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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein Meta-"Der Fänger im Roggen"-Roman

Was aus uns wird
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David Gilbert beschäftigt sich in seinem ausschweifenden Roman mit der Beziehung zischen Vätern und Söhnen, abenso wie mit dem Literaturbetrieb als auch einer Upper Class Jugend in New York.

Die Grundidee ...

David Gilbert beschäftigt sich in seinem ausschweifenden Roman mit der Beziehung zischen Vätern und Söhnen, abenso wie mit dem Literaturbetrieb als auch einer Upper Class Jugend in New York.

Die Grundidee des Romans ist recht interessant, offenbart sich aber erst in der zweiten Häfte des Buches. Man kommt beim lesen zwar zügig vorwärts aufgrund eines angenehmen Erzählstils, trotzdem ziehen sich die 640 Seiten des Buches massiv. Gilbert erzählt viele unwichtige Passagen bis ins letzte Detail aus, was häufig die Frage aufkommen lässt, was der Autor den Lesern damit vermitteln will. Dies bleibt häufig verschlossen. Eine Begründung könnte in den vielschichtigen Metaebenen des Romans liegen. So wird nicht nur über die Entstehung eines Buches in der Handlung eines Buches erzählt, sondern werden auch viele Parallelen zur englischsprachigen, genauer amerikanischen und en detail Noew Yorker Literaturwelt gezogen, die die Deutsche Leserin nicht immer durchschauen kann. Der Autor spiel weiterhin mit der Wiederholung von interpersonellen Gefügen über verschiedenen Väter-Söhne-Generationen hinweg. Und zuletzt ist das orientierungslose Wandeln eines Oberschichtjugendlichen durch die Stadt New York und durch seine Coming-Of-Age-Geschichte ein Grunpfeiler des Buches. J. D. Salingers "Der Fänger im Roggen" wird dabei nicht nur namentlich im Buch genannt, sondern kommt hier auch die Parallele zu den Hauptprotagonisten des Buches "A. N. Dyer" und dessen Schullektüre-Welterfolg "Ampersand" durch. Generell gehen viele Seiten dieses Buches für "name dropping" der Kulturszene Amerikas verloren. "Verloren", weil diese Passagen der Geschichte des Buches nicht zuträglich sind und ermüden.

Letztendlich ließ sich das Buch zwar gut runterlesen, hätte aber mindestens auf die Hälfte und damit 300 Seite gestrafft werden müssen. Ich empfand es als ein "2,5"-Punkte Buch, entscheide mich jedoch nur für die 3 Punkte, da ich die Frage, ob ich es jemandem als Lektüre empfehlen würde, eindeutig mit Nein beantworten würde.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Bis zur Hälfte gut, danach eher vernachlässigbar.

Das Universum der Dinge
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In diesem Buch habe ich offengestanden eher eine Sammlung von Essays zum Thema "Universum der Dinge" und der "Ästhetik des Alltäglichen" erwartet. Liessmann schreibt jedoch ein durchgängig philsophisches ...

In diesem Buch habe ich offengestanden eher eine Sammlung von Essays zum Thema "Universum der Dinge" und der "Ästhetik des Alltäglichen" erwartet. Liessmann schreibt jedoch ein durchgängig philsophisches Werk über alltägliche und auch weniger alltägliche Dinge. So setzt er sich zunächst mit der Herkunft unserer in der Überflussgesellschaft existierenden Dinge auseinander. Die Verbindung, die im Industriezeitalter zwischen Herstellung, Produkt und Besitzer immer weiter auseinander gewandert ist, wird - wie im Klappentext beschrieben - recht interessant aufgearbeitet. Auch die Betrachtung bzw. Unterscheidung von Kunst und Kitsch bleibt noch interessant in der Lektüre. Mit zunehmenden Abklappern verschiedener Themenbereiche wurde mit das Buch jedoch nach den ersten 80 bis 100 Seiten zunehmend uninteressant. Hier fehlte mir dann der genannte essayistische Touch, die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit den Dingen des Alltags.

Insgesamt mal eine nette Lektüre aus dem Bereich "Philosophie des Alltäglichen", jedoch auch nicht zwingend der Rede wert.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Nettes Büchlein, konnte mich jedoch nicht berühren. 2,5 Sterne.

Als hätten sie Land betreten
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Gleich vorweg: Wem "Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff bezüglich Form und Sprache gut gefallen hat, wird mit diesem Büchlein glücklich werden. Aber dazu später mehr.

Claudia Sammer versammelt in diesem ...

Gleich vorweg: Wem "Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff bezüglich Form und Sprache gut gefallen hat, wird mit diesem Büchlein glücklich werden. Aber dazu später mehr.

Claudia Sammer versammelt in diesem Roman sehr viele (meines Erachtens zu viele) Lebensgeschichten verschiedener Frauen aus mehreren Generationen von Oma bis Enkelin. Dass die Handlung in den 1930er/40er Jahren durch die Herrschaft des Nationalsozialismus den dramatischen Drall bekommt, ist tatsächlich für die eigentliche Geschichte zweitrangig. Es geht um Freundschaft und Liebe, sowie verschiedene Lebensentwürfe der Frauenfiguren.

Besonders die ersten Kapitel des Buches machten es mir - durch zu gewollt poetische Formulierungen in der Sprache der Autorin - schwer, im Buch anzukommen. Die Geschichten der Frauen (und auch Männer) konnten nicht so richtig mein Interesse wecken. Zu schnell sprang der Plot zur nächsten Person. Mitunter fragte ich mich, warum jetzt die nächste Vita runtergerasselt wird, wo es doch so viel Interessantes zu schon bekannten Figuren zu vertiefen gegeben hätte. Die Sprache wirkte wirklich zu ausufernd, mitunter schwafelnd. Obwohl das Büchlein so dünn ist und der Plot sowie die Figuren durchaus mehr psychologische Tiefe verdient hätten, wirkten manche Passagen aufgrund der Sprache auf mich sogar langatmig. Leider konnte ich, trotz interessanter Themengebiete, die im Roman angeschnitten werden, nicht berührt werden. Sowohl der Inhalt als auch die Figuren bleiben eine ferne Beobachtung, skizzenhaft. Verluste wirken nicht schlimm, da man nie wirklich nah dran war. Schade.

Hervorheben möchte ich, dass mir die gesamte Buchgestaltung wirklich sehr gefällt und es weiterhin eine Freude ist, das Buch in den Händen zu halten. Und ein Pluspunkt des Buches: Im Nachhinein habe ich beim erneuten Lesen des rück- und innenseitigen Klappentextes festgestellt, dass ich selten einen so präzisen gelesen habe. Auf der Rückseite des Buches wird tatsächlich der gesamte Plot in wenigen Sätzen zusammengefasst und innen kann man einen guten Eindruck der poetischen Sprache des Romans bekommen.

Schlussendlich, da mich Sprache und Form sehr an "Die Unschärfe der Welt" erinnern, gefällt mir persönlich zwar der Roman nicht besonders gut, ist aber trotzdem für Leser:innen, denen das oben genannte Buch gefallen hat, empfehlenswert. Mit viel gutem Willen werden es die 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Mäßiger Einstieg. Zweite Hälfte okay. 2,5 Sterne.

Offene See
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Meine Erwartungen an dieses Buch waren nach der Auszeichnung als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 ehrlich gesagt sehr hoch. So viel vorab: Sie konnten nicht erfüllt werden. Auf der Shortlist befanden ...

Meine Erwartungen an dieses Buch waren nach der Auszeichnung als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 ehrlich gesagt sehr hoch. So viel vorab: Sie konnten nicht erfüllt werden. Auf der Shortlist befanden sich meines Erachtens interessantere Bücher als dieses.

Myers beschreibt in seinem Roman die Wanderschaft eines Jugendlichen Robert kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von Nord- nach Südengland, wobei er auf Dulcie und deren Schäferhund, sowie ein unerwartetes literarisches Vermächtnis stößt.

Besonders die erste Hälfte des Roman konnte mich nicht einfangen. Diese besteht hauptsächlich aus kitschigen Landschaftsbeschreibungen, bei denen gefühlt jedes Substantiv ein bis zwei bedeutungsschwangere Adjektive vorangestellt bekommen hat. Die Beobachtungen wirken schwülstig und zu diesem zeitpunkt für einen Jugendlichen aus dem Bergarbeiter-Arbeiter-Milieu mitunter zu hochtrabend. Die Sprache wird dann ein wenig zurückhaltender, wenn der Ich-Erzähler auf die raue Dulcie und deren Schäferhund trifft. Leider wirft diese Figur gerade zum Ende hin mit unzähligen Plattitüden und Lebensweisheiten um sich. ... Naja und das Ende ist mit sowieso zu rundgelutscht, zu perfekt, zu happy. Probleme sind in diesem Roman dafür da, einfach mal eben im Vorbeigehen gelöst zu werden. Und das Ganze noch mit einer guten Portion Sozialromantik.

Insgesamt kann ich konstatieren, dass das Buch nicht schlecht geschrieben ist, mich aber auch kaum bewegen konnte. Sympathien entstehen noch am meisten für den Schäferhund Butler. Schade, hier hätte ich mir mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Weder „warmherzig“ noch „schonungslos“

We Burn Daylight
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Auf dem Cover von Bret Anthony Johnstons zweitem Roman „We Burn Daylight“ ist ein Zitat des Lobes vom The Boston Globe abgedruckt, welches in seiner Kürze sagt: „So warmherzig wie schonungslos“. Leider ...

Auf dem Cover von Bret Anthony Johnstons zweitem Roman „We Burn Daylight“ ist ein Zitat des Lobes vom The Boston Globe abgedruckt, welches in seiner Kürze sagt: „So warmherzig wie schonungslos“. Leider kann ich in diesem Roman beides nicht oder nur minimal angedeutet erkennen. Um noch weiter zu gehen: Der Roman, der seinen Plot an die realen Ereignisse eines missglückten Behördeneinsatzes gegenüber einer dubiosen, christlichen Sekte in Texas in 1993 entlang führt, hat mich wirklich enttäuscht.

Auf Plotebene verfolgen wir als Hauptfiguren zwei Teenager, Roy und Jaye, die beide 14 Jahre alt sind und sich ineinander verlieben. Nur, dass Jaye mit ihrer Mutter innerhalb der Sekte lebt und Roy der Sohn des Sheriffs ist. Somit stehen sie scheinbar auf zwei verschiedenen Seiten dieser Geschichte, was sie, mit der Deutung des Buchtitels „We Burn Daylight“ als Shakespeare-Zitat aus „Romeo und Julia“ die beiden jugendlichen Liebenden zu einem modernen Romeo-und-Julia-Equivalent machen. Tragisch geht nicht nur das Original von Shakespeare aus, sondern tragisch sind auch die Geschehnisse um die mit schweren Waffen ausgestatteten Sekte und eine schief gelaufende Razzia mit anschließender Belagerung des Farmgeländes.

Auf den ersten Blick haben mir sehr viele stilistische Entscheidungen des Autors wirklich gefallen, aber er konnte sie einfach in meinen Augen nicht gut umsetzen. So entscheidet sich Johnston dafür, das fast 500 Seiten starke Buch in vier große Abschnitte und einen Prolog einzuteilen. Die vier Teile des Buches sind nach den vier Pferden der Apokalyptischen Reiter benannt. Das weiße Pferd steht für Jesus, das feuerrote Pferd für den Krieg, das schwarze Pferd für Hunger und das fahle Pferd für den Tod. Die Handlung in diesen vier Teilen, welche sich in einem sehr engen Zeitraum von Januar 1933 bis März 1993 bezogen auf die Ereignisse auf der Farm des Sektenführers abspielen, soll somit unten diesen Vorzeichen der vier Apokalyptischen Reiter stehen. Das passt zu Beginn noch gut, wenn uns Perry Cullen, der sich zukünftig nur noch „Lamb“ (also wie „das Lamm Gottes“) nennt, als selbsternannter Prophet, der seine Schäfchen zu sich ruft, vorgestellt wird. Das passt inhaltlich in die Teilüberschrift, allerdings passt die Figur nicht, aber dazu später mehr. Mitunter stellt er sich Jesus gleich somit passt zu ihm das weiße Pferd. Allerdings schon im zweiten Teil, wenn man den „Krieg“ erwartet, passiert noch gar nicht das, was dort eigentlich reingehören würde: nämlich die gewaltsame Razzia. Und auch die folgenden Überschriften halten – ohne hier ins Detail zu gehen – nicht, was sie versprechen. Mit kleinen Verschiebungen innerhalb der Ploteinteilung zu den Teilüberschriften hätte diese strukturelle Idee meines Erachtens wirklich sehr gut werden können.

Die nächste sehr gute stilistische Idee des Autors ist neben den wechselnden personalen Kapiteln zwischen Roy und Jaye auch noch Kapitel einzuflechten, die Ausschnitte aus Podcast-Sendungen beinhalten. Dieser Podcast ist dreißig Jahre nach den Ereignissen in Waco, Texas, angesiedelt und beinhaltet Interviews von verschiedenen Beteiligten der damaligen Ereignisse. Diese Möglichkeit der Rückschau auf die fatalen Geschehnisse in 1993 wäre ein perfektes Stilmittel gewesen, um das Geschehene nachträglich einzuordnen. Leider verschießt auch hier Johnston sein Pulver, da die Personen einfach mitunter so schwer auseinanderzuhalten sind, dass man über die 500 Seiten hinweg mitunter den Überblick verliert, wer hier eigentlich wer ist. Auch erscheinen mit die Interviewauszüge mitunter wenig hilfreich, was die Handlung betrifft, wenngleich sie durchaus auch aufzeigen, welche Fehlentscheidungen hier auf Seiten der Regierungsorganisationen getroffen wurden, die zur Verschlimmerung der Situation auf der belagerten Farm beigetragen haben. So muss ich Johnston zugestehen, dass er sowohl auf Seiten der Sektenanhänger als auch auf Seiten der Regierungsorganisationen verschiedene Akzente setzt, was Fehler aber auch positive Aspekte angeht.

Was mich allerdings stilistisch am meisten gestört hat ist, wie die Figuren konstruiert sind und vor allem wie sie miteinander umgehen. Sowohl im Kleinen, wenn sie miteinander kommunizieren als auch im Großen, wenn es um Entscheidungen innerhalb ihrer Beziehung zueinander geht. Vieles ist einfach unplausibel und psychologisch nicht nachvollziehbar. Und leider betrifft dies auch wirklich alle Figuren. Sie sind meines Erachtens wirklich in sich nicht gut entworfen und dargestellt. Allen voran natürlich Lamb selbst, der im Klappentext als „charismatisch“ beschrieben wird. An keiner Stelle des Romans wurde mir klar, warum diese Menschen ihm folgen in seinen wilden Prophezeiungen, außer eine Mörderin auf der Flucht und die portugiesische Familie, die als Illegale in den USA leben. Aber ehrlich, gerade aus Portugal?! Na ja, aber bei denen weiß man wenigstens, dass sie einfach nur in erster Linie pragmatisch einen Unterschlupf brauchten, der scheinbar von den Behörden unbeachtet bleibt.

Von allen stilistischen Fragen abgesehen, muss ich betonen, dass vielleicht dieses Buch besser funktioniert hätte, wenn es dann nicht auch noch 500 Seiten lang gewesen wäre. Ich empfand den Roman so dermaßen zäh, dass ich zwischendurch sogar eine Pause machen musste, weil es sich wie Treibsand anfühlte. Der Autor verwendet viel zu viel Zeit mit Nebensächlichkeiten und schafft es nicht, die Handlung knackig zu gestalten. Wenn dann auch noch keine plausiblen Figuren – ob sie nun Sympathieträger oder nicht wären, aber leider haben die Figuren fest keinerlei Regung bei mir ausgelöst – existieren, die den Roman tragen und die Sprache nur mittelmäßig ausfällt, zeihen sich 500 Seiten wie Gummi. Hier kann ich nur ein Zitat aus dem Buch anbringen:

„Was immer gesendet wurde, ich schaute es mir an. Ich konnte nicht wegsehen. Niemand konnte das. Wir waren alle Geiseln.“ Hier geht es zwar um die fragwürdige Medienberichterstattung über die Belagerung der Sekte, aber es könnte auch eine Beschreibung sein, wie ich mich beim Lesen fühlte: Wie eine unfreiwillige Geisel. Ich musste das Buch lesen, weil es ein Rezensionsexemplar ist, hätte es aber eindeutig abgebrochen, wenn dieser Zwang nicht dagewesen wäre.

Somit kann ich dieses Buch leider nicht weiterempfehlen. Es trägt gute schriftstellerische Ideen in sich, die allerdings nicht gut ausgeführt wurden.

2,5/5 Sterne

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