Platzhalter für Profilbild

Madamebiscuit15

Lesejury Profi
offline

Madamebiscuit15 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Madamebiscuit15 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Atmosphärisch und berührend schön

Das Geschenk des Meeres
0

Es gibt Bücher, die schleichen sich ins Herz und lassen einen selbst unmittelbar teilhaben an der Geschichte. Dieses hier ist so eins. Bereits das wunderschöne Cover zog mich magisch an und passt wirklich ...

Es gibt Bücher, die schleichen sich ins Herz und lassen einen selbst unmittelbar teilhaben an der Geschichte. Dieses hier ist so eins. Bereits das wunderschöne Cover zog mich magisch an und passt wirklich perfekt zur Handlung. Denn Dorothy lebt im Jahr 1900 allein in einem Haus auf den Klippen an der Küste Schottlands. Sie hat auch nach Jahren den Verlust ihres Sohnes nicht verkraftet, als Joseph, ein Fischer des Dorfs einen kleinen Jungen aus den Wellen rettet. Durch das Kind wird das gesamte Dorf mit der Vergangenheit konfrontiert und wir Lesenden erfahren von so einigen Gerüchten, Dorfklatsch und berührenden Schicksalen.
Die abwechselnden Erzählperspektiven der Kapitel schaffen eine Nähe zu Dorothy und den anderen Figuren. Zusätzlich erklären sie häufig das Verhalten der Charaktere.
Gelungen veranschaulicht die Autorin hier wie die gesellschaftliche Ordnung des kleinen Fischerdorfs funktioniert, wo jede Person ihren Platz hat und wie prägend Sozialisation ist. Gerade an der Protagonistin Dorothy veranschaulicht sie, wie tiefgreifend psychische Demütigungen aus der Kindheit sich auf Betroffene auswirken und was für ein großer Schaden dabei entsteht.
Insofern geht es in dieser atmosphärischen Geschichte nicht nur um die Rettung des Jungens, sondern besonders um die Selbstfindung und den Selbstwert von Dorothy und der Nebenfigur Agnes.
Es ist ein Roman der es schafft zart und rau gleichzeitig zu sein. Das winterliche Küsten-Setting, die Dorfgemeinschaft, menschliche Nähe und Kälte, er ist einfach ein gelungenes Gesamtpaket.

Insofern eine große Empfehlung von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.06.2025

Was wäre wenn...?

Im Leben nebenan
0

Überlegt Ihr manchmal, wie Euer Leben verlaufen wäre, wenn Ihr Euch an einem bestimmten Punkt für den anderen Weg entschieden hättet?
Toni tut das nicht. Sie ist glücklich mit Jakob in der gemeinsamen ...

Überlegt Ihr manchmal, wie Euer Leben verlaufen wäre, wenn Ihr Euch an einem bestimmten Punkt für den anderen Weg entschieden hättet?
Toni tut das nicht. Sie ist glücklich mit Jakob in der gemeinsamen Wohnung und ihrem Stadtleben. Fehlt nur noch das gemeinsame Kind, doch das will nicht so recht klappen, was sie nachdenklich stimmt. Aber deshalb malt sie sich noch lange keine andere Lebensrealität für sich aus, bis sie eines morgens in einer erwacht.
Plötzlich ist sie Mutter der neugeborenen Hanna, Ehefrau ihrer Jugendliebe Adam und lebt wieder in ihrem Heimatdorf. Wie das passieren konnte ist ihr selbst ein Rätsel und somit ein gewisses Chaos vorprogrammiert.
Für mich klang es nach einer richtig spannenden und möglicherweise amüsanten Romanidee und ich wurde nicht enttäuscht. Anne Sauer lässt die beiden Lebensrealitäten von Toni mit Jakob und Antonia mit Adam abwechselnd laufen und nimmt uns Lesende somit immer tiefer mit in beide Welten hinein.
Dabei erzählt sie sympathisch und nahbar von beiden Frauen und deren Gedanken und bringt so aktuelle Themen und Herausforderungen von Frauen in der Handlung unter. Durch Antonia veranschaulicht sie treffend, was es heißt Mutter zu werden. Es geht um die völlige Überforderung innerhalb der ersten Wochen mit einem neuen, kleinen Menschen im Leben. Diese vorher nicht vorstellbare Abhängigkeit, Selbstzweifel, Angst und individuelle Selbstaufgabe, die frau bereit ist für dieses Wesen einzugehen, beschreibt sie gelungen.
„Was braucht es, um ein Kind zu pflegen, es nicht kaputtgehen zu lassen? Wieviel kann sie falsch machen, jetzt schon?“ S. 138
Gleichzeitig schafft sie es durch Toni der inneren Zerrissenheit bezüglich des Kinderwunsches oder auch das Nichtvorhandensein des selbigen, Raum zu geben. Gefolgt von den Konsequenzen für die eigene Beziehung und der Reaktion des Umfelds, das Kinderwunsch immer noch zu häufig als selbstverständlich voraussetzt.
Mich hat der Roman positiv mit seinem Tiefgang überrascht und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Die Autorin schreibt locker und leichtfüßig und gleichzeitig empathisch.
Insofern gibt es eine klare Leseempfehlung, an alle, die besagte Themen ansprechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2025

Schmerzhaft zu lesen und so bewegend

Shuggie Bain
0

Es gibt Bücher, die werden für immer bleiben, weil sie uns so tief treffen, dass wir sie nicht vergessen können. So eines ist „Shuggie Bain“ für mich.
Inhaltlich nur kurz, da es bereits 2023 erschienen ...

Es gibt Bücher, die werden für immer bleiben, weil sie uns so tief treffen, dass wir sie nicht vergessen können. So eines ist „Shuggie Bain“ für mich.
Inhaltlich nur kurz, da es bereits 2023 erschienen und somit bekannt sein dürfte. Es spielt Ende der 1980ger /Anfang der 1990ger in Glasgow und geht vor allem um Shuggie und seine Mutter Agnes. Sie leben, anfänglich noch mit Shuggies Geschwistern, in einer Arbeitersiedlung am Rande des Existenzminimums und Agnes ist alkoholabhängig. Wie werden der Alltag und das Leben für ein Kind mit diesen Voraussetzungen aussehen?
Dieses Buch beschönigt nichts und beschreibt die furchtbare Ausweglosigkeit dieser Familie so authentisch, dass es beim Lesen nur schwer auszuhalten ist. Immer wieder habe ich es auf die Seite gelegt und eine Pause gebraucht, zu deprimierend und hilflos habe ich mich beim Lesen gefühlt.
Douglas Stuart schreibt großartig. Ihm gelingt es in den kleinsten Sätzen so viel Aussagekraft zu packen, dass jede Situation glasklar vor meinem inneren Auge steht. Die schrecklichen ebenso wie die zarten, emotionalen und liebevollen. Denn auch diese Szenen gibt es. Die Liebe, die Shuggie für seine Mutter fühlt geht unter die Haut, ebenso wie Agnes Versuche immer wieder das Richtige für ihre Kinder zu tun.
Diese Geschichte veranschaulicht so unfassbar gut die prekäre Situation, der die betroffenen Personen ausgesetzt sind und wie chancenlos es quasi ist, dort wieder einen Weg heraus zu finden.
Für mich bewegendes und erschütterndes Highlight. Für alle, die sich dem gewachsen fühlen, eine absolute Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2025

Moralische Achterbahnfahrt und große Leseempfehlung

Trophäe
0

Wann hat Euch ein Buch das letzte Mal so richtig moralisch an Eure Grenzen gebracht? Euren Wertekompass in frage gestellt? Mir ging es vor kurzem so mit „Trophäe“.
Worum geht es: Hunter reist nach Afrika ...

Wann hat Euch ein Buch das letzte Mal so richtig moralisch an Eure Grenzen gebracht? Euren Wertekompass in frage gestellt? Mir ging es vor kurzem so mit „Trophäe“.
Worum geht es: Hunter reist nach Afrika um mit dem Abschuss eines Nashorns endlich seine Big Five vollzumachen. Leider misslingt die Jagd und er ist völlig frustriert, bis sein Freund ihm die Möglichkeit anbietet auf die Big Six auszuweichen.
Was dieses Buch so faszinierend und lesenswert macht, ist die Radikalität der Handlung und das eigene Gedankenkarusell, das nicht mehr aufhört sich zu drehen. Die Autorin wirft Fragen auf, die mich kalt erwischen. Gibt es Gründe, die eine Großwildjagd rechtfertigen? Inwieweit steht das Gemeinwohl über dem Leben eines einzelnen? Wo liegen ethische Grenzen bei unterschiedlichen Kulturen?
Darüber hinaus brachte mir Gaea Schoeters die afrikanische Stammeskultur nahe, zeigte Zusammenhänge zwischen Natur und Menschen auf, die absolut lehrreich und spannend für mich waren. Ihr Schreibstil ist dabei sachlich, ohne Ausschweifungen und zugleich doch absolut packend. Gerade die Figur Hunter war für mich so pointiert beschrieben, dass er für mich die personifizierte Verkörperung eines Raubtieres auf Beutefang darstellte.
„… was Töten bedeutet: die Macht haben, etwas, das in Bewegung ist, genau in demMoment, in dem man das will, ein für alle Mal zum Stillstand zu bringen.“ S. 160
Für mich ein Highlight und eine große Leseempfehlung an alle, die es noch nicht kennen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2025

Berührend, authentisch und lesenswert

Zehn Bilder einer Liebe
0

Manchmal beginnt man ein Buch zu lesen und merkt ganz schnell, wie fast jeder Satz in einem nachhallt. Wie die Gedanken und Aussagen der Figuren ein Sich-Wiedererkennen in einem selbst bewirken und dann ...

Manchmal beginnt man ein Buch zu lesen und merkt ganz schnell, wie fast jeder Satz in einem nachhallt. Wie die Gedanken und Aussagen der Figuren ein Sich-Wiedererkennen in einem selbst bewirken und dann weiß man „das hier wird richtig gut“. So ging es mir mit diesem Buch.
Die Geschichte von Luisa und David ist frei von Pathos und Glitzer, es ist eine unprätentiöse und unheimlich ehrliche Liebesgeschichte. Und genau daraus resultiert ihre besondere Kraft. Hannes Köhler erzählt dabei zehn Episoden aus ihrer gemeinsamen Zeit und lässt immer beide Charaktere zu Wort kommen. So sind wir bei ihrem ersten Kennenlernen auf Milos dabei, oder auch als David einen schweren Schicksalsschlag verkraften muss. Wir lernen sie in ihren glücklichen Momenten kennen und sind ihnen auch bei ihren Zweifeln und Diskussionen ganz nah. Gerade durch den Perspektivwechsel konnte ich beide Personen gleichermaßen verstehen und sehr gut mit ihnen fühlen.
Einen besonderen Schwerpunkt des Romans stellt dabei das Thema Kinderwunsch und Vaterschaft gerade aus Davids Position dar. Luisa bringt in die gemeinsame Beziehung ihre Tochter Ronya mit und David wächst ganz wunderbar in seine neue Rolle als Bonuspapa hinein. Dabei zeigt der Autor hier besonders einfühlsam auf, wie emotional herausfordernd diese Situation für den nicht leiblichen Elternteil sein kann und welches Gefühlschaos es immer wieder auslöst. Auch der Wunsch nach einem weiteren, gemeinsamen Kind ist berührend und klug geschrieben. Ob er sich am Ende erfüllt, verrate ich an dieser Stelle allerdings nicht, denn dafür wünsche ich mir viel zu sehr, dass Ihr das Buch selbst lest. Denn von mir gibt es einen uneingeschränkte Leseempfehlung.
Für mich war es eine ganz besondere Geschichte, in die ich mich mühelos einfühlen konnte und die mich mit warmen Emotionen zurückließ. Nur zu gerne wäre ich mit diesem Paar befreundet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere