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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

Ein Serienmörder, der das Kopfkino zu Hochform auflaufen lässt

Schwüre, die wir brechen
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Ich mag skandinavische Krimis, gerade auch weil sie eine düstere, fast schon hoffnungslose Stimmung herauf beschwören. Das ist auch hier der Fall, wenn auch in meinen Augen etwas weniger ausgeprägt.
Der ...

Ich mag skandinavische Krimis, gerade auch weil sie eine düstere, fast schon hoffnungslose Stimmung herauf beschwören. Das ist auch hier der Fall, wenn auch in meinen Augen etwas weniger ausgeprägt.
Der Prolog hat mich etwas verwirrt, da ich langen keinen Bezug zum aktuellen Geschehen herstellen konnte. Weitere Einschübe , die Geschehnisse in der Vergangenheit schildern, waren in ihrer Trostlosigkeit beängstigend. Erst ganz am Ende wurde mir wirklich bewusst, wie brillant der Aufbau des Thrillers ist.
Die Morde selbst sind verstörend und die Schilderung der Leichen haben Bilder in meinem Kopf entstehen lassen, die ich so schnell nicht los wurde. Jon North und seine junge Kollegin Svea Karhuu stehen vor einem Rätsel. Was ist das Motiv ? Gibt es einen gemeinsamen Nenner bei den Opfern und was soll die bizarre Inszenierung ? Beide Ermittler sorgen mit ihren privaten Problemen, die im Grunde eigenständige Kriminalfälle sind, für zusätzliche Spannung. Ich habe sie im Gegensatz zu anderen Krimis nicht als störend empfunden, sondern als Boni.
Als ein junges Mädchen entführt wird und alles darauf hindeutet, dass sie ein weiteres Opfer des Serienkillers ist, wird die Ermittlungssituation zum Hexenkessel. Das wiederum führt dazu, dass es überraschende Wendungen und einen lebensgefährlichen Showdown gibt .
Die Lösung des Falles hat mich völlig überzeugt und ich war entsetzt über die Gefühlskälte und Arroganz des Täters. Ich fand den Krimi sehr unterhaltsam, sogar an manchen Stellen trotz der Grausamkeit der Taten auch humorvoll . Dennoch gibt das Ende eher Anlass zur Hoffnungslosigkeit, denn Zufriedenheit. Für mich ein absolut lesenswerter Krimi.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Unversöhnliche Rache

Schachmatt, gleich bist du tot
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Der Ermittler Aidan Carter und Jessica sind mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, als eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt wird, die Aidan und alle die ihm nahe stehen mit dem Tode bedroht.

Aidan ...

Der Ermittler Aidan Carter und Jessica sind mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, als eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt wird, die Aidan und alle die ihm nahe stehen mit dem Tode bedroht.

Aidan erhält einen Brief, der ihn auffordert , nach seinem Nachbar zu sehen. Leicht alarmiert und irritiert kommt er der Aufforderung nach und findet seinen Nachbarn ermordet vor. Zufall oder persönliche Botschaft an ihn ? Nach einem weiteren Mord ist die Antwort auf die Frage klar. Jemand will Aidans Leben zerstören und ist bereit dafür alle zu töten, die eine Rolle in Aidans Leben spielen. Sofort fällt der Verdacht auf einen der unzähligen von Aidan festgenommenen Verbrecher. Zudem scheinen die Taten religiös motiviert zu sein. Die Anspannung und Dringlichkeit, den Mörder zu finden , steigt , als Aidan und seine Kollegen feststellen müssen, dass der Gesuchte die Nähe zu Jessica und Aidans Schwester gesucht hat. Besser die Hochzeit absagen ? Das würde alle weiter beunruhigen und so findet die Feier unter starkem Polizeischutz statt. Doch der Mörder ist bereits unter ihnen.

Ich mag die Krimis der Autorin sehr. Sie sind immer fesselnd mit sehr hohem Spannungsfaktor und definitiv nicht weich gespült. Ich finde das Maß der geschilderten Gewalt der jeweiligen Situation immer angemessen. Mir gefällt besonders die Darstellung der Polizeiermittlung und wie das Team zusammenarbeitet, um den Fall zu lösen. Wie im wirklichen Leben gibt es falsche Spuren und manchmal hilft der Zufall. Die Motive für die Taten waren in meinen Augen einleuchtend und hätten durchaus die Möglichkeit gelassen, den Täter ein gewisses Verständnis entgegen zu bringen. Die Chance hat er durch seine brutale Handlungsweise in meinen Augen vertan. Nichts rechtfertigt , wie er sich zum Richter und Henker gleichermaßen aufgeschwungen hat. Für mich war der Krimi packend bis zur letzten Seite. Geschickt gelingt es der Autorin das Finale hinauszuzögern und mich dabei in Atem zu halten. Gut fand ich auch, das er verschiedene Emotionen bei mir geweckt hat.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Ein modernes Märchen aus tausendundeiner Nacht mit realen historischen Fakten

Der Duft der fernen Insel
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Die Autorin lässt mich eintauchen in eine fremde , exotische Welt, die zum Träumen einlädt und die mich immer wieder mit erschreckenden und zum Teil brutalen Wahrheiten in die Realität zurückholt.

Eve, ...

Die Autorin lässt mich eintauchen in eine fremde , exotische Welt, die zum Träumen einlädt und die mich immer wieder mit erschreckenden und zum Teil brutalen Wahrheiten in die Realität zurückholt.

Eve, 25 Jahre alt, Waise und Lehrerin an einer Blindenschule in England, bekommt das Angebot ihres Lebens. Sie soll die blinde Tochter des Sultans von Sansibar unterrichten. Gemeinsam stürzen wir uns in das Abenteuer. Wir treffen auf eine fremde Kultur, mit anderen gesellschaftlichen Regeln, dominiert vom Islam. Da Eve kein arabisch spricht, wird die junge Fanny, Tochter von Sklaven, ihre Dolmetscherin und beide übersiedeln in den Sultanspalast. Hier herrscht eine strenge Geschlechtertrennung. Die Schilderungen des Harems und des Lebens dort waren interessant und haben so gar nichts gemein mit unseren modernen Vorstellungen von Gleichberechtigung. Die Autorin schildert die kleinen und großen Tragödien und Eifersüchteleien unter den Frauen - mal zum Lachen, mal zum Weinen.

Eves Schülerin Nunu ist ein verwöhntes Kind, das keine Grenzen kennt und mit seiner Blindheit hadert. Langsam erlangt Eve Nunus Vertrauen und entdeckt deren Begabung zur Parfümherstellung.. War der Roman bis hierhin schon unterhaltsam und exotisch, wird es abenteuerlich und sehr emotional, als der Sultan, Nunus Vater, stirbt und damit eine dramatische Wendung für ihrer aller Leben bringt. Voodoo, fanatische Missionare und Männer , die Frauen schamlos ausnutzen sind Bestandteile des weiteren Geschehens

So märchenhaft das Buch in einigen Teilen ist, so ist es dennoch immer mit historischen Wahrheiten unterfüttert. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen und wieder mal einige Lücken in meinen Geschichtskenntnissen geschlossen. Spannend fand ich die Entwicklung, die Nunu erfährt. Zu Beginn ist sie die verwöhnte Prinzessin, die ich nicht besonders leiden konnte. Das blieb auch eine ganze Weile so, bis das Schicksal erbarmungslos zuschlägt und sie eine Wandlung erfährt, die mich für sie einnimmt. Der Roman bietet in meinen Augen Unterhaltung vom feinsten und war für mich ein echter Pageturner.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Wieder ein überzeugender Fall für Anna, Vico, Marco und Flavia

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 7: Das goldene Öl
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Nach einem Besuch bei ihrer Mutter in Hamburg ist Anna froh, zurück in Fontenaia zu sein. Auf den ersten Blick scheint das Dorf in sommerliche Ruhe zu versinken, bis eine Lagerhalle in Flammen aufgeht. ...

Nach einem Besuch bei ihrer Mutter in Hamburg ist Anna froh, zurück in Fontenaia zu sein. Auf den ersten Blick scheint das Dorf in sommerliche Ruhe zu versinken, bis eine Lagerhalle in Flammen aufgeht. Ausgerechnet dort sollte die jährliche Olivenölprämierung stattfinden, für die Olivenbauern das wichtigste Ereignis des Jahres. Unfall oder Brandstiftung ? Commissario Vico Martinelli und seine Kollegen sind zwar vor Ort, aber die Halle fällt in die Zuständigkeit des Nachbarortes. Vico und sein Team sind raus ! Wenn da nicht ein Artikel in der Zeitung wäre, die Vico Untätigkeit und Bestechlichkeit vorwirft. Was nun, denn es geht jetzt um Vicos Ehre und ein wenig auch um die von Fontenaia. Nur gut, dass Anna gleichzeitig Teil von Vicos Team und freie Journalistin bei der ansässigen Zeitung ist . Schnell gerät die Oliven- Kooperative in ein schlechtes Licht. Doch wo ist das Motiv ? Der Brand der Halle schadet ihnen mehr als allen andren. Als dann noch ein Mord geschieht, scheint jeder verdächtig. Die Auflösung war erneut stimmig und ich habe dem Täter von Herzen eine lange Haftstrafe gegönnt.

Mittlerweile ist ein Krimi aus der Reihe auch für mich eine Art von Nachhause kommen. Ich kenne die Personen und ihre Eigenheiten und mag jeden von ihnen, den einen mehr, den anderen weniger. Besonders der kleine, etwas altkluge Tameo ist mir ans Herz gewachsen. Um so größer war meine Freude, als er einen wichtigen Auftritt hat. Besonders gut gefallen hat mir, wie Vico , seine Mitarbeiter Marco und Flavia und nicht zu vergessen Anna, immer mehr zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen wachsen, Jeder Band der Reihe ist lesenswert und in sich abgeschlossen. Aber ich bin mir sicher, wer einmal in Fontenaia war, will mehr davon.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Keine Gnade

Asa
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Mich hat das Cover angesprochen - das kalte Blau, der Wald auf der Wange der Frau, der wie eine Narbe wirkt und die Frau selbst, die zu allem entschlossen scheint. Ich hätte gewarnt sein sollen. Und spätestens ...

Mich hat das Cover angesprochen - das kalte Blau, der Wald auf der Wange der Frau, der wie eine Narbe wirkt und die Frau selbst, die zu allem entschlossen scheint. Ich hätte gewarnt sein sollen. Und spätestens nach dem Prolog war offensichtlich, das wird kein Wohlfühlkrimi. Dennoch haben mich die Vielzahl der Morde, die Erbarmungslosigkeit und die Gefühlskälte der Akteure überrascht. Zudem liegt über der ganzen Handlung in meinen Augen eine drückende Traurigkeit.
Erzählt wird Asas Geschichte und ihrer Familie, jedoch nicht von ihr , sondern von einem zu Beginn unbekanntem Erzähler. Asa hat eine glückliche Kindheit. Sie vergöttert ihren Vater, der ihr alles beibringt, was man zum Überleben in einer feindlichen Umwelt braucht. Asas Kindheit endet jäh mit der Prüfung, die alle Jugendliche aus der Gemeinschaft durchlaufen müssen. Asa ist da 14 und bald darauf wird ihr Vater bei einem gemeinsamen Ausflug erschossen. Asa entkommt knapp und der Alptraum beginnt. Dies und die Geschichte ihrer Familie wird in Rückblenden erzählt. Dabei werden die Schicksale wichtiger Akteure geschildert. Manches davon dient den Lebenden als Rechtfertigung für ihr Tun. Für mich bedeutete jede neue Information mehr Schrecken und Unverständnis. Für Asa reichen die Gründe nicht. Das macht sie zur Verräterin an der Gemeinschaft. Doch etwas hat sie gelernt, wenn du überleben willst, musst du von der Beute zum Jäger werden. Und Asa wird zur Jägerin. Sie will die Kette von Lüge , Verrat und sinnlosen Toden durchbrechen.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen, denn es war in meinen Augen versöhnlich und voller Frieden. Das hatte ich absolut nicht erwartet.
Das Buch hat mich emotional gefordert. Das Ausmaß an Verrat und Gnadenlosigkeit war überwältigend. Die Rechtfertigung für dieses Verhalten fand ich empörend und heuchlerisch. Obwohl Asa selbst zur Mörderin wird, mochte ich sie, denn sie mordet in meinen Augen aus den richtigen Gründen. Ich empfinde ihr Schicksal als ungerecht und ihre Entschlossenheit richtig und konsequent. Der Erzählstil passte für mich perfekt zum Geschehen. Die Sprache war sachlich und emotionslos und ein perfektes Gegengewicht zur aufwühlenden Geschichte.

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