie nach Absolvieren ihres Bachlorstudiums in BWL zurück auf den familiären Pferdehof "Goldcrest" kehrt, trifft sie auf einige Veränderungen und Probleme. Der Hof hat finanzielle Probleme, ihre Schwester birgt ein Geheimnis und ihre Mutter ist überbehütend, weil Kenzie an Epilepsie leidet. Und wenn das nicht schon reichen würde, taucht auch noch ihr ehemals bester Freund Julian auf, der ihr vor Jahren unerwartet die Freundschaft gekündigt hat, nachdem sie sich gerade zum ersten Mal geküsst hatten...

"Goldcrest Manor" hat mich von der ersten Seite an in eine Welt entführt, die irgendwie nach Sommerferien roch: warme Abende, leichte Brisen und dieses wohlige Gefühl, Zeit zu haben. Das Buch strahlt einen Sommer-Vibe aus, den ich absolut geliebt habe – auch wenn mein persönlicher Bezug zu Pferdesport und Eliten nach wie vor eher skeptisch ist.

Yvy Kazis Erzählweise hat etwas Gemütliches: Selbst wenn eigentlich nicht viel passiert oder vieles vorhersehbar ist, fühlte ich mich beim Lesen geborgen. Die Geschichte plätscherte eher dahin, ohne starken Spannungsbogen, und trotzdem wirkte sie wie aus einem Guss. Es gab keine atemlosen Höhepunkte, aber einen konstanten Flow, der mich durch die Seiten getragen hat.

Thematisch kreiste die Handlung stark um Geld und zwar in einer Welt, in der alle Figuren reich sind und kaum existenzielle Sorgen kennen. Das machte die Geschichte bzw. deren Figuren für mich manchmal etwas weltfremd. Auch so manch unrealistische Wendung hätte ich mir anders gewünscht, aber glüchklicherweise konnte ich großzügig darüber hinwegsehen.

Kenzie und Julian hätten für mich als Figuren noch mehr Tiefe vertragen. Ich hätte es geliebt, wenn sie sich nach all den Jahren erstmal wirklich wieder angenähert hätten, bevor es körperlich wurde. Auch Kenzies fehlende Offenheit gegenüber ihrer Familie fand ich schade, weil das Potenzial für eine starke, selbstbestimmte Protagonistin da war, aber nicht ganz genutzt wurde. Zudem wirkte die schnelle Verlobung am Ende für mich etwas überholt und zu abrupt.

Besonders spannend fand ich den Aspekt von Kenzies Epilepsie. Leider blieb dieses Thema für meinen Geschmack zu oberflächlich – hier hätte ich mir mehr Tiefe und Einblicke in ihre Erfahrungen gewünscht.

Fazit: Am Ende ist "Goldcrest Manor" kein Roman, der mit dramaturgischen Finessen oder tiefgründigen Konflikten überrascht. Aber er ist einer, der für ein paar Stunden Leichtigkeit sorgt. Wenn man den Kopf ausschaltet, kann man sich wunderbar darin verlieren – und manchmal ist es genau das, was man braucht.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Meisterdieb mit Amnesie

Aristide Ledoux – Meisterdieb wider Willen
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Inhalt: Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts: Im Schutz der Dunkelheit wird aus dem Waisenjungen Aristide Ledoux ein Meisterdieb. Kein Tresor ist vor ihm sicher, kein Polizist findig genug, um ihn aufzuhalten. ...

Inhalt: Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts: Im Schutz der Dunkelheit wird aus dem Waisenjungen Aristide Ledoux ein Meisterdieb. Kein Tresor ist vor ihm sicher, kein Polizist findig genug, um ihn aufzuhalten. Seine Aufträge bekommt Aristide von einer geheimnisvollen Person – doch als er in dieser Nacht eine Nachricht erhält und in eine Kutsche steigt, gerät er in eine Falle. Aristide sitzt in der Kutsche fest, die Unbekannte in die Seine werfen. Aber er hat Glück und wird vom Taschendieb Julien und dessen Freundin aus gutem Haus, Leontine, gerettet. Doch Aristide hat sein Gedächtnis verloren und weiß nicht mehr, dass er der berüchtigtste Meisterdieb von Paris ist, dem jemand nach dem Leben trachtet.

Aristide Ledoux hat mir wirklich sehr gut gefallen. Der Mix aus Geschichte und Graphic Novel ist modern und lässt nur so über die Seiten fliegen. Die Illustrationen sind so unfassbar detailliert und lassen die Handlung wie im Kino vor Augen abspielen. Inhaltlich erinnerte mich das Kinderbuch an Arsene Lupin, was mir sehr gut gefiel. Vor allem die Figuren der 3 Kinder (Asteride, Leontine und Julien) sind mit angenehmer Tiefe ausgestattet und wuchsen mir direkt ans Herz. Auch, wenn ich inhaltlich nicht immer alle Vorgehensweisen nachvollziehen konnte, hoffe ich auf weitere Abenteuer und kann die Reihe für die Zielgruppe nur wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Schwarzes Schaf

Preston Brothers, Band 2 - Losing Logan
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"Losing Logan" ist der zweite Teil der Preston-Brothers Trilogie von Jay McLean. Logan Preston ist der mittlere Bruder und fällt bisher durch sein Bady Boy-Verhalten auf und hat an jedem Finger in Mädchen. ...

"Losing Logan" ist der zweite Teil der Preston-Brothers Trilogie von Jay McLean. Logan Preston ist der mittlere Bruder und fällt bisher durch sein Bady Boy-Verhalten auf und hat an jedem Finger in Mädchen. Die Papeterie-Besitzern Aubrey lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und so haben die beiden zunächst nur Beschimpfungen füreinander übrig. Als Logan ihr jedoch in kurzen Momenten sein wahres Ich zeigt, kommen sich die beiden näher und es entsteht eine Liebesbeziehung mit extremen Hochs und Tiefs.

"Losing Logan" hat mich ehrlich gesagt mit gemischten Gefühlen zurückgelassen – und genau das macht es für mich auch besonders. Ich war anfangs extrem skeptisch, ob ich mit Logan warm werden kann. Schon in Band 1 war er für mich einfach nur der nervige Bruder von Lucas. Denn mit seinen ständigen Drogeneskapaden, seinem verantwortungslosen und egoistischen Verhalten war er eigentlich genau der Typ Charakter, der mich eher abschreckt als begeistert.

Umso überraschter war ich, dass ich im Laufe des Buches doch immer wieder Momente gefunden habe, in denen Logan mich berührt hat. Seine süßen, verletzlichen Seiten, die er vor allem Aubrey gegenüber zeigte, haben mich manches Mal dahinschmelzen lassen. Die beiden haben zusammen wirklich schöne, intime Szenen – aber gleichzeitig gab es auch so viel Drama, das mir stellenweise zu übertrieben war. Die Konflikte kochten mir oft zu schnell zu hoch, die Emotionen schossen in Extreme, die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Erst ganz am Ende wird aufgelöst, warum Logan so ist, wie er ist – warum er sich betäubt, warum er flieht. Hätte ich das eher gewusst, hätte ich manches sicher anders gelesen und weniger die Augen verdreht.

So sehr ich mir zwischendurch mehr Tiefe gewünscht hätte, so sehr hat mich Jay MacLeans Schreibstil trotzdem gefesselt. Ihre Worte ziehen einen einfach weiter, Seite um Seite, egal wie widersprüchlich und problematisch die Figuren in meinen Augen handeln. Trotz mancher Längen und wiederkehrender Streitereien wollte ich stets wissen, wie es ausgeht.

Die emotionale Wucht am Ende hat vieles wieder gutgemacht. Manche Szenen haben mich wirklich berührt und mitgenommen. Besonders ins Herz geschlossen habe ich Lochlane, den jüngsten Preston-Bruder, der so viel Wärme und Leichtigkeit in die Geschichte bringt. Seine Szenen waren für mich kleine Highlights.

Insgesamt bin ich inhaltlich zwiegespalten – es gab einiges, das ich hinterfragt habe, aber am Ende überwiegt dieses Gefühl, dass ich doch unbedingt weiterlesen möchte. Band 3 kann kommen!

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Melancholisch-dramatischer Sommer in Cape Cod

Variation – Für immer oder nie
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Um von einer schweren Verletzung zu regenerieren, verschwindet Balletttänzerin Allie von New York in das Sommerhaus ihrer Familie in Cape Cod. Doch statt Ruhe trifft sie auf Chaos und ihren ehemals besten ...

Um von einer schweren Verletzung zu regenerieren, verschwindet Balletttänzerin Allie von New York in das Sommerhaus ihrer Familie in Cape Cod. Doch statt Ruhe trifft sie auf Chaos und ihren ehemals besten Freund Hudson, der sie vor 10 Jahren im Stich ließ. Doch schnell kommt neben Wut und Verletztheit auch die alte Anziehung wieder zutage und Allie steht vor der Frage, was sie sich im Leben eigentlich wünscht.

Rebecca Yarros hat einfach einen ganz besonderen Schreibstil, der mich auch mit Variation sofort wieder mitten ins Geschehen gezogen hat. Ihr dichtes, atmosphärisches Erzählen und die feine Melancholie, die über der Handlung liegt, haben mich von Beginn an gepackt. Die Küstenkulisse von Cape Cod, die Themen Ballett und Rettungsschwimmer - all das sind Themen, die mich ansprechen und gaben dem Roman eine besondere Stimmung, die ich sehr genossen habe.

Die Handlung selbst war für mich stellenweise etwas vorhersehbar, denn einige Geheimnisse konnte man recht früh erahnen, auch wenn die Autorin glücklicherweise nicht endlos mit den Auflösungen wartete. Dennoch blieben ein paar offene Fragen und überraschende Wendungen, die mich neugierig gehalten haben und zum Ende hin zufriedenstellend aufgelöst wurden.

Die Figuren haben mich größtenteils überzeugt. Die männliche Hauptfigur Hudson habe ich direkt ins Herz geschlossen: ein guter Kerl mit einem weichen Herzen, auf den seine Familie sich verlassen kann. Bei der Protagonistin Allie brauchte ich hingegen etwas länger, um warm zu werden. Ihre kühle Fassade fiel erst nach und nach und sie schien mir mit ihren Zweifeln teilweise etwas zu sprunghaft und nervte mich daher etwas. Am schönsten fand ich allerdings die Entwicklung ihrer Beziehung zu Hudson: Sie waren zusammen wirklich süß, sobald Allie es schaffte, sich mal fallen zu lassen. Die zu Beginn entstandene Fake-Dating-Idee zwischen Allie und Hudson konnte mich hingegen nicht ganz überzeugen. Für mich wirkte sie nicht immer schlüssig, da eine normale Freundschaftsgeschichte meiner Meinung nach genauso gut funktioniert hätte. Zum Glück blieb es nicht beim typischen Klischee, weil Hudson von Anfang an ehrlich war und keine Lügen zuließ - so wirkte die Konstellation glaubwürdiger und passte besser zur eher ernsten Grundstimmung der Geschichte.

Hudsons Nichte Juniper war für mich der eigentliche Mittelpunkt des Romans. Mit ihrer fröhlichen Art, ihrer Tapferkeit und ihrem Humor hat sie der Geschichte Leichtigkeit verliehen. Ohne sie wäre die Handlung deutlich eintöniger gewesen. Einige Nebenfiguren, gerade aus dem Ballettzirkel, blieben für mich dagegen zu blass. Das fand ich schade, da sie letztlich doch eine größere Rolle spielten.

Insgesamt hat mir Variation gut gefallen, auch wenn ich finde, dass die über 500 Seiten etwas gestrafft hätten werden können. Die Grundhandlung ist eigentlich schlicht, aber die Atmosphäre, die Themen und vor allem Rebecca Yarros’ Schreibstil machen den Roman zu einem echten Pageturner. Ihre Fantasy-Romane beeindrucken mich inhaltlich noch mehr, aber auch hier zeigt sie, wie stark sie Emotionen transportieren kann.

Fazit: Für Fans von gefühlvollen Liebesromanen mit etwas Drama, einem Schuss Melancholie und liebenswerten Figuren ist Variation auf jeden Fall eine Empfehlung, auch wenn die ganz große Tiefe eines Cecilia-Ahern-Romans für mich nicht erreicht wurde.

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