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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2025

Anspruchsvoll und zum Nachdenken!

Bin das noch ich
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In vier Teilen geht es über mehr als 45 Tage um den ca. 50-jährigen Violin-Virtuosen Simon Abrameit, Musiker ohne Festanstellung, der derzeit seine Sachen in einer Halle in einem Gewerbegebiet in Kisten ...

In vier Teilen geht es über mehr als 45 Tage um den ca. 50-jährigen Violin-Virtuosen Simon Abrameit, Musiker ohne Festanstellung, der derzeit seine Sachen in einer Halle in einem Gewerbegebiet in Kisten untergebracht hat. Die anfängliche Szenerie spielt in einer Kapelle außerhalb von Helsinki mit einem teils missglückten Auftritt Abrameits. Er verspielt sich bei einer Bartók-Sonate aufgrund zweier sperriger Finger seiner linken Hand. Verdacht auf fokale Dystonie. Seine Identitätskrise ohne Aufklärung folgt. Eigentlich findet er keine Antworten auf Fragen wie:
• Was bringt mein Gehirn dazu, dasjenige abzustoßen, das der gesamte Inhalt meines Lebens ist?
• Was bleibt, wenn ich nicht mehr aktiv musizieren kann“
• Was werde ich noch alles verlieren?
• Wie soll ich es anstellen, mein Leben komplett neu einzurichten.
In einer einsamen Hütte auf einer Schäreninsel nahe der Insel Gogland, einer russischen Insel in der Ostsee, frönt er der Vogelbeobachtung, verliert sich in philosophisch angehauchte Gedankengänge über weltberühmte Komponisten und Musiker mit ähnlichem Problem, resümiert teilweise langatmig über musikalische Konstellationen in Werken besonders von Bartók. Um über sich selbst Klarheit zu obigen Fragen zu gewinnen, schreibt er Briefe an Darja, einer berühmten Violinistin aus der Ukraine. Historische Ereignisse wie der Ukraine-Krieg und die Pandemie werden angerissen.
Der poetische Schreibstil gefällt. Ein Roman besonders geeignet für Musikliebhaber klassischer Musik und Hobbyornithologen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.08.2025

Originelles Setting, enttäuschender Schreibstil.

Schlaglicht
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Der 12. jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Frauen U19, 14. – 15. Juli 2020. Die ungewöhnliche Szenerie rund um Bobs schäbigem, abgehalftertem Boxpalast in Reno, Nevada, mit acht boxenden Mädchen zwischen ...

Der 12. jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Frauen U19, 14. – 15. Juli 2020. Die ungewöhnliche Szenerie rund um Bobs schäbigem, abgehalftertem Boxpalast in Reno, Nevada, mit acht boxenden Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren ist zunächst interessant. Der deutsche Buchtitel „Schlaglicht“ ist treffender gewählt als der englische Originaltitel „Headshot“, wirft dieser Roman doch sowohl Licht auf Kampfszenen und diverse Techniken, als auch Licht auf seelische Prädispositionen der beteiligten Charakteren. Während zahlreicher Boxrunden vermitteln innere Monologe oder Ticks der Sportlerinnen mehr über deren Ängste, Lebensziele und Traumata. Gesellschaftskritische Themen werden angerissen: z.B. Artemis Victor vs. Andi Taylor „sind gesetzlich gesehen beide noch Kinder. In fast allen der fünfzig Staaten dürfen sie weder ins Militär, noch Alkohol trinken, noch ohne die Zustimmung eines Vormunds eine Abtreibung vornehmen. Und doch befiehlt dieser Sport, diese Simulation des Tötens, dass Andi und Artemis sich nicht als Kinder verstehen, sondern als junge Menschen, die die Macht darüber haben, ihr Schicksal und ihre Siege selbst zu bestimmen.“ Auch Sexismus im Sport wird aufgegriffen: z.B. nur wenige Zuschauer, nur männliche Trainer und Judges. Der bildhafte Schreibstil als Stilmittel gefällt, aber durch zu häufige Wiederholungen von „denkt Rachel“ oder „wie … aussieht“, Bratwurstbeine, Kalbsfleischbeine und Ähnlichem verliert der Inhalt an Dynamik. Dass das typische exaltierte, teenagerhafte Verhalten, so ganz ohne Verliebtheit um Jungen, ohne offene Anfeindungen untereinander auskommt, wirkt etwas unrealistisch.

Insgesamt interessante Charakterisierungen in amerikanischem Boxkampfambiente, jedoch behaftet mit Schreibstilmängeln.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein sommerlicher Road-Trip bis nach Sizilien

Tage wie Salzwasser
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Das sommerliche Cover lädt ein zu einer besonderen Reise für zwei junge, sehr gegensätzliche Frauen. Atlanta, Versicherungsmathematikerin, von Malte ungewollt schwanger, und Enzo, Betreiberin einer Fahrrad-Reparatur-Werkstatt, ...

Das sommerliche Cover lädt ein zu einer besonderen Reise für zwei junge, sehr gegensätzliche Frauen. Atlanta, Versicherungsmathematikerin, von Malte ungewollt schwanger, und Enzo, Betreiberin einer Fahrrad-Reparatur-Werkstatt, stoßen unglücklich aufeinander, jedoch treibt es beide aus unterschiedlichen Gründen nach Noto an der sizilianischen Ostküste. Entlang von vier Adressen aus Maltes Notizbuch gleitet der rote Faden mit einigen abwechslungsreichen Abenteuern über Freiburg, Marseille, Barcelona schließlich nach Noto auf Sizilien. Trauerbewältigung, Rückbesinnungen und die Festigung dieser Freundschaft beider Frauen werden einfühlsam beschrieben. Das ein oder andere Abenteuer mag vielleicht etwas überzogen bis unrealistisch erscheinen, hat aber dennoch Unterhaltungswert. Die Erzählstränge konzentrieren sich unregelmäßig abwechselnd auf jeweils eine der Hauptfiguren, jedoch der Epilog aus der Sicht des noch Ungeborenen bringt schließlich die kurzgefasste Auflösung rund um Maltes plötzlichen Tod.

Ein Sommerroman mit Dynamik und Unterhaltungswert.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Realsatire zum Schmunzeln!

Prima, fein gemacht!
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Schon das Cover verrät den Pudel, der in bereits bekannten Hundekolumnen und auch diesem Buch eine gewichtige Rolle spielt. Aber auch skurrile, teils tiefgründige Interviews mit ungewöhnlichen Gesprächspartnern ...

Schon das Cover verrät den Pudel, der in bereits bekannten Hundekolumnen und auch diesem Buch eine gewichtige Rolle spielt. Aber auch skurrile, teils tiefgründige Interviews mit ungewöhnlichen Gesprächspartnern wie einem Leuchtturm, einer Lebensmittelmotte, einer Schwarzkiefer, einem Fischbrötchen, einer Autobahnbrücke und Ähnlichem treten neben einer breit gefächerten Auswahl an Alltagsthemen wie Gute Unterhosen auf, teils gewürzt durch gemäßigte Gesellschaftskritik. Der Schreibstil unterhält und regt zum Schmunzeln und Kopfnicken an. Diese Sammlung ihrer Beiträge aus diversen Medien greift auch deutsche Begrifflichkeiten auf und zerpflückt sie kreativ.
Ein unterhaltsames Buch.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Der letzte Band einer erfolgreichen französischen Buchserie

Der letzte Malaussène
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Die Szenerie spielt größenteils in Paris rund um die große Familie der Malaussènes mit dem Familienoberhaupt und Ich-Erzähler Benjamin Malaussène, der zurückgezogen im südfranzösischen Vercors lebt. In ...

Die Szenerie spielt größenteils in Paris rund um die große Familie der Malaussènes mit dem Familienoberhaupt und Ich-Erzähler Benjamin Malaussène, der zurückgezogen im südfranzösischen Vercors lebt. In die lebendige bis wirre Handlung um die Entführung des korrupten Industriellen Lapietà, ehemaliger Abgeordneter, und dessen aSohns sind mehrere Gruppen beteiligt: eine Verbrecherbande mit Pépère als Gangsterboss, die Polizei , Personenschutz für einen Enthüllungsautor und Familienmitglieder der Malaussènes nebst Freunde. In diesem Beziehungsgeflecht kann man schnell verloren gehen, kennt der Leser vorige Folgen nicht. Auch wenn im Text zu den Beteiligten ein Link mit Kurzinfos unterlegt ist und ein Stammbaum von Maman die Verwandtschaftsverhältnisse klarstellt, fällt das Verständnis für ernste Themen wie Menschenhandel, Korruption, Wirtschaftskriminalität etc. doch schwer. Diese humorvoll verpackten Anspielungen auf Missstände besonders in der französischen Politik enthalten eine Gesellschaftskritik, die auf der Suche nach viel Wahrheit ist. Die Charaktere sind originell gezeichnet, verpackt in skurrilen Abenteuern in speziellem Erzählstil.
Eine dramatische Krimifarce mit teils absurden Wendungen.

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