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Veröffentlicht am 20.08.2025

Ein Wohlfühlbuch aus Japan

Die Bibliothek meines Großvaters
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Der Autor Masateri Konishi lebt in Japan und mit "Die Bibliothek meines Großvaters" brachte er seinen ersten Roman heraus. Die Hauptfiguren sind Kaede und ihr dementer Großvater. Sie haben ein gemeinsames ...

Der Autor Masateri Konishi lebt in Japan und mit "Die Bibliothek meines Großvaters" brachte er seinen ersten Roman heraus. Die Hauptfiguren sind Kaede und ihr dementer Großvater. Sie haben ein gemeinsames Hobby: das Lesen. Und trotz seiner kognitiven Beeinträchtigung verfügt der Senior über eine großartige Kombinationsgabe. Er und Kaede lösen gemeinsam Kriminalfälle, deren Ursprung die junge Frau in Form von Zeitungsausschnitten fand.

Der Sprachstil japanischer Autoren unterscheidet sich von jenen aus Europa. Sehr blumig und von einzigartiger Zurückhaltung, so empfinde ich ihn. Die Gespräche zwischen Großvater und Enkelin sind geprägt von Liebe und Verständnis. Gut zu erkennen, dass Herr Konishi eigene Erfahrungen im Umgang mit seinem dementen Vater einfließen ließ.

Ganz besonders ist auch die Aufmachung des Buches. Das schöne Cover sowie ein farbiger Buchschnitt machen es zu einem außergewöhnlichen Werk. Dank der gehobenen Sprache und der sehr guten Übersetzung ist das Buch auch für Leser empfehlenswert, die gute Literatur zu schätzen wissen.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

So grausam können Kinder sein

Gerächt sein sollst du
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Eine Leiche treibt auf dem Wasser und Eevi filmt und fotografiert fleißig. Bis ein recht junger Polizist sie energisch anspricht. Er möchte sie davon abhalten und hat so gar nicht mit ihrer Reaktion gerechnet. ...

Eine Leiche treibt auf dem Wasser und Eevi filmt und fotografiert fleißig. Bis ein recht junger Polizist sie energisch anspricht. Er möchte sie davon abhalten und hat so gar nicht mit ihrer Reaktion gerechnet. Sie fühlt sich nämlich im Recht. Schließlich ist sie Journalistin und arbeitet für eine Zeitschrift vor Ort. Es ist doch wohl normal, dass Menschen wissen möchten, was sich in ihrem Heimatort ereignet. Und ein Toter ist ja wohl nicht ganz uninteressant. Bevor dieser Zwist eskaliert, tritt Mats dazwischen. Er ist ein guter Freund Eevis und die beiden freuen sich über ein Wiedersehen.

Ein junger Mann wurde tot geborgen. Es handelt sich um Jonas Snellmann. Seine Mutter ist fassungslos und kann nicht glauben, dass er ermordet wurde. Auch seine Tante ist davon überzeugt, dass er Suizid beging. Gründe dafür hatte er genug. Er wurde ständig gemobbt und niemand half ihm bei den Ungerechtigkeiten, die er täglich hinnehmen musste. "Gerächt sein sollst du" zeigt sehr gut, was Mobbing in jungen Menschen auslöst.

Sehr lange lässt die Autorin ihre Leser im Ungewissen. Ist es ein Suizid oder handelt es sich doch um Mord? Beides ist möglich und erst kurz vor dem Ende des Buches kommt die Aufklärung. Und die ist absolut nicht vorhersehbar. Spannend, kurzweilig und keine Längen, so sollte jeder gute Kriminalroman geschrieben sein. Dieser erfüllt alle Erwartungen und ich empfehle ihn ohne Einschränkung.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Nur ein von vielen Tragödien; geschehen im 2. Weltkrieg

Die Verlorene
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Lauras Handy klingelt. Sie meldet sich. Ihre Mutter ruft an und Laura versteht nur Bruchstücke. „Gefallen, Epilepsie, bewusstlos und Krankenhaus“. Sie eilt zur Klinik. Denn bei der Patientin handelt es ...

Lauras Handy klingelt. Sie meldet sich. Ihre Mutter ruft an und Laura versteht nur Bruchstücke. „Gefallen, Epilepsie, bewusstlos und Krankenhaus“. Sie eilt zur Klinik. Denn bei der Patientin handelt es sich um ihre Großmutter Änne. Die hatte wohl einen epileptischen Anfall. Ellen, Lauras Mutter wartet im Krankenhaus auf sie. Was zur Bewusstlosigkeit führte, erfahren die Frauen erst nach und nach. Der erste Hinweis zeigt sich, als Laura die Wohnung ihrer Großmutter betritt. Hier findet sie Schriftstücke, mit denen sie zunächst nichts anfangen kann. Um Licht ins Dunkel zu bringen, muss sie den Heimatort Ännes besuchen. Nur dann, so ist sich Laura sicher, wird sie auf die vielen Fragen über ihre Herkunft Antworten finden.

Schlesien war Heimat etlicher slawischer und germanischer Volksgruppen. Hier lebten Menschen zusammen, deren Muttersprache deutsch war. Mit der Machtergreifung Hitlers änderte sich das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gutshöfe wurden geplündert und Bewohner aus ihren Häusern vertrieben. Es gab nur wenige Soldaten, die sich an ihren Auftrag erinnerten und Frauen nicht als willkommenes Objekt der Befriedigung ihrer Lust ansahen.

Die Erzählung wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Im Damals wird das Leben in Schlesien geschildert. Auf dem Gutshof sind Zwangsarbeiter untergebracht und nicht alle fühlen sich hier wohl. Dass es immer mal wieder zu Konflikten zwischen den Menschen kommt, ist wohl normal.

Die Gegenwart ist geprägt von Erinnerungen und der Hoffnung Lauras, dass sie die Geburtsstätte ihrer Großmutter findet. Vielleicht kann sie ebenfalls herausfinden, warum Änne oft so abweisend war. Oder warum sie niemals über ihre Vergangenheit sprach und sogar ihre Tochter darüber im Unklaren ließ.

"Die Verlorene" zeigt, wie die Traumata des Krieges in den künftigen Generationen nachwirken. Nur dann, wenn Kinder und/oder Enkel sich intensiv mit der Historie ihrer Großeltern bzw. Eltern befassen, werden sie erfahren, auf welche Weise sie die Vergangenheit prägt. Dass nicht nur Schlesier aus ihren Häusern vertrieben wurden und nicht wussten, wo sie nach ihrer Flucht leben würden. Dabei waren sie viele Jahre Gutsbesitzer mit Personal auf ihren Anwesen. Niemals hätten sie erwartet, auf welche Weise der Krieg sie ihrer Heimat beraubt.

Das Buch zeugt von umfangreicher Recherche und trotz einiger Längen empfehle ich es ausdrücklich.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Atemlose Spannung bis zum Schluss

Der Trailer
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"Der Trailer" oder Donkerbloem 1, so heißt nicht nur der neueste Thriller von Linus Geschke. Es handelt sich um einen einsamen Campingplatz, der nicht nur Camper beherbergt. Was sich hier regelmäßig abspielt, ...

"Der Trailer" oder Donkerbloem 1, so heißt nicht nur der neueste Thriller von Linus Geschke. Es handelt sich um einen einsamen Campingplatz, der nicht nur Camper beherbergt. Was sich hier regelmäßig abspielt, lässt das Blut in den Adern gefrieren. Die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke wurde aus fadenscheinigen Gründen von ihrem Chef suspendiert. Allerdings nimmt sie an einem Podcast teil, der ungeklärte Kriminalfälle zum Thema hat. Aktuell geht es um den Fall der Studentin Lisa Martin. Die verschwand vor 15 Jahren von einem Campingplatz und das spurlos.

Nachdem nun der Fall nach Jahren erneut an die Öffentlichkeit gelangte, gibt es Spuren, die bisher keine Beachtung fanden. Allerdings häufen sich auch Tötungsdelikte. Zwar ist zunächst nicht erkennbar, dass sie mit Donkerbloem im Zusammenhang stehen, das ändert sich aber rasch. Nachdem Frieda endlich wieder voll arbeiten darf, kniet sie sich in den alten Fall. Zumal es mittlerweile einen Zeugen gibt, der einiges zur Lösung beitragen kann.

Die Bücher von Linus Geschke mag ich sehr. Auch dieses Buch überzeugte durch die abwechslungsreiche Erzählweise. Immer wieder gibt es Momente, dass ich dachte, die Lösung sei zum Greifen nah. Und dann kommt wieder eine unvorhersehbare Wendung. Getoppt wird die Story hier auch durch den Erzähler Richard Barenberg. Seine Art die Stimme den jeweiligen Personen anzupassen, ist gekonnt. Das Hörbuch garantiert spannende und kurzweilige Unterhaltung bis zum Schluss.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Wahrlich ein Highlight im Literaturkosmos

Girls
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Bei der Beisetzung der Mutter war Matilda eine der Trauerrednerinnen und wurde für ihre Worte von den Gästen gelobt. Schwester Nora glänzte mit Abwesenheit. Warum das so war, konnte Matilda nur ahnen. ...

Bei der Beisetzung der Mutter war Matilda eine der Trauerrednerinnen und wurde für ihre Worte von den Gästen gelobt. Schwester Nora glänzte mit Abwesenheit. Warum das so war, konnte Matilda nur ahnen. Beide Mädchen hatten es mit ihrer Mutter nicht leicht. Zudem gab es viele Spekulationen über deren ausschweifenden Lebensstil. Was ist bei solchen Eskapaden schlimmer als die Paparazzi? Nichts.

Girls hat mit ausgesprochen gut gefallen. Der Wechsel zwischen aufgezeichneten Interviews, Blicke in die Vergangenheit und Geschehnisse in der Gegenwart waren nicht ohne aufmerksame Konzentration zu lesen. Das fiel mir aber leicht. Der Schreibstil sowie diese stets anschauliche Sprache ließen mich teilnehmen am Schicksal der Schwestern. Zumal der Roman tiefsinnig ist. Fragen wie, „Warum wollte Nora sich umbringen?“ oder „Warum fällt es beiden so schwer, sich auf einen Partner dauerhaft einzulassen?“ sind nur zwei, die sehr gut beantwortet werden.

Es stellt sich die Frage, in welcher Weise Kinder unter dem Leben ihrer Mütter leiden. Und wie lange dieses Leiden auch noch nach dem Tod der Mutter anhält. Das Schicksal Noras und Matildas berührten mich sehr. Leider gibt es diese Schicksale häufig und nicht alle Kinder finden ihren eigenen Weg in die Zukunft.

Nicht nur der Inhalt des Buches gefiel mir. Das Cover fand ich außergewöhnlich und den Farbschnitt in Grün gehalten, ebenfalls. Der Sternenregen und die Leseempfehlung kommt von Herzen.

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