Profilbild von liesmal

liesmal

Lesejury Star
offline

liesmal ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit liesmal über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Macht Lust, es einfach mal auszuprobieren

MARCO POLO Unterwegs mit dem Deutschlandticket
0

„Die tollsten Routen…“, „Rund 500 aufregende Reiseziele…“, „Alles erreichbar und günstig…“, „So macht Reisen Spaß“ – Das alles verspricht das Buch „Unterwegs mit dem Deutschland-Ticket“.
Ich habe festgestellt, ...

„Die tollsten Routen…“, „Rund 500 aufregende Reiseziele…“, „Alles erreichbar und günstig…“, „So macht Reisen Spaß“ – Das alles verspricht das Buch „Unterwegs mit dem Deutschland-Ticket“.
Ich habe festgestellt, dass das Buch bereits Spaß macht, wenn ich noch gar kein Deutschland-Ticket habe. Interessant sind schon die Infos auf den Innen-Umschlagseiten. Hier erfahre ich, dass ich „Einmal Deutschland von Nord nach Süd“ mit den wenigsten Umstiegen in 15 Stunden und 22 Minuten durchqueren kann. Für „Einmal Deutschland von Ost nach West“ brauche ich mit den wenigsten Umstiegen 13 Stunden und 42 Minuten.
Farblich unterscheiden sich die Vorschläge für Ausflugsfahrten danach, ob ich im Norden, in der Mitte oder im Süden Deutschlands unterwegs sein will.
Im Gegensatz zu meiner Enkelin, die sich ihre Route für die Ferienzeit vorher im Marco-Polo-Buch ausgesucht und sich dann mit Freunden einfach auf den Weg gemacht hat, gefällt es mir besonders, an meinem Lieblingsplatz zu sitzen und wahllos in dem Buch Seiten aufzuschlagen und die vielen Tipps und Informationen zu lesen. Manchmal kenne ich die zufällig aufgeschlagenen Seiten, oft gibt es allerdings auch Überraschungen mit Ideen, die Lust darauf machen, selbst auch mit dem Deutschland-Ticket einfach durchzustarten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.07.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

We Burn Daylight
0

„Eine fesselnde und berührende Liebesgeschichte, die im Schatten der realen Tragödie von Waco spielt, wo 1993 die blutige Stürmung des Anwesens der Sekte Branch Davidians durch das FBI stattfand.“
An ...

„Eine fesselnde und berührende Liebesgeschichte, die im Schatten der realen Tragödie von Waco spielt, wo 1993 die blutige Stürmung des Anwesens der Sekte Branch Davidians durch das FBI stattfand.“
An die Tragödie, die sich in den Neunzigerjahren in Texas ereignete, erinnere ich mich noch gut. Darum war ich neugierig auf den Roman von Bret Anthony Johnston und auf seine Sicht der Dinge. Er beschreibt den Alltag in einer Sekte sehr genau. Wie es einem religiösen Fanatiker gelingen kann, Menschen nicht nur dazu zu bringen, ihm zu folgen und sie glauben zu lassen, dass schlimme Dinge, die geschehen, der Wille und die Strafe Gottes sind, sich dabei selbst aber immer in einem guten Licht dastehen zu lassen, das ist dem Autor richtig gut gelungen.
Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei fiktive junge Menschen, die die Geschichte im Wechsel erzählen und dadurch persönlich werden lassen. Jaye lebt mit ihrer Mutter, einer Anhängerin des Sektenführers Lamb, auf dessen Ranch. Roy ist der Sohn des Sheriffs und freundet sich mit Jaye an.
Eine weitere Perspektive gibt es 30 Jahre später in der Gegenwart. Bei einem Podcast werden die Ereignisse von verschiedenen Beteiligten betrachtet und bringen mit der regelmäßigen Einstreuung Abwechslung.
Insgesamt ist die Geschichte interessant und spannend, war für mich allerdings über weite Strecken besonders in der ersten Hälfte zu langatmig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2025

Aus dem Leben gegriffen

Sputnik
0

Am 4. Oktober 1957 wurde der erste künstliche Satellit "Sputnik 1" in die Erdumlaufbahn geschickt. Am selben Tag kam in Westberlin ein Junge zur Welt, scheinbar vertauscht und zurückgetauscht: ...

Am 4. Oktober 1957 wurde der erste künstliche Satellit "Sputnik 1" in die Erdumlaufbahn geschickt. Am selben Tag kam in Westberlin ein Junge zur Welt, scheinbar vertauscht und zurückgetauscht: Sputnik.
Christian Berkel sieht Sputnik wie seinen eigenen Begleiter und erzählt aus seinem Leben bereits vor der Geburt, über die Zeit als Kind und das Erwachsenwerden im Blick auf Berufsausbildung und erste Erfahrungen in Sachen Liebe.
Auch wenn mich Berkels Roman nicht ganz so gepackt hat wie sein erster, so gefallen mir seine Redegewandtheit und sein ganz eigener Schreibstil auch hier.
Die genaue Beschreibung der Geburt mit vielen erdachten Einzelheiten zu Beginn des Romans - oder war es am Ende? - klingen durchaus glaubhaft und nachvollziehbar, und ich habe sie gern gelesen. Der unbedingte Wille, ein guter Schauspieler zu werden, dafür schon in jungen Jahren längere Zeit im Ausland zu leben und vieles zu er-leben, finde ich beeindruckend. Seine Offenheit, gerade auch im Umgang mit Rauschmitteln, ist bewundernswert, wenn auch für mich kaum greifbar.
Rückblickend kann ich nicht mal sagen, warum das Buch mich nicht so richtig gepackt hat. Vielleicht ist es meine fehlende Nähe zum Schauspielerdasein, das sich doch deutlich vom "richtigen Leben" unterscheidet - wobei ich nicht darüber diskutieren möchte, ob nicht das Schauspielerleben das "richtige" sein könnte. Jedenfalls brauche ich eine Menge Fantasie, um mich in das Leben eines (werdenden) Schauspielers hineinversetzen zu können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2025

Hin- und hergerissen

Die Frauen hinter der Tür
0

Das Thema „Häusliche Gewalt“ kenne ich aus Büchern, aber nicht aus meinem persönlichen Umfeld. Anders dagegen bin ich Menschen, die dem Alkohol verfallen sind oder waren, im Bekanntenkreis auf verschiedene ...

Das Thema „Häusliche Gewalt“ kenne ich aus Büchern, aber nicht aus meinem persönlichen Umfeld. Anders dagegen bin ich Menschen, die dem Alkohol verfallen sind oder waren, im Bekanntenkreis auf verschiedene Arten begegnet.

Mit diesem Buch lerne ich diese Themen durch einen für mich ganz neuen Schreibstil kennen. Jetzt kann ich auch den Hinweis „Meister des dialogischen Schreibens“ einordnen. Tatsächlich ist dieser Stil etwas gewöhnungsbedürftig und anfangs eine Herausforderung für mich. Aber auch interessant. Dazu kommt noch die wörtliche Rede ohne Satzzeichen, die ich zwar kenne, aber die dennoch herausfordernd ist.

Allerdings ist es auch für Paula eine besondere Herausforderung, mit ihrer schweren Vergangenheit und als trockene Alkoholikerin mit dem Leben klarzukommen.

Leichter hat es Paulas Tochter Nicola, die sich lange Zeit um Paula gekümmert hat wie eine Mutter um ihr Kind, allerdings auf keinen Fall. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich an ihrer Stelle damit klargekommen wäre und gehandelt hätte.

Lange weiß ich nicht, was ich von der Geschichte halten soll. Ich war wohl selten so hin- und hergerissen wie von der Geschichte von Paula und Nicola. Sie sind mir oft so fern und irgendwie nicht greifbar. Doch dann folgt wieder ein kurzer Wortwechsel, mit geballter Kraft, die mich staunen lässt darüber, wie es Roddy Doyle gelingt, sich in Paula und Nicola hineinzuversetzen und ihre Gefühle in Worte zu fassen. Dadurch fühlt sich die Geschichte echt an.

Das Buch ist für mich keines, das ich schnell lesen konnte, und ich habe mir bewusst viel Zeit damit gelassen. Sicher wird der Inhalt noch lange nachwirken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2025

Zerrissenes Band

Die Summe unserer Teile
0

Drei Frauen aus drei Generationen stehen in „Die Summe unserer Teile“ im Mittelpunkt einer Geschichte, in der wenig Liebe spürbar ist. „Ein feinfühliger Roman über die komplizierte Liebe zwischen Müttern ...

Drei Frauen aus drei Generationen stehen in „Die Summe unserer Teile“ im Mittelpunkt einer Geschichte, in der wenig Liebe spürbar ist. „Ein feinfühliger Roman über die komplizierte Liebe zwischen Müttern und Töchtern und die Flucht in die Welt.“, wie es in der Buchbeschreibung steht.

Kompliziert, das Wort passt sehr gut. Häufig scheint es, als gebe es gar keine Liebe zwischen Lucy und ihrer Mutter Daria und ebenso zwischen Daria und deren Mutter Lyudmilla. Und viele Fragen habe ich. Merkwürdig ist zum Beispiel, dass Lucy als Studierende ganz selbstverständlich vom Geld ihrer Mutter lebt, obwohl sie den Kontakt zu ihr abgebrochen hat.

Was die Frauen gemeinsam haben: Alle drei sind Wissenschaftlerinnen, wenn auch auf unterschiedlichen Gebieten. Selbstständig und stark kommen sie mir vor – zumindest am Anfang des Romans.

Die Autorin Paola Lopez lässt ganz langsam einiges klarer werden, aber vieles bleibt verborgen. Mir gefällt der ständige Wechsel zwischen Zeit und Ort recht gut. Auch den Schreibstil mag ich, es gibt wunderbare Umschreibungen und Zitate, und Lucys Idee, ihr Leben als Spiel darzustellen, finde ich ganz originell. Trotzdem dauert es, bis ich wirklich in der Geschichte ankomme. Es gibt so viele Fragen, so viel Unausgesprochenes, so viele Geheimnisse zwischen den Müttern und ihren Töchtern.

Am Ende angekommen, bin ich zufrieden, auch wenn „Die Summe unserer Teile“ für mich noch nicht wirklich die Endsumme, sondern eher eine „Zwischensumme“ ist. Aber ich habe aus der Geschichte gelernt. Nach dem, was erst nach und nach klarer und deutlicher wurde, merke ich, dass es nicht gut ist, jemanden zu verurteilen für das, was er denkt und tut. Wichtig ist, auch über die Hintergründe etwas zu wissen. Das hat die Autorin für mein Empfinden richtig gut gemacht, denn dadurch hat sich mein Verständnis deutlich verändert. Natürlich ist nicht alles entschuldbar, aber die Sichtweise ist eine andere geworden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere