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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2026

Wohlfühlgeschichte

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Dieses Buch hat mich auf eine Weise berührt, die weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. „Statt aus dem Fenster zu sehen“ war für mich nicht einfach nur ein Roman, sondern etwas, das innerlich lange nachgewirkt ...

Dieses Buch hat mich auf eine Weise berührt, die weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. „Statt aus dem Fenster zu sehen“ war für mich nicht einfach nur ein Roman, sondern etwas, das innerlich lange nachgewirkt hat. In vielen Momenten hatte ich das Gefühl, mich selbst zwischen den Zeilen zu erkennen.

Im Mittelpunkt steht Sophie, die sich in einem Leben wiederfindet, das mehr von Erwartungen als von echter Überzeugung geprägt ist. Zwischen Uni, Leistungsdruck und einem Praktikum, das sie eher auszehrt als voranbringt, verliert sie zunehmend das Gespür dafür, was sie eigentlich selbst möchte. Während ihr Umfeld scheinbar längst ein Bild von ihrer Zukunft entworfen hat, bleibt in ihr vor allem Orientierungslosigkeit zurück. Aus genau diesem Gefühl heraus wagt sie einen radikalen Schritt und kauft sich ein altes, heruntergewirtschaftetes Haus in einer ländlichen Gegend Ostdeutschlands – nicht aus einem klaren Plan heraus, sondern eher aus dem Wunsch, dem bisherigen Trott zu entkommen.

Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte diesen Aufbruch nicht verklärt. Es geht nicht um einen hübsch inszenierten Neustart, sondern um Anstrengung, Überforderung, Chaos und Zweifel. Die Arbeit am Haus ist mühsam, die Einsamkeit spürbar, und vieles ist weit entfernt von jeder romantischen Vorstellung. Gerade dadurch wirkt alles so glaubwürdig. Inmitten dieser kargen, stillen Umgebung beginnt Sophie jedoch langsam, sich von fremden Vorstellungen zu lösen und sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, die sie lange vor sich hergeschoben hat.

Was mich besonders getroffen hat, war die Ehrlichkeit, mit der Sophies innere Zerrissenheit beschrieben wird. Dieses Gefühl, im eigenen Alltag nicht richtig anzukommen, in einem Lebensentwurf festzustecken, der nach außen sinnvoll wirkt, sich innen aber nicht stimmig anfühlt – das ist hier unglaublich feinfühlig und treffend eingefangen. Genau diese emotionale Wahrhaftigkeit macht das Buch für mich so außergewöhnlich.

Auch sprachlich hat mich der Roman sehr überzeugt. Der Stil ist zurückhaltend, präzise und zugleich voller Tiefe. Nichts wirkt überladen, nichts künstlich dramatisiert – und gerade deshalb entfalten viele Sätze eine enorme Wirkung. Man liest weiter, aber immer wieder gibt es Gedanken, bei denen man innerlich kurz innehält.

Für mich ist „Statt aus dem Fenster zu sehen“ ein Buch, das ich von Herzen weiterempfehlen würde – besonders Menschen, die sich schon einmal verloren, überfordert oder fehl am Platz gefühlt haben. Und genauso denen, die gerade versuchen herauszufinden, wie ein Leben aussehen kann, das sich wirklich nach dem eigenen anfühlt.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Das Glück wohnt im Alten Land

Der Himmel ist hier weiter als anderswo
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Nach dem Verlust ihres Mannes gerät Felicitas’ Leben aus den Fugen: Erst verliert sie ihren Job, dann muss sie auch noch wegen Eigenbedarf ihre Wohnung räumen. Mit vier Kindern im Schlepptau gestaltet ...

Nach dem Verlust ihres Mannes gerät Felicitas’ Leben aus den Fugen: Erst verliert sie ihren Job, dann muss sie auch noch wegen Eigenbedarf ihre Wohnung räumen. Mit vier Kindern im Schlepptau gestaltet sich die Suche nach einem neuen Zuhause schwierig. In ihrer Not wagt sie einen großen Schritt und kauft einen alten Gasthof im Alten Land – ohne zu ahnen, wie groß die Renovierungsbaustellen tatsächlich sind. Während sie mit den finanziellen Hürden und der ungewohnten Arbeit kämpft, versuchen auch ihre Kinder, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen.

Die Geschichte erzählt einfühlsam vom Neuanfang nach einem schweren Schicksalsschlag. Besonders die Kinder sind liebevoll und lebendig gezeichnet und bringen Wärme in den Roman. Felicitas selbst bleibt nicht immer berechenbar – ihre spontanen Entscheidungen machen sie aber zu einer glaubwürdigen, menschlichen Figur. Rund um den Gasthof gibt es viele Ereignisse und Rückschläge, die das Vorhaben immer wieder ins Wanken bringen, aber auch für Dynamik sorgen.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht, die Beschreibungen der Landschaft schaffen eine stimmungsvolle Kulisse. Trotz der Leichtigkeit bleibt die Geschichte von ernsten Themen durchzogen: von Verlust, Durchhaltewillen und der Suche nach einem neuen Platz im Leben. Ein warmherziger, unterhaltsamer Roman, der Mut macht und Hoffnung schenkt.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Eine Geschichte wie eine warme Umarmung

Dieser Sommer wird anders
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Es gibt Geschichten, die schmecken nach Salz auf der Haut, nach warmem Sommerwind und ein bisschen nach verbotenem Glück – genau so fühlt sich dieser Roman an.

Lucy und Bridget lernen sich zufällig in ...

Es gibt Geschichten, die schmecken nach Salz auf der Haut, nach warmem Sommerwind und ein bisschen nach verbotenem Glück – genau so fühlt sich dieser Roman an.

Lucy und Bridget lernen sich zufällig in Toronto kennen, und zwischen ihnen knistert es sofort – rein freundschaftlich natürlich. Aus Bridgets Vergangenheit wissen wir jedoch: Nähe ist für sie kostbar, aber auch zerbrechlich. Deshalb erfinden die beiden drei goldene Freundschaftsregeln. Blöd nur, dass Lucy schon vor der ersten gemeinsamen Reise gegen eine davon verstößt – ohne es zu merken.

Die Reise führt sie auf Bridgets zauberhafte Heimatinsel Prince Edward Island. Lucy ist einen Tag früher da, schlendert an den Strandbars entlang … und begegnet einem charmanten Austernschäler, der ihr Herz und mehr als nur ein paar Stunden stiehlt. Sein Name: Felix. Sein Verhältnis zu Bridget: Bruder. Sein Status laut Regel Nummer drei: absolut tabu.

Was als harmloser Sommerflirt beginnt, wird zu einer leisen, hartnäckigen Anziehungskraft, die sich über Jahre hinweg immer wieder in heimlichen Blicken, zufälligen Treffen und unausgesprochenen Gesten zeigt. Und dann – kurz vor Bridgets Hochzeit – verschwindet sie plötzlich auf ihre Insel. Lucy folgt sofort, ahnt aber, dass es diesmal um mehr geht als nur kalte Füße. Und noch mehr fürchtet sie, dass das jahrelange Geheimnis zwischen ihr und Felix ans Licht kommen könnte.

Carley Fortune hat ein Händchen dafür, Stimmungen wie Sonnenuntergänge festzuhalten – warm, strahlend, ein bisschen melancholisch. Ihre Beschreibungen von Küsten, Sommernächten und flüchtigen Momenten sind so lebendig, dass man fast glaubt, die salzige Luft zu riechen. Dabei verwebt sie Freundschaft, Leidenschaft und unerfüllte Sehnsucht zu einer Geschichte, bei der jede Begegnung elektrisiert.

Ich habe mich durch Rückblenden und Gegenwartskapitel treiben lassen, habe mitgerätselt, gefiebert, gehofft – und beim Zuklappen des Buches dieses bittersüße Gefühl gehabt, das man nur bei Geschichten hat, die einen tief berühren. Für mich ist das die Sorte Sommerroman, die man nicht einfach liest, sondern ein Stück weit erlebt.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Starker Zusammenhalt

Blue Sisters
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Drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, versuchen jede auf ihre Weise mit dem Verlust der vierten Schwester umzugehen. Ein Jahr nachdem Nicky ums Leben gekommen ist, kommen die vier ...

Drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, versuchen jede auf ihre Weise mit dem Verlust der vierten Schwester umzugehen. Ein Jahr nachdem Nicky ums Leben gekommen ist, kommen die vier ungleichen Schwestern Avery, Bonnie und Lucky in New York zusammen, da ihre Mutter vorhat, die Wohnung zu verkaufen, in der die Familie auf- und zusammengewachsen ist.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive jeder Schwester erzählt, wodurch es der Autorin gelingt, Nähe zu schaffen, Charaktere zu formen, Beziehungen zu erläutern und Lebenswege darzustellen. Ich hatte ständig das Gefühl, es mit authentischen Persönlichkeiten zu tun zu haben. Die drei waren so plastisch und greifbar, dass ich nicht anders konnte, als mit ihnen mitzufiebern.

Normalerweise bin ich kein sonderlicher Fan von übermäßigem Suchtverhalten, aber hier hat es mich nicht gestört, da es sich optimal in die Geschichte eingewoben und noch an der Schwelle von „zu viel“ gewesen ist.

Ich mochte den Zusammenhalt der Schwestern, die einerseits kaum unterschiedlicher sein könnten, jedoch in so vielen Punkten Schnittmengen haben.
Es war einfach schön zu sehen, dass die drei (bzw. vier, man merkt Nickys Präsenz durchgehend) so einen starken Zusammenhalt hatten.

Blue Sisters von Coco Mellors ist ehrlich, schonungslos, herzzerreißend und wunderschön zugleich. Ein sehr emotionales Buch, das sich mit Tiefgang in die Themen Familie, Zusammenhalt, Trauer und Schuld begibt.

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Lust auf mehr

Funny Story
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Daphne befindet sich in einer schwierigen Situation. Sie ist gestrandet in der charmanten Heimatstadt ihres Ex-Verlobten Peter in Michigan, ohne Freunde oder Familie. Peter hat gestanden, dass er seine ...

Daphne befindet sich in einer schwierigen Situation. Sie ist gestrandet in der charmanten Heimatstadt ihres Ex-Verlobten Peter in Michigan, ohne Freunde oder Familie. Peter hat gestanden, dass er seine Kindheitsfreundin Petra liebt. Obwohl Daphne ihren Traumjob als Kinder-Bibliothekarin gefunden hat, verdient sie kaum genug, um über die Runden zu kommen. Die Lösung? Eine Wohngemeinschaft mit dem einzigen Menschen, der ihre Situation nachempfinden kann: Petras Ex-Verlobter Miles. Doch Miles, ein chaotischer Typ, der Trost in herzzerreißenden Liebesliedern sucht, ist das genaue Gegenteil von Daphne, die sehr pragmatisch ist. Also versuchen sie, sich aus dem Weg zu gehen, bis sie eines Abends gemeinsam ihre Sorgen ertränken und einen Plan schmieden, der das Posten einiger missverständlicher Fotos ihrer gemeinsamen Sommerabenteuer beinhaltet. Natürlich ist alles nur eine Show. Denn wer würde schon einen Neuanfang mit jemandem wagen, dessen Herz genauso gebrochen ist wie das eigene?

Die Geschichte war wie immer eine warme und herzliche Umarmung, die einfach nur gut getan hat. Ich mochte die Charaktere, die einfach alle mitten im Leben stehen und echt und ungeschönt mit demselben hadern wie jeder normale Mensch. Ich mag die Echtheit, die Authentizität, die Nahbarkeit und Sympathie, die die Charaktere allesamt ausstrahlen. Ich mag, dass sie alle so nachvollziehbar sind und in sich einfach schlüssig sind. Das Zusammenspiel von Daphne und Miles hat sich so toll angefühlt, ich wünschte, ich hät in ihrer WG gelebt und die Tage an ihren Seiten verbracht.

Der Schreibstil ist wie immer flüssig, locker, leicht und macht durch den eingewebten Humor einfach unfassbar Spaß. Besonders gefallen hat mir, dass diesmal auch ein paar schwere Themen wie die Verarbeitung von Traumata und die Zerrüttung von Familie eingewebt wurden. Sie wurden zwar nur oberflächlich behandelt, aber mehr hätte ich auch gar nicht gebraucht, um die Leichtigkeit nicht zu verlieren.

Ein klassisches Buch von Emily Henry, das einfach Lust auf mehr macht und aus dem man gar nicht mehr raus will.

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