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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2025

Besser als jeder Geschichtsunterricht

Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden
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Das Hörbuch „Die Porzellanmanufaktur“ bietet ein großartiges Bild der frühen Nachkriegsjahre. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Familie Thalmeyer, genauer gesagt, die beiden Schwestern Marie und ...

Das Hörbuch „Die Porzellanmanufaktur“ bietet ein großartiges Bild der frühen Nachkriegsjahre. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Familie Thalmeyer, genauer gesagt, die beiden Schwestern Marie und Sophie. Im Jahr 1947 muss Marie in die Fußstapfen des verstorbenen Vaters treten und als junge Frau die Leitung der Firma übernehmen. Dabei hat sie zu kämpfen mit dem Mangel der Nachkriegsjahre und der Konkurrenz. Ihre Schwester dagegen ist die wildere, die endlich wieder leben will nach den Jahren des Schreckens und des Mangels. Der Bruder Joachim sitzt noch in russischer Gefangenschaft und hat kaum Hoffnung auf die Rückkehr nach Hause.
Eine Vielzahl unterschiedlichster Figuren kreuzt das Schicksal der Thalmeyer-Schwestern: Liebhaber, Konkurrenten, Altnazis und Besatzungssoldaten. Hinzu kommt die Bewohnerschaft des kleinen Örtchens, in der die Manufaktur angesiedelt ist, der nichts verborgen bleibt. Daraus entspinnt sich ein üppiger Handlungsreigen auf verschiedenen zeitlichen und räumlichen Ebenen, den jede Figur hat nicht nur ein gegenwärtiges Schicksal zu bewältigen, sondern auch eine bewegte Vergangenheit in Nazi-Deutschland bzw. den besetzten Gebieten. Das ist dann auch das einzig Schwierige an diesem mit angenehmer Stimme gelesenen Hörbuch, bei all den Figuren und Handlungsebenen sowie Schauplätzen nicht den Faden zu verlieren.
Mit großer historischer Kenntnis zeichnet der Autor ein lebendiges, vielschichtiges, detailreiches und anschauliches Bild dieser ereignisreichen Zeit und ersetzt somit eine Vielzahl trockenen Geschichtsunterrichts. Wer die Thalmeyer-Saga liest, lernt und versteht viel von jüngerer deutscher Geschichte und wie wir wurden, was wir sind.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ein süßer Bilderbuchtraum

Der kleine Bubu. Mittagsschlaf ganz schnell und fix? Der Bubu, der kennt alle Tricks!
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Wer glaubt, dass Schäfchen beim Einschlafen helfen, kennt die Bubus noch nicht, zottige, tapsige Figuren, die die Aufgabe haben, die Menschen zum Mittagsschläfchen zu animieren. Gut hat es der große Bubu, ...

Wer glaubt, dass Schäfchen beim Einschlafen helfen, kennt die Bubus noch nicht, zottige, tapsige Figuren, die die Aufgabe haben, die Menschen zum Mittagsschläfchen zu animieren. Gut hat es der große Bubu, ist er doch für die Erwachsenen zuständig, die froh sind, wenn sie mittags ihr Nickerchen machen können. Der kleine Bubu dagegen hat es schwer, denn die lieben Kleinen haben alles andere im Sinn als einen Mittagsschlaf. Da muss er schon so einige Tricks anwenden, um die Kinder zum Schlafen zu bewegen.
In zauberhaften Reimen erzählt das wunderschöne Kinderbuch von den beiden Bubus. Auf jeder Seite finden sich dazu liebevolle Zeichnungen, die so viel zum Entdecken bieten, dass man sich gar nicht satt sehen kann. Ob das beim Einschlafen hilft, wage ich zu bezweifeln, denn wer möchte dieses Lesevergnügen schon verschlafen?

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Eine herrliche Busfahrt in beschwingten Reimen und mit kunterbunten Bildern

Der OktoBus auf großer Fahrt
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Der Oktopus Otto geht mit seinem Oktobus auf große Fahrt und sammelt unterwegs eine Menge Fahrgäste ein, mit denen er sich auf die Fahrt macht auf zum „großen Etwas“. Genauso fröhlich wie die bunt zusammengewürfelte ...

Der Oktopus Otto geht mit seinem Oktobus auf große Fahrt und sammelt unterwegs eine Menge Fahrgäste ein, mit denen er sich auf die Fahrt macht auf zum „großen Etwas“. Genauso fröhlich wie die bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft sind die Reime, die in zweier Versen die Fahrt und die Mitreisenden beschreibt. Ganz heiter und beschwingt mit viel Humor und Sprachwitz nehmen sie die großen und die kleinen Leser voller Begeisterung mit auf die Reise. Auf jeder einzelnen Seite gibt es dabei jede Menge zu entdecken auf den Bildern, die so liebevoll mit wunderschön gedeckten Farben gemalt sind.
„Der Oktobus auf großer Fahrt“ ist ein Buch, das man problemlos immer wieder lesen und vorlesen kann, ohne dass es langweilig würde, da es neben der Sprache, an der man sich zweifelsohne sehr erfreuen kann, so viel zu sehen gibt auf den wunderschönen Illustrationen. Ein wirklich ganz zauberhaft beglückendes Buch für jeden Bücherschrank, aber besser noch für den üppigen Gebrauch.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Wunderbare Wiederauflage eines Märchenklassikers

Die Schneekönigin
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Das Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen begeistert seit jeher mit seiner poetisch schönen und abenteuerlichen Geschichte von der Schneekönigin, die den kleinen Arne mit sich nimmt. ...

Das Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen begeistert seit jeher mit seiner poetisch schönen und abenteuerlichen Geschichte von der Schneekönigin, die den kleinen Arne mit sich nimmt. Nur seine Freundin Janna kann ihn von dem bösen Zauber erlösen. Und so macht sie sich auf den langen und gefährlichen Weg zum Palast der Schneekönigin in ewigem Eis und Schnee.
Die Neuerzählung von Bette Westerea bettet die Geschichte in eine schöne Rahmenerzählung von zwei Kindern auf einem Bauernhof, die nach dem ersten Schneefall Päckchen öffnen dürfen mit je einem Gegenstand und einer dazu passenden Geschichte, den einzelnen Abschnitten des Märchens. In die Erzählung eingebunden sind einfache Kinderreime, die eine fröhliche Stimmung erzeugen und den Erzähltext auflockern. Insgesamt erzählt sie die Geschichte kindgerecht und zugleich in einem angenehm weichen, leicht poetischen Ton.
Begleitet wird der Text von zauberhaften, zarten Zeichnungen der Illustratorin Aida de Jong, die der Geschichte auch viel Geborgenheit und Schönheit geben. Sie laden zum Verweilen und genauen Betrachten ein mit ihren vielen liebe- und stimmungsvollen Details. Farblich angepasst sind sie zum einen der jeweiligen vom bunten, fröhlichen Frühjahr hin in die eisige Finsternis einer Winternacht. Ansonsten spiegeln sich in ihnen zum Teil die nordischen Farben und Muster, aber auch moderne Gestaltungsprinzipien, sodass sich die Kinder gut mit den Figuren identifizieren können.
Insgesamt ein kostbarer Bücherschatz für jedes Bücherregal!

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Packend auch ohne brutales Blutvergießen, Psychopathen und Thrill

Die Kriminalistinnen. Acht Schüsse im Schnee
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Die Beweislage ist klar: Mathias Berg zeigt auch im 2. Band der „Kriminalistinnen“, dass man für einen spannenden Krimi nicht unbedingt viel Blutvergießen oder perfide Täterprofile braucht. Auch der zweite ...

Die Beweislage ist klar: Mathias Berg zeigt auch im 2. Band der „Kriminalistinnen“, dass man für einen spannenden Krimi nicht unbedingt viel Blutvergießen oder perfide Täterprofile braucht. Auch der zweite Fall, bei dem es um die Frage geht, wer den Millionär Theo Ellerbeck mit sechs Schüssen vor seiner Haustür ermordet hat, zieht den Leser gleich in seinen Bann. Liegt das Motiv im Privaten, in der fragwürdigen Beziehungen zu seiner Ehefrau? Hat seine Stieftochter etwas damit zu tun? Oder ist Ellerbeck politisches Opfer des Kampfes gegen das kapitalistische Establishment geworden?
Was bei den „Kriminalistinnen“ im Vordergrund steht, sind die Figuren und ihr Beziehungsgeflecht sowie die zeitgeschichtlichen Hintergründe. Im Mittelpunkt steht wieder Lucia Specht, die neben ihrer Ausbildung bei der Polizei – diesmal im Sittendezernat – auch privat im Mordfall ihrer Mutter ermittelt. Mit ihren Mitstreiterinnen, die alle eins gemeinsam haben, den Wunsch Polizistin zu werden und sich in einer Männerwelt zu behaupten, und doch alle sehr unterschiedlich sind, schmiedet sie eine feste Allianz gegen die Vorurteile, die Ablehnung und die teilweise demütigende Behandlung durch Ehemänner, Kollegen und auch Vorgesetzte. Sehr gut spürbar ist der Zeitgeist der 70er Jahre: die angestaubte bigotte Moral der Männer, die ihre Frauen gerne als Heimchen am Herd sehen, aber sich zugleich nach der „Hure im Bett“ sehen, die zur Schau gestellte Gesellschaftsfähigkeit der besseren Gesellschaft, hinter deren schönem Schein sich Abgründe auftun. Und auf der anderen Seite die lockere Moral der Student:innen, die mit allem experimentieren, der Liebe, den Drogen, den Rollenvorstellungen, und zugleich gegen alles sind, sowie die Welt der Prostitution und des einfachen Malochers, wie Lucias Vater und Bruder, deren Leben außerhalb der Arbeit sich in der Kneipe nebenan abspielt.
Dabei gerät der Fall aber nie aus den Augen: in diesem Fall müssen alle Dezernate zusammenarbeiten, um den Tätern auf die Spur zukommen. Und von Spuren gibt es einige, vor allem falsche. Da ist neben Spurensicherung und kluger Verhörtaktik bisweilen auch weibliche Intuition gefragt.
Wer an Krimis mehr als die Faszination des Grauens schätzt und gerne in andere Zeiten und Lebensweisen abtaucht sowie spannende Figurenkonstellationen mag, kommt hier voll auf seine Kosten, von der Freunde am Miträtseln und Hypothesen Bilden einmal ganz abgesehen.

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