✎ Ewald Arenz - Der große Sommer
Der große Sommer„Der große Sommer“ wäre für mich kein Buch gewesen, das ich in einer Buchhandlung spontan mitgenommen hätte und selbst nach dem Hinhören bleibt mir kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Ewald Arenz kann ...
„Der große Sommer“ wäre für mich kein Buch gewesen, das ich in einer Buchhandlung spontan mitgenommen hätte und selbst nach dem Hinhören bleibt mir kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Ewald Arenz kann schreiben, das lässt sich nicht bestreiten, aber sein Roman hebt sich kaum aus der Masse der Coming-of-Age-Geschichten heraus. Man begleitet Frieder durch seine Sommerferien, in denen er statt am Meer beim strengen Großvater büffeln muss und sich zwischen Nachprüfungen, ersten Verliebtheiten und dem Erwachsenwerden bewegt. Dennoch bleibt dieser Sommer für mich letztlich flach im Nachklang.
Die Sprache ist schlicht und gut zugänglich, die Erzählweise ruhig und nah am Alltag. Darin liegt durchaus eine Qualität. Die Figuren greifen sauber ineinander und stellenweise entsteht ein nostalgisches Gefühl für eine Jugend, die so heute kaum noch existiert.
Trotzdem hat mich das Buch nicht getragen. Motive wie Freundschaft, Nähe, Verlust, Zuneigung oder Anerkennung, die eigentlich nachhallen könnten, verlieren rasch an Gewicht. Alles bleibt sehr glatt, beinahe zu gefällig. Weder die Charaktere noch der Verlauf der Handlung überraschen oder fordern wirklich heraus.
Gleichzeitig gelingt es Arenz, familiäre Beziehungen und Freundschaften glaubwürdig zu zeichnen. In unscheinbaren Situationen blitzen Entwicklung und Reife auf, leise und unaufdringlich, ohne große dramatische Gesten.
Am Ende bleibt es für mich ein Roman, der handwerklich solide ist und durchaus berühren kann, dessen Wirkung jedoch schnell verblasst und keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
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